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Die Neue Zeitung in der Nachkriegszeit unter besonderer Berücksichtigung Erich Kästners als Leiter des Feuilletons

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Pressepolitik der Alliierten

3 Erich Kästner und die Neue Zeitung
3.1 Die Neue Zeitung
3.2 Erich Kästner und der Feuilleton

4 Schlussbetrachtung

Bibliographie

1 Einleitung

„Im Auto fahren wir im Land umher und trommeln Mitarbeiter zusammen. Wo kriegen wir Bücher her? Woher ein Archiv? […] Wir arbeiten Tag und Nacht. Es geht zu wie bei der Erschaffung der Welt […] “[1]

Anhand Erich Kästners Worte im September 1945 wird die damalige Situation im Nachkriegsdeutschland deutlich. Alles befand sich in Aufbruchsstimmung und mit großem Enthusiasmus wurden zwischen Schutt und Asche Projekte für die Zukunft entworfen. Eines davon war die am 17. Oktober 1945 in München erstmalig herausgegebene Neue Zeitung, die als Mitteilungsorgan der amerikanischen Besatzungs-

macht fungierte und die erste überregionale Zeitung dieser Zone war. Sie existierte bis zum Januar 1955.

Nachdem die Alliierten das völlig zerstörte Deutschland eingenommen hatten, stellte sich ihnen die Frage, wie sie nun diese Nation aus dem Elend führen und wieder zu einem lebensfähigen Staat machen können. Neben den materiellen Problemen stand auch das der zukünftigen Friedenssicherung. Man wollte ein neues Deutschland erschaffen, das später Freund und Verbündeter sein sollte, anstatt als Feind wieder eine Bedrohung darzustellen. Doch wie dies erreicht werden sollte, war eine schwierige und strittige Frage. Mit Hilfe des „Reeducation“-Programmes wollten die Amerikaner aus der deutschen Bevölkerung in ihrer Besatzungszone mündige Bürger machen und ihnen die Werte und Normen der Demokratie näher bringen, um somit zur Bildung eines stabilen und sicheren Staates beizutragen. Die Amerikaner waren sich der Bedeutung der Presse- und Redefreiheit als ein wichtiger Kernpunkt der Demokratie bewusst und richteten ihre Pressepolitik danach aus.[2]

Im Folgenden werde ich auf die unterschiedlichen Vorgehensweisen in der Pressepolitik der vier Besatzungsmächte Frankreich, Gross-Britannien, Amerika und die Sowjetunion eingehen, sowie insbesondere auf die Situation in der amerikanischen Zone. Die Neue Zeitung stellt hierbei eine einzigartige Erscheinung dar, da sie als das erfolgreichste amerikanische Informationsorgan zur Verbreitung von demokratischen Werten angesehen wird. In dieser Arbeit gehe ich der Frage nach, was diese Zeitung so besonders machte und ihr beachtlichen Erfolg bescherte. Eine wichtige Rolle spielte hierbei der Autor Erich Kästner, der zeitweise Chefredakteur des Feuilletons war. Die Ziele und Anliegen seines journalistischen Schreibens sowie sein Einfluss auf das Blatt wird in den folgenden Seiten näher ausgeführt..

2 Die Pressepolitik der Alliierten

Nach der Besatzung Deutschlands wurde nach einer interalliierten Vereinbarung die Beseitigung allen nationalsozialistischen Einflusses im deutschen Pressewesen beschlossen. In diesem Punkt konnten sich die vier Besatzungsmächte einigen. Als es jedoch daraufhin um den Neuaufbau der deutschen Presse ging, kamen die völlig unterschiedlichen Ideologien und Auffassungen von Ost und West zum Ausdruck. Auf der Basis der Krim- Deklaration, die die politischen Ziele der Besatzung vorgab, traf der Alliierte Kontrollrat Bestimmungen zur Ausschaltung des Nationalsozialismus in der deutschen Presse. So wurden „alle Arten militärischer Propaganda“ verboten, alle Presse- und Kulturinstitutionen aufgelöst und technische Anlagen beschlagnahmt. Am 12. Januar 1946 bestimmte die Direktive Nr. 24 die Entfernung von Nationalsozialisten und allen zweifelhaften Personen aus ihren Ämtern. Neue Stellen wurden zur Not von sachlich weniger kompetenten Kräften besetzt, die dafür aber politisch zuverlässiger waren.[3]

