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Mechanismen und Wirkung antisemitischer Propaganda in der NSDAP und im Dritten Reich

Diplomarbeit 2009 108 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der historische Antisemitismus vor Hitler

3. Entwicklung antisemitischer Propaganda in der »Kampfzeit« der NSDAP
3.1. Einzelne Konzepte nationalsozialistischer Propaganda
3.1.1. Hitlers´ massenpsychologisches Theorem
3.1.2. Goebbels´ differenzierterer Ansatz
3.2. Führermythos und ideologischer Hintergrund antisemitischer Propaganda

4. Antisemitische Propaganda im Dritten Reich
4.1. Die Massenmedien
4.2. Alltagspropaganda
4.3. Die Sprache als Träger antisemitischer Propaganda
4.4. Das visuelle Judenbild
4.4.1. Karikatur
4.4.2. Plakat
4.5. Antisemitische Propaganda als Instrument sozialer Kontrolle

5. Antisemitische Propagandakampagnen und Ihre Wirkung
5.1. Die Messbarkeit der Wirkung antisemitischer Propaganda
5.2. Drei Wellen antisemitischer Propaganda
5.2.1. Der Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933
5.2.2. Antisemitische Krawalle und die Nürnberger Gesetze 1935
5.2.2.1. Wirkung antisemitischer Propaganda in der NSDAP
5.2.2.2. Wirkung der antisemitischen Kampagnen in der allgemeinen Bevölkerung
5.2.2.3. Die Nürnberger Gesetze
5.2.3. Der Novemberpogrom 1938
5.2.3.1. Die Propagandainszenierung des Novemberpogroms
5.2.3.2. Die Reaktionen auf den Novemberpogrom
5.2.4. Die »Endlösung«
5.2.4.1. Propaganda für die Massenvernichtung
5.2.4.2. Die Haltung der Bevölkerung zur »Judenfrage« während der Kriegsjahre

6. Fazit

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

Der durchschlagende Erfolg einer weltanschaulichen Revolution wird immer dann erfochten werden, wenn die neue Weltanschauung möglichst allen Menschen gelehrt und, wenn notwendig, später aufgezwungen wird

Adolf Hitler[1]

1. Einleitung

Die vorsätzliche und planmäßige Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten während des zweiten Weltkrieges ist an Unmenschlichkeit einzigartig in der Geschichte. Angesichts des schier unglaublichen Ausmaßes des Holocausts kommt der Frage nach der Haltung der deutschen Bevölkerung zu diesem Verbrechen zentrale Bedeutung zu. Diese Frage hätte ausreichend Anlass zu einem kontroversen wissenschaftlichen Diskurs geben müssen. Überraschenderweise war dies lange Zeit nicht der Fall.[2] In der Tat ist die offenbar weitgehende Regungslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Judenverfolgung in der Masse der deutschen Bevölkerung eine nach wie vor sehr erklärungsbedürftige historische Erscheinung.[3] Das Ziel dieser Arbeit ist es, in einem hier möglichen Rahmen Antworten darauf zu finden aus welchen Gründen die Menschen in Deutschland sich überwiegend passiv verhielten und sich nicht gegen die Judenverfolgung auflehnten.

Insbesondere zur Zeit des Kalten Krieges war die Annahme weit verbreitet, dass dieses Verhalten durch die Einwirkung einer übermächtigen Propaganda erklärbar ist. Unzählige Werke sind über die NS-Propaganda verfasst worden – über Organisation, Produktion und Inhalte in Presse, Kunst und Film. Diese Literatur reflektiert eindrucksvoll die Bedeutung der Propaganda für das so genannte »Dritte Reich«, die ihr die Nationalsozialisten – von Adolf Hitler und Joseph Goebbels - bis zu den niedrigsten Rängen der NSDAP, beimaßen, als unabdingbares Instrument der Mobilisierung, Manipulation, Kontrolle und Erziehung des deutschen Volkes. Viele Forscher gehen davon aus, dass die Verwendung moderner Propagandatechnologien ein entscheidendes Element des »totalitären Staates« war und eine Gesellschaft schuf, welche sich bedingungslos für jede Art von nationalsozialistischer Politik mobilisieren ließ.[4] Diese »totalitären Ansätze« beschränken sich meist darauf, die zweifelsohne sehr beeindruckende Propaganda darzustellen und daraus Schlüsse auf ihre Wirkung zu ziehen. „Studies of propaganda have generally been premised upon the implicit or explicit notion that Nazi propaganda, from the regime´s point of view, was a success story.”[5] Die These von der übermächtigen Propaganda und einer von Gehirnwäsche beeinflussten, terrorisierten Bevölkerung hat auch heute noch viele Anhänger.[6]

In der neueren Forschung vertritt Daniel J. Goldhagen, der mit seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“[7], die „[…] beinahe nicht stattgefundene Kontroverse“[8] bezüglich der Deutschen und dem Holocaust neu entfacht hat,[9] den Ansatz, dass Propaganda und Terror kaum Wirkung hatten, bzw. gar nicht notwendig waren. Er erklärt das Phänomen des Holocausts mit seiner These vom „eliminantorischen Antisemitismus“, der schon lange vor dem »Dritten Reich« tief im kollektiven deutschen Unterbewusstsein verankert gewesen sei. Angeblich konnte der Holocaust daher auch nur in Deutschland stattfinden.[10] Seine Untersuchung läuft auf die provokante These hinaus, die »Endlösung« sei mit dem Wissen und der stillschweigenden Billigung von Millionen Deutschen durchgeführt worden.[11] Konsequent misst Goldhagen der Wirkung antisemitischer Propaganda als vorbereitendem und unterstützendem Element daher keine Bedeutung bei – es hätte ihr aufgrund des historisch gewachsenen deutschen Antisemitismus gar nicht mehr bedurft. Dementsprechend sei die These zu verwerfen, „[…] daß der Antisemitismus Folge einer ´Gehirnwäsche´ gewesen sei, wie so viele meinen, die sich mit dem NS-Deutschland befasst haben“[12].

Angesichts der beiden konträren Positionen ist die Fragestellung dieser Arbeit folgende: Hat die antisemitische Propaganda die Einstellungen der deutschen Bevölkerung gegenüber der Minderheit negativ beeinflusst und falls ja in welchem Ausmaß?

Dieser Arbeit liegt die These zugrunde, dass sich diese Frage weder durch die reine Darstellung der Propaganda noch durch eine Untersuchung der Verhaltensweisen der Menschen in Bezug auf die Judenverfolgung beantworten lässt. Ersteres würde der Tendenz anheim fallen die Wirkung antisemitischer Propaganda zu überschätzen, während letzteres Gefahr läuft die Wirkung der Propaganda zu unterschätzen. Um ein ausgewogenes Urteil über die Wirkung der Propaganda zu fällen müssen sowohl »Sender« als auch »Empfänger« antisemitischer Propaganda in die Analyse miteinbezogen werden. Die Vorgehensweise ist daher folgende:

Um den Einfluß antisemitischer Propaganda im »Dritten Reich« zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der Antisemitismus keine Erfindung der Nationalsozialisten war. Vielmehr besaß er in großen Teilen Europas lange Tradition.[13] Daher wird im zweiten Kapitel ein kurzer Überblick über den Antisemitismus gegeben – wie er vor Hitler existierte – und an den die Nationalsozialisten anknüpfen konnten.

Kapitel drei und vier geben einen Überblick über Grundlagen, Konzepte, Ideologie und die Darstellung des jüdischen Feindbildes in der antisemitischen NS-Propaganda. Dadurch soll ein besseres Verständnis entwickelt werden wie die NS-Propagandisten die deutsche Bevölkerung beeinflussten.[14] In diesem Sinne stehen auch im fünften Kapitel die Propagandakampagnen selbst im Fokus. Darüber hinaus wird in demselben Kapitel auch der schwierige Versuch gewagt die Haltung der Bevölkerung gegenüber den Judenverfolgungen zu untersuchen.

2. Der historische Antisemitismus vor Hitler

Seit dem 6. Jahrhundert unterlagen Juden verschiedenen Rechtsbeschränkungen seitens der Kirche. Während des gesamten Mittelalters und darüber hinaus durften sie kein so genanntes »ehrliches« Handwerk ausüben und betätigten sich – vermehrt auch durch ein Verbot von Landbesitz – gezwungenermaßen zunehmend in Handel- und später in Geldgeschäften. Da die Kirche in diesem Bereich wiederum Christen verboten hatte, Geld gegen Zinsen zu verleihen, waren Adel, Bürger und Bauern darauf angewiesen, sich zu verzinsendes Geld von Juden zu borgen. So befanden sich viele Juden nicht nur in die Rolle des missliebigen Konkurrenten der Kaufleute, sondern auch in der des Kreditgebers und »Wucherers« gegenüber verschuldeten Bauern, Bürgern und Adligen. Kleinbürger und Bauern waren dementsprechend auch im allgemeinen Träger antisemitischer Pogrome gegen »die Wucherer«, welche vor dem Hintergrund eines mittelalterlichen Weltbildes religiös begründet und u.a. von kirchlichen Vertretern angeführt wurden.[15]

