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Untersuchungen zu den Ursachen und Auswirkungen juveniler Adipositas

Examensarbeit 2008 121 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen und Begriffsbestimmungen
2.1 Definition von Adipositas
2.1.1 Allgemeine Definition der Adipositas
2.1.2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
2.2 Methoden zur Bestimmung von Adipositas
2.2.1 Body Mass Index (BMI)
2.2.2 Der Broca-Index (BI)
2.2.3. Waist-to-hip-ratio (WHR) – Fettverteilung
2.2.4 Hüftumfangsmessungen
2.2.5 Hautfaltendickemessungen
2.2.6 Weitere Diagnosemöglichkeiten

3. Prävalenzen und Verbreitung von Adipositas in Deutschland

4. Folgen von Adipositas
4.1 Medizinische Folgeerkrankungen durch Adipositas
4.1.1 Diabetes mellitus Typ 2:
4.1.2 Kardiopulmonale Erkrankungen
4.1.3 Orthopädische Folgen
4.1.4 Weitere Begleit- und Folgeerkrankungen
4.2 Psychosoziale Folgen
4.3 Ökonomische Folgen von Adipositas

5. Ursachen und Erklärungsansätze für Adipositas
5.1 Ernährungsverhalten
5.1.1 Der Energieverbrauch
5.1.2 Die Energiezufuhr
5.1.3 Nahrungsqualität und Essverhalten
5.2 Körperliche Aktivität
5.3 Umgebungsbedingungen und familiäre Einflüsse
5.3.1 Umgebungsbedingungen
5.3.2. Familiäre Einflüsse
5.4 Genetik

6. Eigene Studie
6.1 Zielsetzung der Studie
6.2 Studiendesign und Messmethode
6.3 Untersuchungsergebnisse
6.3.1 Wirkungsmechanismus Ernährung
6.3.2 Wirkungsmechanismus Freizeitverhalten – körperliche Aktivität
6.3.3 Zusammenfassung/Schlussfolgerung

7. Schlussbetrachtung/Ausblick

8. Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen

9. Literaturverzeichnis
9.1. Nachschlagewerke
9.2. Internetquellen
9.3. Andere Literatur

10. Anhang
10.1 Grafiken aus Sekundärliteratur
10.2 Anhang des empirischen Teils (Studie)
10.3 Quellenachweise für Internetquellen (Screenshots)

Verzeichnis der im Text verwendeten Abbildungen

Abbildung 1: Classification of adults according to BMI

Abbildung 2: Androides (oben) und gynoides (unten) Fettverteilungsmuster

Abbildung 3: Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht. VERA-Studie

Abbildung 4: Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Abbildung 5: Typisches Beispiel für Fußabdrücke normalgewichtiger (links) und übergewichtiger (rechts) Probanden

Abbildung 6: Depressionsrisiko von Übergewichtigen und Normalgewichtigen

Abbildung 7: Lebensqualität übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher

Abbildung 8: Positive und negative Korrelation zwischen BMI und Fett- bzw Kohlenhydrataufnahme

Abbildung 9: Teufelskreis aus Übergewicht und Vermeidung von Aktivität.

Abbildung 10: BMI und Intrapaar-Korrelation bei ein- und zweieiigen Zwillingen, die getrennt und gemeinsam aufgewachsen sind

Abbildung 11: Gewichtszunahme erbidentischer Zwillinge (in kg) nach 100 Tagen Überernährung. Jeder Punkt gibt die Gewichtszunahme des Zwillingspaares an: Projektion auf Ordinate Zwilling A bzw. auf Abszisse Zwilling B

Abbildung 12: Biopsychosoziales Modell der Entstehung und Aufrechterhaltung von Übergewicht und Adipositas

„Rokal [ein Altsteinzeitmensch] zeigte ins Wasser und flüsterte: >> Da liegt ein Wels! Ein Riese!.x Faskons Augen funkelten. >>Der darf uns nicht entwischen! .x Wortlos nahmen beide ihre schwere Harpune in die Wurfhand. Die Zeit schien stillzustehen. Ihre Bewegungen waren ganz langsam. Geräuschlos setzten sie Fuß vor Fuß. >>Wirf!.x, zischte Faskon und im selben Augenblick fuhr Rokals Harpune dem Fisch in die Seite. Der Wels schnellte an die Oberfläche, peitschte das Wasser ... Und dann traf Faskons Harpune ihn dicht hinter dem Kopf. >>Er hat noch zu viel Kraft! Ich kann kaum die Leine halten!.x, schrie Rokal und wi-ckelte die Schnur um einen Erlenstumpf herum. Blitzschnell hob Faskon die leichte Harpune vom Boden auf und schleuderte sie mit aller Kraft in den Fischleib. Erst als auch Rokal seine leichte Harpune warf, war der Kampf ge-wonnen. Jetzt sprang Faskon ins Wasser und wälzte den Fisch die Uferkante hinauf. [...] >>Noch niemals haben wir einen Wels gefangen, der so lang ist wie ich.x, sagte Faskon und zog die leichte Harpune aus dem Fischleib. [...] Faskon kniete sich hin, schob seine Arme unter den Fisch und stand mit seiner Last auf. Rokal schulterte den Erlenstab, auf den sie die kleinen Fische zum Tragen auf-gereiht hatten, nahm die Jagdwaffen hoch und folgte dem Freund.“

(Dirk Lornsen, Rokal der Steinzeitjäger)1

1. Einleitung

Diese aus einem Jugendbuch entnommene Romanpassage ist zwar fiktiver Natur, jedoch wird sehr deutlich illustriert, wie der menschliche Körper pro-grammiert ist, um in urzeitlichen Verhältnissen zu überleben. In Zeiten, in de-nen der Mensch immer wieder mit Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen hatte, war es ein evolutionsbiologisch großer Vorteil, dass Nahrungsmittelverfügbar-keiten genutzt werden konnten, um Reserven für künftige Hungerperioden zu schaffen. Zudem war die Nahrungsmittelbeschaffung mit großen Anstrengun-

1. Einleitung

gen verbunden und der Verzehr von beispielsweise Fleisch oder Fisch musste zunächst durch einen großen Energieaufwand in Form von Jagd und Nah-rungsmitteltransport verdient werden. Die heutigen Verhältnisse der Industrie-nationen sind dagegen von einem großen Nahrungsmittelüberangebot geprägt, die Lebensmittel können ohne kraftaufwändige Prozeduren erworben werden und der Energiebedarf zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur wurde durch Wohnungen, Kleidung und Technologien stark reduziert. Der menschli-che Organismus, der darauf ausgerichtet ist, einer potenziellen Hungersnot prä-ventiv entgegenzuwirken, arbeitet heutzutage also kontraproduktiv, was sich mittlerweile zu einer „globalen Epidemie“2 [sprich Adipositas] entwickelt hat. Die Prävalenz adipöser Menschen hat sich, auch in Deutschland, was durch neueste Untersuchungsergebnisse belegt werden konnte, stark erhöht und be-sonders die große Anzahl übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendli-cher hat besorgniserregende Zustände erreicht. Ziel meiner Arbeit wird es sein zu untersuchen, welche komplexen Folgen Adipositas für den Menschen haben können, insbesondere für Kinder und Jugendliche, um darüber hinaus zu er-gründen, welche wissenschaftlich dokumentierten Gründe für die Entwicklung und Aufrechterhaltung einer Adipositas in Frage kommen. In diesem Rahmen werde ich eine selber konzipierte und durchgeführte Studie vorstellen, die der Frage nachgeht, welchen Einfluss der Bildschirmmedienkonsum und das damit einhergehende Ernährungsverhalten auf die Körperkonstitution von Kindern und Jugendlichen besitzt, um darüber hinaus zu eruieren, ob sich altersspezifi-sche Risikogruppen hinsichtlich der untersuchten Aspekte und Merkmale er-kennen lassen.

