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Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle

Bruderkämpfe um die Vorherrschaft im Frankenreich

Hausarbeit 2007 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Bruderkriege um die Vorherrschaft im karolingischen Reich
2.1 Auseinandersetzungen bis 843
2.2 Teilung des Reichs durch den Vertrag von Verdun 843
2.3 Das Verhältnis zwischen Ludwig und Karl nach der Teilung
2.4 Teilung des „Mittelreichs“ durch den Vertrag von Meerssen 870
2.5 Kampf um den Kaisertitel

3 Innere Verhältnisse in den unterschiedlichen Reichsteilen
3.1 Ressourcen und Bevölkerung
3.2 Oppositionelle Gruppen

4 Die Herrschaftspraxis
4.1 Akzeptanz und Unterstützung
4.2 Maßnahmen zur herrschaftlichen Durchdringung
4.3 Zentrale Machtgebiete

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Tod Ludwigs des Frommen 840 stürzte das Frankenreich in eine chaotische Zeit, die durch wechselnde Bündnisse und langwierige Machtkämpfe unter seinen Erben gekennzeichnet ist.

Es waren v.a. Ludwig der Deutsche[1] und Karl der Kahle[2], deren Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Reich so gravierend waren, dass das Frankenreich als Einheit in dieser Phase endgültig zerfiel.

Wie aber konnte es geschehen, dass es zu Reichsteilungen, wie durch den Vertrag von Verdun kam, die man durchaus als Geburtsstunde des modernen Europas bezeichnen könnte? Auf welche Gefolgsleute konnten sich Ludwig und Karl stützen und gegen welche oppositionellen Gruppen mussten sie sich behaupten?

Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie außerdem innerhalb ihrer Reiche zu kämpfen, wie sah beispielsweise die Verteilung der wirtschaftlichen Ressourcen aus und mit welchen Maßnahmen konnten Ludwig und Karl ihre Gebiete herrschaftlich durchdringen?

Dies ist nur eine kleine Auswahl der Fragen, die sich unweigerlich bei der Beschäftigung mit diesen beiden Herrschaftspersönlichkeiten ergeben.

In dieser Hausarbeit werde ich den Versuch unternehmen, die schon fast verwirrende Phase der Bruderkriege zu strukturieren und zu analysieren.

Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die Ursprünge dieser Auseinandersetzungen in einer Zeit weit vor dem Tode Ludwigs des Frommen liegen und bereits in den zwanziger Jahren des neunten Jahrhunderts ihre Anfänge nehmen.

Der Schwerpunkt wird zwar auf den Maßnahmen Ludwigs und Karls liegen, jedoch können insbesondere in der Anfangsphase die beiden älteren Brüder Lothar und Pippin samt ihrer jeweiligen Machtansprüche nicht gänzlich ausgeklammert werden.

2 Bruderkriege um die Vorherrschaft im karolingischen Reich

2.1 Auseinandersetzungen bis 843

817 hatte Ludwig der Fromme mit der Ordinatio Imperii zwar schon eine Teilung auf seine Söhne Lothar I. (Italien, Krönung zum Mitkaiser), Pippin (Unterkönig über Aquitanien) und Ludwig (Unterkönig über Bayern) vorgenommen[3], jedoch hatte diese mit Geburt seines Sohnes Karls 823 aus zweiter Ehe keinen Bestand mehr.

Der Wille zur angemessenen Ausstattung Karls, welches aus dem fränkischen Erbfolgerecht resultierte (gleiche Teilung unter den erbberechtigten Söhnen), stürzte das Frankenreich in eine große Krise:

Bereits 829 kam es zu ersten Turbulenzen im Frankenreich, da Kaiser Ludwig der Fromme seinem Sohn Karl einen Teil seines Reiches zuwies. Ihm „wurden Alemannien, Rätien, das Elsass und Teile Burgunds übertragen“[4]. Dies führte zu einer Empörung der drei älteren Söhne aus erster Ehe, Lothar, Pippin und Ludwig, die eine Rücknahme dieser Entscheidung erwirken konnten.

Jedoch ergriff Ludwig der Fromme bereits ein Jahr später erneut die Initiative und teilte das Reich unter Pippin, Ludwig, dem alle Gebiete östlich des Rheins (mit Ausnahme Aquitaniens) zufielen, und Karl. Lothar konnte keine angestrebte Oberherrschaft über seine Brüder erreichen und erhielt lediglich Italien.

Durch diese Entscheidung wurde den drei älteren Söhnen deutlich, dass es für ihre Reichsteile keine Sicherheit mehr geben konnte. So kam es 833 zu einem gemeinsamen Aufstand, der gegen Karl gerichtet war.

