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Abweichendes Verhalten und soziologische Kriminalitätstheorien

Hausarbeit 2009 22 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Zu den Begriffen Kriminalität und abweichendes Verhalten
2.1.1 Die Spannweite des Begriffes des abweichenden Verhaltens
2.1.2 Zu dem Begriff der Kriminalität
2.2 Ursachen von Kriminalität: Soziologische Kriminalitätstheorien
2.2.1 Anomietheorien
2.2.2 Theorien des Labeling Approach
2.3 Vergleichende Beurteilung der verschiedenen Ansätze
2.3.1 Zur Methodologie
2.3.2 Inhaltliche Würdigung der Ansätze
2.3.3 Praktische Anwendbarkeit der Ansätze

3 Schlussteil

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Obwohl das abweichende Verhalten generell als ein Verstoß gegen die institutionellen Normen betrachtet wird, analysieren einige soziologische Theorien das Phänomen des abweichenden Verhaltens auch als eine soziale Regulierung zwischen den Individuen und der Gesellschaft. Was konform und nicht konform ist, lernt das Individuum schon in den ersten Jahren seiner Sozialisation. In manchen Situationen handelt der Mensch jedoch gegen die internalisierten Normen.

Was versteckt sich hinter dem Begriff des abweichenden Verhaltens, ist die zentrale Frage der vorliegenden Hausarbeit. Dazu soll im ersten Schritt, in Kapitel 2.1, die Spannweite des Begriffes des abweichenden Verhaltens erläutert und davon der Begriff der Kriminalität abgegrenzt werden. In Kaptitel 2.2 werden die Grundzüge verschiedener soziologischer Kriminalitätstheorien vorgestellt, um die ausgewählten Anomietheorien und Ansätze des Labeling Approach schließlich in Kapitel 2.3 daraufhin zu untersuchen, inwieweit sie das Phänomen des abweichenden Verhaltens erklären wollen und können

2 Hauptteil

2.1 Zu den Begriffen Kriminalität und abweichendes Verhalten

2.1.1 Die Spannweite des Begriffes des abweichenden Verhaltens

Als abweichend oder deviant wird jenes Handeln von Personen oder Gruppen bezeichnet, dass gegen die gültigen Normen und Verhaltenserwartungen verstößt und im Zuge der sozialen Kontrolle sanktioniert wird oder werden kann[1].

Der Soziologe Siegfried Lamnek geht davon aus, dass abweichendes Verhalten dann vorliegt, wenn gegen eine Norm als Verhaltensanforderung verstoßen wird und dieser Verstoß geahndet werden soll[2]. Diese Definition resultiert aus einer Kombination von drei Definitionsmöglichkeiten, die Lamnek wie folgt bewertet:

Eine ausschließlich normorientierte Begriffsabgrenzung des abweichenden Verhaltens wäre insofern zu eng gefasst, als dass ohne ein konkretes Vorhandensein von Normen, abweichendes Verhalten nicht festgestellt werden könnte. Im Alltagsverständnis kann jedoch auch solches Handeln als abweichend bewertet werden, dem keine übergeordneten Normen zugrunde liegen. Zudem sind Normen, verstanden als Verhaltensaufforderungen[3], von Kultur zu Kultur unterschiedlich. So ist es bei den Eskimos zum Beispiel Brauch, aus Gastfreundschaft dem Besucher seine eigene Frau anzubieten, während ein derartiges Handeln in westlichen Kulturen als abweichend beurteilt werden würde. Weiterhin sind Normen auf intrakultureller Ebene variabel. Dies ist so zu verstehen, dass Normen für unterschiedliche Adressatengruppen unterschiedliche Ausprägungen erfahren. Beispielsweise wird es im Allgemeinen als viel gravierender empfunden, wenn ein Arzt wegen unterlassener Hilfeleistung belangt wird, als jemand eines anderen Berufsstandes. Zum anderen sind Normen auf intrakultureller Ebene variabel, da sie sich im Anpassungsprozess der Gesellschaft an veränderte Bedingungen stets mitwandeln.