Nach derzeitigem Forschungsstand lassen sich die Folgen von Adipositas in drei Gruppen klassifizieren, die sich in einem komplexen Zusammenspiel beein-flussen. So haben Übergewicht und Adipositas große medizinische Folgen, ö- konomische Konsequenzen und besonders für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, psychosoziale Folgen.3 Denn der „zunehmenden Zahl Übergewichtiger steht eine Verschlankung des Schönheitsideals entgegen“4, was weitreichende psychische bis hin zu körperlichen Auswirkungen für die Betrof-fenen haben kann. Und auch bei der Analyse der Ursachen für Übergewicht und Adipositas ist zu erkennen, dass sich diese gegenseitig beeinflussen, was enorm erschwert zu gewichten, wie groß die Anteile der einzelnen Faktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Übergewicht und Adipositas sind. Nach derzeitigem Forschungsstand hat sich herauskristallisiert, dass das Ernährungsverhalten, der Energieverbrauch in Form von körperlicher Aktivität und die Umwelteinflüsse entscheidende Einflussgrößen darstellen. Zudem zeigen neueste Untersuchun-gen, dass genetische Faktoren nicht zu unterschätzen sind und wesentlich mit beeinflussen können, wie sich die körperliche Entwicklung der Menschen ges-taltet.5

Die Ursachenforschung und die Analyse der Folgen der Adipositas nehmen in der Adipositasforschung einen besonderen Stellenwert ein. Denn erst durch das Wissen um die Auswirkungen und Ursachen von Übergewicht und Adiposi-tas ist es möglich, daraus abgeleitete Interventions- und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

2. Definitionen und Begriffsbestimmungen

In den folgenden Kapiteln werde ich zunächst definieren, was man sich un-ter einer Adipositas vorzustellen hat und ab wann ein Mensch als adipös klassi-fiziert wird. In diesem Rahmen wird es wichtig sein, häufig auftretende begriffli-che Missverständnisse auszuräumen, indem ich eine Abgrenzung von der Adi- positas zu verwandten Begriffen vornehmen werde. Darüber hinaus gilt es zu klären, was die Besonderheiten bei der Definition und der Bestimmung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind, um darauf aufbauend zu untersu-chen, wie sich die derzeitige Verbreitung und die Prävalenzen dieser oft unter-schätzten Krankheit6 gestalten.

2.1 Definition von Adipositas

Zunächst werde ich definitorische Voruntersuchungen anstellen, indem ich von einer allgemeinen Definition ausgehend auf die Besonderheiten bei der Adipositas im Kindes- und Jugendalter überleiten werde. Dabei ist es unum-gänglich, hier schon den Body Mass Index zu erläutern, der eng mit den Defini-tionen verknüpft ist und vor allem für die Bestimmung von Adipositas im Kin-des- und Jugendalter seine Besonderheit findet. Dieser kurze Vorgriff auf die Methoden zur Bestimmung von Adipositas wird in 2.2 ergänzt und weiter aus-geführt.

2.1.1 Allgemeine Definition der Adipositas

Etymologisch betrachtet hat der Begriff ,Adipositas’ seinen Ursprung im Lateinischen und schon der aktuelle Lexikoneintrag eines renommierten Medi-zinlexikons7 zeigt, dass noch immer eine große Verwirrung um diesen Begriff existiert, was eine einheitliche Definition und Einordnung von Adipositas und verwandten Begrifflichkeiten selbst in der Fachliteratur erschwert.

Sucht man in diesem Lexikon nach dem Begriff ,Adipositas’, wird darauf verwiesen, dass man unter dem Synonym ,Fettsucht’ nachzuschlagen habe.8

Dort wird Fettsucht gleichbedeutend mit „Fettleibigkeit, Adipositas [und] Obe-sitas“9 aufgelistet, was zeigt, dass sich selbst medizinische Lexika schwer tun mit diesen Begrifflichkeiten umzugehen. Denn Begriffe wie ,Fettleibigkeit’ oder ,Fettsucht’ haben immer einen negativen Beigeschmack, weswegen dazu geraten wird, auf Grund seiner Wertneutralität den Begriff ,Adipositas’ zu verwenden, zumal ,Fettsucht’ auch von seiner Begrifflichkeit nicht zutreffend ist.10

Ein weiteres Problem, das häufig anzutreffen ist, ist der sorglose Umgang mit den Begriffen Adipositas und Übergewicht11, dabei stellen diese beiden Beg-riffe medizinisch betrachtet zwei völlig unterschiedliche Erscheinungsformen dar. Adipositas bezieht sich immer auf ein „Übermaß an Fettgewebe, das zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit führt [oder führen kann]“12. Dieser Punkt ist bei der Definition für Adipositas von enormer Bedeutung, da sich der Begriff ,Übergewicht’ lediglich auf das absolute Gewicht bezieht und nicht dif-ferenziert, warum ein Mensch ein bestimmtes Gewicht hat. Besonders sehr muskulöse Menschen sind nach der Übergewichtsdefinition als übergewichtig zu klassifizieren, da Muskelmasse ein hohes Gewicht auf die Waage bringt, je-doch würde niemand behaupten, dass ein besonders muskulöser Mensch adipös ist. „Im Normalfall haben Personen mit einem hohen Fettanteil (Adipositas) auch ein hohes Körpergewicht (Übergewicht), während umgekehrt Personen mit hohem Gewicht nicht unbedingt adipös sein müssen“13. Wie man diese Problematik, zum Beispiel bei Bodybuildern, durch bestimmte Messmethoden lösen kann, werde ich in Punkt 2.2. darstellen.

Nach diesen Vorüberlegungen und der Abgrenzung des Begriffes ,Adipositas’ zu konkurrierenden Begriffen schlage ich folgende Definition vor, wobei man erwähnen muss, dass man den Begriff ,Adipositas’ zusammen mit dem lateinischen Ursprungswort ,adiposus’ erfassen sollte, um klarzustellen, dass das Übergewicht in Folge eines erhöhten Körperfettanteils zustande kommt.

Adiposus hat seinen Ursprung im Lateinischen und wird übersetzt mit fett-reich, verfettet, adipös14 und diese etymologische Wortbetrachtung lässt schon erkennen, dass es sich bei Adipositas um eine erhöhte Fettansammlung handelt, die zu einem Übergewicht führt. Die Definition liest sich wie folgt:

„ Adipositas (engl.) obesity; krankhaftes Übergewicht, das zu gesundheitl.
Beeinträchtigungen führt. [...] Sympt.: erhöhter Körperfettanteil.“15

Diese kurz gehaltene Definition gibt im Prinzip genau das wieder, worauf es mir bei meinen Vorüberlegungen ankam. Adipositas ist niemals gleichzusetzen mit einem Übergewicht, sondern dieses erhöhte Gewicht ist der Tatsache ge-schuldet, dass ein zu hoher Körperfettanteil vorherrscht, der zu erheblichen gesundheitlichen Schäden und Störungen führen kann, wie meine späteren Aus-führungen zeigen werden.

Um diese Ausführungen und Unterscheidungen mit Zahlen zu untermau-ern, werde ich erläutern, zu welchem Konsens die Wissenschaft bei der Bewer-tung, ab wann ein Mensch als adipös gilt, gekommen ist.

Das Maß aller Dinge ist in der derzeitigen wissenschaftlichen Literatur vor allem der Body Mass Index (BMI), „dessen Korrelation zur Fettgewebsmasse bei etwa .80 liegt“16 und damit eine starke, positive Korrelation aufweist17, was bedeutet, dass Menschen mit zunehmendem BMI in den meisten Fällen gleich-zeitig eine prozentual erhöhte Fettgewebsmasse haben. Eine hundertprozentige Wahrscheinlichkeit ist natürlich nicht gegeben, was auch der Korrelationswert .80 zum Ausdruck bringt, da weitere Faktoren den BMI-Wert beeinflussen kön-nen (siehe Muskelgewebsmasse), dennoch ist gegeben, dass tendenziell bei ei-nem hohen BMI ein hoher Anteil Körperfettgewebe zu erwarten ist. Anhand weniger anthropometrischer Messdaten kann ermittelt werden, ob ein Mensch zu viel oder zu wenig für seine Größe wiegt.