Zwar konnten die Brüder auf dem sogennanten „Lügenfeld“ von Colmar 833 einen Sieg über ihren Vater erringen, jedoch brach das Bündnis nur ein Jahr später.

Es wird vermutet, dass Ludwig als Gegenleistung für seine Unterstützung des Vaters die Herrschaft im Gebiet östlich des Rheins erhielt, zumindest entstanden ab 833 Urkunden in diesem Gebiet, die Ludwig als rex in orientali Francia bzw als rex in Alemannia nannten.[5]

Bis zu dem Tode seines Vaters 840 konnte Ludwig jedoch sein bayrisches Reich nicht erweitern, vielmehr „sah es sogar noch so aus, als ob Karl und Lothar sich gegen Ludwig einigen könnten und eine Zweiteilung des Frankenreichs ohne Rücksicht auf die Ansprüche Ludwigs zustande käme“[6].

Nach wiederum wechselnden Bündnissen der Brüder, standen Ludwig und Karl 841 in der Schlacht von Fontenoy gemeinsam Lothar gegenüber und konnten ihn in der ersten großen blutigen Schlacht zwischen Franken und Franken besiegen[7].

Im folgenden Jahr schworen sich Ludwig und Karl in der jeweils anderen Sprache (Ludwig in altfranzösisch, Karl in althochdeutsch) ihre brüderliche Treue. Die sogenannten „Straßburger Eide“ sind somit nicht nur deshalb bedeutsam, da sie eine Abkehr von Lothars Machtansprüchen ausdrücken, sondern v.a. weil sie das älteste erhaltene Zeugnis dieser beiden Sprachen darstellen[8].

Lothar war nun bereit, auf eine Obergewalt über seine Brüder zu verzichten und ließ sich auf Verhandlungen ein.

2.2 Teilung des Reichs durch den Vertrag von Verdun 843

Die nun folgenden Verhandlungen mündeten in den Teilungsvertrag von Verdun. „An Karl den Kahlen fiel alles Gebiet westlich einer Linie, die in etwa den Flußläufen von Maas, Schelde, Saone und Rhone folgte [das Westfrankenreich]. Ludwig der Deutsche erhielt die Reichsteile östlich des Rheins und nördlich der Alpen [das Ostfrankenreich].“[9] Lothar blieb das Mittelreich von Italien bis zur Nordsee, der Kaisertitel sowie die Kaiserstädte Aachen und Rom.

Beim Abschluss des Vertrages waren Teile des Adels sowie weitere Gefolgsleute der drei Herrscher in Verdun anwesend. Deren Hilfe war für sie besonders bedeutungsvoll, sodass ihr Schicksal ihnen auch außerordentlich wichtig war, immerhin „mußten sie die Lehen der Vasallen im eigenen Teilreich sicherstellen“.[10]

Die Teilung des Reiches war zwar nichts völlig Neues, auch Pippin hatte 768 das Reich auf Karl und Karlmann aufgeteilt, doch bleibt die Bedeutung des Verduner Vertrags unbestritten. Die hier festgelegten Grenzen sollten teilweise das gesamte Mittelalter bestehen, so war z.B. die Schelde auch später Grenzfluss zwischen Frankreich und dem deutschen Kaiserreich und auch die Grenzen zwischen Ludwigs und Lothars Reich lassen das zukünftige Deutsche Reich erkennen.[11]

Auf die Bedeutung der einzelnen Teilreiche wird unter Punkt 4.1 näher eingegangen.

[...]


[1] Der Beiname „Der Deutsche“ war bereits im 9. Jahrhundert unter Zeitgenossen verbreitet (rex Germaniae)

[2] Dieser Beiname gründet wahrscheinlich auf einer vorzeitigen Kahlheit, siehe auch Riché: Die Karolinger, S. 227

[3] vgl. Hartmann: Ludwig der Deutsche, S. 27

[4] ebd., S. 29

[5] ebd., S. 31

[6] ebd., S. 35

[7] vgl. Riché: Die Karolinger, S.197

[8] vgl. Knefelkamp: Das Mittelalter, S. 83

[9] Riché: Die Karolinger, S. 201

[10] ebd., S. 203

[11] ebd., S. 204 f.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640361069
ISBN (Buch)
9783640360741
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129781
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
Ludwig der Fromme Bruderkrieg Ordinatio imperii Lügenfeld Straßburger Eide Schlacht von Fontenoy Vertrag von Verdun Vertrag von Meerssen Frankenreich Teilung Einheit Karolinger

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