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Astrologische Beratung. Eine qualitative Analyse astrologischer Diagnosepraktiken in der Erziehungsberatung im Vergleich mit den Kategorien des NEO-FFI

Diplomarbeit 2000 308 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Die astrologische Perspektive
2.1. Geschichtliche Entwicklung der Astrologie
2.2. Das Horoskop als Deutungsgrundlage professioneller Astrologie
2.3. Astrologische Orientierungen in der Bevölkerung
2.4. Formen astrologischer Angebote
2.4.1. Astrologische Erziehungsberatung

3. Empirische Untersuchungen zur Gültigkeit der Astrologie
3.1. Die Diskussion um die Validität der Astrologie
3.2. Evidenzerlebnisse als Kriterium der Validität?
3.3. Wissenschaftliche Untersuchungen als Kriterium der Validität?
3.3.1. Untersuchungen zum kosmo-terrestrischen Grundaxiom
3.3.1.1. Anorganische kosmo-terrestrische Zusammenhänge
3.3.1.2. Organische kosmo-terrestrische Zusammenhänge
3.3.1.3. Kosmo-psychologische Zusammenhänge beim Menschen
3.3.2. Überprüfung astrologischer Deutungsregeln
3.3.3. Überprüfung astrologischer Horoskopinterpretationen

4. Forschungsdesign der Untersuchung
4.1. Die Fragestellung der Arbeit
4.1.1. Kinderhoroskopdeutung als astrologische Kategorie
4.1.2. Der NEO-FFI als psychologische Vergleichskategorie
4.2. Datenerhebung und Auswahlstrategien
4.2.1. Erhebungsmethoden
4.2.1.1. Teilnehmende Beobachtung
4.2.1.2. ExpertInneninterviews
4.3. Der Kontext der Datenerhebung
4.3.1. Die Auswahl der zu vergleichenden Fälle auf der "ExpertInnen-Ebene"
4.3.2. Auswahl der zu vergleichenden Fälle auf der "Horoskop-Ebene"
4.3.3. Zugang zum Forschungsfeld (Kontaktaufnahme)
4.3.4. Zeitlicher, finanzieller und räumlicher Rahmen der Datenerhebung
4.4. Methoden der Datenerfassung
4.4.1. Teilnehmende Beobachtungen (A1)
4.4.2. ExpertInneninterviews (A2, A3)

5. Datenreduktion
5.1. Transkription der Interviews
5.2. Auswahl der Texte/Textsequenzen
5.3. Aufbereitung der Texte für die computerunterstützte Codierung mit AQUAD
5.4. Codierung
5.4.1. Die Codierung der astrologischen Kategorien
5.4.1.1. Die angemessene Begriffswahl der astrologischen Codes
5.4.1.2. Die angewandten Codierregeln
5.4.2. Die Codierung der NEO-FFI Kategorien
5.4.2.1. Begriffswahl
5.4.2.2. Die Codierregeln
5.4.3. Sequenzielle Codes
5.4.4. Biographische Codes
5.4.5. Singuläre Codes

6. Darstellung der Ergebnisse
6.1. Tabellarische Darstellung der Zusammenhänge zwischen astrologischen und NEO- FFI Kategorien
6.2. Einordnung und Gruppierung der Hypothesen innerhalb des NEO-FFI Modells ...
6.2.1. Neurotizismus und Neurotizismus-R
6.2.2. Extraversion und Extraversion-R
6.2.3. Offenheit für Erfahrung und Offenheit für Erfahrung-R
6.2.4. Verträglichkeit und Verträglichkeit-R
6.2.5. Gewissenhaftigkeit und Gewissenhaftikeit-R
6.3. Zusammenfassung

7. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang A
9.1. Grundlagen für die Transkription horoskopbezogener Daten.
9.1.1. Astrologin 2
9.1.1.1. Horoskop Lena
9.1.1.2. Horoskop Tobias
9.1.2. Astrologe 3
9.1.2.1. Horoskop Lena
9.1.2.2. Datenblatt Lena
9.1.2.3. Horoskop Tobias
9.1.2.4. Datenblatt 1 Tobias
9.1.2.5. Datenblatt 2 Tobias
9.2. Transkripte
9.2.1. inter.001
9.2.2. inter.002
9.2.3. inter.003
9.2.4. inter.005
9.2.5. inter.006
9.2.6. inter.008
9.2.7. inter.009
9.2.8. inter.011
9.2.9. inter.012

10. Anhang B: Compact Disc mit AQUAD-Dateien

Vorwort

In einem Zeitungsartikel mit der Überschrift "Nach dem Horoskop ins Wochenbett" (Lache 1999), war zu lesen:

"Immer mehr Eltern planen den Nachwuchs mit Hilfe von Astrologen - Psychologen warnen (...) Soll es ein temperamentvoller Widder sein? Oder lieber ein sensibler Krebs? (...) Das Wassermann-Kind wurde verworfen, weil es klug, unabhängig und eigenwillig ist. (...) Auch der Zwilling schafft nur Probleme: Kinder mit diesem Sternzeichen sind unbeständig und bringen zuviel Unruhe in das Leben des Stiers. Das hat sich die 33jährige von ihrer Astrologin sagen lassen." (ebd.)

