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Die Prinzipal-Agenten-Theorie

Hausarbeit 2004 21 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 die Prinzipal-Agenten-theorie in wissenschaft und praxis
2.1 Definitionsansätze und Annahmen
2.2 Asymmetrisch verteilte Information und daraus resultierende Vertragsprobleme
2.3 Lösungsansätze der Prinzipal-Agenten-Probleme
2.4 Empirische Ergebnisse

3 Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Der Patient beauftragt seinen Arzt damit, für seine Gesundheit zu sorgen, der Klient seinen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung rechtlicher Interessen, der Manager seinen Untergeordneten mit einer bestimmten Aufgabe usw. Diese Fälle bilden das Erfahrungsobjekt einer Theorie des Auftragshandelns. Wichtiges Merkmal dieser Auftragsbeziehungen ist die Existenz eines Auftraggebers (Prinzipal) und eines Beauftragten (Agent), der bei der Erledigung einer Aufgabe zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten entscheidet. Mit den Anreizen der Akteure in der durch Auftragsbeziehungen geprägten arbeitsteiligen Welt beschäftigt sich die Prinzipal-Agenten-Theorie, deren Grundlage die Organisationstheorie als eine besondere Form vertraglicher Beziehungen ist.

Die in der Prinzipal-Agenten-Beziehung behandelten Probleme liegen in der Trennung von Verfügungs- und Kontrollrechten, was im Wirtschaftsleben nicht zu vermeiden ist. In einer komplexen Welt kann der Prinzipal die Handlungen und Restriktionen des Agenten nicht kostenlos und nicht vollständig beobachten. Er kann nicht prüfen, ob der Erfolg durch das Agentenverhalten oder durch die Umweltzustände bedingt ist. Als Konsequenz der zugunsten des Agenten herrschenden asymmetrischen Informationsverteilung entstehen Effizienzverluste der Organisation. In bestimmten Fällen reicht die Informationsasymmetrie so weit, dass trotz der Existenz von Nachfrage und Angebot, keine Transaktion zustande kommen kann.

Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung der Prinzipal-Agenten-Theorie durch eine Zusammenfassung der vorhandenen Literatur. Da die Zahl der Veröffentlichungen mit unterschiedlichen Ansätzen und Prämissen zu weitreichend ist, die abgeleiteten Ergebnisse zu vielfältig und die Grenzen der „eigentlichen“ Theorie immer schwerer abzustecken sind, ist es kaum möglich die Prinzipal-Agenten-Beziehung vollständig zu beschreiben.

Die Arbeit versucht einen Überblick über die Thematik zu verschaffen, ohne die mathematisch-technische Seite des Problems zu behandeln, wenngleich diese den Charakter vieler Beiträge im Schrifttum prägt. Die mathematischen Modelle sind für den Praktiker schwer zu verstehen und umzusetzen. Allerdings ist der Erfolg der Prinzipal-Agenten-Theorie ohne mathematische Präzision kaum exakt abzuleiten.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit stellt eine Theorie dar. Zu diesem Zweck haben zunächst im Kapitel 2 die ökonomischen Grundlagen dieser Theorie zu erfolgen. Als Erstes werden mehreren Definitionen und Prämissen nachgegangen. Die Grundannahme der asymmetrischen Informationsverteilung und die daraus resultierenden Vertragsprobleme werden als Nächstes näher betrachtet. Folglich werden mögliche Lösungsansätze zur Begrenzung der Prinzipal-Agenten-Probleme beschrieben. Empirische Überprüfungsversuche und deren Ergebnisse kommen zum Schluss des zweiten Kapitels. Kapitel 3 schließt mit einem Fazit, in dem verschiedene Problemgebiete der Prinzipal-Agenten-Theorie zusammengefasst und erläutert werden.

