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Bedeutungsmetamorphose sprachlicher Zeichen: Ikonifizierung und Symbolifizierung

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die sprachlichen Zeichen
2.1 Symptom / Index
2.2 Ikon
2.3 Symbol

3 Bedeutungsmetamorphosen
3.1 Ikonifizierung von Symptomen
3.2 Symbolifizierung von Symptomen
3.3 Symbolifizierung von Ikonen

4 Fazit

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

1 Einleitung

In welche Kategorien kann man sprachliche Zeichen einteilen? Welche „Voraussetzungen“ muss ein sprachliches Zeichen erfüllen, um einer bestimmten Klassifizierung anzugehören? Und sind diese Zuordnungen statisch, bleibt ein Zeichen also immer ein- und dasselbe Zeichen? Wie entstehen Symbole?

Diese Fragen sollen in der vorliegenden Hausarbeit erörtert werden. Schon der Titel „Bedeutungsmetamorphosen“ lässt darauf schließen, dass es bei der Zuordnung der Zeichen zu einem bestimmten Zeichentypus nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch Veränderungen gibt. Mit genau diesen Veränderungen – dem Zeichenwandel – wird sich der zweite Teil der Arbeit beschäftigen: Wie wird aus einem Index ein Ikon oder ein Symbol? Wie wird aus einem Ikon ein Symbol?

Um diesen Fragen nachzugehen, wird zunächst die Einteilung der Zeichenarten nach Charles Sanders Peirce erläutert sowie darauf aufbauend das Verständnis der Zeichentypen von Rudi Keller. Kellers Theorie ist von entscheidender Bedeutung, da er sich mit der Bedeutungsmetamorphose sprachlicher Zeichen auseinandergesetzt hat und seine Theorie für diesen Abschnitt der Arbeit maßgebend sein wird.

Auf Charles Sanders Peirce geht das triadische Zeichenmodell zurück. Er unterschied zwischen:

a. Dem Repräsentamen. Dies ist ein wahrnehmbares Objekt, das „Zeichen“ im engeren Sinn, wie z.B. ein Wort oder ein Symbol.
b. Dem Interpretant. Dies stellt die Bedeutung des Zeichens dar, also das was wir verstehen, wenn wir das Zeichen sehen. Der Interpretant meint nicht einen interpretierenden Menschen, sondern allgemeiner ein interpretierendes Bewusstsein.[1]
c. Dem Objekt. Dies ist die bezeichnete Sache, das, was das Zeichen repräsentiert.

Ein Zeichen liegt also in diesem Verständnis nur dann vor, wenn die Relation von Repräsentamen und Objekt von einem Interpretanten interpretiert wird. Die Relation zwischen Repräsentamen und Objekt kann nach Charles S. Peirce ikonisch, indexikalisch oder symbolisch sein.

2 Die sprachlichen Zeichen

2.1 Symptom / Index

Ein Index ist„nach Charles S. Peirce ein Zeichen, welches zu dem von ihm denotierten Objekt in „realer Beziehung“ steht“[2].

Das Index-Zeichen ist demnach ein Anzeichen für etwas bzw. eine Begleiterscheinung, es „lässt Rückschlüsse auf etwas anderes (einen Grund oder eine Ursache) zu“[3]. Daher besitzt dieses Zeichen auch nur einen geringen Abstraktionsgrad, da es zum Bezeichneten in direkter Verbindung steht und somit ein kausales Verhältnis vorliegt. Dennoch ist ein gewisses Maß an Erfahrungswissen für die Schlussfolgerung notwendig.

Die Benutzung dieses Zeichentypus ist unbewusst, Indices ergeben sich ohne Absicht aus der Situation heraus.

Beispiele für ein indexikalisches Zeichen sind Rauch für Feuer oder fallende Blätter für Herbst.

Etwas problematischer gestaltet sich schon das Beispiel Lachen als Index für Freude. Es gibt zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Schluss „Freude“ zutrifft, doch sind auch andere Gründe denkbar, die ebenfalls zu dem Ergebnis „Lachen“ führen können: Man kann auch ein niedergeschlagenes Lachen von sich geben und so anzeigen, dass man traurig ist. Ebenfalls kann man ironisch oder sarkastisch lachen, um anzuzeigen, dass etwas gerade nicht lustig ist. In diesem Fall befinden wir uns jedoch schon mitten in der Frage, ob es sich dann noch immer um ein indexikalisches Zeichen handelt oder nicht. Dieser Vorgang wird unter 3.1 näher untersucht.