Die Neugierde danach, was AstrologInnen "tatsächlich" zum Thema Erziehung zu sagen haben, war die Motivation für die Durchführung einer eigenen empirischen Untersuchung innerhalb meiner Diplomarbeit.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Prof. Günter L. Huber für die Themenbetreuung und für die Bereitstellung des Softwareprogramms AQUAD 5.71 bedanken, wodurch die Rahmenbedingungen für eine realisierbare Bearbeitung geschaffen wurden. Mein Dank gilt auch allen TeilnehmerInnen des achten und neunten "Freiburger Astrologie-Symposiums", insbesondere dem Leiter des Forschungszentrums (des Deutschen Astrologen-Verbands) Dr. Peter Niehenke für die wertvollen methodischen

Hinweise und Anregungen. Ein Dankeschön geht ebenso an die MitarbeiterInnen des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), die mir freundlicherweise auch außerhalb der Öffnungszeiten Zugang zur Bibliothek verschafften, und deren Onlinedatenbank2 eine wichtige Stütze war, bei der Suche nach wissenschaftlichen Publikationen. Herzlichen Dank an Stefanie Gruber für den Email- Support und ganz besonders auch an alle mitwirkende AstrologInnen, die mir wichtige

Einblicke in ihren Beratungsalltag ermöglichten.

1. Einleitung

Das Zitat des Zeitungsartikels im Vorwort könnte den Anschein erwecken, dass es in dieser Arbeit um eine empirisch gestützte Bewertung astrologischer Erziehungsberatung geht. Angesichts solcher Schlagzeilen (vgl. ebd.) ist es sicherlich auch die Aufgabe der PädagogInnen, dazu Stellung zu beziehen. Mir geht es hier jedoch darum, zunächst Diskussionsgrundlagen zu schaffen, bevor Urteile gefällt werden.

So musste ich nach ausgiebiger Literaturrecherche feststellen, dass es zwar zahlreiche Studien zur Überprüfung der Gültigkeit astrologischer Grundannahmen gibt; Untersuchungen zum Gegenstand der astrologischen Beratungspraxis waren dagegen kaum auffindbar.

Die Fragestellung dieser Arbeit ist zwischen den beiden Forschungsrichtungen anzusiedeln. Dort ist ihr Schwerpunkt - aber auch ein möglicher Kritikpunkt für all diejenigen, die Antworten auf eine der beiden Forschungsfragen erwarten. So kann ich jetzt schon sagen: meine Schlussfolgerungen werden weder darüber Auskunft geben, ob Astrologie "stimmt", noch, ob astrologische (Erziehungs-) Beratung (pädagogisch) negativ oder positiv zu bewerten ist.

Es geht vielmehr um das Problem, wie astrologische Persönlichkeitskonzepte angemessen operationalisiert und für weitere Forschungen zugänglich gemacht werden können. Die Vorgehensweise ist theoriegeleitet. Als Vergleichskategorie zu den astrologischen Daten wurde die deutsche Übersetzung des NEO-Fünf-Faktoren Inventars3 (Borkenau/Ostendorf 1993) gewählt.

Als Einstieg in die Problematik sollen verschiedene astrologische Perspektiven in Geschichte, Bevölkerung und ExpertInnenkreisen erörtert werden (vgl. Kap. 2). In Kapitel 3 werden bisherige Validitätsuntersuchungen zur Astrologie dargestellt und bewertet, um daraus Konsequenzen und Begründungen für das Forschungsdesign dieser Studie abzuleiten (vgl. Kap. 4). Anschließend soll der Datenreduktionsprozess expliziert werden (vgl. Kap. 5). Auf die Darstellung und Interpretation der Ergebnisse (vgl. Kap. 6) folgen Anregungen für die Verwertung der Resultate.

2. Die astrologische Perspektive

Nach einer alchemistischen Legende ist Hermes Trismegistos der einzige Überlebende eines untergegangenen, kulturell hochentwickelten Erdteils. Er soll auf einer Smaragdtafel, die auch als der "Stein der Weisen" (vgl. Retschlag 1934)4 bezeichnet wird, sein gesamtes Wissen hinterlassen haben. Die "Tabula Smaragdina" (Müller 1989, S.190) wurde der Legende nach einigen Auserwählten übermittelt und in der Cheopspyramide aufgefunden. (vgl. ebd.) Die Inschrift5 enthält die wichtigste Grundannahme astrologischen Denkens:

"Was unten ist, ist wie das, was oben ist, und das, was oben ist, ist wie das, was unten ist" (Müller 1989, S.191)

Dieses auf Analogien basierende Denken manifestiert sich innerhalb der Astrologie in der Annahme, dass Gestirnspositionen "oben" und irdische Prozesse "unten", zusammenhängen.