2 die Prinzipal-Agenten-theorie in wissenschaft und praxis

2.1 Definitionsansätze und Annahmen

Unter der Bezeichnung Prinzipal-Agenten-Theorie werden zwei Forschungsrichtungen der angloamerikanisch geprägten Agency-Theorie dargestellt. Die Erste ist die so genannte positivistische Agency-Theorie, deren Fokus auf der Beschreibung und Erklärung der institutionellen Gestaltung von Auftragsbeziehungen liegt. Sie ist deskriptiv und empirisch orientiert. Der zweite Theoriezweig ist die normative Agency-Theorie, die sich mit den optimalen Vertragsbedingungen auseinandersetzt. Sie ist mathematisch ausgerichtet und als Prinzipal-Agenten-Theorie (vgl. Jensen, 1983, S. 334) generell verbreitet. Zwischen beiden Theoriezweigen besteht ein enger Zusammenhang. Sie sind beide unvollständig und ergänzen sich erst zusammen zu einer geschlossenen Theorie, deren Darstellung Gegenstand dieser Arbeit ist. Da in beiden Entwicklungsrichtungen das Hauptinteresse der Prinzipal-Agenten-Beziehung gilt, und die in der Literatur meistens erforschte, normative Seite oft die Thesen des positiven Zweigs aufgreift, werden weiterhin, wie in mehreren Literaturquellen dargestellt (vgl. Arrow, 1985; Jost, 2001), beiden Theorierichtungen als Prinzipal-Agenten-Theorie diskutiert.

In der Prinzipal-Agenten-Theorie werden wirtschaftliche Vorgänge analysiert, die bei Arbeitsteilung und Kooperation auftreten. Ein Prinzipal beauftragt einen Agenten bestimmte Aufgaben zu erledigen. Grund dafür könnte z. B. bessere Sachkompetenz des Agenten oder Senkung der Opportunitätskosten für den Prinzipal sein. In der Literatur finden sich zahlreiche Beispiele für Auftragsbeziehungen. Untersucht werden unter anderem die Verhältnisse zwischen Autokäufer und Autoverkäufer (vgl. Akerlof, 1970), Grundbesitzer und Pächter (vgl. Stiglitz, 1974), Versicherer und Versichertem (vgl. Rothschild/Stiglitz, 1976), Aktionär und Manager (vgl. Jensen/Meckling, 1976).

Zu Beginn der Entwicklung der Prinzipal-Agenten-Theorie definierte Ross (1973, S. 134) eine Auftragsbeziehung folgendermaßen: „…an agency relationship has arisen between two (or more) parties when one, designated as the agent, acts for, on behalf of, or as representative for the other, designated the Principal, in a particular domain of decision problems”. Diese Definition erwies sich für spätere Erweiterungen als zu eng, und in die Literatur wurden wesentlich allgemeinere Definitionen eingeführt. Pratt und Zeckhauser (1985, S. 2) definieren: „Whenever one individual depends on the action of another, an agency relationship arises. The individual taking the action is called the agent. The affected party is the Principal.” Einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen sehr engen und sehr allgemeinen Begriffsbestimmung findet Arrow (1985, S.37), dessen Definition als grundlegend in der Prinzipal-Agenten-Literatur gilt. „The common element is the presence of two individuals. One (the agent) must choose an action from a number of alternative possibilities. The action affects the welfare of both the agent and another person, the Principal. The Principal, at least in the simplest cases, has the additional function of prescribing payoff rules; that is, before the agent chooses the action, the Principal determines a rule that specifies the fee to be paid to the agent as a function of the Principal’s observations of the results of the action. The problem acquires interest only when there is uncertainty at some point and, in particular, when the information available to the two participants is unequal.”

Ferner entwickeln Jensen und Meckling (1976, S. 308 ff.) den Begriff der Auftragsbeziehung als “contract” zwischen mehreren Individuen, wobei sie von dem Organisationsbegriff ausgehen: „it is important to recognize that more organisations are simply legal fictions, which serve as a nexus for a set of contracting relationships among individuals. This includes firms, non-profit institutions such as universities, hospitals and foundations, mutual organizations…, some private clubs, and even governmental bodies such as cities, states…, etc.”.