Der BMI ist definiert als Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die quadrierte Körpergröße in Metern, was sich in folgender Formel widerspiegelt und leicht zu berechnen ist18:

BMI = Gewicht in Kilogramm/(Körpergröße in Meter)2

Bei der Festlegung der Grenzen des BMI orientiert sich die Forschung in­ternational an der Klassifikation der World Health Organization (WHO), an die sich auch die Deutsche Adipositasgesellschaft (DAG) in ihren Leitlinien orien-tiert19. Dieser, ausdrücklich nur für erwachsene Menschen geltenden Tabelle, kann man die einzelnen Intervalle der Gewichtsklassifizierung entnehmen und es wird nachvollziehbar, wodurch diese einzelnen Stufen gekennzeichnet sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Classification of adults according to BMI (nach: WHO (2000), S. 9)

Als untergewichtig werden Erwachsene eingestuft, die einen BMI haben, der unter dem Grenzwert 18.50 liegt. Das Risiko für Komorbiditäten ist in sol-chen Fällen gering, sofern man sich dabei auf Krankheiten bezieht, die auf einen erhöhten Körperfettanteil zurückzuführen sind20. Ein Normalgewicht ist bei einem BMI-Wert zwischen 18.50 und 24.99 gegeben – in diesen Fällen sind keine daraus resultierenden Begleiterkrankungen zu befürchten. Problematisch wird es erst ab einem BMI von über 25. Als präadipös gilt man innerhalb der BMI-Spanne von 25.00-29.99, was sich daran orientiert, dass ab diesem BMI-Wert Komorbiditäten zu erwarten sind, wobei man sagen muss, dass ein wirkli-ches Gesundheitsrisiko erst ab einem BMI von 30 zu erwarten ist. Ab diesem Grenzwert besteht ein gesundheitsgefährdendes Risiko, adipositasinduzierte Begleiterkrankungen zu bekommen.21 Der Tabelle ist zu entnehmen, dass Adi-positas noch drei Mal unterklassifiziert ist und sich diese Unterklassen an das Risiko für Komorbiditäten binden.

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass häufig angenommen wird, dass sich diese Grenzen alters- und geschlechtsabhängig verändern und man, je älter man wird, einen etwas höheren BMI haben „darf“, bevor man als übergewichtig oder adipös gilt, indem zum Beispiel das ,National Research Council’ der USA einen wünschenswerten BMI vorschlägt, der sich mit dem Alter verändert22. Es ist zwar richtig, dass im Alter der Körperfettanteil normalerweise etwas ansteigt23, jedoch ist parallel zu dieser Entwicklung ein Verlust an Muskelgewebe zu beo-bachten, wodurch die oben beschriebenen und festen BMI-Grenzen weiterhin ihre Gültigkeit behalten. Ebenso verhält es sich beim Vergleich von Mann und Frau, indem der Mann normalerweise einen höheren Anteil an Muskelmasse besitzt, die Frau dagegen einen höheren Körperfettanteil hat. Somit beeinflus-sen die alters- und geschlechtsspezifischen Unterschiede die Gültigkeit fester BMI-Grenzen nur minimal und sind prinzipiell vernachlässigbar.24 Deshalb schlägt auch die International Obesity Taskforce (IOTF) für Erwachsene alters-und geschlechtsunabhängige BMI-Tabellen vor25 und nach persönlicher Rück-sprache mit Dr. Mensink26 wurde mir versichert, dass auch das Robert-Koch-Institut die festen Grenzen, die von der WHO vorgeschlagen werden, benutzt, da das Sinn mache, wenn man zum Beispiel Prävalenzen über einen größeren Zeitraum betrachten oder verschiedene Länder miteinander vergleichen wolle.

Der BMI bei Erwachsenen hat also feste Grenzen, die Werte sind alters-unabhängig und die einzelnen Intervalle beziehen sich auf das zu erwartende Risiko an einer oder mehreren Komorbiditäten zu erkranken.27 Die Grenzen können dabei natürlich durchaus fließend sein und man kann nicht sagen, dass ein Mensch mit einem BMI von 24.99 noch im Rahmen des Gesunden liegt und eine andere Person mit einem BMI von 25.00 ein „gewichtigeres“ Problem und ein größeres Risiko für Begleiterkrankungen haben soll. Aus diesem Grund kann es sehr nützlich sein, sich gegebenenfalls zusätzlicher Messmethoden zu bedienen, um genauere und aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, worauf ich in Punkt 2.2 detaillierter zu sprechen kommen werde.28 Dennoch stellt der BMI eine leicht zu ermittelnde, günstige Messmethode zur Bestimmung von Adiposi-tas, Normalgewicht oder Untergewicht dar, die sich „in der wissenschaftlichen Literatur [durchgesetzt hat und] fast ausschließlich verwendet wird“29 und die ein probates Messmittel ist, da sie eine hohe Korrelation zur Fettmasse hat.30

2.1.2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Bei Erwachsenen liegen also feste Grenzwerte vor, die zur Definition von Adipositas beitragen. Bei Kindern und Jugendlichen findet der BMI jedoch eine Besonderheit, die unbedingt beachtet werden muss, wenn man aussagekräftige Ergebnisse und vergleichbare Daten erhalten will. In diesen Fällen müssen so-wohl das Alter, als auch das Geschlecht berücksichtigt werden, „da der BMI entsprechend der physiologischen Besonderheiten der prozentualen Körper-fettmasse alters- und geschlechtsspezifischen Änderungen unterliegt“.31 Aus diesem Grund wurden Referenzwerte ermittelt, die sowohl alters- als auch ge-schlechtsspezifisch sind und den Ist-Zustand einer Gesellschaft erfassen. Kurz formuliert bedeutet das, dass Perzentile gebildet werden, die populationsspezi-fisch zu interpretieren sind, was bedeutet, dass sich der BMI-Wert von Kindern und Jugendlichen immer daran orientiert, wie er in Bezug auf die spezifischen Referenzwerte steht - also immer „in Bezug auf den BMI anderer Kinder im selben Alter und Geschlecht“32. Ermittelt wurden diese Werte aus Querschnitts-daten, die aus 17147 Jungen und 17275 Mädchen aus verschiedenen Regionen Deutschlands resultieren und die BMI-Verteilung von 1985 bis 1999 widerspie-geln.33 Dr. Kromeyer-Hauschild weist zwar darauf hin, dass diese Referenzwerte nicht uneingeschränkt zufriedenstellend sind, da sie aus uneinheitlichen Studien entspringen34, die nicht repräsentativ für ganz Deutschland gültig scheinen und nicht alle Altersklassen erfassen, jedoch empfiehlt sowohl sie als auch die Ar-beitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA), diese Werte überregional zu berechnen und zu benutzen.35 Die ermittelten alters- und ge-schlechtsspezifischen Daten lassen sich entweder als Somatogramm36 oder in numerischer Form37 erkennen und dienen als komfortables Werkzeug zur schnellen Beurteilung, wie ein BMI-Wert eines Kindes oder Jugendlichen zu interpretieren ist. Diese Tabellen beziehungsweise Diagramme lassen also deut-lich erkennen, dass der BMI bei Jungen und Mädchen altersspezifische Verän-derungen aufweist und diese Grenzen richten sich, wie bereits erwähnt, an den Ist-Werten der Referenzgruppen. Ein Kind oder Jugendlicher ist demnach un-tergewichtig, wenn sein Perzentilwert unterhalb der 3. Perzentile liegt (in den Anhängen 4 und 5 mit ,P3’ markiert38 ), was bedeutet, dass es einen geringeren BMI hat als 97% der Vergleichsgruppe. Der Wert zwischen der 3. und 10. Per-zentile ist als Grenzbereich anzusehen, der einen fließenden Übergang von Un-tergewicht zu gerade noch Normalgewicht charakterisiert. Der Bereich zwischen 10. und 90. Perzentile gilt als Normalbereich, der eine unbedenkliche Körper-konstitution nahe legt und ab der 90. Perzentile wird ein Kind oder Jugendlicher als übergewichtig klassifiziert, was bedeutet, dass er einen höheren BMI hat als 90% der Referenzgruppe. Ab der 97. Perzentile schließlich sind gesundheitliche Risiken mit einhergehenden Komorbiditäten zu erwarten und eine Adipositas ist zu diagnostizieren39, sofern keine Besonderheiten den BMI-Wert verfäl-schen40.