Zu Pogromen kam es in vielen europäischen Ländern vor allem in Zeiten besonderer Not (u.a. Hunger und Pest) oder religiösen Eifers, wie zum Beispiel bei Kreuzzügen. Hierbei kamen Zehntausende Juden ums Leben. Wirksamer als Vorurteile, die sich immer »nur« gegen einen Teil der Juden richten konnten, wie das Vorurteil von den »Zinswucherern«, welche unlauteren Handel betrieben, waren für solche Massenaktionen Anschuldigungen, welche auf tief im Volk verwurzelten Aberglauben bauten: Brunnenvergiftung galt als angebliche Ursache für den Ausbruch von Seuchen, Hostienschändung wenn zum Beispiel Hostien verdarben, Ritualmorde wurde dargestellt als angebliches Schächten von Christenkindern, usw. Durch Zusammenfassung der jüdischen Bevölkerung in Ghettos, blieb diese Volksgruppe bis zum 18. Jahrhundert von der Kultur ihrer »Wirtsvölker« relativ isoliert, was gegenseitiges Verständnis stark erschwerte und Vorurteilsbildung förderte.[16] Die Konsequenz des aus religiösen Motiven, Aberglauben und wirtschaftlichen Beweggründen zusammengesetzten Judenhasses war, dass die jüdischen Bevölkerungsteile als »die Fremden« angesehen wurden und ihr Auftreten unter Argwohn und Unverständnis in der Öffentlichkeit genauester Beobachtung unterzogen wurde.[17]

Bis zur Reformation und darüber hinaus war der Antisemitismus eindeutig religiös geprägt. Erst im Zuge der Aufklärung wurde dieser tradierte Einfluss von liberalen Anschauungen neu betrachtet und in Teilen relativiert. Gefühlsmäßig fundiert blieb der Antisemitismus jedoch in weiten Kreisen des Volkes – in salonfähiger Form – bestehen, ein Jude war auch weiterhin etwas weniger wert als ein »ehrlicher Christ«. Ideologisch fundiert erhielten sich antisemitische Strömungen bei vielen strenggläubigen Anhängern der christlichen Kirche.[18]

Neben dem »religiösen Antisemitismus« kam im 19. Jahrhundert noch die aggressivere Art in Form des rassisch motivierten Antisemitismus hinzu. Er wurde von so genannten »völkischen« Gruppen propagiert, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse von Rasse und Abstammung zum Anlass nahmen einen Mythos des Blutes und Germanentums zu konstruieren. Dieser Form lagen ähnliche soziale Gegensätze zugrunde wie dem religiösen Antisemitismus, und ebenso wie dieser wurde er hauptsächlich von konservativen des Mittelstandes getragen, dessen Existenz von immer weiter fortschreitender Industrialisierung bedroht war. Aufklärung, Liberalismus, Kapitalismus und Sozialismus wurden dem Judentum gleichgesetzt und den »erhaltenden Kräften des Deutschtums« als dunkle Spiegelung gegenübergestellt. Fast alle Vorwürfe des Nationalsozialismus gegenüber dem Judentum tauchten hier bereits auf: Von den uralten Behauptungen des Ritualmordes bis zur Weltverschwörung und Zersetzung der Völker.[19]

Beide – »christlicher« und »völkischer« Antisemitismus – blieben im Großen und Ganzen Randerscheinungen des politischen Lebens, die von Gegensätzen überschattet wurden. Mit der Krise, die im Anschluß an den ersten Weltkrieg einsetzte, traten sie aber wieder deutlich hervor. So wie im Mittelalter die Juden für den Ausbruch der Pest verantwortlich gemacht wurden, so propagierte die »nationale« Presse des »modernen« Deutschland, die Juden seien für den verlorenen Weltkrieg, für den Versailler Vertrag und besonders für die Inflation verantwortlich. Diese Argumente kamen dem Bedürfnis der Massen entgegen, für alle Fehlschläge nach einem Sündenbock außerhalb des eigenen Verantwortungsbereiches zu suchen. Sie fielen besonders bei denjenigen Angehörigen der städtischen Mittelschichten auf fruchtbaren Boden, die ihre Ersparnisse durch die Inflation verloren hatten und sich durch die Wirtschaftskrise von 1929 bis 1933 bedroht fühlten. Ebenso empfänglich für den Antisemitismus waren viele durch die Krise verschuldeten Bauern, deren Kreditgeber oftmals Juden waren. Diese sozialen Gruppen fürchteten teilweise um ihre wirtschaftliche Existenz und waren voller Ressentiments gegen das Großkapital (Warenhäuser, Konzerne usw.) zu dem zwar bei Weitem nicht die Mehrheit, aber doch eine beträchtliche Anzahl von Juden gehörte. Da in den entscheidenden Jahren von 1930 bis 1933 große Teile des Bauern- und des Kleinbürgertums die wichtigste Anhängerschaft für die NSDAP bildeten, war es leicht den Judenhass vor allem in der Partei propagandistisch weiter zu schüren.[20]

Insgesamt weisen die skizzierten gesellschaftlich-politischen und geistesgeschichtlichen Voraussetzungen auf eine Entwicklung hin, an die die antisemitische NS-Propaganda anknüpfen konnte, wie auch Doris Gorr betont:

Von einem latenten Potential zur Durchsetzung der Wünsche und Erfüllung der Hoffnungen – auch mit gewaltsamen Mitteln – muß ausgegangen werden. Vorhandene Alltagsstereotypen des Nationalismus und Antisemitismus sind Teil eines […] Handlungspotentials und finden ihren Ausdruck in den frühen Bemühungen der Nationalsozialisten, die vermutlich ´ihre entscheidende Macht und deshalb auch ihre reale Fruchtbarkeit erst dadurch erhielten, daß sie die realen Wünsche der Massen aufnahmen´[21], und auf bekannte Bilder zurückgriffen.[22]

Dabei verstanden es vor allem die NS-Hauptpropagandisten, Adolf Hitler und Joseph Goebbels, mittels antisemitischer Propaganda altbekannte Stereotype für ihre Zwecke in den Köpfen der Menschen zu neuem Leben zu erwecken. Um zu verstehen welche Rolle antisemitische Propaganda beim Sturz der Weimarer Republik hatte, muss zunächst erläutert werden, welche Konzepte und welche Ideologie der antisemitischen Propaganda zugrunde liegen.

3. Entwicklung antisemitischer Propaganda in der »Kampfzeit« der NSDAP

Propaganda bezeichnet einen Schlüsselbegriff in der Geschichte der NS-Bewegung und war nicht erst bei der Errichtung und Stabilisierung ihres Regimes, sondern bereits bei der Erringung der politischen Macht von zentraler Bedeutung, da die Massen nur durch Propaganda gewonnen werden konnten.[23] Dabei war sie nicht nur das entscheidende Instrument, um der Partei neue Anhänger zuzuführen, sondern sie besaß – immer neue Aktivitäten auslösend – auch eine wesentliche Funktion bei der Integration der Parteimitglieder. In der »Kampfzeit« war Propaganda eines der wichtigsten innerparteilichen Betätigungsfelder. Indem die Propaganda alle Aggressionen auf die Gegner der NSDAP lenkte, hinsichtlich der eigenen Ziele aber in utopische Ferne verwies, trug sie mit dazu bei programmatische Unsicherheiten der Partei zu verdecken. Die NSDAP betrieb Propaganda in einem umfassenden Sinn und sie betrieb diese permanent – auch zwischen den Wahlkämpfen. Die NSDAP der Weimarer Republik war damit von Grund auf eine Propagandabewegung. Ihr Programm konzentrierte sich auf die Propaganda. Ihr Ziel war die Eroberung der Macht und damit der Sturz der Weimarer Republik.[24]

3.1. Einzelne Konzepte nationalsozialistischer Propaganda

Es ist erstaunlich, dass sich hinsichtlich der Erforschung der NS-Propaganda, die zweifelsohne einen zentralen Stellenwert für die geschichtliche Entwicklung des Nationalsozialismus besaß, nach wie vor ein wissenschaftliches Defizit auftut. In der Regel wird in der Literatur davon ausgegangen, dass die nationalsozialistische Propagandatheorie hauptsächlich an den von Hitler in Mein Kampf formulierten Richtlinien orientiert war.[25] Thymian Bussemer, der in der neueren Forschung NS-Propaganda analysiert hat, weist jedoch daraufhin, dass dies aufgrund der Quellenlage problematisch sei. Der Kenntnisstand im Hinblick auf die Propagandatheorie der Nationalsozialisten sei nach wie vor vergleichsweise gering, da sich weder Adolf Hitler noch Joseph Goebbels dazu wirklich analytisch äußerten. Ein verbindliches Propagandakonzept habe es nie gegeben. Bei näherer Betrachtung erweise sich die NS-Propaganda als weit weniger monolithisch und kohärent, als es vielfach den Anschein habe.[26]

In den Verlautbarungen der Propagandaakteure zu ihren Konzepten blieb es bei Phrasen und Lippenbekenntnissen zu Schlagworten. So sollte die Propaganda primitiv sein und sich nach der Aufnahmefähigkeit der am wenigsten gebildeten Zuhörer richten, zudem sei Propaganda die Kunst der ewigen Wiederholung. Derartige Aussagen untermauern die Annahme, die Nationalsozialisten seien einer sehr plumpen, massentheoretisch inspirierten Propagandakonzeption gefolgt. Diese Vermutung steht aber im Widerspruch zur Propagandapraxis des Regimes, die vielfach wesentlich differenzierter und taktisch ausgefeilter war. Die operative Propagandapolitik des Dritten Reiches wurde in erster Linie von tagespolitischen Fragen oder als wichtig erkannten Notwendigkeiten und nicht von prinzipiellen Erwägungen oder gar einer ausgearbeiteten massenpsychologischen Herrschaftstheorie geleitet.[27]

Hier wird ein doppeltes Verständnis von Propaganda deutlich: Auf der einen Seite gab es die rudimentäre (und öffentlich verlautbare) Theorie, die vor allem auf Hitler zurückgeht und auf der anderen Seite eine mit Goebbels assoziierte Propagandapraxis, die moderner und differenzierter war als die theoretischen Äußerungen dies vermuten ließen. Letztlich hatten aber sowohl Hitler wie Goebbels als die wichtigsten Exponenten der Propaganda einen primär praktischen Zugang zu dieser Kommunikationstechnik. Konstant war nur die klare Orientierung an einem massenpsychologischen Basistheorem, dem Hitler verbal und praktisch, Goebbels zumindest verbal anhing.[28]

Im Folgenden soll zunächst Hitlers Basistheorem näher erläutert werden. In einem zweiten Schritt wird dann der differenziertere Ansatz von Goebbels, der maßgeblich die Propagandapraxis in der NSDAP und im »Dritten Reich« kennzeichnete, dargestellt.