Eine rein erwartungsorientierte Definition des Begriffes des abweichenden Verhaltens wäre nicht nur zu weit gefasst, sondern auch zu schwierig zuordenbar zu einem Objektbereich. Das folgende Beispiel von Lamnek soll diesen Sachverhalt verdeutlichen:

Der Studierende, der seinen Kommilitonen beim Spicken beobachtet, sieht sich der Verhaltenserwartung seitens des Kommilitonen gegenüber, diesen nicht zu denunzieren, seitens des Aufsicht führenden Personals jedoch würde sicherlich erwartet werden (wie auch bezüglich der allgemeinen Norm der Ehrlichkeit), dass der Unterschleif des Studierenden unterbunden wird[4].

Es lässt sich nicht festlegen, welche konkreten Verhaltenserwartungen, d.h. von welcher Person oder Personengruppe in der gegebenen Situation, zur Definition des abweichenden Verhaltens herangezogen werden sollen.

Eine rein sanktionsorientierte Definition ist noch enger gefasst als eine rein normorientierte Begriffsabgrenzung, denn nach ihr lege abweichendes Verhalten nur bei bestraften Devianzen vor. Eine solche Betrachtung vernachlässigt jedoch, dass im Alltagsverständnis auch solche Handlungen als abweichend gelten, die nicht sanktioniert werden (können), weil sie beispielsweise unentdeckt bleiben oder nicht hinreichend nachgewiesen werden können.

Die drei Definitionsmöglichkeiten stimmen in einem unterschiedlichen Ausmaß mit den im Alltag relevanten Vorstellungen vom abweichenden Verhalten überein. Wobei, so Lamnek, die größte Übereinstimmung in dem Bereich liegt, der zwischen norm- und sanktionsorientierter Definition besteht[5].

2.1.2 Zu dem Begriff der Kriminalität

Kriminelles bzw. delinquentes Verhalten kann im Allgemeinen als eine Untergruppe aller möglichen abweichenden Verhaltensweisen verstanden werden und bezeichnet jenes Handeln von Personen, welches gegen kodifizierte Normen des Strafrechts verstößt. Im Normalfall wird kriminelles Verhalten als abweichend empfunden, so zum Beispiel ein Mord oder ein Diebstahl, der strafrechtliche Folgen hat. In manchen Fällen werden Delikte, die unter Strafanordnung stehen, von der Bevölkerung jedoch weitgehend toleriert (z.B. Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung). Auf der anderen Seite ist vieles strafrechtlich irrelevant, was von der Gesellschaft als abweichend bewertet wird, wie z.B. das Betrügen seines Ehepartners. Die folgende Abbildung soll diesen Sachverhalt veranschaulichen[6].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Abweichendes und delinquentes (kriminelles) Verhalten

Quelle: Lamnek. (2007) S. 14.

2.2 Ursachen von Kriminalität: Soziologische Kriminalitätstheorien

2.2.1 Anomietheorien

§ Anomietheorie nach Émile Durkheim

Bevor in diesem Kapitel näher auf die Anomietheorie von Durkheim eingegangen wird, ist es nicht nur wichtig zu erwähnen, dass Durkheim den Begriff der Anomie in die Soziologie eingeführt hat, sondern auch dass er mit der Erkenntnis, dass Kriminalität ein normales Phänomen ist, der Soziologie wichtige Impulse gegeben hat. Kriminalität existiert in jeder Gesellschaft, weshalb sie ein integrierter Bestandteil einer jeden Gesellschaft[7] ist. Anormal sei nur ein starkes Ansteigen oder Absinken der durchschnittlichen Rate. Weiterhin weist Durkheim darauf hin, dass Kriminalität nicht auf biologische und psychische Erklärungen reduziert werden kann, sondern ein sozialer Tatbestand ist und sogar eine positive Funktion erfüllt. Verbrechen vergegenwärtigen den Menschen die gesellschaftlichen Normen und Werte und stärken die kollektiven Gefühle[8].

[...]


[1] Vgl. Endruweit/Trimmsdorf (2002) S. 661.

[2] Lamnek (2007) S.58.

[3] Vgl. ebd. S. 21.

[4] Lamnek (2007) S. 51.

[5] Vgl. ebd. S. 33ff.

[6] Vgl. Lamnek (2007) S.14f.

[7] Durkheim (1961) S. 157 in Lamnek (2007) S. 114.

[8] Vgl. Lamnek (2007) S.114f.

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (Buch)
9783640364213
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130515
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2
Schlagworte
Abweichendes Verhalten Kriminalitätstheorien

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