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Capoeira und Breakdance

Zwei Tänze eine Philosophie

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Capoeira historische Sicht

3. Breakdance historische Sicht

4. Parallelen
4.1.Kulturell
4.2.Medial

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die meisten zählen Capoeira, sofern sie ihn überhaupt einer Kategorie zuordnen, zur Kategorie der Kampfkünste1. Jedoch handelt es sich bei dieser Form der Kampfkunst nicht um eine vollständig terminierte Bewegungsart, sondern vielmehr um eine hybride Bewegungslehre, die Elemente des Tanzes sowie des Kampfes aufweisen. Zudem ist der Anteil von Musik dieses Kampftanzes mindestens genauso elementar, wie der gesellschaftliche Rahmen in dem er stattfindet und zelebriert wird.

Breakdance weist hier Konvergenzen auf und diese Hausarbeit wird auf Bezüge des Capoeira in heutigem Hip-Hop eingehen. Eindeutig sind Parallelen der Capoeira im heutigen Breakdance zu identifizieren. Diese wird die vorliegende Arbeit auf den sozialen Aspekt, den Tanz im Kreis und in der Gruppe, den historischen Aspekt und die hybride Darstellung in der heutigen Tanzvideo-Szene untersuchen.

Inwieweit Breakdance durch die Capoeira inspiriert wurde, soll zudem als Leitthese dieser Hausarbeit formuliert werden. Breakdance als Erfindung der Medien in den USA2 und Capoeira, der Kampftanz des unterdrückten Sklaven3, bilden hier, aus medialer Sicht, Deutungsmöglichkeiten die sich gegenwärtig zu einer fundamentalen Synergie entwickelt haben. Ausdruck von Aggressivität, Kraft und Kontrolle werden hierüber in den Medien kommuniziert. Es erscheinen aber auch die sozial/gesellschaftlichen Komponenten, sowie Freude, Interaktion und Faszination in Medien audiovisueller Art.

In der folgenden Arbeit wird zuerst der historische Hintergrund beider medienwirksamer Tanzstile beleuchtet, worauf im Anschluss die kulturellen Merkmale beider Bewegungsformen untersucht werden. Zuletzt wird Aufschluss darüber gegeben, wie ausgeprägt die Capoeira den Begriff des Breakdance geprägt hat und an Videobeispielen, die sich im Anhang befinden, soll konkretisiert werden, welche verwandten Darstellungen sich hier gegenüber stehen.

2. Capoeira historisch betrachtet

Zunächst muss gesagt werden, dass es keine eindeutige Geschichtsschreibung in Bezug auf die Entstehung der Capoeira gibt. Hier sind verschiedene Theorien in Umlauf. Eine davon ist die des gewaltfreien Tanz der Sklaven auf den Zuckerplantagen.

Um 1500 landete Pedro Âlvares Cabral in Brasilien4. Er gilt als einer der Entdecker Brasiliens. Zunächst Hunderte, später tausende Sklaven wurden durch seine Hand ins brasilianische Festland gebracht. Die Ureinwohner waren schlecht geeignet für jegliche Sklavenarbeit. Also wurden viele Schiffe aus Afrika, speziell aus Angola, mit schwarzen Arbeitern nach Brasilien gebracht. Ihre nur mündlich überlieferte Kultur wurde so ebenfalls in Brasilien weiter gelebt.

Die Anfänge der Capoeira liegen bei den traditionellen Männertänzen aus Angola. Der „N'golo“ ist ein Heirats- oder Paarungstanz gewesen den junge Afrikaner den Frauen vortanzten. Der Gewinner durfte die Frau heiraten. Daher auch der spätere Name der „Capoeira de angola“, der hier noch genannt werden wird. 5

Der Ursprung des Tanz liegt in Afrika und den Arbeitssklaven, die gezwungen wurden auf den Plantagen zu arbeiten. Capoeira wurde über die Herrschaft der Sklaverei in Salvador oder Recôncavo Baiano hinweg weiter zelebriert.6 Erste schriftliche Dokumente sind auf das Ende des 17. Jahrhunderts datiert. Ein Entstehungsort der Capoeira ist allerdings nicht auszumachen. Sie entwickelte sich an verschiedenen Orten. In Bahia, im Norden Brasiliens, wies sie einen stärkeren Bezug zur Religion auf, in Rio wurde sie stärker durch Kampfsporttechniken geprägt.7