3.1.1. Hitlers´ massenpsychologisches Theorem

Nach eigener Angabe hatte sich Adolf Hitler schon immer für die „[…] Tätigkeit der Propaganda außerordentlich interessiert“[29]. Kurz nach seinem Eintritt in die NSDAP im Herbst 1919 übernahm er die Verantwortung für die Propagandaarbeit und schuf sich hier die Basis für seine innerparteiliche Machtübernahme im Sommer 1921. Schon früh entwickelte er die Grundregeln der NS-Propaganda und arbeitete sie während seiner Landsberger Haft in sein Buch Mein Kampf ein.[30] Da alles was Hitler von sich gab zur Staatsdoktrin wurde,[31] waren auch seine Thesen zur Propagandawirkung die verbindliche Richtschnur für die Konzeptionalisierung von Meinungslenkung im »Dritten Reich« und werden im Folgenden zusammengefasst wiedergegeben[32]:

Der Wert der Propaganda sei ausschließlich am Erfolg zu messen. Politische Werbung im Sinne politischer Unterrichtung und Aufklärung lehnte Hitler ausdrücklich ab: „Propaganda ist in Inhalt und Form auf die breite Masse anzusetzen und ihre Richtigkeit ist ausschließlich zu messen an ihrem wirksamen Erfolg.“[33]

Die Masse sei feminin. „Gleich dem Weibe“ werde sie nicht durch Vernunft bestimmt, sondern durch die „[…] gefühlsmäßige Sehnsucht nach ergänzender Kraft“.[34] Da die Psyche der Masse nicht empfänglich sei für alles „Halbe und Schwache“, habe die Propaganda vor allem eindeutig zu sein. Die Empfindungen der Masse seien nicht kompliziert, sondern „einfach und geschlossen“, für sie gebe es keine Differenzierungen, sondern nur ein „[…] Positiv oder Negativ, Liebe oder Haß, Recht oder Unrecht, Wahrheit oder Lüge, niemals aber halb so halb so.“[35] Wer die breite Masse schließlich gewinnen wolle, müsse den Schlüssel kennen, der das Tor zum Herzen öffnet, fordert Hitler. Dieser Schlüssel war für ihn Gefühlsbezogenheit.[36] Propaganda müsse sich an das Gefühl nicht an den Verstand richten, müsse wissenschaftlichen Ballast abwerfen und auf das Fühlen der Masse Rücksicht nehmen. Nur so könne sich der Nationalsozialismus als eine fanatische Glaubensbewegung realisieren.[37]

„Was durch Papierkugeln zu gewinnen ist […]“, so erläuterte er die komplementäre Funktion von Gewalt und Propaganda, „[…] braucht dereinst nicht durch stählerne gewonnen zu werden“[38]. Eine erfolgreiche Bewegung müsse sich immer als stark und überlegen darstellen, da die Masse mehr den Herrscher als den Bittenden liebe. Für Hitler waren Terror und Propaganda also keine Gegensätze. Im Gegenteil, Terror auf der Arbeitsstätte, in der Fabrik, im Versammlungslokal und anlässlich der Massenkundgebungen werde immer von Erfolg begleitet sein, solange ihm nicht ein gleich großer Terror entgegentrete.[39]

Ferner müsse sich die Propaganda aufgrund der beschränkten Aufnahmefähigkeit, des geringen Verständnisses für komplexe Zusammenhänge und der großen Vergesslichkeit der Masse in ihrer Argumentation auf nur wenige Punkte beschränken und diese immer und immer wieder vortragen. Dabei gelte das Prinzip: Je einfacher, volkstümlicher und primitiver desto wirkungsvoller.[40] Die Reduktion von Komplexität und die tausendfache Wiederholungen einfachster Begriffe zählten daher zu den fundamentalen Grundsätzen der Propaganda und waren für ihn wichtige Voraussetzungen ihres Erfolges.[41]

Um die Propaganda auf ein Ziel zu fokussieren, müsse sie sich nur auf wenige Gegner fixieren.[42] Charakteristisch war daher auch, auseinander liegende politische Gegner zu Stereotypen wie »dem« Marxismus, »dem« Liberalismus oder »dem« Judentum zusammenzuziehen und alle feindlichen Mächte unter dem Begriff des »Systems« zu subsumieren.[43]

Hitler vertraute darauf, dass sich mit Hilfe einer Propaganda, die sich an diesen Grundsätzen orientierte, auf eine mechanische und berechenbare Weise nahezu jede Wirkung erzielen ließ. Für ihn stand fest, dass durch Propaganda „[…] einem Volke selbst der Himmel als Hölle vorgemacht werden kann und umgekehrt das elendste Leben als Paradies.“[44]

Hitlers Grundsätze, die eine Rahmenfunktion für die NS-Propagandaarbeit besaßen, waren keineswegs originell, sondern sie dem entsprachen zeitgenössischem Denken.[45] „Die Bausteine von Hitlers Propagandakonzeption gleichen dem Zettelkasten eines aufgeschlossenen Autodidakten.“[46] In seine Propagandakonzeption mischten sich biographisches und politisches Interesse ein: Das Interesse des »Künstlers« und das des »Politikers« Hitler. Seine Thesen zur Propaganda sind ein Konglomerat aus (vulgär-) psychologischen Kenntnissen und Vermutungen, anthropologischen Ansichten und das Erfahrungswissen der frühen experimentellen Psychologie.[47]

Die Wurzeln für Hitlers Interesse an Propaganda liegen im Wien der Vorkriegszeit, wo er in der Agitation und Propaganda der Arbeiterbewegung eine gewisse Vorbildfunktion sah. Als eine Art politisches Urerlebnis beschreibt Hitler später in Mein Kampf seinen Eindruck: Mit „banger Gedrücktheit“, „von Ekel erfüllt“, aber doch auch „[…] so ergriffen, daß es mir ganz unmöglich gewesen wäre, der ganzen Sache den Rücken zu kehren“[48] so schildert er, habe er ihre Demonstrationen, ihre Kampfpresse, die auffällige Gestaltung der Plakate und die Integrationskraft ihrer Organisation erlebt.[49] Auch sah er am Beispiel Karl Luegers, dem christlich-sozialen Bürgermeister von Wien, zum ersten Mal wie man die demagogische Fähigkeit anwendet, um antisemitische Vorurteile in politisches Kapital umzumünzen.[50]

Wichtiger noch dürften die Erfahrungen des Meldegängers Hitler mit der britischen Weltkriegspropaganda gewesen sein, der er in Mein Kampf ein ganzes Kapitel widmete. Er war darum bemüht nichtmilitärische Faktoren für die Niederlage von 1918 verantwortlich zu machen. Daher betonte er immer wieder die Unfähigkeit der deutschen Führung die Massen mittels der Propaganda für den Krieg zu mobilisieren. Er sah den entscheidenden Grund für die Niederlage in der vorbildlichen alliierten Propaganda.[51]

Ferner ist vor allem die Vorbildfunktion der modernen Geschäftsreklame für die NS-Propaganda zu betonen. In die Sprache der kommerziellen Werbung übersetzt, war die Propaganda der NSDAP zielgruppenorientiert und aussagereduziert, sie verwendete einprägsame Markennamen und Symbole, visualisierte ihr »Produkt« und sprach unterbewusst Wünsche an.[52]

Als Vorbilder für die Theorie der Massenpsychologie dienten ihm vor allem die Traktate von Le Bons („Psychologie des Foules“, 1895) und von dem Münchener Nervenarzt Julius R. Roßbach („Die Massenseele. Psychologische Betrachtungen über die Entstehung der Volks-(Massen-)-Bewegungen (Revolutionen) 1919“).[53] Aus der Perspektive der Massenpsychologie war der Mensch vollkommen irrational veranlagt: Sachargumenten kaum zugänglich, reagierte er dementsprechend umso stärker auf visuelle Reize und griffige Parolen.[54]

Schließlich entspricht die Überzeugung von der unbegrenzten Wirkung der Propaganda, die sich als einfaches Sender-Empfänger-Modell darstellen lässt, dem zeitgenössischen, frühen Behaviorismus, der in der amerikanischen Psychologie unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt und in der Nachkriegszeit in Deutschland rezipiert wurde. „Weit über die psychologische Fachliteratur hinaus wirkend, lieferte die Grundidee des Behaviourismus, Verhaltensmodifikationen durch Konditionierung zu erreichen, die wissenschaftliche Begründung für die zeitgenössische Überzeugung von der mechanischen Beherrschbarkeit des in der Masse aufgelösten Individuums.“[55] Diese Auffassung entwickelte sich vor dem Hintergrund des herrschenden Vertrauens in die Macht der Erziehung und der Unbegrenztheit des naturwissenschaftlichen »Machbaren«.[56]

Die Bezüge, die sich zu anderen Bereichen der Massenkommunikation sowie zu populär-psychologischen Lehren ziehen lassen, zeigen bereits, dass Hitlers Propaganda-Theorie ein wenig originäres Phänomen ist.[57] Peter Longerich weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dieser plagiatorische Charakter leicht verkannt wird:

Diese Nachahmungstendenz der NS-Propaganda geht aber verloren, wenn, wie dies häufig in historischen Untersuchungen geschieht, eine angeblich allmächtige, totalitäre NS-Propaganda beschworen und einer pluralistischen ´öffentlichen Meinung´ in der demokratisch-parlamentarischen Gesellschaft als Gegenbild gegenübergestellt wird. Dieses Modell folgt einerseits unkritisch der zeitgenössischen Ansicht von der ´Allmacht´ Propaganda; andererseits reduziert es die Realität der Massenkommunikation moderner westlicher Gesellschaften auf den Idealtypus der öffentlichen Meinung im Sinne der liberalen Ära und übersieht den unter den Bedingungen der modernen hochentwickelten Industriegesellschaft eingetretenen ´Strukturwandel der Öffentlichkeit´[58].[59]

Diesem Modell gegenüber muss hier betont werden, dass die NS-Propagandisten sich lediglich in besonders intensiver Weise der manipulativen Elemente bedienten, die auch zur Realität heutiger Massenkommunikation gehören. Die Besonderheit nationalsozialistischer Propaganda läge damit nicht in einer besonderen, ausgefeilten Theorie Hitlers, sondern ihre Wirkung kann nur im Zusammenhang mit den Rezeptionsmöglichkeiten und Sanktionsmöglichkeiten der NS-Diktatur erklärt werden.[60] Das volle Spektrum dieser propagandistischen Möglichkeiten im »Dritten Reich« zur perfektionierten Anwendung zu bringen war Aufgabe des Propagandaministers Joseph Goebbels´.