Weitere indexikalische Zeichen sind Demonstrativpronomina wie /dieser/ oder /jener/ und die deiktischen (zeigenden) Mittel in der Sprache. „Zu ihnen zählen beispielsweise die Personalpronomina, die, je nachdem, wer sie ausspricht, jemand anderen bezeichnen.“[4]

Rudi Keller nennt Zeichen, die mittels kausaler Schlüsse interpretiert werden Symptome. Symptome sind allerdings nur in bestimmtem Sinne Zeichen, da sie nicht intentional verwendet werden - andernfalls ändern sie ihren Charakter und hören auf Symptome zu sein - und erst zu einem Zeichen werden, wenn sie interpretiert werden. So werden beispielsweise die Masernflecken erst zu Symptomen, wenn der Arzt sie nutzt, um von den wahrnehmbaren Flecken auf das nicht Wahrnehmbare (die Krankheit) zu schließen. „Durch diese Nutzung werden Flecken zu Symptomen“.[5]

Keller grenzt seine Definition der Symptome deutlich von der Peirce’schen Einteilung ab und plädiert dafür, dass ein Gegenstand erst durch die interpretative Nutzung zum Symptom wird, da es sonst zu einer Überschwemmung mit Symptomen kommen würde.

Festzuhalten bleibt, dass nach Rudi Keller Symptome also keinen Sender haben, der mit einem Symptom etwas meint und Dinge nicht per se symptomatisch sind, sondern erst durch die interpretative Nutzung zu Symptomen werden. Prinzipiell ist es jedoch offen, wofür ein Symptom ein Symptom ist, solange es kausal erschließbar ist.

2.2 Ikon

Ein Ikon ist ein „von Charles S. Peirce eingeführter Terminus für Zeichen, die ihren „Gegenstand“ mittels einer Übereinstimmung in wahrnehmbaren Merkmalen denotieren.“[6] Ikonische Zeichen stehen also in materieller oder struktureller Ähnlichkeit zum Bezeichneten und bilden ein reales Merkmal des Objektes ab. Die Intensität kann dabei sehr unterschiedlich sein.

Da es sich bei der Relation zwischen Repräsentamen und Objekt um eine steigende abstrakte Beziehung handelt, ist zur Herstellung der Relation Welt- und Erfahrungswissen notwendig, man muss also wissen, wie die (bezeichneten) Dinge aussehen oder tönen.

Ein weit verbreitetes Beispiel für Icons sind Piktogramme. Allerdings kann man anhand dieses Beispiels wiederum die Schwierigkeiten der Klassifizierung aufweisen, denn wie stark muss das Ähnlichkeitsverhältnis bei ikonischen Zeichen sein?

„Für [Charles] Morris liegt vollkommene Ikonizität dann vor, wenn das Zeichen mit dem von ihm Bezeichneten zusammenfällt.“[7]

Zur Verdeutlichung des Problems seien zwei Beispiele angeführt:

a. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Toilettenzeichen

Das vorliegende Piktogramm weist keinerlei Ähnlichkeiten zu einer Toilette auf. Allerdings besteht ein Ähnlichkeitsverhältnis zu einer Frau und einem Mann, auch wenn klar ist, dass kein realer Mensch gezeigt wird. Diesen Teil des Piktogramms kann man als ikonisch bezeichnen, da ein gewisses Abbildungsverhältnis vorliegt.

Das Wissen jedoch, dass sich hinter diesen Schildern eine Toilette verbirgt ist konventionell bedingt und entspricht somit eher einem Symbol.

b. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Restaurantzeichen

Auch dieses Zeichen enthält zwei unterschiedliche „Teile“. Die Abbildung einer Gabel und eines Messers ist ikonisch, da ein Ähnlichkeitsverhältnis optischer Natur besteht. Insgesamt ist dieses Zeichen aber eher ein Symbol, da eine konventionelle Bedeutung für einen Sachverhalt vorliegt.

[...]


[1] vgl. Jürgen Trabant, Elemente der Semiotik 1996, S.31.

[2] Klaus Welke, Metzler Lexikon Sprache 2000, S. 290.

[3] Armin Burkhardt u.a., Studienbuch Linguistik 2004, S.19.

[4] Umberto Eco, Zeichen 2004, S.62, zu den deiktischen Mitteln siehe auch Ingrid Schröder, Zugriff 08.08.2006.

[5] Rudi Keller, Zeichentheorie 1995, S. 119.

[6] Helmut Rehbock, Metzler Lexikon Sprache 2000, S. 286.

[7] Umberto Eco, Zeichen 2004, S.63.

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640359196
ISBN (Buch)
9783640359523
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129778
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Fakultät III, Fachbereich Germanistik
Note
2,3
Schlagworte
Zeichentyp Symbol Index Ikon Peirce Rudi Keller triadisches Zeichenmodell

Autor

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