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Verwenden von Informationen des Rechnugswesens zu Anreiz- und Entscheidungszwecken. Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen

Diplomarbeit 2007 39 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ..S.1

2. Das Rechnungswesen als Informationssystem ..S.3

2.1 Modelldarstellung..S.3

2.2 Das Anreiz- und Entscheidungsproblem des Prinzipals..S.6

2.3 Die Vorteile von grober Information – Ein Beispiel..S.8

2.4 Ergebnis..S.9

2.5 Späte Information..S.11

3.Multiple Anforderungen und ihre Auswirkung .. S.13

3.1 Das Anreiz- und Entscheidungsproblem des Prinzipals – Der Modellrahmen..S.13

3.2 Vertragsgestaltung unter „Limited Commitment“ ..S.15

3.3 Implizite Anreize und ihre Folgen ..S.18

3.4 Alternative Performance – Maße und ihr Einfluss auf die impliziten Anreize..S.20

3.4.1 Aggregierte Performance – Maße ..S.21

3.4.2 Disaggregierte Performance – Maße ..S.22

3.4.3 Vergleich zwischen aggregierten und disaggregierten Performance- Maßen ..S.23

4. Der Ratchet – Effekt und die Anreizgestaltung ..S.25

4.1 Modelldarstellung..S.26

4.2 Die Vertragsgestaltung und der Ratchet – Effekt..S.27

4.2.1 Der Commitment – Vertrag ..S.27

4.2.2 Neuverhandlung ..S.28

4.2.3 Vergleich zwischen Commitment und Neuverhandlung ..S.30

4.3 Alternative Performance – Maße und ihr Einfluss auf den Ratchet – Effekt ..S.31

5. Schlussbetrachtung ..S.34

6. Literaturverzeichnis ..S.37

1. Einleitung

Das betriebswirtschaftliche Rechnungswesen wird im Allgemeinen als ein Prozess der „systematischen Ermittlung, Aufbereitung, Darstellung, Analyse und Auswertung von Zahlen (Mengen- und Wertgrößen) über den einzelnen Wirtschaftsbetrieb und seine Beziehungen zu anderen Wirtschaftssubjekten“ [1] aufgefasst. Da das Rechnungswesen eine Abbildung der wirtschaftlich relevanten Vorgänge im Unternehmen darstellt [2], dient es als eine wichtige Informationsquelle.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Fall, dass die Informationen, die aus dem Rechnungswesen gewonnen werden, im Unternehmen für Anreiz – und Entscheidungszwecke eingesetzt werden. Grundlage der Arbeit bilden die folgenden drei Modelle :

1. “The Interaction between Decision and Control Problems and the Value of Information“, Arya et al.

2. “ Dynamic incentives and dual-purpose accounting” Feltham et al. und

3. “ Dynamic incentives and responsibility accounting” Indjejikian und Nanda

Auf Basis dieser Modelle wird untersucht, wie die Arbeitsverhältnisse im Unternehmen gestaltet werden, wenn Informationen des Rechnungswesens gleichzeitig sowohl für Entscheidungsfindung der Unternehmensleitung als auch zur Motivation der Angestellten genutzt werden.

Der Analyse liegen zwei entscheidende Fragen zugrunde:

1. Ist das Rechnungswesen dazu geeignet, Anreiz- und Entscheidungsprozessen als Grundlage zu dienen?

2. Welche Implikationen ergeben sich für die betrachtete Problematik in einem dynamischen Rahmen?

Die Analyse findet im Rahmen einer Prinzipal- Agent- Beziehung statt. Der Besitzer einer Firma stellt einen Manager ein, damit dieser den Produktionsprozess in der Firma durch aktive Beteiligung unterstützt bzw. damit er bestimmte Tätigkeiten ausführt. Wesentlich für die Analyse ist die Informationsasymmetrie zwischen dem Prinzipal und dem Agenten. Die Informationsasymmetrie tritt auf verschiedenen Ebenen auf: bei der Vertragsgestaltung, während des Arbeitsverhältnisses und schließlich auch bei der Entlohnung. Bei Vertragsschluss kennt der Besitzer die Fähigkeiten und das Potenzial des Managers nicht. Zu dem kann er die Menge und Qualität des Beitrages des Managers zum Produktionsprozess nicht beobachten [3] Er bezahlt den Agenten, ohne zu wissen, welche Leistungen er tatsächlich erbringt. [4]