3.1.2. Goebbels´ differenzierterer Ansatz

Die massenpsychologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten leiteten bis zu einem gewissen Grad die Propagandaplanung und -praxis des Regimes. Die Priorität etwa, die in der Propagandapraxis dem gesprochenen Wort zuerkannt wurde, ist die direkte Folge von Hitlers massenpsychologischem Ansatz. Auch die Annahme, dass erfolgreiche Propaganda an die Vorstellungskraft der Menschen rühren und möglichst bildlich operieren müsse, orientiert sich an dem Menschenbild Hitlers.[61]

Auch Goebbels war wie Hitler, angeregt durch den massenpsychologischen Ansatz von Le Bon, aber auch unter dem Eindruck der Filmdramaturgie des sowjetischen Regisseurs Eisenstein,[62] „[…] davon überzeugt, daß die Masse Illusionen verlange und die Phantasie der Menschen ihr Handeln ebenso bestimme wie die Alltagsrealität. […] Ihre propagandistische Hauptwaffe war eine ästhetische Praxis, über die sich politische Inhalte in eine Formen- und Bildsprache transformieren, und die damit selbst zum Politikum wurde. Über Bilder und Bildszenarien sollten die unterdrückten Gefühle mobilisiert und die nationalsozialistischen Ideale in den Herzen der Menschen verankert werden“[63]. Außer Frage steht, dass die Nationalsozialisten in dieser Mobilisierung eine gewisse Meisterschaft erreichten.[64]

Darüber hinaus verfolgte Goebbels einen viel praktischeren und differenzierteren Propagandaansatz als Hitler, der letztlich auf eine umfassende Theorie sozialer Kontrolle hinauslief.[65] Die vielfältigen massenpsychologischen Zitate aus Mein Kampf benutzte Goebbels auch deswegen fortwährend um zu kaschieren, dass er eine andere Propagandakonzeption als Hitler vertrat.[66]

Otto Strasser schrieb rückblickend über Goebbels, dieser sei ohne Zweifel „[…] der größte Propagandist, den die neue Zeit hervorgebracht“ habe. „Alles bei Goebbels und an Goebbels war Intellekt, Überlegung und Berechnung. Er sezierte jeder seiner Handlungen mit messerscharfen Verstand und schaltete sofort um, wenn er fühlte, daß er im Begriff war Anstoß zu erregen.“ Goebbels beweise „[…] den Einfallsreichtum eines amerikanischen Reklamegenies. Er ´verkaufte´ – anders kann man´s nicht bezeichnen – die politische Idee des Nationalsozialismus in der dem Tag angepassten modernsten Fassung“[67].

Den Erfolg von Propagandamaßnahmen bewertete Goebbels fast ausschließlich auf Grundlage der kurzfristigen taktischen Wirkung. Prinzipiell sei jedes propagandistisches Mittel legitim, solange es nur zum gewünschten Erfolg führe. Propaganda sei weder wirklich planbar noch theoriefähig, schrieb Goebbels schon 1927:

Der Propagandist der Theorie ist vollkommen untauglich, der sich eine geistreiche Methode am Schreibtisch erdenkt und dann am Ende aufs höchste verwundert und betroffen ist, wenn diese Methode vom Propagandisten der Tat nicht angewandt wird oder – von ihm in Anspruch genommen – nicht zum Ziele führt. Die Methoden der Propaganda entwickeln sich ursächlich aus dem Tageskampf selbst heraus.[68]

Trotz dieser Weigerung Goebbels´, sich auf eine bestimmte Art der Propaganda festzulegen, lassen sich Bussemer zu Folge signifikante Unterschiede zu Hitlers Konzeption ausmachen, die vor allem aus Unterschieden in Persönlichkeit und politischer Sozialisation resultierten. Der wichtigste Unterschied bestehe darin, dass Goebbels stärker als Hitler den Wechsel von Weltanschauung und politischer Religion zum Zynismus probte. Dies erlaube ihm eine Position mit aller Leidenschaft zu vertreten, nur um sie kurz darauf im kleineren Kreis als lächerlich oder idiotisch zu brandmarken. Die Botschaften des Nationalsozialismus wären für ihn kein Katechismus, sondern ein beinahe nach Belieben handhabbares Propagandamaterial.[69] Sein Antisemitismus kam nicht von innen, sondern war aus taktischen Gründen angelernt – was ihn nicht daran hinderte, zu gegebener Zeit einer der schlimmsten antijüdischen Hetzer zu werden.[70] Insgesamt ist davon auszugehen, dass Goebbels wesentlich differenzierte Vorstellungen davon hatte, welche Propagandamaßnahmen unter welchen Bedingungen opportun waren als dies bei Hitler der Fall war.[71]

Hitler zielte in seinen Reden auf eine massenpsychologische Überwältigung seiner Zuhörer. Goebbels hingegen wollte es mittels ästhetisch feinsinnig subtilen Botschaften, gekünstelter Formulierungen und beeindruckender Effekte verführen. Propaganda war für ihn nicht in primär die Großkundgebung oder der Massenaufmarsch (obwohl er zweifelsohne auch diese souverän zu organisieren wusste), sondern eine feinsinnige Form der Beeinflussung, die es vermied „[…] die Gesinnung auf den Präsentierteller“[72] zu legen. Vielmehr komme es darauf an, denjenigen, „[…] den die Propaganda fassen will, ganz mit den Ideen der Propaganda zu durchtränken, ohne daß er überhaupt merkt, daß er durchtränkt wird. Selbstverständlich hat die Propaganda eine Absicht, aber die Absicht muß so klug und so virtuos kaschiert sein, daß der, der von dieser Absicht erfüllt werden soll, das überhaupt nicht bemerkt“[73].

Konstanten von Goebbels Propagandakonzept waren indes „[…] ein hohes Maß an Informationskontrolle, […] Wahrheit nur als instrumentelles Kriterium, […] professionelles Kommunikationsmanagement, was die Zahl von Zeitpunkten, Medien und Strategien“[74] anging und geschicktes andauerndes Emotionsmanagement, vor allem was die Erzeugung von Spannungs- und Angstzuständen betraf.[75] Es wird deutlich, „[…] daß man in der Führung der NSDPAP unter Propaganda mehr verstand als die stereotype Wiederholung von Haßtiraden und die fanatische Beschwörung von Gefolgschaftstreue“[76].

Insgesamt habe eine Betrachtung, die Goebbels differenzierteren, komplexeren Ansatz hervorhebe, so resümiert Bussemer, auch Konsequenzen für die Frage nach der Wirksamkeit der nationalsozialistischen Propaganda:

Es ist zu hinterfragen, ob das jahrzehntelang von der Forschung kolportierte Bild einer ´Massenverführung´ historisch korrekt ist, ob die Deutschen tatsächlich der suggestiven Aura des Volkstribunen Hitler erlegen sind oder ob der Erfolg der NS-Propaganda nicht aus anderen verwendeten Techniken und Strategien heraus zu erklären ist, die wesentlich enger an effizienten Techniken und Strategien des sozialen Managements orientiert sind als die öffentlich geäußerten Theoreme der nationalsozialistischen Chefpropagandisten dies vermuten lassen.[77]

Im folgenden Kapitel wird die NS-Propaganda der »Kampfzeit« näher erläutert, da sich hier der spätere NS-Propagandaapparat sowohl konzeptionell als auch inhaltlich formierte.[78] Auf die Konzepte wurde bereits eingegangen, daher wird inhaltlich der Antisemitismus als zentraler Bestandteil des »Führermythos« und als wichtiges Instrument der NS-Propaganda in den Fokus gerückt.