In diesem Kapitel wird nur ansatzweise gezeigt, wie das Weltbild der Astrologie geschichtlich entstanden sein könnte. Es soll dargestellt werden, auf welche Tradition sich die Profession der AstrologInnen berufen kann. Zentraler Bestandteil des Selbstverständnisses vieler AstrologInnen ist die Abgrenzung von der populären "Sternzeichenastrologie", wie sie in Zeitschriften oder Tageszeitungen zu finden ist. Der Einblick in frühere astrologische Bräuche soll darauf hinweisen, dass das Selbstbild der AstrologInnen weit über das hinaus geht, was aus der Populärastrologie erschlossen werden kann. Howe (1995) zeigt in seiner Darstellung der Astrologie und ihre geheimdienstlichen Verwicklungen zur Zeit des Nationalsozialismus, dass die Intention einiger Astrologen darauf ausgerichtet war, immer auch die Gunst der politisch Mächtigen zu erlangen (vgl. ebd., S.7-18). Henri Stierlin (1988) behauptet ebenfalls:

"Die Ursprünge der Astrologie liegen also in dem Bestreben, die Zukunft des Königs und seines Reichs zu bestimmen; erst später hat sie sich mit den Personen niederen Rangs beschäftigt, deren Leben von untergeordneter Bedeutung ist, weil sie auf den Weltenlauf keinen Einfluß haben. Kein Wunder, daß es keinem Normalsterblichen gestattet war, sich auf dem Felde dieser Kunst bzw. Wissenschaft zu betätigen.

stammt vermutlich aus dem frühen Mittelalter (vgl. Müller 1989, S.190). Bei den griechischen Hermetikern von Alexandria seien die Texte zuerst nachgewiesen worden.(vgl. Internet unter http://www.levity.com/alchemy/retschla.html#AlchimieundhermetischePhilosophie am 15.11.2000) Die Texte lassen aufgrund von Parallelen zu Texten aus ägyptischen Zauberpapyri vermuten, daß ihre Wurzeln bereits in der Spätantike liegen.(vgl. Müller 1989, S.190). Retschlag (1934, aus dem Internet unter http://www.levity.com/alchemy/retschla.html#AlchimieundhermetischePhilosophie am 15.11.2000) meint: "Sicher ist diese Inschrift aber auf ägyptische Eingebung zurückzuführen, auch wenn sie von den Griechen zuerst aufgezeichnet wurde." (ebd.)

Allein die Möglichkeit, daß ein x-beliebiger Mensch nicht nur über die Zukunft eines Königs, sondern auch über die Konstellationen, die ihm seine Vorhaben diktieren, Bescheid wissen könnte, stellt eine Gefahr dar. Denn diese Wissenschaft von den Plänen des Himmels war die Quelle der Macht." (Stierlin 1988, S.10)

Im darauf folgenden Kapitel soll gezeigt werden, dass die magische, holistische Vorstellung, „Wie das Oben, so das Unten“ (Tegtmeier 1990, S.15) auch heute, im 21. Jahrhundert noch gesellschaftsfähig ist und insbesondere bei Jugendlichen auf reges Interesse stößt. Aber auch Eltern sollen mit astrologischen Beratungsangeboten und Hilfen zu Erziehungsfragen angesprochen werden.

2.1. Geschichtliche Entwicklung der Astrologie

Dass der Himmel einen festen Bezugspunkt darstellt, machten sich nicht nur die Seefahrer zu Nutze. Neben der Möglichkeit zur räumlichen Orientierung war, nach Knappich (1998),

„der Mond der erste Messer der Zeit (die Ausdrücke mens, meno, mond etc. gehen alle auf die Sanskritwurzel mas zurück, das messen bedeutet).“ (ebd. S.7f.) Die alten Ägypter waren als sesshaftes Volk auf Ackerbau angewiesen.

[...]


1 Für die Analyse qualitativer Daten. Im Internet unter: http://www.aquad.de

2 Im Internet unter: http://webdb.igpp.de am 19.11.2000.

3 Im Folgenden wird für das NEO-Fünf-Faktoren Inventar (Borkenau/Ostendorf 1993) die Abkürzung "NEO-FFI" (ebd.) verwendet.

4 Aus dem Internet unter: http://www.levity.com/alchemy/retschla.html#AlchimieundhermetischePhilosophie am 15.11.2000

5 Es werden verschiedene Versionen des Textes verwendet. Dieser wohl am häufigsten verwendete Text

Details

Seiten
308
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638100908
ISBN (Buch)
9783638920698
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Note
sehr gut
Schlagworte
Astrologische Beratung

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