Ein weiteres Problem bei der Vertragsgestaltung stellt der Moral Hazard dar. Die Informationsasymmetrie hat zur Folge, dass Leistungen nicht vertraglich festgelegt werden können. Aufgrund des Moral Hazard kann der Manager nicht auf Basis eines Fix-Gehaltes entlohnt werden. Ein festes Lohnschema würde den Moral Hazard begünstigen. Da der Besitzer die Leistungen des Managers nicht überprüfen kann, hat dieser einen Anreiz möglichst geringe Anstrengungen zu leisten, weil solch ein Verhalten keinen Einfluss auf sein Einkommen hat [5]. Um dem Moral Hazard Rechnung zu tragen, die unterschiedlichen Interessen der beiden Parteien auf ein gemeinsames Ziel zu lenken, und schließlich die Kosten der Informationsasymmetrie zu verringern, werden Verträge mit Anreizsystemen aufgesetzt.

Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte: Zu Anfang wird ein statischer Rahmen betrachtet. Es wird untersucht, wie die Interaktion von Anreiz – und Entscheidungsproblemen die Verwendung des Rechnungswesens als Informationssystem begünstigt. Es wird gezeigt, dass aufgrund der Interaktion dieser beiden Überlegungen die aggregierte und verspätete Information des Rechnungswesens sich als vorteilhafter erweist als detaillierte und zeitige Information.

Anschließend wird in einem zwei-periodigen, dynamischen Hintergrund erörtert welche Auswirkungen sich aus der Wechselbeziehung zwischen den Perioden und der simultanen Verwendung des Rechnungswesens für zwei Zielsetzungen ergeben. Es werden implizite Anreize, die in diesem Rahmen entstehen, und deren Auswirkung auf die Vertragsgestaltung betrachtet.

Zum Abschluss wird ein impliziter Anreiz, nämlich der Ratchet- Effekt näher betrachtet. Der Ratchet – Effekt entsteht, wenn die vergangenen Leistungen eines Agenten zur Beurteilung der aktuellen herangezogen werden. Um hohe Standards für die Zukunft zu vermeiden, reduziert der Agent, seine Anstrengungen in den früheren Perioden. Der Ratchet -Effekt beeinflusst im dynamischen Rahmen die Anreize [6]. Es wird diskutiert, wie sich die Gestaltung von Verträgen über zwei Perioden und die Wahl von Performance-Maßen auf den Ratchet –Effekt auswirken.

2. Das Rechnungswesen als Informationssystem

Die Informationsaufbereitung im Rahmen des Rechnungswesens erfolgt, indem zunächst die Ereignisse im Unternehmen beobachtet und dokumentiert werden. Aus dieser Menge werden anschließend die Begebenheiten herausgefiltert, welche für das Unternehmen wichtig sind. Diese werden in ökonomischen Größen (meist Geldeinheiten) ausgedrückt, klassifiziert und abschließend zusammengefasst [7]. Das Rechnungswesen ist eine von vielen Informationsquellen [8], die den Entscheidungsträgern im Unternehmen zur Verfügung stehen. Es liefert nur undetaillierte und zum Teil auch unvollständige Informationen [9]. Wenn die Berichte den Entscheidungsträgern vorgelegt werden, gehören die zugrunde liegenden Ereignisse zudem bereits der Vergangenheit an. Daher werden die Informationen, die aus dem Rechnungswesen gewonnen werden, als zu grob und verspätet kritisiert [10].

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob das Rechnungswesen die geeignete Grundlage ist, um in einem Unternehmen Anreize zu schaffen und die Entscheidungsfindung zu erleichtern.