3.2. Führermythos und ideologischer Hintergrund antisemitischer Propaganda

Die NSDAP unterschied sich bis zu Hitlers Aufstieg zum Parteivorsitzenden am 21. Juli 1921 in ihren Forderungen und ihrer Parteistruktur zunächst nur graduell von anderen politischen Gruppierungen. Ideologisches Profil gewann die NSDAP erst als Hitler begann einen Führer-Mythos um die eigene Person aufzubauen und die Partei zugleich zu einer »pseudoreligiösen Sekte« umfunktionierte, in der sein über alle Maßen hinaus radikaler Antisemitismus eine zentrale Rolle spielte.[79]

Rassismus war der Dreh- und Angelpunkt in Hitlers Weltanschauung. Ausgeformt war er vor allem in seinem radikalen ideologischen Antisemitismus und dem Konzept des völkischen Lebensraumimperialismus. Im sozialdarwinistischen »Geschichts-Gesetz« vom ewigen Kampf zur Auslese des Stärkeren wurden diese beiden Kernelemente in seiner Ideologie zusammengeführt. Innenpolitisch folgte aus dieser Weltanschauung der Kampf gegen alles, was die Nationalsozialisten als »jüdisches Parasitentum« bezeichneten. Außenpolitisch resultierte aus ihr in erster Linie der Kampf gegen den »jüdischen Bolschewismus«.[80] Mit Hitlers Aufstieg gewann seine vollkommen absurde Theorie zunehmend an Relevanz.[81]

Schon früh bezeichneten ihn seine Parteigenossen in Analogie zum italienischen »Duce« Benito Mussolini als »Führer der NSDAP« oder »Unseren Führer Adolf Hitler«, den das Schicksal berufen habe, dem deutschen Volk den Weg zu weisen. Die Durchsetzung des »Führer-Mythos« beruhte dabei zum einen auf konsequent propagandistischen Maßnahmen, indem die Bezeichnung anfangs vor allem in Reden und Presserzeugnissen ständig wiederholt wurde. Zum anderen war das Führer-Bild in hohem Maße ein gesellschaftliches Produkt, erzeugt von Führer-Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchten breiter Schichten. Die NS-Propaganda schuf den »starken Mann«, auf den die krisengeschüttelte Bevölkerung der Weimarer Republik seit langem wartete.[82] Auch der gescheiterte Putschversuch vom 8./9. November 1923 konnte den steilen Aufstieg Hitlers nicht stoppen. Ihm gelang es vielmehr durch seine überlegene Propaganda beim Prozess vor dem Münchener Volksgerichtshof die Niederlage in einen Erfolg umzuwandeln und sich als Hauptfigur der völkischen Rechten Anerkennung zu verschaffen. „Whatever negative sentiments were expressed towards the Party [...] Nazi propaganda was at its most effecticve in creating an astonishing degree of personal loyalty to Hitler.“[83] Mit dem Prestigezuwachs ging auch ein Bewusstseinswandel einher. In Hitler wuchs die Überzeugung nicht nur als »Trommler« sondern auch als Führer der NS-Bewegung berufen zu sein. So begann er, sich in der Folgezeit als Messias zu fühlen. Er nahm die ihm zugeschriebene missionarische Rolle bewusst in Anspruch und wurde somit zur abgöttisch verehrten Kultfigur.[84]

Nach der Wiedergründung der NSDAP im Jahre 1925 errang Hitler auf der Bamberger Führertagung vom 14. Februar 1926 schließlich die Anerkennung seines uneingeschränkten Führungsanspruches. Er nannte das Parteiprogramm der NSDAP die „Gründungsurkunde unserer Religion, unserer Weltanschauung“[85], erklärte es für unantastbar und entzog damit eventuellen Programmdiskussionen den Boden. Es lag dabei in der Logik und Konsequenz des Personenkultes, den »Führerwillen« mit den Ideen des Nationalsozialismus zu verbinden. Diese Identifizierung verlieh Hitlers Wort vorbildhafte Bedeutung und verschaffte seiner Weltanschauung maßgebliche Geltung. Somit erfüllte Hitler in der nationalsozialistischen Bewegung dieselbe Funktion, die beispielsweise ein Hohepriester ausübt. Ihm kam es zu, die Glaubenswahrheiten zu verkünden und sie auszulegen. „Außer dem Willen des Führers gab es keine verbindliche Programmatik mehr.“[86] So trat er künftig an die Stelle des Parteiprogramms, das durch jenen ideologischen und weltanschaulichen »Ideenbrei« ersetzt wurde, wie ihn sich Hitler in Mein Kampf zusammengebraut hatte.[87]

Der »Führer« musste die richtungweisenden Ziele der NS-Bewegung, in der sich auch gesellschaftliche Ängste und Erwartungen widerspiegelten,[88] ständig lebendig halten. Seine vertretenen Grundsätze förderten den Mythos, hielten die Dynamik der NS-Bewegung aufrecht und sicherten zudem die alles überragende Stellung des »Führers«. Hieraus ergab sich die zwingende Notwendigkeit, permanent die »jüdische Gefahr« zu beschwören und so dem fanatischen Willen zu entschlossenem Handeln gegen das »Weltjudentum« Nachdruck zu verleihen. Hitlers radikaler Antisemitismus war daher nicht allein Ausdruck persönlicher Ideologie, sondern zugleich funktionaler Bestandteil des »Führer-Mythos«.[89]

Dabei wurde „[…] Antisemitismus zum archimedischen Punkt nationalsozialistischer Propaganda“[90], deren Argumentationsweise so inszeniert war, dass die Wähler vor die Entscheidung Apokalypse oder Wiedergeburt, Licht oder Finsternis gestellt wurden. Das Judentum verkörperte die Macht des Bösen. Es war der Feind der Menschheit, dem die Schuld an allen tatsächlichen Defiziten der Welt, aber auch eingebildete Gefahren und Bedrohungen zugeschoben wurde und ohne „[…] das es nie die Lichtgestalt des nordischen Germanen gegeben hätte“[91]. Dieser bekämpften Fremdgruppe wurde das »erwachende Deutschland« gegenübergestellt, von dem zukünftig das Heil der ganzen Welt abhängig sein sollte.[92]

Vor allem Joseph Goebbels verstand es den radikalen Antisemitismus in die NS-Ideologie zu integrieren und propagandistisch auszuschlachten. Goebbels, seit 1926 Gauleiter von Berlin-Brandenburg und seit 1929 Reichspropagandaleiter der NSDAP, zog von Anfang an alle antisemitischen Register. Als Herausgeber der Berliner Wochenzeitung Der Angriff rief er zu Gewalttätigkeiten gegen Juden auf und propagierte Feindbilder vom barbarischen Bolschewisten, geldgierigen Kapitalisten und vom jüdischen Erzfeind, der hinter allem steckte.[93] Er attackierte mit der Denunziation, dass Juden und »System« zusammengehörten, die Weimarer Republik fundamental, wobei Der Angriff bemüht war, mit Karikaturen, dem so genannten »Berliner Witz« und rhetorischen Pointen den radikalen antisemitischen Ton unterhaltsam eingängig zu präsentieren.[94]

Mit einer perfiden, antisemitischen Idee erzielte Goebbels trotz zeitweiligem Verbot und rechtsstaatlicher Intervention die ersehnte öffentliche Aufmerksamkeit. Geschickt ausgewählte Zielscheibe war seit März 1927 Dr. Bernhard Weiß, der stellvertretende Polizeipräsident Berlins. Als Vertreter der Staatsmacht, Sozialdemokrat und Jude verkörperte er in einer Person alle Feindbilder und war somit das ideale Opfer jahrelanger antisemitischer Schmutzkampagnen.[95] Die ständigen giftigen und gehässigen Attacken im Angriff gegen Weiß verbanden sich stets mit dem von Goebbels erfundenen Schmähnamen »Isidor«. Als eine Art zu klein geratener „Machiavelli mit Klumpfuß“[96] wusste Goebbels nur allzu genau wie es ist, deklassiert und verspottet zu werden. Natürlich ging es dabei in keiner Weise um irgendwelche Sachkritik, sondern allein um eine hasserfüllte, effektsuchende und wirksame Diskurspolitik.[97] Goebbels stilisierte Weiß, wie er in späteren Jahren bemerkte, „[…] zum brutalsten Schergen der Weimarer Republik, zur grinsenden Maske des ewigen Juden [...], obgleich dieser Polizeivizepräsident [...] nur ein harmloser Tor war.“[98] Goebbels war einer der ersten Berufspolitiker, die begriffen, dass man für Propagandazwecke Ereignisse auch eigens machen kann, und dass man sich nicht nur auf die Ausschlachtung von Vorkommnissen beschränken muss.[99]

Die »Isidor«-Kampagne konnte indes nur gelingen, wenn sie auf antisemitische Ressentiments bei den Lesern traf, die als gelungenen Witz oder unterhaltsame Satire betrachteten, was in Wirklichkeit entwürdigende Verleumdung war. Die Denunziation gelang und Alfred Hirschberg, Funktionär des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin und enger Freund von Weiß, schrieb in seinem Nachruf 1951, dass Goebbels´ Propaganda es geschafft habe, dass alle Welt nur von »Isidor« sprach. Eine Medizinstudentin erlebte eine Demonstration an der Berliner Universität samt Polizeieinsatz mit, bei dem auch Weiß anwesend war. Sofort hätten die Studenten angefangen, laut »Isidor, Isidor« zu skandieren. Weiß´ Bemühungen, sich gerichtlich gegen die Verleumdungskampagne zu wehren, blieben vergeblich und gaben Goebbels immer wieder Gelegenheit, ihn im Angriff öffentlich erneut mit Häme zu übergießen.[100]

Antisemitismus stand in der Propaganda während der »Kampfzeit« allerdings nicht immer im Vordergrund. Vielmehr passte sich die Propaganda, die sich im Spannungsfeld von Ideologie und Politik bewegte, der politischen Tagesstimmung entsprechend an und hob Antisemitismus entweder massiv hervor oder betonte diesen so gut wie gar nicht. In der Phase des Übergangs zur Massenpartei und bei den Wahlkämpfen der Jahre 1930 bis 1932 lag der propagandistische Akzent zwar auf der Bekämpfung von Marxismus (dies war die Sammelbezeichnung für die als Feind begriffenen sozialistischen Parteien) und Parteiendemokratie. Aber die Parteipresse, u. a. auch der Völkische Beobachter (im Folgenden VB) als NSDAP-Zentralorgan, setzte die antijüdische Stimmungsmache unterschwellig praktisch ungemindert fort. Die Propaganda mied hierbei jedoch allzu aggressive Ausfälle, die den Legalitätsbekundungen Hitlers nicht entsprochen und einzelne Gesellschaftsgruppen irritiert hätten. Aus diesem Grund unterdrückten führende Nationalsozialisten die bisweilen angeschlagenen radikal antisemitischen Töne.[101]