Nach der Zerschlagung der Überreste des Nationalsozialismus folgte der Neuaufbau der deutschen Presse. In allen Besatzungszonen wurde ab Mitte 1945 ein Lizenzsystem eingeführt, bei dem der Lizenzträger unter der Kontrolle und Zensur der Behörden stand und einen Auftrag zur politischen „Umerziehung“ der Deutschen übernahm. Obwohl die Vier Mächte dadurch gleiche Praktiken anwendeten, verfolgten sie verschiedene Ziele und die Entwicklung des Pressewesens in Deutschland nahm in den Gebieten unterschiedlichste Gestalt an. Die amerikanischen, britischen und französischen Behörden fokussierten sich vor allem auf die Umgestaltung von Charakter und Inhalt des Gedruckten, während in der sowjetischen Zone auch die ökonomischen Grundlagen erfasst wurden.[4]

Besonders den Amerikanern war von Anfang an eine freie Presse wichtig, da sie der Ansicht waren, dass dies eine wesentliche Voraussetzung für die Demokratisierung des Landes war. Die erste deutsche Zeitung, die unter der Lizenzpolitik entstand, war die am 13.Juli 1945 erstmals erschienene Frankfurter Rundschau. Es folgten im September, Oktober und November neunzehn weitere Zeitungen. Die zur Antragstellung nötigen Fragebögen wurden im amerikanischen Sektor im Juli 1945, im britischen im September und im französischen Gebiet Ende des Jahres zur Verfügung gestellt. Die westlichen Alliierten legten Wert auf Überparteilichkeit und politische Sachlichkeit der Zeitungen, weswegen in den französischen und amerikanischen Zonen auf eine pluralistische Zusammensetzung der Redaktion geachtet wurde. Eine Lizenz wurde nur vergeben, wenn der Träger aus mindestens zwei Personen mit politisch unterschiedlicher Orientierung bestand. Die Briten lizenzierten meist „Parteirichtungszeitungen“, bei denen der Lizenzträger von den Parteien vorgeschlagen wurde, aber nicht unter deren direkter Kontrolle stand.[5] Im französischen Besatzungsgebiet wurde ebenfalls versucht, Parteizeitungen zu etablieren, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten.

[...]


[1] Erich Kästner, Wir sind so frei. Chanson, Kabarett, Kleine Prosa, Hrsg. von Hermann Kurzke, München 1998, S.13.

[2] Vgl. Jessica C. E Gienhow-Hecht, Transmission Impossible. American Journalism as Cultural Diplomacy in Postwar Germany 1945-1955, Louisiana 1999.S.1f.

[3] Vgl. Barbara Baerns, Lenkung und Kontrolle beim Neuaufbau des Pressewesens (1945 -1949), in: Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.), Deutsche Kommunikationskontrolle des 15. Bis 20. Jahrhunderts. München 1982, S.280-304, hier: S.280f.

[4] Vgl. Ebd. S.284f.

[5] Vgl. Hans Borchers , Klaus W. Vowe, Die zarte Pflanze Demokratie. Amerikanische Re-education in Deutschland im Spiegel ausgewählter politischer und literarischer Zeitschriften, 1945-1949, Tübingen 1979, S. 29.

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640362608
ISBN (Buch)
9783640362400
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130371
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Neue Zeitung Nachkriegszeit Berücksichtigung Erich Kästners Leiter Feuilletons

Autor

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Titel: Die Neue Zeitung in der Nachkriegszeit unter besonderer Berücksichtigung Erich Kästners als Leiter des Feuilletons