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Hör doch einfach zu! - Von den Schwierigkeiten, Zuhören zu lernen und zu lehren

Examensarbeit 2007 43 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

Theoretischer Teil

1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Aktives Zuhören- Was ist das eigentlich?
2.1 Definition „Aktives Zuhören“
2.2 Pädagogischer Stellenwert
2.3 Aufgaben, Ziele und Diagnostik
2.4 Fördermöglichkeiten

Praktischer Teil

3. Die Förderung mit Methodenbausteinen
3.1 Die Lerngruppe
3.1.1 Beschreibung der Lerngruppe
3.1.2 Die Beobachtungen in der Lerngruppe
3.2. Fördermaßnahmen mit Schwerpunkt „Sprechen und Sprache“
3.2.1 Sprache
3.2.2 Stimme
3.2.3 Kommunikation
3.2.4 Erzählen

4 Fazit und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

Theoretischer Teil

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt keinen Tag, an dem wir nicht zuhören wollen oder zuhören müssen. Weil Hören und Zuhören so selbstverständlich sind (wie das Atmen), haben wir uns daran gewöhnt, Zuhören als eine Fähigkeit anzusehen, die jeder mit sich bringt. Man denkt nicht darüber nach, wie Zuhören entsteht, man glaubt es entsteht nebenbei oder es wird automatisch erworben. Bei näherer Betrachtung der täglichen Wahrnehmungen im Unterricht (Kinder können sich schlechter konzentrieren, lassen sich leichter ablenken, können weniger wahrnehmen, sind sprachlich geringer entwickelt und können nur unzureichend Informationen behalten) ist erkennbar, dass die Fähigkeit zum Zuhören dem Menschen nicht in die Wiege gelegt wird, sondern dass es sich um eine Fähigkeit handelt, die es zu fördern gilt. Kinder können sich schlechter konzentrieren, lassen sich leichter ablenken, können weniger wahrnehmen, sprachlich geringer entwickelt sind und nur unzureichend Informationen behalten können. „Es ist ein pädagogisches Paradox, dass Zuhören zwar am häufigsten von allen Sprachfähigkeiten verlangt wird, aber am wenigsten Zeit dafür aufgewendet wird, es zu schulen […].“ (IMHOF 2004, S.34)

Miteinander reden und sich zuhören ist aber nicht so einfach wie es erscheint. Nicht umsonst kennen wir die vorwurfsvollen Worte „Du hörst mir nie zu“ nur allzu gut. Erst dieser Mangel verdeutlicht, dass „die Fähigkeiten des Zuhörens der Schlüssel und die Voraussetzung dafür sind, an Gesprächen aktiv und interpretierend teilzunehmen, Informationen zu verstehen und zu verarbeiten, Sprachen zu lernen und sich an Musik, Hörbüchern, gelesener Literatur oder einer intakten akustischen Umwelt zu erfreuen“(BERNIUS 2004, S. 11).

Im pädagogischen Alltag wird das Zuhören täglich eingefordert und verlangt, doch wie die Kinder das erreichen können, findet in der Regel keine Beachtung. Die Durchsicht des Rahmenplans Grundschule für das Bundesland Hessen bestätigt, dass das Hören weitgehend als selbstverständlich angesehen wird, denn eine explizite Erwähnung dieser Kompetenz ist nicht zu finden. „Die Methoden, auf das Hören und Zuhören zu achten, sie zu lehren und zu lernen, sind vergessen oder haben sich verändert.“ (BERNIUS 2004, S. 11) Es ist also unbedingt notwendig und gehört zu den Aufgaben der Schule, durch ein gezieltes und differenziertes Methodentraining diese grundlegende Kompetenz des Hörens und Zuhörens im schulischen Bereich zu fordern und zu fördern. Eine Integration einer solchen Maßnahme in den alltäglichen Unterricht muss von Seiten der Lehrkräfte gewährleistet sein.