Antisemitismus erfüllte während der »Kampfzeit« eine doppelte Funktion: Zum einen war er für die Binnenintegration der nationalsozialistischen Massenbewegung von außerordentlicher Bedeutung. Durch Mitgliederzuwachs aus allen Teilen der Bevölkerung wuchs die soziale Heterogenität der Parteianhänger und die Interessengegensätze nahmen zu. Die alten Spannungen zwischen »linken« und »rechten« Elementen, nationalrevolutionären, nationalkonservativen und elitären Tendenzen erhielten so neuen Auftrieb. Diese divergierenden Kräfte führte der nationalsozialistische Mythos zu einer einheitlichen Bewegung zusammen. Neben dem »Führer-Mythos« zählte der permanent propagierte Antisemitismus zu den wichtigsten Integrationsfaktoren. Er war gefühlsmäßig besetzt und stellte ein ideologisch einigendes Element in der NS-Bewegung dar. Innerhalb der Partei gab es über den abstrakt-utopischen Antisemitismus und die judenfeindliche Propaganda keine geteilte Meinung. Alle Mitglieder stellten sich geschlossen hinter Hitler und den von ihm propagierten Kampf gegen das Weltjudentum.[102] Die NSDAP verstand sich auch als Partei der „anti-jüdischen Revolution“[103].

Der Antisemitismus war außer für die Binnenintegration auch für die Massenmobilisierung der Wählerschaft der NSDAP nicht ganz ohne Bedeutung. In der Forschung differieren die Meinungen über die Relevanz dieser Funktion jedoch stark. Nach Golo Mann spielte die antisemitische Propaganda „[…] gerade in den zwei bis drei Jahren vor Hitlers Machtergreifung [...] eine ganz geringe Rolle“[104]. Auch Eva Reichmann schätzte die Wirkung der antisemitischen Propaganda schwach ein: Der Antisemitismus wurde wohl hingenommen, aber er „[…] bildete nicht den Ausgangspunkt für die politischen Entscheidungen der Wähler“[105]. George Mosse zu Folge „[…] machte erst Hitler den Antisemitismus zu einem politischen Vehikel, ein Schachzug, dessen Richtigkeit durch die Aufnahme in der Öffentlichkeit bestätigt wurde“[106]. Nach Helmut Berding verfehlte „[…] die […] charakteristische Verbindung von schichten- und gruppenspezifischer antisemitischer Propaganda mit einem äußerst diffusen ´metaphysischen´ Antisemitismus offensichtlich ihre Wirkung nicht“[107].

Mit letzter Sicherheit wird sich die Frage nach der antisemitischen Motivation der NS-Wähler wohl nicht beantworten lassen. Eines ist jedoch sicher: Bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 entschieden sich von über 44 knapp 14 Millionen Wähler für die NSDAP. Jeder dritte Deutsche gab seine Stimme einer Partei, die ohne jeden Zweifel für jedermann deutlich erkennbar ihrem ganzen Wesen nach durch und durch antisemitisch war.[108]

4. Antisemitische Propaganda im Dritten Reich

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 erfuhr der Antisemitismus eine entscheidende qualitative Veränderung. Er trat gewissermaßen in den Dienst des Staates, in dem die aggressivsten und entschiedensten Antisemiten, die jemals in einer modernen Nation an die Macht gekommen waren, die Herrschaft an sich gerissen hatten. Antijüdische Ressentiments und Sehnsüchte, die während der Weimarer Republik und im Wilhelminischen Kaiserreich auf den zivilen und nichtstaatlichen Bereich begrenzt wurden, erhoben die Nationalsozialisten zu Leitprinzipien der staatlichen Politik. Der rassische Antisemitismus den Hitler und die NSDAP vertraten war nun nicht mehr nur Parteiprogramm, sondern Regierungspolitik. Diffamierung, Entrechtung, Enteignung und später Vertreibung und Mord sollten von nun an das Leben der jüdischen Minderheit im Dritten Reich bestimmen.

Der Psychologe Michael Müller-Claudius trifft in diesem Zusammenhang eine weiterführende und wichtige Unterscheidung zwischen zwei Stufen des Antisemitismus:

[Vom Antisemitsmus], muß doch gesagt werden, daß er bis zum Einbruch des Hitlerismus in einem ganz bestimmten Sinne statisch geblieben ist. […] Er war durchwaltet von den Affekten der Angst, der Verachtung, des Hasses – aber es war noch nichts in ihm von der äußersten, durch den Hitlerismus programmatisch ausgelösten Entwicklung des statischen zum dynamischen Haß. […] Der im statischen Stadium Hassende will den Gehaßten meiden, ihn nicht mehr sehen, nicht mehr kennen, nicht mehr grüßen, er verbittet sich, daß in seiner Gegenwart dessen Name genannt werde. Er will sich leibhaftig von ihm absondern. Er ächtet ihn. Statischer Haß ist Aechtungshaß [sic!]. Der im dynamischen Stadium Hassende aber will den Gehassten verfolgen, ihn angreifen, ihm Schaden zufügen, und in der höchsten Aufgipfelung des dynamischen Hasses ihn vernichten. […] Das dynamische Hassen […] ist aggressiver Natur und läuft deshalb nicht im Hassenden selbst ab, sondern will sich an dem Gehaßten vollziehen. Es ist eine dauernd gespannte seelische Tätigkeit, die im Endziel darauf gerichtet ist, das Objekt des Hassens zu vernichten. Der dynamische Haß ist Vernichtungshaß.[109]

Den Wunschvorstellungen Hitlers entsprechend sollte der dynamische Antisemitismus (welcher wohl mit Goldhagens eliminatorischen Antisemitismus gleichgesetzt werden kann) keineswegs auf die NSDAP beschränkt bleiben, sondern er wollte ihn in möglichst breiten Kreisen des deutschen Volkes verankert wissen. „Die Diktaturen der traditionellen Eliten wollten die Massen neutralisieren und haben sie deshalb von der aktiven Teilnahme am politischen Leben ausschalten wollen. Dagegen haben die Nationalsozialisten eine Situation schaffen wollen, in der Öffentlichkeit ständig mobilisiert war.“[110] Hitler wollte ein autoritäres, führerorientiertes System, das den Rückhalt der Bevölkerung genoss. Er wollte eine Diktatur maßgeschneiderten Zuschnitts und strebte das an, was der Historiker Martin Broszat ein „Experiment in plebiszitärer Diktatur“[111] genannt hat. Die Deutschen sollten sich dabei also nicht einfach an das neue System anpassen und sich mit ihm arrangieren, sondern »idealistisch« motiviert sein, um den Nationalsozialisten zu bestätigen, dass das, wofür das Dritte Reich stand, den »besten« deutschen Traditionen entsprang. Sie sollten ihre Liebe zum Führer zeigen und durch aktive Zusammenarbeit mit dem Regime seine Vision von einem judenfreien Deutschland auf radikale Weise realisieren.[112]

Darüber hinaus war es den Nationalsozialisten gerade im Kriege besonders wichtig, die Zustimmung der Bevölkerung zu bewahren, da Hitler aufgrund seiner Deutung der Niederlage von 1918 nichts so fürchtete wie den psychischen Zusammenbruch der Heimatfront. Das Verhalten der Bevölkerungsmehrheit war daher nicht nur moralisch, sondern auch politisch von Bedeutung.[113]

Der nationalsozialistischen Propaganda kam dabei die zentrale Aufgabe zu, die immer wieder postulierte Einheit von Volk und Führung herzustellen, wach zu halten und auf immer breitere Schichten zu übertragen. Sie sollte, den erforderlichen Konsens der Bevölkerung zu den antisemitischen Maßnahmen der Regierung sichern.[114] Als Joseph Goebbels die Leitung des neugeschaffenen Reichspropagandaministeriums übernahm, verkündete er am 15. März 1933: „Das Volk soll nicht mehr sich selbst überlassen werden, die Regierung soll nicht mehr wie bisher vom Volke abgeschlossen sein […]. Das Volk soll anfangen einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren und sich der Regierung mit ganzer Sympathie zur Verfügung zu stellen.“[115]

Da Hitlers extrem antisemitische Weltanschauung den politischen Rahmen des »Dritten Reiches« absteckte, war es eine zentrale Funktion der hasserfüllten antisemitischen Propaganda in möglichst breiten Bevölkerungskreisen den statischen Hass in dynamischen Hass gegen die Juden umzuwandeln.[116] Im Folgenden werden die propagandistischen Mittel näher untersucht welcher sich die Nationalsozialisten bedienten um dieses Ziel zu erreichen.

4.1. Die Massenmedien

Während vor 1933 die NS-Propaganda noch auf einem demokratisch verfassten Meinungsmarkt mit den politischen Botschaften und Zielen der anderen Parteien und der nicht parteipolitisch gebundenen Presse konkurrierte, sollte sich das mit der NS-Machtübernahme grundlegend ändern. Das Ziel von Goebbels war es die gesamte Presse, den Rundfunk und auch alle anderen Formen der publizistischen Meinungsäußerung unter die absolute Kontrolle der Nationalsozialisten zu bringen. Die Gleichschaltung der Medien war die zentrale Voraussetzung dafür den Nationalsozialisten ein Monopol über die Bildung der öffentlichten Meinung in Deutschland zu verschaffen. Dies ermöglichte ihnen wiederum den Informations- und Meinungsfluss beinahe vollkommen nach ihrem Belieben zu steuern. Nachrichten konnten der Bevölkerung vorenthalten, andere ihr im Übermaß aufgedrängt werden. Das Agenda-Setting, die Bestimmung der öffentlichen Tagesordnung, oblag daher vollständig den NS-Propagandisten. Angestrebt war eine totale „Regie des öffentlichen Lebens“[117], im Dienste der NS-Weltanschauung und ihrer »Judenpolitik«.[118]

[...]


