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Analyse des Gedichts "Nähe des Geliebten" von Johann Wolfgang von Goethe

Referat (Ausarbeitung) 2009 9 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Epocheneinordnung

3. Inhaltlicher Aufbau und Formanalyse

4. Sprachliche Mittel

5. Biographische Bezüge

6. Bewertung

Anhang

Literaturangabe:

1. Einleitung

„Nähe des Geliebten“ ist ein von Johann Wolfgang von Goethe 1795 verfasstes Kurzgedicht. Es beschreibt die Liebe und die Sehnsucht zu einer entfernten Person. Das Gedicht ist an das Gedicht „Ich denke dein“ angelehnt, welches von der zu damaliger Zeit bekannten Dichterin Friederike Brun verfasst wurde. Ein Freund Goethes, der Komponist Carl-Friedrich Zelter (1758-1832), schrieb dazu eine Melodie. Im Jahr 1799 wurde „Nähe des Geliebten“ von Ludwig van Beethoven vertont, 1834 auch von Josephine Lang (Opus 5). Es zählt zu den bekanntesten musikalisch aufbereiteten Gedichten Goethes.

2. Epocheneinordnung

Die Einordnung des Gedichts in eine Epoche fällt aus zweierlei Gründen nicht ganz leicht: Zum Einen ist Goethe einer der prägenden Literaten der Klassik, insbesondere seine Weimarer Zeit führte (nur in Deutschland) zu einem sich zum Ende der Aufklärung bildenden Literatureinschnitt, der Epoche des Sturm und Drang. Daher wäre das Gedicht in die Epoche der Klassik einzuordnen. Gleichzeitig begann sich die Romantik zu etablieren. Historisch fallen die Anfänge der Romantik in die Zeit der Hochklassik, etwa 1795. Somit ist die Einordnung nur mit Hilfe der Betrachtung des persönlichen Bezugs Goethes zu diesen parallel bestehenden literarischen Strömungen möglich. Goethe war den neuen romantischen Autoren gegenüber aufgeschlossen[1] (im Gegensatz zu Schiller) und sah in der Romantik die Geisteshaltung jener Zeit in ihrer Reinform. Zum Ende der Aufklärung rückte auch in der Literatur die Entwicklung von wahren Werten und Selbstbestimmung in den Fokus. Goethes „Nähe des Geliebten“ ist somit in dieser Mischepoche als Bindeglied zwischen althergebrachter Dichtkunst und sich (wieder) entwickelnder emotionaler Literatur zu werten. Die Natur ist dabei die vereinende Größe, welche in der Romantik zum zentralen Motiv aufsteigt.[2] Die Symbolik von „Mond“, „Sonne“ und „Meer“ sind sinnbildlich für das Bestreben nach harmonischer

Übereinstimmung von Gemütszustand und Verstand und dem Drang nach seelischer und emotionaler Vollkommenheit. In Goethes „Nähe des Geliebten“ lässt sich das lyrische Ich in eine Welt aus Phantasie und Gefühl fallen, in der die realen Sehnsüchte dadurch erfüllt werden, dass das Naturerlebnis an Stelle der Gegenwart des fernen Geliebten tritt.

3. Inhaltlicher Aufbau und Formanalyse

Das Gedicht ist vierstrophig jambisch aufgebaut und erhält durch die in allen vier Strophen in durchgehend reinen Kreuzreimen angeordneten Verse eine melodische und dem Lesefluss zuträgliche Struktur. Männliche und weibliche Kadenzen wechseln sich ab, zu Beginn steht eine weibliche. Es handelt sich, obwohl nicht volkstümlich, um ein Liebesgedicht mit liedhaftem Charakter. Diese Einordnung der Gedichtsform wird auch durch die spätere musikalische Bearbeitung unterstützt. Zeitform des Gedichts ist das Präsens, der Sprachstil ist, der Zeit und der Gedichtsform angemessen, altmodisch und emotional. Auffällig sind der durchgehende Gebrauch von Nebensatzkonstruktionen (Zeile 5; „ich sehe dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen die Welle steigt.“) sowie zahlreiche –regelmäßig angeordnete– Enjambements (Zeilen 1 - 2 / 3 - 4 / 5 - 6 / 7 – 8 / 9 - 10).

In den vier Strophen mit je 4 Versen wechseln sich jeweils lange mit kurzen Zeilen ab, jeder zweite Vers beginnt mit „Ich denke dein / ich sehe dich“. Dieses Schema wurde von Friederike Bruns „Ich denke Dein“ übernommen. Der Titel „Nähe des Geliebten“ lässt vermuten, dass es sich beim lyrischen Ich um eine weibliche Person handelt.

Das lyrische Ich beschreibt durch alle Strophen hindurch die Sehnsucht und gefühlte Nähe zum Geliebten, die trotz offensichtlicher räumlicher Distanz sehr groß ist. Im Detail werden verschiedene Situationen genannt, in denen an den Geliebten gedacht wird und sich das lyrische Ich diesem trotz dessen Abwesenheit besonders verbunden fühlt. Bereits die erste Strophe beschreibt die gefühlte Sehnsucht und betont diese Nähe, die den ganzen Tag über anhält („…wenn mir der Sonne Schimmer… „/ „…wenn sich des Mondes Flimmer…“).

In den Strophen zwei und drei steigern sich die Gefühle in phantasievolle Empfindungen, die in Sinneswahrnehmungen zum Ausdruck gebracht werden.

Das lyrische Ich wähnt den Geliebten zu sehen und zu hören („…sehe dich, wenn auf dem fernen Wege…“ / „…höre dich, wenn dort im dumpfen Rauschen…“). Die innigen Gefühle scheinen die Sinneswahrnehmungen zu beeinflussen.

Die finale vierte Strophe bekräftigt die Empfindungen von Nähe und auch Geborgenheit und stellt die Distanz zum Geliebten als bedeutungslos für die wirkliche Liebe dar.
Die gefühlte Verbundenheit setzt sich über die reale Entfernung hinweg und spendet, gerade auf Grund der Entfernung, Trost und Wärme („…du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah!“). Gleichsam wird deutlich, dass die Realität nicht durch Gefühle zu überwinden ist. Mit dem Untergang der Sonne, deren Licht die wärmenden Gefühle metaphorisch zum Ausdruck bringt, wird sich das lyrische Ich der Realität bewusst und beklagt das physische Fehlen des Geliebten („Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne. O, wärst du da!).

[...]


[1] Achim von Arnims und Clemens Brentanos „Des Knaben Wunderhorn“ wurde von Goethe nicht nur hoch gelobt, er fügte auch Textteile eigens hinzu. Das Werk gilt als eine Art „Aushängeschild“ der Romantik.

[2] E.T.A. Hoffmanns „Der goldene Topf“ drückt diese Tendenz in besonderem Maße aus.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640366828
ISBN (Buch)
9783640366873
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129897
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – FB A: Geistes- und Kulturwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Analyse Gedichts Nähe Geliebten Johann Wolfgang Goethe
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