Mit Napoleon Bonaparte, der 1808 Portugal überfiel, flüchtete König Joâo IV. nach Brasilien und etablierte ein erstes Polizeisystem. Major Miguel Nunes Vidigal war der Leiter dieser Institution, ein guter Kenner der Capoeira. Sämtliche afro-brasilianischen Ausübungen ließ er verfolgen und hart bestrafen. So wurde die Capoeira mit 30 Peitschenhieben bestraft.8 Ab 1824 wurde die Capoeira als Ausdruck des Sklavenwiderstandes gesehen und noch härter bestraft. Zu den 30 Peitschenhieben wurden drei Monate Zwangsarbeit verhängt. Woraufhin die Capoeira nur noch im Untergrund ausgeübt wurde. Vornehmlich in Rio und dem heutigen Salvador de Bahia.

Nachdem bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur schwarze Arbeitersklaven die Capoeira ausführten, wurden ab 1850 auch andere Gruppen von ihr angezogen.9 Der Tanz war weiterhin verboten, allerdings wurde er geduldet. Mit der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1888 eskalierte die Ausübung des gewaltfreien Tanz zu einem Mittel des Widerstandes gegen das Polizeisystem und sich selbst.10 Innerhalb dieser Phase zog Brasilien mit Argentinien und Uruguay gegen Paraguay in den Krieg.. Capoeiristas wurden zwangsrekrutiert und bildeten Kampftrupps gegen die bewaffneten Feinde. Wer aus dem Krieg wiederkam wurde als Held gefeiert.11

Bis 1930 war die Capoeira zwar geduldet, allerdings weiterhin per Gesetz verboten. Mit dem Amtsantritt von Getúlio Dornelles Vargas, als Präsident von Brasilien, begann simultan die Zeit von Mestre Bimba12. Der Präsident erlaubte die überwachte Ausübung der Capoeira und Bimba, der Begründer des Kampfstils „Capoeira Regional“, nutzte die Möglichkeit, um die erste Akademie in Rio zu eröffnen. Mestre Pastinha ist analog zu Bimba der Begründer der „Capoeira de Angola“ und lehrte in Salvador de Bahia.13

Das Zeitalter der Capoeira-Akademien in Brasilien begann und der Weg stand somit auch zu Sport, Wettkämpfen und Meisterschaften offen.14 Diese neu gewonnene Freiheit brachte die Capoeira immer weiter vorwärts, bis in die heutigen Medien. Sie ist nach dem europäischen Boxen der beliebteste nicht asiatische Kampfsport der Welt.

3.Breakdance historisch betrachtet

Ähnlich wie bei Capoeira lässt sich kein Anfangszeitpunkt des Breakdance bestimmen. Breakdance ist ein Teil der HipHop-Bewegung und gehört neben dem Rappen (Sprechgesang), Graffiti und und DJing (Musik auflegen mit Vinyl-Platten) zu den Grundlagen des HipHop.

Die Begriffsentstehung ergab sich durch den Zeitpunkt des Tanzaktes. Getanzt wurde während des Breaks.15

Ein viel zitierter Beginn des Breakdance war zu Zeiten von James Brown, als er in den späten sechziger Jahren in seinem Hit „Get on the foot“ zum Standbeinwechsel aufforderte. Daraus resultierte das so genannte „Footwork“. Eine Grundbewegung die der Tänzer kreisförmig abläuft. Entwickelt in Brooklyn liegt hier auch der Ursprung des Breakdance. Jeder Tänzer versucht über das Footwork seinen eigenen Stil zu entwickeln, an dem ihn jeder wiedererkennt. Nachdem der Künstler African Bambaataa, Musiker zu seiner Zeit, Anfang der siebziger Jahre die Zulu Kings und Zulu Queens gründete, um immer seine eigene Tanzgruppe mit in seiner Show zu haben, begannen sich die ersten Gruppen zusammen zu schließen. Dazu zählten 1977 die sehr populäre Rock-Steady-Crew, aber es gab auch unzählige Solo-Virtuosen.