[1] Hitler, Adolf: Mein Kampf, Ungekürzte Kriegsausgabe, München 1940, S. 654.

[2] Vgl. Kißener, Michael: Das Dritte Reich, Darmstadt 2005, S. 37 ff.

[3] Vgl. Kißener 2005, S. 40.

[4] Siehe hierzu beispielsweise Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge Totaler Herrschaft, Frankfurt am Main 1955.

[5] Kershaw 1983b, S. 180.

[6] Für eine Übersicht über den Forschungsstand vgl. Kulka, Otto Dov/Rodrigue, Aron: The German Population and the Jews in the Third Reich, Recent Publication and Trends in Research on German Society and the „Jewish Question“, in: Marrus, Michael R.: The Nazi Holocaust, Public Opinion and Relations to the Jews in Nazi Europe, Bd. 1, London 1989, S. 46 ff; vgl. auch Bankier, David: Die öffentliche Meinung im Hitler Staat, Die „Endlösung“ und die Deutschen, Eine Berichtigung, Berlin 1995, S. 7 ff.; vgl. auch Kershaw, Ian: How effective was Nazi Propaganda? in: Welch, David (Hrsg.): Nazi Propaganda, Beckenham 1983b, S. 180.

[7] Goldhagen, Daniel: Hitlers willige Vollstrecker, Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996.

[8] Kißener 2005, S. 37.

[9] Zur Übersicht der Kontroverse siehe Schoeps, Julius H.: Ein Volk von Mördern? Die Dokumentation zur Goldhagen-Kontroverse um die Rolle der Deutschen im Holocaust, Hamburg 1996; siehe hierzu auch Kißener 2005, S. 37 ff.

[10] Vgl. Schoeps 1996, S. 9.

[11] Vgl. Schoeps 1996, S. 7 ff.

[12] Goldhagen 1998, S. 591.

[13] Vgl. Genschel, Helmut: Judenverfolgung und Judenvernichtung im „Dritten Reich“, in: Die Juden und Wir, Arbeitskreis für angewandte Anthropologie (Hrsg.), Hannover 1960, S. 6.

[14] Zu dieser Methodik der beschreibenden Analyse antisemitischer Propaganda siehe Adorno, Theodor: Antisemitismus und faschistische Propaganda. in: Simmel, Ernst (Hrsg.): Antisemitismus, Frankfurt am Main 1993, S. 148 ff.

[15] Vgl. Raphael, Freddy: „Der Wucherer“, in: Antisemitismus, Vorurteile und Mythen, Schoeps, Julius und Schlör, Joachim (Hrsg.), Frankfurt am Main 1997, S. 103 ff. Dabei ist anzumerken, dass die christliche Lehre sowohl pro- wie auch antisemitisch ausgelegt werden kann: Sie kann das jüdische Volk entweder als das ursprünglich auserwählte erhöhen, welches den Messias hervorgebracht hat; sie kann es auch als »Christuskreuziger« brandmarken. Die Juden sind ebenso das Volk Christi wie das des Judas. Beide Auslegungsversuche sind vertreten worden. Wichtig ist jedoch, dass historisch gesehen häufiger die zweite Anschauung – die des Christusverfolgers und –kreuzigers – zur Wirkung kam. Vgl. hierzu Genschel 1960, S. 7.

[16] Vgl. Rainer Erb: „Der Ritualmord“, in: Schoeps/Schlör, 1997, S. 103 ff.

[17] Vgl. Scheffler, Wolfgang: Judenverfolgung im Dritten Reich, Berlin 1960, S. 8 f.

[18] Vgl. Genschel 1960, S. 7.

[19] Schoeffler 1960, S. 9 ff.

[20] Vgl. Genschel 1960, S. 7 f; vgl. auch Berding, Helmut: Moderner Antisemitismus in Deutschland, Frankfurt am Main 1988, S. 165 ff.; Winkler, Heinrich August: Die deutsche Gesellschaft der Weimarer Republik und der Antisemitismus – Juden als Blitzableiter, in: Benz, Wolfgang/Bergmann, Werner, Vorurteil und Völkermord, Entwicklungslinien des Antisemitismus, Bonn 1997, S. 341 ff.

[21] Bauer, Gerhard: Sprache und Sprachlosigkeit im Dritten Reich, Köln 1990 S. 36, zitiert nach Gorr, Doris: Nationalsozialistische Sprachwirklichkeit als Gesellschaftsreligion, Eine sprachsoziologische Untersuchung zum Verhältnis von Propaganda und Wirklichkeit im Nationalsozialismus, Aachen 2000, S. 72.

[22] Gorr 2000, S. 72.

[23] Vgl. Arendt 1955, S. 508.

[24] Vgl. Frei, Norbert: Nationalsozialistische Presse und Propaganda, in: Broszat, Martin/Möller, Horst (Hrsg.): Das Dritte Reich, Herrschaftsstruktur und Geschichte, München 1983, S. 152 ff.; vgl. auch Longerich, Peter: Nationalsozialistische Propaganda, in: Bracher, Karl D./Funke, Manfred/ Jacobsen, Hans-Adolf (Hrsg.): Deutschland 1933 – 1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, München 1993 , S. 291 .

[25] Siehe zum Beispiel Longerich 1993, S. 291 ff.

[26] Vgl. Bussemer, Thymian: Propaganda, Konzepte und Theorien, Erfurt 2005a, S. 172 ff.; vgl. auch Bussemer, Thymian: „Über Propaganda zu diskutieren, hat wenig Zweck“, zur Medien- und Propagandapolitik von Joseph Goebbels, in: Hachmeister, Lutz/Kloft, Michael (Hrsg.): Das Goebbels Experiment, Propaganda und Politik, München 2005b. S. 49 ff.

[27] Bussemer 2005a, S. 173.

[28] Vgl. Bussemer 2005a, S. 173 f.

[29] Hitler 1940, S. 193.

[30] Vgl. Longerich 1993, S. 291.

[31] Vgl. Kershaw, Ian: Antisemitismus und Volksmeinung. Reaktionen auf die Judenverfolgung, in: Broszat, Martin et al. (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit, Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Band. 2, München 1979, S. 281; vgl. auch Auerbach, Hellmuth: Führungspersonen und Weltanschauungen des Nationalsozialismus, in: Broszat, Martin et al. (Hrsg.): Das Dritte Reich, Herrschaftsstruktur und Geschichte, München 1983, S. 131 ff.

[32] Vgl. Bussemer 2005b, S. 50.

[33] Hitler 1940, S. 376.

[34] Der Begriff der Masse in Hitlers Mein Kampf ist zweideutig. Auf der einen Seite charakterisiert er sie sehr negativ, auf der anderen Seite spricht er ihr so etwas wie einen moralischen Grundwillen zu. Dieses ambivalente Verständnis bei Hitler resultiert daraus, dass er sie verachtete, gleichzeitig aber auf sie angewiesen war. Sie sollte ihm zur Macht verhelfen und an ihr konnte er sein propagandistisches Können erfahren. Während seiner Reden war die Masse für Hitler primär ein Mittel der Selbstbefriedigung. Vgl. Bussemer 2005a, S. 176. „Hitlers Verhältnis zur Masse ist dem eines Liebhabers vergleichbar, den sein Liebesobjekt gleichermaßen erregt wie verunsichert, da es sich seiner Beherrschung immer wieder zu entziehen droht. Nicht zufällig beschreibt er die Masse in einer libidinös eingefärbten Sprache unter Verwendung sexueller Allegorien.“Paul, Gerhard: Aufstand der Bilder: Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990 S. 31.

[35] Hitler 1940, S. 201.

[36] Hitler 1940, S. 371.

[37] Hitler 1940, S. 198.

[38] Zitiert nach Longerich, 1993 S. 291 f.

[39] Hitler 1940, S. 46.

[40] Hitler 1940, S. 198.

[41] Hitler 1940, S. 203.

[42] Hitler 1940, S. 129.

[43] Vgl. Paul 1990, S. 41.

[44] Hitler 1940, S. 302.

[45] Vgl. Longerich 1993, S. 292.

[46] Bussemer 2005a, S. 175.

[47] Vgl. Paul 1990, S. 23.

[48] Hitler 1940, S. 39 ff.

[49] Vgl. Hitler 1940, S. 39 ff.

[50] Vgl. Berding 1988, S. 192 f.

[51] Die These von der Überlegenheit der Alliierten über die deutsche Weltkriegspropaganda ging auf General Ludendorff zurück. In seinen 1919 erschienenen „Kriegserinnerungen“ hatte er die Niederlage dem moralischen Zusammenbruch der Front und der Demoralisierung der Heimat als Folge der Überlegenheit der britischen Propaganda zugeschrieben. So habe Deutschland, obwohl sein Heer in offener Schlacht unbesiegt geblieben sei, durch den propagandistischen Dolchstoß den Krieg dennoch verloren. Vgl. Paul 1990 S. 26 f.

[52] Vgl. Paul 1990 S. 33 f.; vgl. auch Longerich 1993, S. 292 f.

[53] Vgl. Paul 1990, S. 23 ff.

[54] Vgl. Bussemer 2005b, S. 50.

[55] Longerich 1993, S. 293.

[56] Vgl. Longerich 1993, S. 293.

[57] Vgl. Bussemer 2005a, S. 174 ff.; vgl. auch Longerich 1993, S. 293.

[58] Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, Frankfurt am Main 1962, zitiert nach Longerich 1993, S. 294.