Diese Perzentile finden einen nahtlosen Übergang zu den festen Grenzwer-ten des BMI im Erwachsenenalter, die von der WHO und der DAG vorge-schlagen werden, indem die Perzentile für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr ihre Gültigkeit haben und ab dem 19. Lebensjahr in die BMI-Klassifikation für Erwachsene münden.

Kritisch muss jedoch bei dieser Methode gesehen werden, dass durch diese Messung, ob eine Adipositas bei Kindern oder Jugendlichen vorherrscht, ledig-lich relative Werte möglich sind, die sich an Referenztabellen orientieren. Hypo-thetisch betrachtet würden eigentlich adipöse Jugendliche als normalgewichtig klassifiziert werden, wenn alle anderen Jugendlichen, die eine Referenztabelle repräsentieren, einfach noch stärker adipös wären. Außerdem können solche Perzentilkurven auch großen Schwankungen unterworfen sein. Dennoch hat sich diese Methode in der Forschung durchgesetzt und ein „Festhalten an einer einmal ermittelten Verteilung ermöglicht, Prävalenzveränderungen beim BMI in zeitlicher Hinsicht genau zu quantifizieren“41, zumal in Zweifelsfällen weitere und genauere Messmethoden existieren, die begleitend zum BMI benutzt wer-den können, wie sich im Folgenden zeigen wird.

2.2 Methoden zur Bestimmung von Adipositas

Bei der Bestimmung des Körperfettanteils und den damit verbundenen Möglichkeiten zu untersuchen, ob eine Person unter Adipositas leidet, haben sich in der angewandten Wissenschaft innerhalb der letzten Jahre zahlreiche Methoden ent- und weiterentwickelt, die unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. Wie bereits erwähnt, ist es möglich, dass Ergebnisse durch bestimmte Faktoren verfälscht werden können (z.B. beim Errechnen des BMI, der keinen Unterschied zwischen Muskelmasse und Körperfett macht und so-mit bei einem muskulösen Athleten mit geringem Körperfettanteil womöglich eine falsche Körperkonstitution diagnostiziert werden könnte), weswegen es in Einzelfällen sinnvoll sein kann, sich zusätzlicher Messmethoden zu bedienen.

2.2.1 Body Mass Index (BMI)

Der BMI, als anthropometrische Methode zur Messung der Körperkonsti-tution, wurde in meinen Vorüberlegungen zwar schon hinreichend erläutert, jedoch lohnt es sich, auf Grund seiner in der Fachwelt großen Relevanz, zumin-dest zusammenfassend die Vor- und Nachteile dieser Methode zu erläutern.

Die wichtigsten Vorteile des BMI zeigen sich in der leicht zu berechnenden Formel, um die Körperzusammensetzung zu erfassen, seine Kostengünstigkeit und die relativ hohe Korrelation zum Körperfettanteil der untersuchten Pro-banden. Dennoch hat auch der BMI einige Schwachpunkte, da er nur indirekt die Körperfettmasse misst und „deshalb als einziges Kriterium für [...] Adiposi-tas nur begrenzt aussagefähig“42. Außerdem wird die BMI-Methode der Kom-plexität der Körperentwicklung von Jugendlichen nicht immer gerecht, da es keine Unterscheidung zwischen biologischem und kalendarischem Alter vor-nehmen kann. Das bedeutet, dass, trotz gleichen Alters, zwei Jugendliche, die unterschiedliche Pubertätsstadien haben, gleichen Messkriterien unterworfen sind, obwohl der biologisch ältere Jugendliche naturgemäß einen höheren BMI-Wert hat. Das heißt, dass „ein 13,5-jähriger Junge mit einem Pubertätsstadium PH4, einem Knochenalter von 15,0 Jahren und einem BMI von 24 kg/m2 [...] entsprechend dem chronologischen Alter übergewichtig [wäre] – bezogen auf sein biologisches Alter jedoch normalgewichtig“43. Bei Störungen und Auffällig-keiten in den Pubertätsentwicklungen ist es also sinnvoll, sich zusätzlicher Messmethoden zu bedienen, um die Körperfettmasse zu untersuchen. Die rele-vantesten werde ich im Folgenden beschreiben.

2.2.2 Der Broca-Index (BI)

Der Vollständigkeit wegen möchte ich kurz auf den BI zu sprechen kom-men, obwohl er aus heutiger Sicht sehr umstritten ist und in vielen Fällen als ungenau gilt44. Diese, Ende des 19. Jahrhunderts in der Wissenschaft etablierte Messmethode, fand ihre Anwendung vor allem im deutschsprachigen Raum, weist bei mittleren Körpergrößen durchaus eine hohe Korrelation zur Körper-fettmasse auf45 und erinnert in seinen Grundprinzipien stark an die Berechnung des BMI.

Entwickelt wurde die sogenannte Broca-Formel durch den französischen Chirurgen Paul Broca:

BI = K a rpergewicht [kg] / (K a rperh a he [cm] – 100)

Die Berechnung des BI gestaltet sich also ähnlich einfach wie die des BMI. Als normalgewichtig gilt man, wenn man einem BI von 1.0 entspricht. Hat man einen BI von 1,1 oder 1,2, so liegt ein Gewicht 10% (bzw. 20%) über dem Normalgewicht vor. Ein BI von 0.9 sagt aus, dass das Gewicht 10% unter Normalgewicht vorliegt, was früher als „Idealgewicht“ betrachtet wurde.46

Der schwerwiegende Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass die Einschät-zung für Übergewicht und Adipositas bei besonders kleinen oder besonders großen Menschen nicht funktioniert und deshalb heutzutage kaum mehr be-nutzt wird.47 Außerdem hat sich gezeigt, dass bei Kindern diese Berechnungs-methode besonders kritisch zu betrachten ist, da die errechneten BI-Werte für das Normalgewicht bei Kindern häufig zu hoch liegen.48 Aus diesem Grund ist mittlerweile davon abzuraten, den BI bei wissenschaftlichen Untersuchungen zu benutzen und die Errechnung des BMI gilt derzeit als wichtigste Methode bei der Definition und auch Messung von potentiellem Übergewicht und Adiposi-tas, da er ebenfalls sehr leicht zu berechnen ist und darüber hinaus die beschrie-benen Mängel des BI weitestgehend ausgleicht.

2.2.3. Waist-to-hip-ratio (WHR) – Fettverteilung

Innerhalb der letzten Jahre hat sich in der Forschung eine relativ leicht durchzuführende Messmethode immer mehr durchgesetzt, die einen weiteren Schwachpunkt des BMI eliminieren soll. Zwar liefert der BMI größtenteils signi-fikante Ergebnisse bei der Einteilung in Übergewicht und Adipositas und ist ein geeignetes Maß zur Bestimmung der Körperfettmasse, jedoch gibt er keinerlei Auskunft über die genaue Verteilung des Körperfetts, was ein nicht unwesentli-cher Indikator für die damit einhergehende Risikobewertungen für Komorbidi-täten ist. Die Rede ist vom waist-to-hip-ratio (WHR), also dem Verhältnis vom Hüft- zu Taillenumfang.