Ende der siebziger Jahre begannen sich, im Rahmen des HipHops, Gruppen zusammenzuschliessen, die nicht nur dem Treiben auf der Bühne angeschlossen waren, sondern auch auf der Straße ihrer Leidenschaft nachgangen. Anfang der achtziger Jahre etablierte sich das Prinzip im Halbkreis zu tanzen, in dem heute noch getanzt wird. „Oft nur mit einem 'Ghetto-Blaster' [...] gaben die Breaker Anfang der 80er Jahre in den New Yorker Straßen die ersten spektakulären Vorführungen und erregten damit schnell Aufsehen“.16

Erstes schriftliches Material, der diese Art des Streetdance behandelt, ist von Rosanne Hoare in den achtziger Jahren veröffentlicht worden. Als erstes Buch in den USA , dass fast alle Manöver beschrieb, ist es sehr weit in der Hiphop-Gemeinde verbreitet.17

Um Breakdance in seiner Tiefe zu erfassen, sollte man sich auch die Ursprünge des HipHop anschauen. Breakdance ist ein Teilgebiet der HipHop-Kultur und ist ihr direkt angeschlossen. Begonnen mit dem Rap, der einer afroamerikanischen Kulturpraxis entsprungen ist, folgte in den siebziger Jahren der Breakdance, um dem Körperlichen ebenfalls Ausdruck zuverleihen.18

[...]


1 Vgl. www.capoeira.de/literatur/auszug/buch3.html

2 Vgl. Heidi Salaverria: Kant, Dewey und 'Breakdance':Über ästhetische Anerkennung verkörperter Lebenstile. In: Europa Universität: Stil als Zeichen. Funkion - Brüche – Inszenierungen. Frankfurt/O 2006, S. 2.

3 Vgl. Dirk Hegmanns: Capoeira – Die Kultur des Wiederstandes. Ein Lese- und Übungsbuch. Stuttgart
1993, S.8ff.

4 Vgl. Capoeira, Nestor: Capoeira. Kampfkunst und Tanz aus Brasilien. 3 Aufl. Übers. von Gerhard Schmitt. Berlin 2001, S.15.

5 Vgl. Gregory John Downey Jr.: Incorporating capoeira: phenomenology of a movement discipline. Vol.1. Diss. Chicago 1998, S. 76.

6 Vgl. Capoeira, Nestor: Capoeira. Kampfkunst und Tanz aus Brasilien. 3 Aufl. Übers. von Gerhard Schmitt. Berlin 2001, S.30.

7 Vgl. ebd. S.39.

8 Vgl. Dirk Hegmanns: Capoeira – Die Kultur des Wiederstandes. Ein Lese- und Übungsbuch. Stuttgart 1993, S.27.

9 Vgl. Piero Onori: Sprechende Körper. Capoeira – ein afrobrasilianischer Kampftanz. St.Gallen/Köln 1988, S. 22.

10 Vgl. Gregory John Downey Jr.: Incorporating capoeira: phenomenology of a movement discipline. Vol.1. Diss. Chicago 1998, S. 92.

11 Vgl. Piero Onori: Sprechende Körper. Capoeira – ein afrobrasilianischer Kampftanz. St.Gallen/Köln 1988, S. 21.

12 Mestre = Meister.

13 Vgl. Gregory John Downey Jr.: Incorporating capoeira: phenomenology of a movement discipline. Vol.1. Diss. Chicago 1998, S. 221.

14 Vgl. Gregory John Downey Jr.: Incorporating capoeira: phenomenology of a movement discipline. Vol.2. Diss. Chicago 1998, S. 391f.

15 Stellen an denen der DJ künstlich Teile des Lieds verlängerte durch Wiederholungen, Scratchen oder instrumentalen Einspielern.

16 Dorit Rode: Breaking, Popping, Locking. Tanzformen der HipHop-Kultur. Marburg 2002, S.128.

17 Vgl. ebd. S. 130.

18 Vgl. Gabriele Klein/ Malte Friedrich: Is this real? Die Kultur des HipHop. Frankfurt/M 2003, S. 60ff.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640363865
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130553
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
Note
1.0
Schlagworte
Capoeira Breakdance Kultur Medienwissenschaft Musikvideos Berimbau Poppin Tanz Philosophie Medien

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Titel: Capoeira und Breakdance