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Interkulturelles Management: Russland

Seminararbeit 2008 20 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsübersicht

2. Einleitung

3. Russland: Land und Leute
3.1. Geografie und Bevölkerung
3.2. Geschichtlicher Einblick
3.2.1. Kulturelle Prägung
3.2.2. Zum Begriff der interkulturellen Handlungskompetenz
3.3. Wirtschaftliche Situation

4. Kulturanalyse in Anlehnung an Hofstede
4.1. „Typisch Russisch“
4.2. Individualismus vs. Kollektivismus
4.3. Machtdistanz
4.4. Unsicherheitsvermeidung
4.5. Maskulinität vs. Femininität
4.6. Langfristorientierung

5. Mögliche Konfliktpotentiale
5.1. Kommunikation
5.2. Zeitverständnis
5.3. Arbeitsstile

6. Fazit

7. Literatur und Quellen

2. Einleitung

In den letzten Jahren gewinnen die Ost-West-Beziehungen zunehmend an Be-deutung. Eine besondere Stellung kommt dabei Russland zu. Der russische Markt ist einer der Wachstumsmärkte der Gegenwart. Auch deutsche Ge-schäftsleute haben dieses Potential erkannt, engagieren sich verstärkt auf dem russischen Markt und profitieren vom gezielten Interesse der Russen an ihren Produkten und ihrem Know-how. Der Erfolg jeder Zusammenarbeit hängt dabei in entscheidendem Maße von den vorangegangenen Verhandlungen ab. Neben der Problematik des Verhandelns im Allgemeinen und den sprachlichen He-rausforderungen, kommt es bei Verhandlungen mit russischen Partnern nicht selten zu Missverständigung und Unverständnis. Diese sind auf Differenzen zwischen der deutschen und der russischen Kultur zurückzuführen, nach der die jeweiligen Parteien denken und auch dementsprechend handeln. Die Über-windung dieser Differenzen ist von großer Bedeutung im Russlandgeschäft und entscheidet nicht selten über Erfolg oder Misserfolg einer Verhandlung. Grund genug, sich intensiver mit der russischen Kultur auseinanderzusetzen.

Vor diesem Hintergrund führt die vorliegende Seminararbeit den Leser über das einleitende Thema Russland: Land und Leute zum Kernthema Kulturanalyse. Anschließend werden ausgewählte Konfliktpotentiale beleuchtet und die Arbeit mit einem Fazit abgeschlossen.

3. Russland: Land und Leute

3.1. Geografie und Bevölkerung

Das Gebiet Russlands umfasst etwa 17,1 Mio. km2. Im Vergleich zu Deutsch­land, das 350T km2 deckt ist es also gut 48 Mal so groß! Es leben gut 142 Mio. Menschen in Russland.1 Damit bleibt Russland auch nach dem Zerfall der Sow-jetunion der größte Flächenstaat der Erde. Der Föderalstaat besteht aus insge-samt 89 Verwaltungseinheiten. Diese setzen sich zusammen aus 49 sogenann-ten Oblasti, das sind Föderationseinheiten mit einer geringeren Autonomie als sie die 21 autonomen Republiken haben. Dazu kommen 10 autonome Kreise, 6 Regionen, 2 Bundesstädte und eine autonome Oblast. Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen. Wenn der im Westen lebende Teil der Bevölkerung aufsteht, um den Arbeitstag zu beginnen, kommen die Menschen im östlichen Teil gera-de von der Arbeit nach Hause. Während man im westlichen Teil im September noch den Spätsommer genießen kann, schneit es in Sibirien bereits. Im Mai kann man im Süden Russlands zum Baden gehen, während es in Jakutien ge-rade erst zu tauen beginnt.2

Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus Russen (79,83%), Tataren (3,83%), Ukrainern (2,03%), Baschkiren (0,9%), Tschuwaschen (1,13%). Die verbleiben-den 12,03% teilen sich 63 andere Völker/Nationalitäten unter denen auch die Deutschen mit 0,41% vertreten sind. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Neben Russisch gelten 23 weitere Sprachen als Amtssprache. Zudem gibt es ca. 70 weitere eigenständige Sprachen und etwa 240 verschie-dene Dialekte.3