Im Mittelpunkt der Auftragsbeziehung zwischen dem Prinzipal und dem Agenten, die Mitglieder einer vertraglich geregelten Organisation sind, steht ein zweiseitig verpflichtender Vertrag. Als Vertrag bezeichnet Jost (2001, S.13) „ein Übereinkommen zwischen den beiden Parteien, in dem für alle möglichen Eventualitäten, die im Laufe ihrer Beziehung auftreten können, die jeweils zu leistenden Beiträge zur gemeinsamen Zusammenarbeit und die Beteiligungen am Erfolg im vorhinein festgelegt sind“.

Aufgrund der vertraglichen Beziehung, die im Abschnitt 2.2 genauer beschrieben wird, bezeichnen Richter und Furubotn (1996, S. 162) die Prinzipal-Agenten-Theorie als eine ökonomische Vertragstheorie.

Um die Prinzipal-Agenten-Interaktion zu verdeutlichen, wird näher auf die in der Literatur anzutreffenden Prämissen eingegangen.

Fritsch, Wein und Ewers (1996, S. 211) erkennen drei Formen von Informationsmängeln: Qualitätsunkenntnis, Nutzenunkenntnis und Preisunkenntnis. Die Qualitätsunkenntnis besteht darin, dass der Prinzipal die Qualität eines Gutes oder einer Leistung ex ante schlechter einschätzen kann. Er verfügt über weniger Informationen als der Agent. In diesem Fall spricht man vom Vorliegen einer asymmetrischen Informationsverteilung zwischen den beiden Parteien, was als grundlegende Annahme in der Prinzipal-Agenten-Theorie gilt. Demzufolge könnte der Markt versagen oder der Fall eintreten, dass nur noch schlechte Qualität angeboten wird (siehe Abschnitt 2.2).

Das Verhalten bei asymmetrischer Information wird in der Literatur als Gegenstand der Informationsökonomik betrachtet (vgl. Richter/Furubotn, 1996, S. 201). Im Jahre 2001 wurden die drei amerikanischen Ökonomen George Akerlof, Michael Spence und Joseph Stiglitz mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. Sie erschließen mit der Informationsökonomik ein neues Forschungsfeld.

Das Grundmodell der Prinzipal-Agenten-Theorie geht davon aus, dass ein Prinzipal eine Aufgabe an einen hierarchisch untergeordneten Agenten delegiert, deren effiziente Lösung Nutzen für den Prinzipal bringt. Dagegen hat der Agent zwischen einer qualitätsmäßig hohen Beanspruchung seiner Arbeitskraft, die zu den gewünschten Ergebnissen führen würde und einer geringeren Anstrengung seinerseits, wie z. B. mehr Freizeit, zu wählen. Zwischen den beiden Akteuren entsteht ein Interessenkonflikt. Jeder ist bestrebt, die eigene Nutzenfunktion zu maximieren. Sie sind Eigennutzen-Maximierer (vgl. Petersen, 1989, S. 109).

Diese Annahme impliziert, dass die eine Partei bei ihren Entscheidungen und Handlungen „die Wechselwirkungen ihrer Interaktion mit der anderen Partei“ berücksichtigt (vgl. Jost, 2001, S. 16). In der Spieltheorie wird dieses Verhalten strategisch genannt. Der Prinzipal kann nicht immer mit determinierten Handlungen des Agenten rechnen. Vielmehr gilt es bei der Vertragsgestaltung zu berücksichtigen, dass sich der Agent strategisch und als Nutzenmaximierer verhält.