1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Förderung des „Aktiven Zuhörens“ im Rahmen des Deutschunterrichts in einem 2. Schuljahr auseinander. Die Idee dazu entstand schon zu Beginn meiner Zeit als Referendarin. Im Rahmen meiner Hospitationsstunden habe ich zahlreiche, sehr unterschiedliche Unterrichtsstunden beobachtet und bemerkt, dass diese Stunden doch alle etwas gemeinsam hatten: Häufig verlangten Lehrkräften mit lauter Stimme und viel Nachdruck die Aufmerksamkeit ihrer Schüler mit Worten wie: „Jetzt hört doch endlich mal zu !“ oder „Wer hat überhaupt gehört, was ich gesagt habe?“ oder auch die Aufforderung „Jetzt wiederholt mal Jemand, was ich gerade gesagt habe!“ - dies sind nur 3 Beispiele, um die von mir wahrgenommenen Ausrufe im Unterricht zu beschreiben. Auch in meiner eigenen Unterrichtspraxis nahm ich wiederholt war, welch große Anforderung es an die Schüler[1] darstellt, aufmerksam zu sein und der Lehrkraft „richtig“ zuzuhören. Zu häufig erschienen mir die Ermahnungen und die Erkenntnis darüber, dass auch das zweimalige Erläutern der Hausaufgabe noch immer nicht dafür ausreicht, dass alle Schüler wissen, was wirklich zu tun ist.

Es wird deutlich, wie zum einen ein „aktives Zuhören“ von Schülern verlangt wird- doch zum anderen keine Schulung dieser Kompetenz im pädagogischen Alltag erfolgt! Den Kinder wird also etwas zum Vorwurf gemacht, was sie gar nicht von alleine erlernt haben können, aber anscheinend als „angeborene Fähigkeit“ mit in die Schule bringen müssen. Aufgrund diesen komplexen Widerspruchs und der daraus resultierenden Schwierigkeiten beim Lernen im Unterricht sah ich die Veranlassung dazu, eine Förderung des „Aktiven Zuhörens“ in meinen lehrplanmäßigen Deutschunterricht zu integrieren. Das Zuhören als eine Grundlage für Unterricht und Lernen bezieht sich einerseits auf die Zuhörkompetenz der Lernenden und andererseits auf Zuhören als Teil des pädagogischen Handlungsrepertoires der Lehrenden.

Als leitende Hypothese für vorliegende Arbeit lässt sich daraus entwickeln:

Durch das Arrangieren von vielfältigen Hörerfahrungen und die Gestaltung von Zuhörsituationen und durch das Reflektieren über das eigene Zuhörverhalten und über die eigene Sprache wird eine wirksame Förderung der Zuhörkompetenz aller Beteiligten erreicht.

Ziel der Arbeit ist es, Maßnahmen für eine langfristige Förderung der auditiven Wahrnehmung zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren. Das Thema Hören soll in den Blickpunkt pädagogischer Bemühungen gerückt werden.

Darüber hinaus legitimiert sich die vorliegende Förderung durch das Schulprogramm der Schule, in dem es heißt:

„[...] Unsere Schule ist in besonderer Weise geprägt von der Unterschiedlichkeit der in ihr und ihrem Umfeld lebenden und arbeitenden Menschen. Diese Unterschiedlichkeit bezieht sich in der Schüler- und Elternschaft, z.B. auf Nationalität, Kultur, Sprache, Erziehungsstil, soziale Schicht, Familiensituation, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Vorlieben und Talente. [...] Die damit verbundenen Herausforderungen haben Lehrkräfte und Eltern veranlasst, folgendes Leitbild für ihr pädagogisches und didaktisches Denken und Handeln zu formulieren:

Unsere Schule versucht, allen Schülern gerecht zu werden, sie umfassend zu Bilden und zu erziehen, dabei die besonderen Talente und Interesse eines jeden Einzelnen zu berücksichtigen und zu fördern. [...]“[2]

In meinem Unterricht arbeite ich mit Schülern verschiedener Nationalitäten und unterschiedlichen Muttersprachen. Deutsch ist für viele Kinder dieser Klasse die Zweitsprache- das führt automatisch zu Verständnisschwierigkeiten und Problemen bei Gesprächen im Unterricht. Für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache ist eine Förderung des Zuhörens besonders wichtig, denn gerade sie brauchen für ein gutes Sprach-verständnis, den Sprach- und Wissenserwerb ein „geschultes Ohr“. Ich möchte versuchen, den Leitgedanken des Schulkonzeptes aufzugreifen und meine Förderung entsprechend zu planen und umzusetzen.