3.2. Geschichtlicher Einblick

Der Ursprung Russlands geht auf den Wikingerfürsten Rurik zurück, der im Jahr 862 nach Russland kam und die erste russische Dynastie in Nowgorod gründe-te. Bereits im 7. Jh. hatten sich ostslawische Völker bis nach Kiew und Nowgo-rod ausgebreitet. Im Verlauf des 9. Jh. stießen Wikinger aus Skandinavien auf das heute europäische Russland. Die verschiedenen Stämme wurden durch die Verbreitung des Christentums im nachfolgenden Jahrhundert vereinigt. Die An-nahme des griechisch-orthodoxen Christentums erfolgte 988 unter Vladimir dem Heiligen. Während des 11. Jh. übernahmen die Herzöge von Kiew eine dominierende Rolle. 1240 wurde Kiew von Mongolen (Tartaren) zerstört. Das Mongolische Reich dehnte sich damit weit über den asiatischen Kontinent aus. Im späten 15. Jh. befreite Herzog Ivan III Russland vom Mongolenjoch und er-warb Nowgorod und Twer. Ivan IV der Schreckliche (1533-84), der erste Mos-kauer Zar, machte Moskau zur Zarenhauptstadt. 1613 begann die Zarendynas-tie der Romanow, welche bis 1762 regierte. Peter der Große (1689-1725), ein Enkel Michael Romanows, machte Russland zur Großmacht in Nordeuropa. Durch den Sieg über Charles XII von Schweden an der Schlacht von Poltawa 1709, dehnte er die Grenzen Russlands weit nach Westen aus. Katharina die Große (1762-96) führte die Politik der Öffnung nach Westen fort, eroberte Krim, Teile der Ukraine und Polen.

Während der Napoleonischen Kriege gewann Russland unter Alexander I (1801-25) zusätzlich Finnland (1809) und Bessarabien (1812). Im Krimkrieg von 1853-86 gegen die mit England und Frankreich verbündete Türkei verlor Russ-land einen Großteil der Krim und Südukraine. Alexander II (1855-81) eroberte daraufhin das karg bevölkerte pazifische und zentrale Asien. Er förderte die in-dustrielle Entwicklung und begann den Bau der Trans-Sibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok. Im Russisch-Türkischen Krieg eroberte Russ-land den Kaukasus, das Amurgebiet und Turkestan. Nach der Niederlage Russ-lands im Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 erzwangen aufstrebende Kräf-te Zar Nicolas II (1894-1917) zur Einführung eines Staatsparlamentes (Duma), welches sich 1906 konstituierte.

Im März 1917 brachen im St. Petersburg Unruhen aus, welche im Ausruf einer bürgerlichen demokratischen Republik gipfelten. Nikolas II sah sich gezwungen, am 15. März 1917 abzutreten. Die provisorische Regierung unter den Prinzen Lvov und Alexander Kerenski scheiterte schnell gegenüber der sozialistischen Arbeiterpartei (Bolschewiken). Am 7. Nov. 1917 ergriffen die Bolschewiken die Macht, angeführt von Lenin (Vladimir Ilic Ulyanov) und Leo Trotski, stürzten die Regierung Kerenskis und übertrugen alle Macht an einen Rat von Kommissaren (Sowjet) mit Lenin als Premier.