Die relevanten Körperumfänge werden dabei beim stehenden Patienten gemessen, wobei es entscheidend ist, dass genau an der richtigen Stelle gemes-sen wird, um falsche Messwerte und Fehldiagnosen zu vermeiden. Der Taillen-umfang wird zwischen Rippenbogen und Beckenkamm gemessen und der Hüftumfang in Höhe des Trochanter major, also dem großen oberen Rollhügel des Oberschenkelknochens.

Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Fettverteilungsmustern, die unterschiedliche Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der betroffenen Patienten erlauben. Zum einen lassen sich Körperfettansammlungen besonders im Hüft- und Oberschenkelbereich beobachten, was im Fachjargon als gynoide Form bezeichnet wird, zum anderen können Fettablagerungen auch am Bauch vorkommen (androide oder viszerale Form), wie Abbildung 2 verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Androides (oben) und gynoides (unten) Fettverteilungsmuster

(nach: Petermann & Pudel (2003), S. 129))

Schon in den 40er Jahren machte ein französischer Arzt namens Dr. Jean Vague die Beobachtung, dass bei adipösen Patienten die Fettverteilung eine große Rolle bei zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen spielt und er war es auch, der schon 1947 eine Unterteilung in androide und gynoide Fettverteilung vorgenommen hat und Tendenz entdeckte, dass eine „apfelförmige“ (androide) Ausprägung wesentlich gefährlicher ist als eine „birnenförmige“ (gynoide).49 Erst ungefähr 30 Jahre später bekam die Methode der Fettverteilungsuntersu-chen in der Wissenschaft mehr und mehr Relevanz und in zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass tatsächlich ein signifikanter Zusammenhang zwi-schen der Lage der Körperfettansammlung und Folgeerkrankungen existieren. So konnte belegt werden, dass eine androide Fettverteilung einen erheblichen negativen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko hat50. Darüber hinaus ergab eine Studie mit 27098 Teilnehmern aus 52 verschiedenen Ländern, dass das WHR „shows the strongest relation with the risk of myocardial infarction worldwi-de“51. Der BMI dagegen lieferte schwächere Ergebnisse bei der Prognose, ob kardiovaskuläre Erkrankungen eintreten könnten. Um diese Beschreibungen mit Zahlen zu belegen, lässt sich anhand einer sehr einfachen Rechnung ermitteln, ob eine besonders gesundheitsschädliche Fettverteilung vorliegt oder nicht. Die WHR errechnet sich aus dem Quotienten aus Taillen- und Hüftumfang, wobei bei Frauen ein erhöhtes Komorbiditätserkrankungsrisiko bei einem WHR>0,85 und bei Männer bei >1,00 besteht.52

Die Vorteile dieser Methode, als Messmethode einer Adipositas, liegen auf der Hand. Das WHR ist leicht zu ermitteln und anhand der Ergebnisse können sehr schnell und präzise Rückschlüsse über den Gesundheitszustand der Patien-ten gezogen werden und mögliche Risiken abgeschätzt werden.

Ein entscheidender Nachteil ist jedoch, dass das WHR im Kindesalter keine signifikanten Korrelationen zu abdominalem Fettgewebe aufweist und somit kein geeignetes Messinstrument darstellt.53 Aus diesem Grund schlägt Goran vor, im Kindesalter andere Methoden anzuwenden, die eine höhere Korrelation zu Körperfettgewebe an „gefährlichen Stellen“ aufweisen.

2.2.4 Hüftumfangsmessungen

Bei Kindern bestehen also keine Korrelationen zwischen WHR und daraus ermittelbaren Erkrankungsrisiken. Interessanterweise konnte aber herausgefun-den werden, dass im Kindesalter, im Gegensatz zu Erwachsenen, der reine Hüftumfang ein signifikanter Indikator für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen ist54. Bei Erwachsenen liefert der alleine Hüftumfang keine brauchbaren Ergeb-nisse zur Risikoprognose, bei Kindern jedoch ist es gerade umgekehrt, indem das WHR nicht anwendbar ist, jedoch nur anhand einer Hüftumfangsmessun-gen Rückschlüsse über den Gesundheitszustand des Kindes gezogen werden können.

2.2.5 Hautfaltendickemessungen

Darüber hinaus ist es, auch bei Kindern, möglich, durch Hautfaltendicke-messungen Aussagen über die Körpermasse zu machen. Mit einem Caliper55 wird die Dicke des subkutanen Fettes an relevanten Körperstellen ermittelt und dadurch können Rückschlüsse über den Gesamtkörperfettanteil gezogen wer-den. Die dabei gemessenen Stellen, an denen abgehobene Hautfalten und die darunter liegenden Fettschichten untersucht werden, liegen über „musculus biceps und musculus trizeps, subskapular und suprailiakal“56. Anhand der dabei gewonnenen Ergebnisse kann die Körperfettmasse errechnet werden.

Der Vorteil der Hautfaltendickebestimmung ist, dass sie auch bei Kindern anwendbar ist und ein sehr kostengünstiges und schnelles Verfahren ist, welches deshalb häufig bei großangelegten Studien benutzt wird. Der Nachteil dieser Methode ist, dass der Untersuchende sehr erfahren sein muss, um genau die richtigen Messstellen zu treffen. Außerdem kann durch einen Caliper lediglich das subkutane Fettgewebe erfasst werden und das intraabdominale Fettgewebe, das ebenfalls einen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Patienten hat, nicht, was zur Folge hat, dass die Calipermessung im günstigsten Fall eine Unsi-cherheit zwischen 3,5 – 6 % der Körpermasse mit sich bringt.57

2.2.6 Weitere Diagnosemöglichkeiten

Neben den bereits erwähnten Mess- und Diagnosemöglichkeiten, die dazu dienen, die Körperkonstitution des Menschen zu erfassen und zu untersuchen, ob ein gesundheitsbedenkliches Risiko infolge einer erhöhten Fettansammlung und Fettverteilung bestehen könnte, gibt es noch zahlreiche weitere Methoden, von denen ich die wichtigsten in groben Zügen anführen werde.

Große Erwartungen setzte die Wissenschaft bis vor kurzer Zeit in eine neu-artige Messmethode, die eine der größten Schwierigkeiten, bei zum Beispiel der Evaluation von Diäten, beheben sollte. Durch die bioelektrische Impedanzana-lyse (BIA) erhoffte sich die Wissenschaft, Fortschritte bei Diäten mit gleichzei-tigem Muskelaufbau besser zu erkennen, da bei diesen Patienten davon auszu-gehen ist, dass das Fettgewebe ab- und gleichzeitig Muskelmasse aufgebaut wird, wodurch auf der Waage das Absolutgewicht häufig unverändert bleibt, was unmotivierend auf die Patienten wirken kann. Die BIA sollte diesen Makel beheben, indem eine geringe elektrische Wechselspannung zwischen den Hän-den und den Füßen angebracht wird und dadurch differenziert das Körperfett-gewebe und die fettfreie Körpermasse ermittelt werden können. „Dieses Ver-fahren beruht auf der Tatsache, dass die fettfreie Körpermasse eine bessere e-lektrische Leitfähigkeit hat als das Fettgewebe“58, da fettfreie Körpermasse (z.B. Muskelmasse) einen höheren Wasser und Elektrolytgehalt hat als die Körper-fettmasse. Daraus kann dann durch Analyseprogramme differenziert der Kör-perfettgehalt und die fettfreie Körpermasse abgeleitet werden. Der Vorteil die-ser Methode ist, dass sie relativ einfach durchführbar und unabhängig von der Körpergröße anwendbar ist, was sich darin spiegelt, dass sie in zahlreichen me- dizinischen und sportwissenschaftlichen Einrichtungen eingesetzt wird59. Den-noch sollte man beachten, dass diese Methode, da schnell und einfach anwend-bar, zwar für großangelegte Studien sinnvoll sein kann, jedoch größere Defizite bei der Genauigkeit aufweist und von zahlreichen Störfaktoren beeinflusst wer-den kann, wie Körperhaltung, Hydrationszustand, vorangegangene körperliche Aktivität etc.60 Ein weiteres Indiz, dass die BIA nach heutigem Forschungsstand ungenau ist, ist die Tatsache, dass je nach unterschiedlichen BIA-Geräten und Messmethoden die berechnete Körperfettmasse bis zu 10% der Gesamtkör-permasse abweichen kann61.