Mit der Entwicklung und Erprobung von Fördermaßnahmen zum Hören und Zuhören entspreche ich grundsätzlich der Lehrerfunktion des „Innovierens“, indem ich einen neuen Lösungsversuch, zu einem im Schulalltag entstandenen Problem entwickle. Solche Fördermaßnahmen gibt es an unserer Schule bisher nur ansatzweise: Es wurde im Jahr 2006 ein „Hörclub“ eingerichtet, der allerdings nur für 8-10 Schüler aus dem 3. + 4. Schuljahr eine Möglichkeit zur Förderung der auditiven Wahrnehmung bietet. Daher ist es mein Ziel, geeignete Fördermaßnahmen zusammen zu stellen, die jede Lehrkraft in ihren alltäglichen Unterricht integrieren kann. Eine ausreichende Förderung der auditiven Wahrnehmung als Grundlage für das Lehren und Lernen sollte für alle Kinder der Schule schon ab dem 1. Schuljahr gewährleistet sein.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Folgenden wird das Thema zunächst theoretisch aufgearbeitet, um wichtige Begrifflichkeiten für das weitere Verständnis zu klären. Zu Beginn des praktischen Teils wird der Rahmen für die Förderung erläutert und die Lerngruppe mit ihren Lernvoraussetzungen beschrieben. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden in Kapitel 3 und 4 die Vorstellung der Fördermaßnahmen, die Erprobung und die nachfolgende Evaluation. Den Abschluss bilden ein zusammenfassendes Fazit und der Ausblick auf die Konsequenzen für meinen zukünftigen Unterricht.

2. Aktives Zuhören - Was ist das eigentlich?

In diesem Kapitel wird zunächst als theoretische Grundlage und zur Begriffsklärung eine Definition von „Aktivem Zuhören“ gegeben. Es folgt eine kurze Erläuterung, weshalb dieses Thema im pädagogischen Alltag einer Integration bedarf und welche Aufgaben und Ziele eine „Förderung des Zuhörens“ hat. Es werden des Weiteren Möglichkeiten der Diagnostik und Förderung erfasst. Zum Abschluss des theoretischen Teils erfolgt eine Schwerpunktsetzung bezüglich der in Kap. 3 dargestellten Förderung mit einer Begründung für die ausgewählten Fördermaßnahmen.

2.1 Definition „Aktives Zuhören“

Der Psychologe Thomas Gordon prägte (nach den Grundlagen seines Lehrers Carl Rogers) den Begriff des „Aktiven Zuhörens“. (vgl. BERGMANN 2006, S. 53)

„Aktives Zuhören“ bedeutet:

- zu versuchen, sich in den Gesprächspartner einzufühlen
- beim Gespräch mitzudenken
- dem Gesprächspartner Aufmerksamkeit und Interesse entgegenzubringen.

Die vier Stufen des aktiven Zuhörens sind: die Wahrnehmung, das Verstehen, die Wertung und die Reaktion. D.h. durch verbale und nonverbale Aufmerksamkeits-reaktionen wird dem Partner gezeigt, dass sein Gesprächspartner aufmerksam ist, dass er versucht, zu verstehen und dass er Interesse und Anteilnahme hat. Richtiges Zuhörens bedeutet etwas Aktives und heißt nicht, den Gesprächspartner einfach reden zu lassen. „Richtiges Zuhören heißt: Vom Hören über das Hinhören zum aktiven Zuhören zu kommen.“(HAGEN 2006) Ein passives Zuhören würde man im Gegenzug als „Schweigen“ bezeichnen.

„Nach Imhof (2003, S.15f) sind sowohl Hören als auch Zuhören aktive kognitive Prozesse. Während Hören jedoch eher unspezifisch ist, ist Zuhören mit Intentionalität und Zielgerichtetheit verbunden, die Reize werden also bewusst selektiert.“ (HAGEN 2006, S. 34f) Die Begriffe Hören und Zuhören unterscheiden sich graduell und bedürfen für die Darstellung der durchgeführten Förderung in dieser Arbeit keiner trennscharfen begrifflichen Unterscheidung.