[59] Longerich 1993, S. 293.

[60] Vgl. Longerich 1993, S. 294.

[61] Vgl. Bussemer 2005a, S. 178.

[62] Vgl. Zimmermann, Clemens: Medien im Nationalsozialismus: Deutschland 1933 – 1945, Italien 1922 – 1943, Spanien 1936 – 1951, Wien 2007, S. 17.

[63] Paul 1990, S. 54.

[64] Vgl. Bussemer 2005a, S. 178.

[65] Vgl. Zimmermann 2007, S. 18. Neben den Hauptpropagandisten, Hitler und Goebbels, gab es auch noch weitere Propagandisten wie Rosenberg, die Gebrüder Strasser, Hadamovsky und Dietrich. Vgl. Bussemer 2005a, S. 178. Im Rahmen dieser Arbeit ist es jedoch nicht möglich auf die Einzelnen Konzepte einzugehen.

[66] Vgl. Bussemer 2005b, S. 50.

[67] Strasser, Otto: Mein Kampf. Eine politische Autobiographie, Frankfurt am Main 1969, S. 30 f. Auch Strasser betont den Unterschied zwischen Hitler und Goebbels: „Alles mochte das Propagandagenie fertigbringen. Aber eines konnte er nicht: den Wert der ´Ware´ ändern, die er verkaufte. Er konnte sie für gut verkaufen, auch wenn sie minderwertig war und dabei einige Zeit Erfolg haben, aber er konnte nicht alle Menschen für alle Zeit irreführen. Er war gescheit genug, auch das zu wissen. Hitler wußte es nicht.“ Strasser 1969, S. 32.

[68] Goebbels, Joseph: Neue Methoden der Propaganda, Wege ins Dritte Reich. Briefe und Aufsätze für Zeitgenossen, München 1927, S. 18, zitiert nach Bussemer 2005b, S. 50.

[69] Vgl. Bussemer 2005b, S. 51.

[70] Vgl. Adam, Uwe: Wie spontan war der Pogrom? in: Pehle, Walter (Hrsg.): Der Judenpogrom 1938, Von der „Reichskristallnacht“ zum Völkermord, Frankfurt am Main 1994, S. 91.

[71] Vgl. Bussemer 2005a, S. 179.

[72] Goebbels, Joseph: Ansprache an die Intendanten und Direktoren der Rundfunkgesellschaften am 25.3.1933, in: Heiber, Helmut (Hrsg.): Goebbels-Reden. 1932-1939, Band 1, Düsseldorf 1971, S. 94.

[73] Goebbels 1933, S. 95. Welche Konsequenzen sich für die antisemitische Propaganda aus den divergierenden Ansätzen ergeben, lässt sich besonders am Beispiel des Films verdeutlichen. So hat Hitler in einem Gespräch mit der Schauspieler Tony van Eyck dafür plädiert: „Gewiß ich will den Film auf der einen Seite voll und ganz als Propagandamittel ausnützen, aber so, daß jeder Besucher weiß, heute gehe ich in einen politischen Film. Genauso, wie er im Sportpalast auch nicht Politik und Kunst gemischt zu hören bekommt. Mir ist es zum Ekel, wenn unter dem Vorwand der Kunst Politik getrieben wird. Entweder Kunst oder Politik.“ Zitiert nach Hollstein, Dorothea: Antisemitische Filmpropaganda, Die Darstellung des Juden im nationalsozialistischen Spielfilm, Berlin 1971, S. 22. Goebbels hingegen war sehr daran gelegen die Propaganda möglichst geschickt zu Verschleiern. Durch Sprachregelung ließ er 1939 den Ausdruck »Antisemitismus« verbieten und durch »Judenabwehr«, »Judengegnerschaft« ersetzen. Vgl. Hollstein 1971, S. 22. Im Jahre 1940 gab der Zeitschriftendienst in einer seiner für die Redaktionen stets verbindlichen Anweisungen unter dem Stichwort »Judenfilme« bekannt: „Filme, in deren Stoffen Juden eine Rolle spielen, sollen nicht als antijüdische Filme bezeichnet werden. Wir wollen deutlich werden lassen, daß diese Filme nicht aus irgendwelchen tendenziösen Überlegungen so oder so gefärbt wurden, sondern die historische Tatsachen so wiedergeben, wie sei eben waren.“ Zitiert nach Hollstein 1971, S. 22. Hier wird deutlich, dass die Filme genau das bezweckten, was die Sprachregelung leugnete: Sie sollte in tendenziöser Verdrehung der Tatsachen antijüdische Propaganda verbreiten. Vgl. Hollstein 1971, S. 22.

[74] Zimmermann 2007, S. 18.

[75] Vgl. Zimmermann 2007, S. 18; vgl. auch Bussemer 2005b S. 49 ff. Diese Definition stellt indes ein implizites, später rekonstruiertes Propagandaverständnis Goebbels´ dar. Vgl. Bussemer 2005a, S. 179 ff; vgl. auch Zimmermann 2007, S. 18 ff.

[76] Ranke, Winfried: Propaganda, in: Benz, Wolfgang et al. (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Stuttgart 1997, S. 38.

[77] Bussemer 2005a, S. 188.

[78] Grundlegend hierzu siehe Paul 1990.

[79] Vgl. Ranke 1997, S. 34 ff.; vgl. auch Berding 1988, S. 198 ff.

[80] Vgl. Jäckel, Eberhard: Hitlers Weltanschauung, Entwurf einer Herrschaft, Stuttgart 1983, S. 55 ff.

[81] Vgl. Kershaw 1979, S. 281.

[82] Vgl. Gorr 2000, S. 72 ff.

[83] Kershaw 1983b, S. 185.

[84] Vgl. Berding 199 f.

[85] Völkischer Beobachter vom 25.Februar 1926, zitiert nach Berding 1988, S. 201.

[86] Berding 1988, S. 203.

[87] Vgl. Berding 1988, S. 203; vgl. auch Auerbach, Hellmuth: Führungspersonen und Weltanschauungen des Nationalsozialismus, in: Das Dritte Reich, Herrschaftsstruktur und Geschichte, Broszat, Martin/Möller, Horst (Hrsg.): München 1983, S. 131 ff.

[88] Vgl. Kershaw, Ian: Der Hitler-Mythos, Volksmeinung und Propaganda im Dritten Reich, Stuttgart 1980, S. 16.

[89] Vgl. Berding 1988, S. 201.

[90] Hoffmann, Hilmar: „Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit“. Propaganda im NS-Film, Frankfurt am Main 1988, S. 91.

[91] Klemperer, Viktor: LTI. Notizbuch eines Philologen, Köln 1987, S. 187.

[92] Vgl. Vondung, Klaus: Die Apokalypse des Nationalsozialismus, in: Ley, Michael/Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Der Nationalsozialismus als politische Religion, Bodenheim bei Mainz 1997, S. 42.

[93] Vgl. Berding 1988, S. 205.

[94] Vgl. Wildt, Michael: Geschichte des Nationalsozialismus, Göttingen 2008, S. 43.

[95] Vgl. Frei 1983, S. 160; vgl. auch Berding 1988, S. 205.

[96] Bussemer 2005b, S. 51.

[97] Vgl. Wildt 2008 S. 43 f.

[98] Stephan: Goebbels. Dämon einer Diktatur, Stuttgart 1949, S. 68, zitiert nach Berding 1988, S. 205.

[99] Vgl. Frei 1983, S. 160.

[100] Vgl. Wildt 2008, S. 44.

[101] Vgl. Berding 1988, S. 206.

[102] Vgl. Berding 1988, S. 210 f.

[103] Mosse, George: Ein Volk, Ein Reich, Ein Führer, Die völkischen Ursprünge des Nationalsozialismus, Königstein 1979, S. 309.

[104] Mann, Golo: Der Antisemitismus. Wurzeln, Wirkung und Überwindung, Frankfurt am Main 1962, S. 33.

[105] Reichmann, Eva, G.: Die Flucht in den Hass. Die Ursachen der deutschen Judenkatastrophe, Frankfurt 1956, S. 277.

[106] Mosse 1979, S.

[107] Berding 1988, S. 211 f.

[108] Vgl. Berding 1988, S. 212.

[109] Müller-Claudius, Michael: Der Antisemitsmus und das deutsche Verhängnis, Frankfurt am Main 1948 S. 76 f.

[110] Bankier 1995, S. 25.

[111] Broszat Martin: Die Machtergreifung: Der Aufstieg der NSDAP und die Zerstörung der Weimarer Republik, München 1984, S. 176.

[112] Vgl. Gellately 2004, S. 356; vgl. auch Wildt 2008, S. 90.

[113] Vgl. Büttner, Ursula (Hrsg.): Die deutsche Bevölkerung und die Judenverfolgung 1933 – 1945, in: Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich. Werner Jochmann zum 70. Geburtstag, Hamburg 1992, S. S. 71.

[114] Vgl. Steinert, Marlis: Hitlers Krieg und die Deutschen, Düsseldorf und Wien 1970, S. 30.

[115] Zitiert nach Steinert 1970, S. 30.

[116] Vgl. Kershaw 1979, S. 336.

[117] Bussemer 2005b, S. 52.

[118] Vgl. Bussemer 2005b, S. 52; vgl. auch Brechtken 2004, S. 70.

Details

Seiten
108
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640361403
ISBN (Buch)
9783640361564
Dateigröße
5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130701
Note
1,0
Schlagworte
Goebbels Hitler Antisemitismus Propaganda Dritte Reich NSDAP Nationalsozialismus Kampfzeit Kershaw Holocaust juden PR Öffentlichkeitsarbeit Manipulation Reichskistallnacht Adolf Göbbels

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Titel: Mechanismen und Wirkung antisemitischer Propaganda in der NSDAP und im Dritten Reich