Eine weitere interessante Diagnose- und Messmethode stellt die Dual-Energy-X-Ray-Absorptiometry (DXA) dar, welche auf der Röntgentechnologie basiert. Die relativ schwachen Röntgenstrahlen werden je nach unterschiedlicher Dichte des Körpergewebes oder der Knochenmasse verschieden stark absor-biert, wodurch nach einem Ganzkörperscan, der in der Regel zwischen 2 und 15 Minuten dauert, Rückschlüsse über die Körperkonstitution des Patienten in Bezug auf Knochenmineralien, fettfreies Gewebe und Körperfettgehalt gezogen werden können.62 Die Genauigkeit dieser Methode ist relativ hoch, wurde in Tierstudien validiert und es zeigte sich, dass diese Messungen gute Ergebnisse bei der Erfassung von Fett- und Magermasse liefern.63 Jedoch sind für diese Erhebungen sehr kostspielige Apparaturen notwendig und der Patient muss sehr kooperativ sein oder im Idealfall schlafen, da bei zu großen Bewegungen die Ergebnisse verfälscht werden können. Außerdem ist es, trotz gering gehalte-ner Strahlung bedenklich, wenn man Patienten einer zusätzlichen Strahlenbelas-tung aussetzt, obwohl es deutlich schonendere Methoden gibt. Darüber hinaus hat unter anderem Roubenoff herausgefunden, dass diese Messungen lediglich bei normalgewichtigen bis schwach übergewichtigen Menschen gute Ergebnisse liefern und die Genauigkeit der DXA mit zunehmender Körperfettschichtdicke abnimmt, da das Fettgewebe stark energieabsorbierend wirkt und die Auswer-tung erschwert.64

Als letzte Methode65 möchte ich die Densitometrie anführen, die auf Grund der hohen Genauigkeit häufig als Referenzverfahren für andere Methoden be-nutzt wird und von vielen Autoren als „Gold-Standard“66 angesehen wird. So erläutert Sonja Lehrke, dass der „Fettanteil bei einer 100 kg schweren Person auf ca. ± 300 g genau errechnet werden kann“67, was eine außerordentlich gute Quote ist. Das Prinzip dieser Diagnostik beruht auf der Tatsache, dass durch das Eintauchen eines Körpers in einen mit Wasser gefüllten Behälter das Volu-men sehr genau berechnet werden und mit Hilfe der zusätzlich ermittelten Kör- permasse die Körperdichte errechnet werden kann (r-Mensch = m/V). Mit Hilfe eines Zweikompartimentmodells kann dann von der Körperdichte durch eine Gleichung von Siri direkt der Körperfettgehalt geschlossen werden.68 Diese Methode ist wie bereits erwähnt sehr genau und eine direkte Messung der Kör-perkonstitution ist möglich, jedoch ist auch hier der apparative Aufwand sehr groß und auch der Zeitaufwand für einzelne Messungen nicht zu unterschätzen, weswegen sich diese Methode eher für Forschungszwecke eignet und für größer angelegte Studien mit vielen Probanden eher ungeeignet ist. Besonders gute Ergebnisse zeigten sich durch eine Kombination aus der DXA-Methode und der Densitometrie, da durch die DXA zuerst die Knochenmasse ermittelt wer-den kann und anschließend durch die Densitometrie speziell das Körperfett ermittelt wird. Durch dieses Mehrkompartimentenmodell ist eine noch größere Genauigkeit gegeben.69

Insgesamt existieren also zahlreiche Methoden zur Diagnostik der Körper-zusammensetzung des Menschen, die zum Großteil jedoch sehr aufwendig und auch teuer sind, weswegen sich in der Praxis und in größeren Studien vor allem der BMI oder andere leicht zu ermittelnde Verfahren wie das WHR bewährt und durchgesetzt haben, wobei auch andere Methoden je nach Intention durch-aus ihren berechtigten Einsatz in Forschung und Praxis haben. Sehr wichtig ist außerdem, dass man vorsichtig mit Studien umgeht, die unterschiedliche Mess-methoden benutzen, da je nach Vorgehensweise und Methode etwas variierende Ergebnisse zutage kommen können, welche die Vergleichbarkeit schmälern. Eine Studie von Joey Eisenmann hat herausgefunden, dass vor allem die BIA verglichen mit der DXA teilweise große Unterschiede bei der Untersuchung der gleichen Probanden ergeben haben, was bedeutet, dass man diese Schwankun-gen bei studienübergreifenden Forschungen berücksichtigen muss, um unver-fälschte Ergebnisse zu haben. Im Idealfall werden bei vergleichenden Studien dieselben Messmethoden benutzt. Eisenmanns Studie hat darüber hinaus erge-ben, dass die einfachsten Methoden häufig die genausten sind und anthropo-metrische Messungen wie BMI und Hautfaltendicke ausgezeichnete Ergebnisse liefern.70

3. Prävalenzen und Verbreitung von Adipositas in Deutschland

Da sich meine Arbeit vor allem auf Adipositas im Kindes- und Jugendalter bezieht, möchte ich die Untersuchungen von den Prävalenzen und der Verbrei-tung dieser Gesundheitsstörung hauptsächlich auf diese Altersgruppe beziehen. Zuvor ist es dennoch lohnenswert, zumindest knapp gefasst, die Adipositas-verbreitung im Erwachsenenalter zu analysieren, zumal nach der Veröffentli-chung einer breit angelegten Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) am 23. April 2007 heftige Debatten über den Gesundheits-zustand der deutschen Bevölkerung im internationalen Vergleich ausgebrochen sind, die wochenlang durch die Medien gegangen sind und noch heute gehen. Dieser Vergleichsstudie nach sind in Deutschland ungefähr 75% der Männer und fast 59% der Frauen übergewichtig oder adipös, was bedeutet, dass Deutschland im internationalen Vergleich weitaus höhere Prozentsätze an Men- schen mit zu hohem Körpergewicht aufweist als andere Länder.71 Bei genauerer Betrachtung dieser Daten muss jedoch kritisch hinterfragt werden, ob sich diese Ländervergleiche überhaupt anstellen lassen, da die Studien teilweise zu stark unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden72 und vor allem unter-schiedliche Altersgruppen einbezogen haben. Somit relativiert sich der sehr ho-he Prozentsatz übergewichtiger und adipöser Menschen in Deutschland etwas, da für die deutschen Referenzwerte ausschließlich Menschen untersucht wur-den, die älter als 25 Jahre sind, wogegen in anderen Ländern die jungen Erwachsenen der 18-25-Jährigen miteinbezogen wurden. Für Deutschland bleibt damit die Gruppe ausgeschlossen, die statistisch gesehen weitaus seltener adipös oder übergewichtig ist als in den höheren Altersgruppen73, was bedeutet, dass die Ergebnisse für Deutschland schlechter ausfallen als bei anderen Ländern, in denen diese jungen Erwachsenen mit einbezogen wurden. Nichtsdestotrotz lässt sich auch unabhängig von der Vergleichsstudie der IASO sagen, dass eine sehr hohe Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in Deutschland zu verzeichnen ist. So ergab die Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie, die von 1984-1986 erhoben wurde und in deren Rahmen bis 1991 weitere Nachuntersuchungen folgten, dass von den insgesamt 4700 untersuchten Probanden der durchschnittliche BMI der Männer bei 26,8 kg/m2 lag und der BMI der Frauen bei 26,2 kg/m2. Insgesamt wurden schließlich 51 % der Untersuchten als übergewichtig klassifiziert und 18% der Probanden galten im Rahmen der von der WHO vorgeschlagenen Grenzen als adipös74. Der dabei statistisch höchste BMI war bei den Männern in der Altersgruppe der 50-59-Jährigen und bei den Frauen in der Altersgruppe 60-69 zu beobachten.75 Und auch ähnlich konzipierte Studien kamen zu fast identischen Ergebnissen, wie das in Augsburg erhobene MONICA-Projekt, welches von der WHO Mitte der 80er-Jahre bis Mitte der 90er-Jahre in 21 Ländern durchgeführt wurde oder die 90er-Jahre in 21 Ländern durchgeführt wurde oder die VERA-Studie (Abb. 3), die 1987/1988 ergeben hat, dass statistisch gesehen mit zunehmendem Alter das Risiko übergewichtig zu werden oder an Adipositas zu erkranken steigt.

