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Unterrichtsgestaltung mit Cornelia Funkes "Herr der Diebe"

Warum dieses Buch sowohl Mädchen als auch Jungen anspricht und wie man den Unterricht damit für beide Geschlechter interessant gestalten kann

Hausarbeit 2007 14 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung

2) Geschlechtsdifferenzierende Unterschiede bei der Wahl des Lesestoffes

3) Inhaltsangabe und Übersicht über die Themengebiete des Buches

4) Spezifisch interessante Themengebiete im Buch
4.1) Was mögen die Mädchen'
4.2) Was gefällt den Jungen'

5) Umsetzung im Unterricht
5.1) Skizzierung der Unterrichtseinheit
5.2) Einführungsstunde

6) Quellenangaben

1) Einleitung

Der Herr der Diebe ist eine meisterhafte Geschichte von einer Bande Kinder in Venedig, die sich durch Stehlen ihren Lebensunterhalt verdienen. Eigentlich ein Roman, geschrieben für Kinder, obwohl er durchaus auch Erwachsene in seinen Bann zieht. Doch Kinder sind unterschiedlich in ihren Interessen. Vor allem die Lesestoffinteressen zwischen Jungen und Mädchen unterscheiden sich ganz gewaltig voneinander, es gibt spezifische Interessen von beiden Geschlechtern. Das Hauptproblem besteht wahrscheinlich schon einmal darin, dass Mädchen überhaupt häufiger und lieber lesen als Jungs1. Dazu kommt, dass die Lesestoffinteressen von beiden Geschlechtern weit auseinander liegen.

In dem Roman „Herr der Diebe“ ist für beide Geschlechter etwas dabei. Es geht um Abenteuer, Freundschaft und spannend ist der Roman allemal. Im Folgenden zeige ich die geschlechterspezifischen Themen für Jungen und Mädchen auf. Ich geben an, was Mädchen, und was Jungen gerne lesen. Dann gehe ich spezifisch auf das Buch „Herr der Diebe“ ein und beschreibe, welche Passagen des Buches evtl. spezifisch eine Geschlechtergruppe ansprechen könnten. Hierbei kann ich natürlich aus Platzgründen nicht alle Passagen des Buches zuordnen, ich habe mir einige prägnante ausgesucht. Dann gebe ich meine Ideen zu einer Unterrichtseinheit mit diesem Buch an, und konzipiere eine Einführungsstunde.

2) Geschlechterdifferenzierende Unterscheide bei der Wahl des Lesestoffes

Jungen und Mädchen sind verschieden wie Tag und Nacht. Sie denken, fühlen und handeln anders. Und natürlich haben sie auch ganz unterschiedliche Interessen. Mädchen mögen gerne Tiere und beschäftigen sich auch gerne mit ihnen. Kreative Dinge wie Malen und zeichnen gehören ebenso zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen wie das Treffen mit Freunden. Jungs dagegen beschäftigen sich lieber mit dem PC und spielen gerne Videospiele. Auch Sport treiben und draußen spielen ist bei Jungs ein beliebtes Hobby2.

Beim Thema Lesen spalten sich die Interessengebiete der beiden Geschlechter deutlich Aus der KIM Studie3 geht hervor, dass Mädchen allgemein lieber lesen als Jungen. Doch auch beim Lesen spielen die unterschiedlichen Interessen von Jungen und Mädchen eine große Rolle, denn Mädchen und Jungen lesen nicht das Gleiche. Die Interessengebiete der Lesethemen variieren sehr stark zwischen Mädchen und Jungen. Während Mädchen sehr gerne belletristische Literatur, Tier- und Internatsgeschichten lesen, greifen Jungen lieber zu Sach- und Fachbüchern4.Dies geht auch anhand der KIM-Studie deutlich hervor.