Am 30. Dez. 1922 wurde der Anschluss aller sowjetischen sozialistischen Re-publiken zur UdSSR beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspo-litik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produkti-onsmitteln erklärt. 1924 übernahm Josef Stalin die Regierung. Stalin starb im März 1953. Sein Nachfolger Nikita S. Chruschtschow formalisierte das System in einem eigenen Wirtschaftsraum und dem Warschauer Pakt als Gegenge-wicht zur NATO. 1964 übergab er Krim der Ukraine und wurde von Leonid I. Breschnew abgelöst. 1982 folgte Juri W. Andropow, 1984 Konstantin U. Tscher-nenko. 1985 wurde Mikhail S. Gorbatschow sein Nachfolger. Unter Gorbat-schow begann die Sowjetunion die Öffnung (Glasnost) und Erneuerung (Perest­roika). Im Juni 1988 genehmigte eine Parteikonferenz tiefgreifende Verände-rungen in der Struktur des sowjetischen Systems. Diese umfassten u.a. die Übergabe der Macht der Partei an lokale Sowjets.4 Es folgten Boris Jelzin, Wla-dimir Putin und aktuell Dimitri Medwedew.

3.2.1. Kulturelle Prägung

„Kultur ist die Gesamtheit der Grundannahmen, Werte, Normen, Einstellungen und Überzeugungen einer sozialen Einheit, die sich in einer Vielzahl von Ver-haltensweisen und Artefakten ausdrückt und sich als Antwort auf die vielfältigen Anforderungen, die an diese soziale Einheit gestellt werden, im Laufe der Zeit herausgebildet hat.“5

Nachdem die Gebiete Mitte des 13. Jh. durch die Mongolen (Tartaren) erobert wurden und etwa zur gleichen Zeit Konstantinopel an die Ottomanen fiel, wurde der wirtschaftliche und kulturelle Austausch mit dem westlichen Europa für die nächste Zukunft stark begrenzt. Auch mit der Befreiung von den Mongolen im 15. Jh. und der Entstehung eines russischen Reiches, blieb das Land durch die Abspaltung der russisch-orthodoxen Kirche von der westlichen christlichen Kir-che isoliert. In der Zarenzeit blieb das russische Reich von den kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen des restlichen Europas unberührt. Es war ein autokratisch regiertes „Agrarreich“, das eine seiner Hauptaufgaben darin sah, sich gegen die Angriffe der „Barbaren“ aus dem Osten und der „Irrlehren“ des westlichen Pluralismus zu wehren. Daher ist auch die territoriale Ausdehnung als Ergebnis der Siege über Volksgruppen, die als Invasoren hätten gefährlich werden können, und der fehlenden natürlichen Barrieren zu erklären. Allerdings nicht überall trafen das Bedrohungsgefühl und seine Folgen auf Verständnis. Die daraus resultierende Eroberungspolitk wurde im westlichen Europa des 19. Jh. als aggressiver Imperialismus erlebt und beschrieben.

Das russische Volk war und ist zudem sehr vielen natürlichen Unwägbarkeiten ausgesetzt: Die klimatischen Einflüsse, lange, strenge Winter und unvorherge-sehene klimatische Einbrüche machten und machen Planungen schwierig. Das schult einerseits die Umsichtigkeit, Vorsicht und Zurückhaltung sowie einen fle-xiblen Umgang mit dem Unvorhergesehenen und ein großes Improvisationsta-lent. Diese Lebensbedingungen förderten und erforderten zudem kollektive Le-bensformen tausend Jahre bevor das Kollektiv durch die leninistische Revoluti­on zum gesellschaftlichen Ideal erhoben wurde und von welcher besonders die heutigen Manager dadurch geprägt sind, dass sie überwiegend der Komsomol-zen-Jugend angehörten.

[...]


1 URL: www.bfai.de

2 Lozinski (2008)

3 Vgl. Eckstein (2007): Geschäftserfolg in Russland, S. 198f

4 Vgl. Karamzin (1990): Ob istorii gosudarstwa rossiiskogo, Bd. 1-4

5 Vgl. Kutschker/Schmid (2002): Internationales Marketing, S. 658

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640366972
ISBN (Buch)
9783640367290
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130463
Institution / Hochschule
Hochschule Bochum
Note
1,7
Schlagworte
Russland Kultur Management Hofstede Kulturanalyse Konfliktmanagement Kulturzwiebel

Autor

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Titel: Interkulturelles Management: Russland