Arya, Glover und Sivaramakrishnan widmen sich in ihrem Modell „The Interaction Between Decision and Conrol Problems and the Value of Information“ dieser Problematik und zeigen, dass aufgrund der Wechselwirkung zwischen Anreiz- und Entscheidungsüberlegungen sowohl Grobheit als auch Verspätung vorteilhaft sein können.

2.1 Modelldarstellung

Ein Prinzipal besitzt eine Produktionsanlage. Er stellt einen Agenten ein, damit ihm dieser beim Produktionsprozess behilflich ist. Das Arbeitsverhältnis bleibt nur für eine Periode bestehen. Sowohl Prinzipal als auch Agent leisten einen produktiven Beitrag zum Endergebnis. Es existiert moral hazard [11] sowohl auf Seiten des Agenten als auch auf Seiten des Prinzipals [12]. Der Output des Unternehmens wird mit x bezeichnet. Für x gilt:

[Formel in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Je nach Aktionen des Agenten und Prinzipals und zufällig auftretenden Umweltbedingungen wird entweder ein hoher oder ein niedriger Output realisiert [13]. Es gilt also x = f (a,b,θ ) [14], wobei θ die Umweltbedingungen darstellt, unter denen der Produktionsprozess stattfindet. Diese Umweltbedingungen, wie z.B. unerwartete Energie-Schocks, internationale politische bzw. wirtschaftliche Entwicklungen, allgemeine Konjunktur [15] entziehen sich der Kontrolle des Prinzipals und des Agenten beeinflussen aber den erzielten Output.

Die Anstrengungen des Agenten und des Prinzipals werden jeweils mit a und b bezeichnet. Sei a und b:

[Formeln in dieser Leseprobe nicht enthalten] [16]

Prinzipal und Agent haben jeweils zwei Handlungsalternativen: entweder sie wählen ein hohes oder ein niedriges Anstrengungsniveau.

Für den Output und die Aktionen der beiden Beteiligten gilt:

[Formeln in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Um seine Führungsaufgabe wahrnehmen zu können, installiert der Prinzipal ein Informationssystem [17] Dabei kann er aus zwei verschiedenen Systemen, IS1 und IS2, eine auswählen. Laut Annahme sind beide kostenlos. Auf Basis des installierten Systems beurteilt der Prinzipal die Arbeitsleistung des Agenten, gestaltet dessen Entlohnung [18] und wählt seine eigene Aktion.

Das erste System liefert eine einzige Information, nämlich die Höhe des Output x. Mit dem zweiten System erhält man zusätzlich zu x ein weiteres Signal y:

[Formel in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Man kann y als einen Produktivitätsparameter interpretieren, der einen Eindruck bezüglich der Arbeitsanstrengung des Agenten vermittelt. Die Verteilung von y hängt nur von der Aktion a des Agenten ab. Es wird realisiert nachdem der Agent seine Aktion gewählt hat aber bevor der Prinzipal die Entscheidung bezüglich seines Anstrengungsniveaus trifft. Der Prinzipal hat die Möglichkeit seine Aktion von dem Wert, den y annimmt, abhängig zu machen.

Die Höhe von x wird nicht nur von a sondern auch von b beeinflusst, sowohl unter yL als auch unter yH . Sei Pr(y) die Wahrscheinlichkeit für die Realisation von yL bzw. yH . Die bedingte Wahrscheinlichkeit für das Output x in Abhängigkeit von a, b und y ist gegeben durch:

[Formel in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Die Verteilung von x erfüllt die stochastische Dominanz 1. Ordnung:

[Formeln in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit höheren Anstrengungen auch ein höheres Output erzielt ist größer als mit niedrigerer Anstrengung, unabhängig davon wie die Aktion des Anderen aussieht.

Das Arbeitsverhältnis gestaltet sich folgendermaßen: Der Prinzipal installiert eine der Informationssysteme. Anschließend bietet er dem Agenten einen Vertrag an. Welches Informationssystem eingesetzt wird, ist dem Agenten bei Vertragsschluss bekannt. Wenn der Agent den Vertragskonditionen zustimmt, beginnt der Produktionsprozess und er wählt sein Anstrengungsniveau a.