Eine weitere wichtige Annahme in der Prinzipal-Agenten-Theorie ist das opportunistische Verhalten, d.h., dass die Vertragspartner „ihre individuelle Nutzenmaximierung auf Kosten des anderen betreiben“ (vgl. Petersen, 1989, S. 113). Der Opportunismus wirft die Frage nach der Risikoeinstellung der Geschäftspartner auf. Die Risikopräferenz prägt sich nach Petersen in die Nutzenfunktion des Individuums ein. Sie beschreibt die Bereitschaft von Akteuren, sich bei der Wahl ihres Handelns opportunistisch zu verhalten und dadurch Risiken in Kauf zu nehmen. Man unterscheidet zwischen risikoscheuen, risikoneutralen und risikoaversen Individuen (vgl. Kräkel, 1999, S. 59).

In der Prinzipal-Agenten-Theorie werden zwei Möglichkeiten diskutiert: der Agent ist entweder als risikoneutral oder als risikoavers anzunehmen. Risikoneutralität wird oft zusammen mit beschränkter Zahlungsfähigkeit im Bezug auf Abkaufen der Kooperationsgewinne unterstellt. Die Risikoaversität wird dagegen als Grundbaustein der meisten Prinzipal-Agenten-Modelle betrachtet (vgl. Jost, 2001, S. 22).

Das Ergebnis der Leistungserbringung beim Agenten kann auch exogen beeinflusst werden. Der Aufgabenerfolg hängt nicht nur von den Agentenentscheidungen und –handlungen ab, sondern auch von äußeren Umweltbedingungen, wie z. B. der Konjunkturlage (vgl. Jost, 2001, S. 21). Als Folge könnte einerseits ein erwünschtes Ergebnis trotz der Bemühungen des Agenten scheitern. Andererseits könnte der Agent behaupten, dass ein unzureichendes Ergebnis auf die ungeeigneten Bedingungen, deren Beseitigung nicht in seiner Macht liegt, zurückzuführen sei. Dieses Verhalten wird Shirking genannt (vgl. Petersen, 1989, S.111). Der Prinzipal kann ohne weitere Informationen nicht beurteilen, ob die Gründe für das schlechte Ergebnis in der Person des Agenten liegen oder nicht.

Eine andere, von Richter und Furubotn (1996, S. 190 f.) beschriebene, wichtige Annahme ist die begrenzte Rationalität. Darunter versteht man „die Unfähigkeit von Entscheidungssubjekten, Information augenblicklich und kostenlos zu erlangen und zu verarbeiten.“

Außer den Grundannahmen in der Prinzipal-Agenten-Theorie sind auch viele Erweiterungen in den verschiedenen Literaturquellen zu finden, die das Modell noch zusätzlich verkomplizieren. Unter dem Begriff der Common Agency versteht man den Fall, in dem ein Agent für mehrere Prinzipale tätig ist. Der einzelne Prinzipal kann wieder nicht erkennen, ob sich der Agent in seinem Interesse verhält oder nicht (vgl. Donges/Freytag, 2001, S. 154). Weitere Quellen (vgl. Meinhövel 1998, S. 94) untersuchen auch das Verhältnis zwischen einem Auftraggeber und mehreren Beauftragten („mehrfache Auftragsbeziehung“). Eine andere Erweiterung der Prinzipal-Agenten-Ansätze ist das Multitasking. Im Standartmodell wird nur eine Tätigkeit des Beauftragten angenommen. Das Multitasking-Modell berücksichtigt die Mehrdimensionalität in der Aufgabenerfüllung. Zwei oder mehrere Aufgaben können von einem Prinzipal an den Agenten delegiert werden (vgl. Dietl/Velden, 2003, S. 318).

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Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640364060
ISBN (Buch)
9783640364411
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130583
Institution / Hochschule
Universität Witten/Herdecke – Reinhard-Mohn-Stiftungslehrstuhl für Unternehmensführung
Note
1,5
Schlagworte
Prinzipal-Agenten-Theorie

Autor

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Titel: Die Prinzipal-Agenten-Theorie