Abbildung 3: Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht. VERA-Studie. (nach: Lehrke (2003), S. 22)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dem in Abbildung 3 zu erkennenden Rückgang des prozentualen Über-gewichtes bzw. der Adipositas ab dem 65. Lebensjahr ist zu beachten, dass ab diesem Lebensalter weniger eine verbesserte Körperkonstitution zu verzeichnen ist, dieser Rückgang ist vielmehr der Tatsache geschuldet, dass vermutlich ab dem Alter von 65 Jahren die Mortalität adipöser Menschen stark zunimmt76 und diese Menschen dann aus der Statistik fallen. Grob zusammengefasst kann man sagen, dass im Erwachsenenalter in Deutschland „jeder zweite [...] als überge-wichtig und jeder fünfte bis sechste als adipös einzustufen ist“77.

Im Rahmen meiner Arbeit ist nun vor allem eine Analyse der Prävalenz und der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter entscheidend und ich habe Glück mit dem Zeitpunkt meiner Arbeit, da noch vor nicht langer Zeit eine sehr unbefriedigende Datenlage für diese Altersgrup-pe existierte, weil die Daten, die aus den Jahren 1985 – 1999 stammen, aus ver-schiedenen Untersuchungen hervorgehen und ihnen teilweise unterschiedliche Messmethoden zugrunde liegen. Außerdem variierten die Stichprobengrößen teilweise stark und die Auswahlkriterien für die Probanden waren uneinheitlich.

Dies alles führte dazu, dass die Häufigkeitsangaben und die Verbreitung von Adipositas in Deutschland zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen geführt ha-ben. Die Angaben aus den verschiedenen Untersuchungen schwanken zum Beispiel bei den fünf- bis zehnjährigen Kindern für Übergewicht zwischen 8,1 % und 17,6% und für Adipositas zwischen 0,7% und 6,7%78, was dazu führt, dass die existierenden Daten nur schlecht miteinander vergleichbar sind, wie Goldapp und Mann noch im Jahre 2004 kritisch bemerkten und die Notwen-digkeit zu umfassenden Untersuchungen der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter konstatierten.79 Außerdem berichten verschiedene Studien von unterschiedlichen Trends bezüglich der Prävalenz von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. So „stieg der prozentuale Anteil von Übergewicht und Adipositas von 9,7% bei Jungen und 11,8% bei Mädchen im Jahr 1975 auf 16% bei Jungen und 21% bei Mädchen im Jahr 1995“80 und auch in Hamburg ließ sich eine ähnlich negative Entwicklung feststellen81. Da-gegen weisen andere Studien darauf hin, dass sich die Prävalenzen innerhalb der letzten 12-15 Jahre kaum verändert haben82. Dieser insgesamt sehr unbefriedi-genden Datenlage, mit nur schwer vergleichbaren Studien, wurde erst kürzlich im Rahmen des vom Robert-Koch-Institut durchgeführten Kinder- und Ju-gendgesundheitssurveys (KiGGS-Studie) entgegengewirkt.

Zwischen Mai 2003 und Mai 2006 wurde diese groß angelegte Studie durchgeführt und nach den Auswertungen der Ergebnisse wurden diese am 25. September 2006 in Berlin vorgestellt. In insgesamt 167 Städten wurden 8985 Jungen und 8656 Mädchen, also insgesamt 17641 Studienteilnehmer untersucht und befragt. Das Ziel dieser Untersuchungen war die allgemeine Gesundheitsla-ge der Heranwachsenden zu erforschen. Die Themengebiete waren sehr breit gefächert und umschlossen das Gesundheitsverhalten, die psychische Gesund­heit und vor allem auch die körperliche Gesundheit.83 Innerhalb des Komplexes der körperlichen Gesundheit nimmt die Fragestellung nach der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen eine zentrale Stel-lung ein und die Ergebnisse der Untersuchungen lassen lange vermisste und wissenschaftlich fundierte Rückschlüsse auf die Verbreitung dieser chronischen Krankheit in Deutschlands junger Bevölkerungsschicht zu.84 Um eine möglichst geringe Fehlerquote zu haben, wurde darauf verzichtet, das Gewicht und die Größe der Probanden zu erfragen, da bei Eigenangaben immer mit Fehlanga-ben gerechnet werden muss, sondern die Körpergröße und das Körpergewicht wurden exakt gemessen und bis auf 0,1 kg genau abgelesen.85 Die Auswertung der Ergebnisse orientiert sich an den in 2.1.2 beschriebenen Referenzwerten, die zwischen 1985 und 1999 gemessen wurden.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind sehr besorgniserregend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die Verbrei-tung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Insgesamt sind 15% der 3-17-Jährigen in Deutschland übergewichtig und von diesen leiden 6,3% sogar an einer Adipositas, was in Zahlen ausgedrückt bedeutet, dass wir in Deutschland 1,9 Millionen übergewichtige Kinder und Jugendliche haben und davon ca. 800.000 adipös sind. Verglichen mit den Refe-renzwerten aus den Jahren 1985-1999 ergibt sich dann das erschreckende Bild,

[...]


1 Lornsen, Dirk: Rokal der Steinzeitjäger. Thienemann Verlag 1987, S. 33-34.

2 WHO Technical Report Series (2000), S. II. (Zur Zitierweise in dieser Arbeit: Alle Titel werden in den Anmerkungen mit Kurztiteln zitiert. Diese werden im Literaturverzeichnis wie folgt aufgelöst: I. Nachschlagewerke: Abgekürzter Lexikontitel, Artikelname und Seiten-/Spaltenzahl; II. Internetquellen: Internetadresse, Datum, Uhrzeit (Screenshot im Anhang); III. Andere Literatur: Name des Verfassers, Titel, Jahr und Seitenzahl.)

3 Einen Überblick über die Folgen von Adipositas für Jugendliche und Erwachsene liefert: WHO Technical Report Series (2000), Kapitel 4 und 6.

4 Ehlert (2002), S. 499.

5 Einen Überblick über die Ursachen von Adipositas für Jugendliche und Erwachsene liefert: WHO Technical Report Series (2000), Kapitel 7.

6 Hierbei ist anzumerken, dass sich die Autoren der Fachliteratur uneinig sind, ob Adipositas als Krankheit anzusehen ist oder nicht. Denn laut Pudel sind „übergewichtige Menschen [...] keine Patienten, weil Übergewicht keine Krankheit ist. Jedenfalls versicherungstechnisch [...].“ Dage-gen argumentiert Petermann in einem direkten Dialog mit Pudel, dass „vorausgesetzt Diabetes mellitus Typ 2 oder Hypertonie eine Krankheit sind, dann ist in Analogie dazu die Adipositas auch eine Krankheit, deren Behandlung als Leistung der Krankenkassen zu übernehmen sind“. Vgl. Petermann & Pudel (2003), S. 20, 21. – Ich halte es im Fortlauf meiner Arbeit mit Franz Petermann und werde im Zusammenhang von Adipositas von einer Krankheit sprechen, da ich es ebenso wie er für „paradox“ halte, wenn man Adipositas als Ursache für zahlreiche Folge-krankheiten nicht auch als Krankheit definieren würde.