Jungs interessieren sich eher für Sachbücher, sie wollen Informationen aus dem Gelesenen bekommen, die sie interessieren. Dabei orientieren sie sich auch an ihren Hobbies und Interessen, für die sie zielgerichtete Informationen aus Sachbüchern abfragen wollen. Mädchen lesen gerne Büchern, in denen ihre Gefühle angesprochen werden. Jungen mögen solche Bücher hingegen gar nicht5. Problemorientiert Romane, oder Schicksalsromane stehen bei Mädchen hoch im Kurs, sie wollen sich in die vorkommenden Figuren und Situationen einfühlen. Kurz gesagt, Mädchen lesen gerne Bücher, in denen was fürs Herz dabei ist, bei denen sie mitfiebern können, und in denen am Schluss bestenfalls alles wieder in Ordnung kommt. Mädchen greifen zum Buch, um abzuschalten und zur reinen Unterhaltung6. Während Mädchen sich gerne mit den Personen im Buch identifizieren und mitfühlen möchten, ziehen Jungen die reine Informationsgewinnung aus Büchern vor. Während der Adoleszenzzeit nehmen auch Jungen das Lesen als Möglichkeit zur Problembearbeitung wahr, jedoch greifen sie hierbei lieber zu Biographien und Autobiographien als zu Romanen7. Es gibt jedoch auch durchaus Buchgenres, die für beide Geschlechter in Frage kommen. Abenteuerromane, phantastische Literatur und Krimis werden von beiden Geschlechtern sehr gerne gelesen.

Warum lesen Jungen nicht so gerne? Vor allem wenn ein Buch im Unterricht gemeinsam gelesen wird, kann man als Lehrer oft die große Ablehnung der Jungen bemerken.

Doch wenn man die oben genannten Interessengebiete der Jungen und Mädchen beachtet und sich überlegt, welche Art von Bücher denn normalerweise im Unterricht gelesen werden, kommt man auf den Grund. Meist werden die Grundschüler von Lehrerinnen unterrichtet, auch an den weiterführenden Schulen sind es häufiger weibliche Lehrkräfte, die Deutsch unterrichten. Im Unterricht wird häufig zu fiktionaler Literatur gegriffen, die Lehrerinnen wählen den Lesestoff oft unbewusst nach weiblichen Interessen aus8. Es sind oft die problemorientierten Bücher, die gerne im Unterricht gelesen werden9, denn die Kinder sollen ja etwas daraus lernen, und damit lässt sich oft auch gut arbeiten.. Für diese Art von Büchern ist bei den Mädchen größeres Interesse vorhanden als bei Jungen. Meist fordern diese Bücher auch großes Einfühlungsvermögen und Hineindenken in die Hauptpersonen. Mädchen können mit diesen Anforderungen besser umgehen als Jungs, die mit komplizierten Problemgeschichten oft nicht viel anfangen können. Da ist es kein Wunder, dass sich die Jungen eher gelangweilt fühlen, und keine Lust haben diese Art von Büchern zu lesen. Sie lehnen dabei nicht das Lesen an sich, sondern das Lesethema, bzw. das ausgesuchte Buch ab. Jungen brauchen aktionsgeladene, spannende Lektüre. Sie lesen häufiger Bücher, die erzählerisch und dramaturgisch ähnlich aufgebaut sind wie TV-Serien. Allerdings sind sie von den TV-Serien aneinandergereihte Spannungshöhepunkte und aktionsreiche Handlungen gewöhnt, und erwarten dies ebenfalls von einem Buch10. Meist sind Bücher aber anders aufgebaut, und die Jungen legen enttäuscht das Buch zur Seite.

Es sollten im Unterricht also nicht zu reinen Mädchen- bzw. Jungenbüchern gegriffen werden. Der Lehrer muss also ein Buchgenre auswählen, mit dem beide Geschlechter leben können. Am Besten greift man hierbei auf Abenteuerromane oder Krimis zurück, da diese Bücher von Jungen und Mädchen beiderseits gerne gelesen werden. Vor allem Bandenromane sind für den Unterricht gut geeignet, da sie oft in den von den Kindern bevorzugten Genres wie Abenteuer- oder Kriminalgeschichten vorkommen. Auch sind diese Banden meist gemischtgeschlechtlich, sodass sowohl für Mädchen als auch für Jungen Identifikationspersonen angeboten werden11.

Um die Jungen zum Lesen zu bewegen, muss also vermehrt auf ihre spezifischen Leseinteressen eingegangen werden. Auch seedukative Unterrichtsphasen wären sinnvoll, in denen Mädchen und Jungen getrennt zum Buchthema arbeiten, und so die für sie interessanten Themen einzeln behandeln können12.