Der Prinzipal kann sich nicht von vorneherein auf eine bestimmte Aktion festlegen. Wenn er sich zu Beginn des Arbeitsverhältnisses für IS2 entschieden hatte, wird dann y öffentlich realisiert. Unter IS1 steht ihm kein Signal als zusätzliche Information zur Verfügung, wenn er die Höhe seines Arbeitseinsatzes festlegt. Schließlich wählt auch der Prinzipal seine Aktion b. Am Ende der Periode wird der Output x realisiert und der Agent erhält seinen Lohn. [20]

Der Agent wird für seine Tätigkeit in der Firma bezahlt. Der Prinzipal hat die Möglichkeit die Entlohnung s, je nach installiertem Informationssystem, entweder von x (unter IS1) oder von x und y (unter IS2) abhängig zu machen [21].

Die Zahlungen können nicht an die gewählten Aktion des Agenten gekoppelt werden, da man diese nicht öffentlich beobachten kann.

Um die Analyse zu vereinfachen wird angenommen, dass sowohl der Prinzipal als auch der Agent risikoneutral sind. Beide sind Nutzenmaximierer.

Der Nutzen des Prinzipals ist gegeben durch UP = x-s-b, wobei b die Kosten der Arbeitsanstrengung darstellt, s die Zahlung an den Agenten und x die Einnahmen aus dem produzierten Output.

Der Nutzen des Agenten beträgt UA = s-a. Dabei stellts die Gesamtmenge seines Einkommens dar und a die Kosten aus dem erlittenen Arbeitsleid [22].

2.2 Das Anreiz - und Entscheidungsproblem des Prinzipals

Aus Sicht des Prinzipals ist seine eigene Aktionswahl ein Entscheidungsproblem, während die Aktionswahl des Agenten ein Kontroll- bzw. Anreizproblem hervorruft [23]. Der Prinzipal ist bestrebt seinen Erwartungsnutzen zu maximieren. Er wählt seine eigene Aktion b, die gewünschte Aktion a des Agenten und die Entlohnung s, so dass sein Maximierungsproblem gelöst wird. Er wählt das Informationssystem, das ihm unter diesen Gesichtspunkten den größten Erwartungsnutzen generiert.

Unter IS1 kann das Maximierungsproblem des Prinzipals wie folgt ausgedrückt werden:

[Formel in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[…]


[1] Weber, 2004,S.2

[2] Weber, 2004, S.16

[3] vgl. Kaplan, Atkinson, 1998, S.766

[4] vgl. Kaplan, Atkinson, 1998, S.766

[5] vgl. Kaplan, Atkinson, 1998, S.766

[6] vgl. Indjejikian, Nanda 1999, S.177

[7 vgl.Hermanson et al., 1998, S.4

[8] vgl. Demski,2001,S.62 (vgl. Managerial use of Accounting Information, S.628)

[9] vgl. Arya et al.,1997 S.571

[10] vgl.Arya et al., 1997,S. 571

[11] beide Vertragspartner haben einen Anreiz den Vertragsbedingungen entgegen zu handeln, vgl. Kaplan, Atkinson, 1998, S.766

[12] vgl. Arya et al., 1997,S.564

[13] vgl. Arya et al.,1997,S.564

[14] vgl. Arya et al, 1997, S.564

[15] vgl. Kaplan, Atkinson,1998,S.769)

[16] vgl. Arya et al, 1997, S.564

[17] vgl. Küpper, 2005, S.156

[18] vgl. Weber, Rogler, 2004, S.14

[19] Arya et al, 1997, S.564

[20] vgl. Arya et al. 1997, S.566

[21] vgl. Arya et al,1997 S.565

[22] vgl. Arya et al.,1997,S.565

[23] vgl. Arya et al.,1997,S. 562

Details

Seiten
39
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668147393
ISBN (Buch)
9783668147409
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130007
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,7
Schlagworte
verwenden informationen rechnugswesens anreiz- entscheidungszwecken grundlagen möglichkeiten grenzen

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