7 LDM (1999)

8 Vgl. Ebd., S. 28.

9 LDM (1999), S. 631.

10 Vgl. Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123.

11 Man muss nur die Begriffe ,Adipositas’ und ,Übergewicht’ in den gängigen Internetsuchma-schinen eingeben und man stößt auf zahlreiche Artikel und Online-Lexika, die keinerlei Unter-scheidung vornehmen, was dazu führt, dass sich dieser definitorische und auch faktische Fehler mehr und mehr in unsere Sprache einschleicht – zu sehen beispielsweise im Onlinelexikon http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/u/uebergewicht.htm (21.11.2007 - 14.35 Uhr (Screenshot 10.3.5.)

12 Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123.

13 Ebd., S. 125.

14 Vgl. PKW ( 2002), S. 22.

15 Ebd., S. 22.

16 Laessle (1998), S. 430.

17 Vgl. Fahrmeir et al. (2004), S. 139.

18 Vgl. Goldapp et al. (2005), S. 11.

19 Vgl. Hauner et al.: Prävention und Therapie der Adipositas. Deutsche Adipositas-Gesellschaft 2007. http://www.adipositas-gesellschaft.de/daten/Adipositas-Leitlinie-2007.pdf (abge-rufen am 25.11.2007 - 16.20 Uhr (Screenshot 10.3.1).

20 Menschen, die einen weit unter dieser Grenze liegenden BMI aufweisen und beispielsweise magersüchtig sind, leben natürlich keineswegs gesund und leiden unter anderen gefährlichen Komorbiditäten.

21 Welche exakten Komorbiditäten in Folge von Adipositas zu erwarten sind, werde ich in 4. behandeln

22 Vgl. Anhang 10.1.1

23 Vgl. Bray (1978), S. 99-112.

24 Vgl. NIH (1998), S. 58,59.

25 Vgl. Anhang 10.1.2

26 Dr. Gert Mensink, Gesundheitswissenschaftler am Robert-Koch-Institut in Berlin und Autor zahlreicher Adipositas-Publikationen

27 Vgl. WHO Technical Report Series (2000), S. 9.

28 Auf die Problematik des BMI bei der Beurteilung, ob ein Mensch wirklich adipös, im Sinne eines erhöhten Körperfettanteils, ist oder durch extreme Muskelmasse zu einem erhöhten BMI gelangt, habe ich bereits verwiesen.

29 Laessle (1998), S. 430.

30 Vgl. Pudel & Westenhöfer (1998), S. 124.

31 Dörr & Rascher (2002), S. 129.

32 Goldapp; Mann; Shaw (2005), S. 11.

33 Vgl. Wabtisch; Hebebrand; Kiess; Zwieauer (2005), S. 5.

34 Einen Überblick über die verschiedenen Studien, die für die Ermittlung der Perzentile heran-gezogen wurden, findet sich im Anhang 10.1.3

35 Vgl. Kromeyer-Hauschild (2001), S. 809.

36 Anhang 10.1.4

37 Anhang 10.1.5 (Perzentile für Mädchen) und Anhang 10.1.6 (Perzentile für Jungen)

38 Analog dazu die 10. Perzentile mit ,P10’ usw.

39 Stier & Weissenrieder (2006), S. 230.

40 z.B. durch in diesem Alter unerwartet hohe Muskelgewebsanteile o. Ä.

41 Wabitsch; Hebebrand; Kiess; Zwiauer (2005), S. 9.

42 Benecke & Vogel (2003), S. 7/8.

43 Kromeyer-Hauschild (2001), S. 814.

44 Vgl. Wechsler (2003), S. 61.

45 Vgl. Meinertz (2005), S. 313.

46 Vgl. Pudel & Westenhöfer (1998), S. 124.

47 Ehlert (2003), S. 500.

48 Ausführlich in: Becker (1995), S. 129-138.

49 Vgl. Pudel & Westenhöfer (1998), S. 129.

50 Ausführlich in: Larsson et al. (1984), S. 1401-1404.

51 Yusuf et al. (2005), S. 1647.

52 Vgl. Kasper & Schlenk (2003), S. 13.

53 Vgl. Goran (1999), S. 203.

54 Vgl. Sangi & Mueller (1999), S. 879.

55 Anhang 10.1.7 zeigt eine Messung und den Messpunkt mit einem Caliper am suprailiakalen Punkt

56 Wechsler (2003), S. 50.

57 Vgl. Wechsler (2003), S. 50.

58 Lehrke (2004), S. 16.

59 Vgl. Wechsler (2003), S. 52.

60 Vgl. Wühl et al. (1996), S. 79.

61 Vgl. Wechsler (2003), S. 52.

62 Vgl. Wabitsch; Hebebrand; Kiess; Zwiauer (2005), S. 272.

63 Ebd.

64 Roubenoff et al. (1993), S. 589.

65 Den Anspruch auf Vollständigkeit der Diagnosemöglichkeiten kann dabei nicht erfüllt wer-den, da die Zahl der immer wieder neu aufkommenden Messmethoden sehr hoch ist, jedoch wurden die nach aktuellem Forschungsstand bedeutendsten genannt.

66 Lehrke (2004), S. 16.

67 Ebd.

68 Genauer in: Wechsler (2003), S. 56.

69 Ebd. S. 57.

70 Ausführlich in: Eisenmann; Heelan; Welk (2004), S. 1633 – 1640.

71 Die vollständigen Daten, die in die Vergleichsstudie der IASO eingegangen sind, lassen sich abrufen unter: http://www.iotf.org/database/GlobalAdultTableJune07.htm (abgerufen am 19.12.2007 - 10.50 Uhr (Ausschnitt siehe Screenshot 10.3.6)).

72 In Pakistan beispielsweise starteten die Untersuchungen im Jahre 1990, in Österreich jedoch erst im Jahre 2005/2006, wodurch insgesamt 15 Jahre Unterschied entstand und somit keine Vergleiche unter gleichen Bedingungen möglich sind.

73 Vgl. Petermann & Pudel (2003), S. 42.

74 Vgl. Lehrke (2004), S. 21.

75 Ausführlich in: Bergmann et al. (1998), S. 205-208.

76 Vgl. Lehrke (2004), S. 22

77 Vgl. Ebd.

78 Ausführlich in: Wabitsch et al (2002), S. 99 – 106.

79 Vgl. Goldapp & Mann (2004), S. 12 – 17.

80 Vgl. Kromeyer-Hauschild, Jaeger (1998), S. 1192 –1196.

81 Vgl. BAGSH (1999), S. 211, 212.

82 Vgl. DGE (2000), S. 126 – 128.

83 Ausführlich in: RKI (2006)

84 Die folgenden Angaben beziehen sich auf die über 3-jährigen Kinder, die in die Statistik mit eingeflossen sind. Insgesamt waren es 14747 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 – 17 Jah-ren, die für diese Erhebung relevant waren.

85 Eine ausführliche Beschreibung des Studienaufbaus und der Messungen liefert: Kurth (2007), S. 533 – 546.

Details

Seiten
121
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640352807
ISBN (Buch)
9783640352937
Dateigröße
5.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129405
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1,5
Schlagworte
Übergewicht Kinder Jugendliche Krankheit Ernährung TV Medien Studie Ursachen Therapien Etymologie Kosten Fernsehen Formatvorlage Zulassungsarbeit

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Titel: Untersuchungen zu den Ursachen und Auswirkungen juveniler Adipositas