3) Inhaltsangabe und Übersicht über die Themengebiete des Buches

Der Herr der Diebe ist ein sehr schön erzählter Kinderroman von Cornelia Funke. Es geht um eine Kinderbande, die sich in Venedig mit vermeintlichen Diebstählen durchschlägt. Die Bande besteht aus Scipio, dem sogenannten Herrn der Diebe und selbsternannter Anführer der Bande, Mosca, Riccio, Wespe, Prosper und Bonifazius, genannt Bo. Prosper und Bo sind von zu Hause weggelaufen, nachdem ihre Mutter gestorben ist, und ihre Tante Esther die beiden Brüder trennen wollte. Die Kinder hausen in einem leerstehenden Kino und Scipio sorgt für ihren Unterhalt, indem er vermeintliche Raubzüge durch die Museen und reichen Haushalte Venedigs unternimmt. Allerdings erfährt der Leser im Laufe des Buches, dass er über seine Raubzüge nicht ganz die Wahrheit sagt. Die Diebesbeute wird von den anderen Mitgliedern der Bande verkauft, und sichert so ihren Unterhalt. Eines Tages bekommen die Kinder von einem Mann, der sich nur der Conte nennt, den Auftrag, den abgebrochenen Flügel eines geflügelten Löwen zu stehlen. Der geflügelte Löwe gehört als Figur zu einem alten, sagenumwobenen Karussell. Wer auf dem Karussell fährt, so heiβt es, kann sich vom Kind zum Erwachsenen, oder vom Erwachsenen zum Kind verwandeln. Mit diesem Auftrag beginnt eine spannende Zeit. Der Einbruch bei Ida Spavento, bei der sich der geheimnisvolle Löwenflügel befinden soll, geht gründlich schief, denn sie werden von Ida persönlich erwischt. Doch die Dame handelt mit den Kindern einen Deal aus: Sie überlässt den Kindern den Flügel, und das Geld, das sie vom Conte dafür bekommen werden, wenn sie bei der Übergabe dabei sein darf. Denn Ida weiß ebenfalls von dem Karussell, und möchte dessen Geheimnis auf die Spur kommen. Gemeinsam verfolgen sie den Conte auf eine verlassene Insel, doch sie werden entdeckt und müssen fliehen.

Doch Scipio und Prosper machen sich eines Nachts noch einmal auf zur Insel, wo sie tatsächlich dem Geheimnis des Karussells auf die Schliche kommen. Doch dann überschlagen sich die Dinge, und am Schluss ist nichts mehr so wie es einmal war...

Das Buch handelt vor allem von Freundschaft, Vertrauen und Mut. Auch die Abenteuer-geschichte kommt in dem Buch nicht zu kurz, es passiert ständig irgendetwas, sodass die Bande die ganze Zeit in Bewegung ist. Dass sich die Kinder alleine durchschlagen, vermag ihren Alltag noch spannender und abenteurerisch gestalten, da sich keiner um sie sorgt, und sie ihr Schicksal allein bewältigen müssen.

Doch auch das Schicksal von Bo und Prosper spielt eine wichtige Rolle im Buch. Die Kinder werden mit dem Tod ihrer Mutter konfrontiert, und müssen auch noch Angst vor der Trennung durch ihre Tante haben. Auch das schwierige Verhältnis zwischen Scipio und seinem Vater wird angesprochen. Nur wegen seinem gespanntem Verhältnis zu seinem Vater möchte Scipio unbedingt erwachsen sein. So wird auch das Thema Erwachsensein besprochen. Scipio wünscht sich, endlich erwachsen sein zu können, um von seinem Vater ernstgenommen zu werden. Doch die Erwachsenen wünschen sich oftmals genau das Gegenteil, der Conte hofft, mit dem Karussell seine verdorbene Kindheit nachholen zu können, und wieder jung zu sein.

Nebenbei wird auch das Thema „fremdes Land“ bzw. Venedig angesprochen, da die Handlung ja dort spielt.

[...]


1 KIM Studie 2005, S. 7

2 ebd. S. 5

3 ebd. S. 23

4 Barth, Differenzen: weiblich-männlich? S. 17

5 Schlichter, Was,machen die Jungs? S. 364

6 ebd.

7 ebd.

8 Barth, Differenzen: weiblich-männlich? S. 20

9 Schlichter, Was machen die Jungs? S. 363-364

10 ebd. S. 365

11 ebd. S. 375

12 ebd.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640371044
ISBN (Buch)
9783640371266
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130131
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
Schlagworte
Cornelia Funkes Herr Diebe Warum Buch Mädchen Jungen Unterricht Geschlechter
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Titel: Unterrichtsgestaltung mit Cornelia Funkes "Herr der Diebe"