2.2 Pädagogischer Stellenwert

Lernen geht über das Zuhören, d.h. über Sprache und Sprechen. In der Schule gehört es zum täglichen Unterricht den Schülern und Lehrern zuzuhören, Mitteilungen und Anweisungen zu verstehen, gelernte Informationen zu vermitteln und umzusetzen. Zuhören wird überwiegend als „Bringschuld“ der Schüler verstanden und vorausgesetzt und nicht als pädagogische Aufgabe gesehen. Wie sollen Kinder diese Forderung erfüllen, wenn sie keine Vermittlung dieser Kompetenz erfahren? Zuhören gilt als ein Qualitätsmerkmal sozialer Beziehungen: „Ein Zuhören, das dem Verstehen und der Verständigung verdient, trägt zum Gelingen von Kommunikation bei und vermittelt den Kindern die Erfahrung, gehört und als Person wahrgenommen zu werden.“ (KAHLERT 2000, S.12)

Ganz entscheidend für den Unterricht sind die Erkenntnis und das Wissen darüber, wie eng die Zuhörfähigkeit und der Lernerfolg zusammen hängen. Hören und Zuhören sind Voraussetzungen für den Spracherwerb, den mündlichen Sprachgebrauch, den Schriftspracherwerb und das Erlernen einer Fremdsprache.

Ob und wie die angebotenen Informationen aufgenommen und verarbeitet werden können, hängt von der Fähigkeit ab, die auditive Aufmerksamkeit zu steuern und beim Hören aus der Vielfalt an akustischen Reizen gezielt auszuwählen. Wenn der Schüler sein erworbenes Wissen an nachfragende Zuhörer weitergeben kann und die Gesprächspartner sich über Problemlösestrategien austauschen können, wird der Wissenserwerb dabei unterstützt.

Eine weitere pädagogische Aufgabe besteht in der Förderung der Medienkompetenz, wozu ganz besonders das gezielte Hören und Zuhören zählt: Die Fähigkeit einer gezielten Auswahl an Informationen ist angesichts des wachsenden medialen Angebots immer notwendiger. Die Kommunikation über Wahrnehmungs-gewohnheiten, über die akustische Qualität der Umwelt trägt dazu bei, dass die Kinder aufmerksam werden für ihr eigenes Gehör und die akustischen Umweltbedingungen. D.h. eine Zuhörförderung steht als Voraussetzung für ein Gesundheits- und Umweltbewusstsein.

Im Rahmenplan Grundschule ist ein gezieltes Methodentraining nicht explizit verankert, obwohl das Erlangen der Methodenkompetenz aufgrund ihrer Bedeutung dringend erforderlich ist. Zu den fachdidaktischen Grundsätzen des Deutschunterrichts gehört es, „die individuellen Sprachfähigkeiten der Kinder“ wertzuschätzen und deren „natürliches Mitteilungsbedürfnis zu erhalten, bzw. wieder zu aktivieren.“ (vgl. Rahmenplan Grundschule1995) Dazu gehören auch die Initiierung von Gesprächssituationen und die Korrektur von unangemessenem Sprachverhalten. Im Handlungsbereich „Erzählen und Geschichten schreiben“ sind im Rahmenplan einmalig das Hören und Zuhören angesprochen, dort heißt es in der Formulierung der Ziele: „Im Dialog mit anderen (Gesprächskreis) lernen sie zuzuhören, Gefühle auszudrücken und die Gefühle anderer zu respektieren sowie konstruktive Kritik zu üben und anzunehmen.“ (Rahmenplan 1995, S. 98) Das Zuhören wird aber in so vielen Bereichen von Unterricht verlangt und vorausgesetzt, dass ein Einüben von Zuhören nicht alleinig durch Dialoge mit anderen im Gesprächskreis ausreicht. Das Zuhören muss durch ein gezieltes Methodentraining als grundlegende Fähigkeit für ein erfolgreiches Lernen unbedingt gesondert geschult werden. Der Rahmenplan hat ein solches Methodentraining noch nicht integriert. „Mit dem Anspruch des eigenverantwortlichen Arbeitens und Lernens muss die Integration der Förderung der Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz in den alltäglichen Unterricht stattfinden. Ein gezieltes Methodentraining sollte schon bereits zu Beginn des 1. Schuljahres als Pflicht in den alltäglichen Unterricht integriert werden und bis zum Ende der Schulzeit fortgeführt werden. Die Förderung der beschriebenen Lerngruppe anhand eines Methodentrainings soll zu einer Verbesserung der Zuhörfähigkeit beitragen.

2.3 Aufgaben, Ziele und Diagnostik

Laut BERGMANN[3] sollen folgende allgemein pädagogischen Ziele u.a. mit der Hörschulung verfolgt werden:

- „Förderung des sinnlichen, im besonderen des auditiven Wahrnehmungsvermögens als Weg zu Verständnis, Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit und weiterführend zu Erkenntnis und Wissenserwerb
- Entfaltung der individuellen Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes
- Integration von Kindern unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft.“

Diese 3 allgemeinen Ziele werden im Rahmen der von mir durchgeführten Förderung angestrebt. Des Weiteren sind an dieser Stelle die deutschdidaktischen Ziele zu nennen:

- „Schulung einer differenzierten (Zu-) Hörfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit
- Verantwortungsbewusster, reflektierter Umgang mit Sprache im Sinne des Sprach- bzw. Schriftspracherwerbs
- Heranbildung einer Urteils- und Kritikfähigkeit
- Hörerziehung mit und durch Medien als Weg zu einer reflektierten Mediennutzung.“[4]

In Kapitel 3 werden zu den einzelnen Bereichen der Förderung die entsprechenden Lernziele differenziert dargestellt.

In der Literatur findet sich kein erprobtes Diagnosematerial, um die „Zuhörfähigkeit“ in der Ausgangslage einzuschätzen. Die protokollierten Beobachtungen bieten also keine direkte Diagnostik des Lernstandes der Schülers bezüglich ihrer „Zuhörfähigkeit“ an, sondern stellen vielmehr eine Legitimation für die Förderung dar.

Der Lernstand eines Schülers bzw. einer Lerngruppe zu Beginn der Förderung zum Zuhören ist schwierig zu bestimmen und nicht anhand von ausgearbeitetem Diagnosematerial zu erfassen. Ich beziehe mich bei der Diagnose über die Zuhörkompetenz meiner Lerngruppe in Kapitel 3.1 auf die Zusammenfassung einer „gezielten Beobachtung[5] der gesamten Lerngruppe. „Ein Mindestwissen bzw. Vorkenntnisse für die Hörschulung sind kaum zu definieren.“ (BERGMANN 2006, S. 141)

2.4 Fördermöglichkeiten

In der einschlägigen Fachliteratur finden sich zahlreiche Praxisbeispiele für die Förderung der auditiven Wahrnehmung. Erst seit wenigen Jahren werden an vielen Grundschulen sogenannte „Hörclubs“ eingerichtet. Ein solcher Hörclub bietet eine spielerische Förderung von Hören und Zuhören: Durch die Einrichtung eines Raumes mit besonderer Atmosphäre und angenehmer Akustik können Hörclubs Orte der Stille sein. In Hörclubs wird Schule akustisch untersucht. „Der Hörclub geht auf akustische Spurensuche und macht auf störende Quellen aufmerksam.“ (vgl. BERNIUS/GILLES 2004, S. 17) Im Hörclub laden Erzählungen, Hörspiele, Krimis, Klänge und Geräusche dazu ein, „Hörwelten zu entdecken und die akustische Welterfahrung zu erweitern. Spiele zum Hören regen an, die Wahrnehmung zu verbessern. Sie machen darauf aufmerksam, dass Hören nicht nur ein individuelles Vergnügen sein kann, sondern vor allem auch die Gemeinschaft, das soziale Miteinander und die Achtsamkeit gegenüber anderen stärkt.“ (vgl. BERNIUS/GILLES 2004, S. 7)

[...]


[1] Anmerkung:

Wenn im Folgenden nur von Schülern und Lehrern die Rede ist, geschieht das lediglich aus Gründen der besseren Lesbarkeit. Selbstverständlich sind auch immer Schülerinnen und Lehrerinnen gemeint.

[2] Schulkonzept der Geschwister- Scholl- Schule. Marburg 2006, S. 5.

[3] BERGMANN 2006, S. 140.

[4] BERGMANN 2006, S. 141.

[5] MARTIN, Ernst/ Uwe Wawrinowski 1991.

Details

Seiten
43
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640357741
ISBN (Buch)
9783640357444
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130092
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Examensarbeit
Note
12 Punkte
Schlagworte
Schwierigkeiten Zuhören Punkte

Autor

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Titel: Hör doch einfach zu! - Von den Schwierigkeiten, Zuhören zu lernen und zu lehren