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Risk Management von Naturkatastrophen unter Beachtung von Instrumenten des Alternativen Risikotransfer

Seminararbeit 2008 31 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bedeutung von Naturkatastrophen für die Versicherungswirtschaft
2.1 Abgrenzung des Begriffs Naturkatastrophe
2.2 Entwicklungstendenzen von Naturkatastrophen

3 Klassische und innovative Instrumente zur Absicherung von Risiken aus Naturkatastrophen
3.1 Rückversicherung
3.1.1 Funktion und Formen der Rückversicherung
3.1.2 Probleme der Rückversicherung in Bezug auf Naturkatastrophen
3.2 PCS-Optionen & GCCI-Optionen
3.2.1 Allgemeine Darstellung von Optionen
3.2.2 Funktionsweise von PCS-Optionen
3.2.3 Funktionsweise von GCCI-Optionen
3.2.4 Vergleich von PCS- und GCCI-Optionen mit der klassischer Rückversicherung
3.3 CAT-Bonds
3.3.1 Allgemeine Darstellung verzinslicher Wertpapiere
3.3.2 Funktionsweise von CAT-Bonds
3.3.3 Vergleich von CAT-Bonds mit der klassischen Rückversicherung
3.4 Sonstige Instrumente

4 Schlussbetrachtung

Anhang

Fiteraturverzeichnis

Gesetzesquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Anzahl der Katastrophenereignisse 1970 - 2006

Abbildung 2: Versicherte Katastrophenschäden 1970 - 2006

Abbildung 3: Ausstehendes Volumen von CAT-Bonds 1998 - 2006

Abbildung 4: Formen der Rückversicherung III

Abbildung 5: Grundpositionen von Call- und Put-Optionen IV

Abbildung 6: Ausübungsschema von GCCI-Optionen IV

1 Einleitung

Naturkatastrophen haben in den vergangenen Jahren, auch durch die Einwirkungen des Klimawandels, stetig zugenommen.[1] Somit hat das Risk Management von Natur­katastrophen, insbesondere für Erst- und Rückversicherungsgesellschaften, zuneh­mend an Bedeutung gewonnen.

Ziel dieser Seminararbeit ist es, Instrumente des alternativen Risikotransfers zur Ab­sicherung von Risiken aus Naturkatastrophen darzustellen. Hierbei wird insbesondere auf die Position von Erstversicherungsgesellschaften eingegangen. Zudem soll unter­sucht werden, in wieweit die Instrumente eine Alternative zur klassischen Rückversi­cherung in Bezug auf die Rückdeckung von Risiken aus Naturkatastrophen sein kön­nen.

Hierzu wird zunächst eine Abgrenzung des Begriffs Naturkatastrophe vorgenommen. Im Anschluss daran wird dargestellt, welche Entwicklungen der Anzahl und Scha­denhöhen von Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren stattgefunden haben.

Im dritten Abschnitt wird zunächst auf die klassische Rückversicherung in Bezug auf die Rückdeckung von durch Naturkatastrophen hervorgerufenen Schäden eingegan­gen. Hierbei soll insbesondere aufgezeigt werden, welche Probleme sich durch die klassische Rückversicherung ergeben können.

Anschließend werden mit den PCS- und GCCI-Optionen sowie CAT-Bonds drei In­strumente des alternativen Risikotransfers zur Absicherung von Risiken aus Naturka­tastrophen ausführlich dargestellt. Durch Beispiele wird die Funktionsweise dieser Instrumente verdeutlicht. Zudem wird auf die Unterschiede zur klassischen Rückver­sicherung sowie die Vor- und Nachteile bei der Anwendung dieser Instrumente ein­gegangen.

Im Anschluss wird kurz auf weitere Instrumente des alternativen Risikotransfers ein­gegangen, bevor im letzten Abschnitt eine Schlussbetrachtung vorgenommen wird.

2 Die Bedeutung von Naturkatastrophen für die Versicherungswirtschaft

2.1 Abgrenzung des Begriffs Naturkatastrophe

Der Begriff Katastrophe leitet sich aus dem Altgriechischen ab und ist eine Komposi­tion der Worte katä „herab“, „nieder“ und stréphein „wenden“, also eigentlich „Wen­dung zum Niedergang“[2]. Generell steht der Begriff für ein „schweres Unglück, Er- eignis mit verheerenden Folgen[3].

In der Literatur findet sich keine eindeutige Abgrenzung des Katastrophenbegriffs. Viel mehr werden bestimmte typische Charakteristika aufgezeigt.[4] Hierzu gehören die Unregelmäßigkeit des Auftretens von Katastrophen, die Unvorhersagbarkeit des Katastropheneintritts, sowie die Auswirkung auf einen großen Bevölkerungsanteil. Auch die Verursachung hoher Schadenspotentiale, die Verschuldung von Langzeitef­fekten und die Seltenheit des Eintritts sind den Begriff beschreibende Eigenschaften.

Der Begriff Naturkatastrophe wird als ein „durch Naturgewalten ausgelöstes Ereig­nis“ verstanden.[5] Hierzu zählen

- Überschwemmungskatastrophen
- Erdbebenkatastrophen
- Kälte- und Frostkatastrophen
- Sturmkatastrophen
- Dürre- und Buschbrandkatastrophen
- sonstige Katastrophen (z.B. Hagel, Lawinen).

Es ist anzumerken, dass die Höhe des Schadensausmaßes solcher Katastrophen nicht ausschließlich durch Naturkräfte, sondern auch menschlichen Einflussfaktoren, wie z.B. Katastrophenschutzmaßnahmen, betroffen sein kann.[6] Naturkatastrophen sind jedoch von „Man-made-Katastrophen“ abzugrenzen.[7] Diese stehen größtenteils mit direkter menschlicher Einwirkung in Verbindung und umfassen z.B. Verkehrs- oder Umweltkatastrophen.

2.2 Entwicklungstendenzen von Naturkatastrophen

Die Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft registrierte im Jahr 2006 136 Na­turkatastrophen, die die gesetzten Untergrenzen zur Einstufung als Katastrophe (Ge­samtschaden mind. 80,0 Mio. USD, 20 Todesopfer, 50 Verletzte oder 2.000 Obdach­lose) erfüllten.[8] Dabei forderten Naturkatastrophen in 2006 schätzungsweise 22.400 Todesopfer, wobei alleine ein Erdbeben in Indonesien 5.800 Todesopfer mit sich brachte.[9] Insgesamt verursachten Naturkatastrophen Gesamtschäden, also direkt zure­chenbare finanzielle Schäden, von 43 Mrd. USD.[10] Bei einem Anteil von 11,8 Mrd. USD handelte es sich um versicherte Schäden.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der Katastrophenereignisse 1970 - 2006 Quelle: Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 4.

Während die Anzahl von Naturkatastrophen in 2006 unter der des Vorjahres lag, lässt sich aus Abbildung 1 eine insgesamt ansteigende Tendenz erkennen. Abbildung 2 zeigt zudem eine ebenfalls ansteigende Tendenz in der Höhe der versicherten Katast­rophenschäden. Dieser ist neben der steigenden Anzahl von Naturkatastrophenereig­nissen insgesamt auch auf eine erhöhte Konzentration von Sachwerten in gefährdeten Gebieten zurückzuführen.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Versicherte Katastrophenschäden 1970 - 2006 Quelle: Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 7.

Es zeigt sich, dass mit der steigenden Anzahl von Katastrophenereignissen und den damit einhergehenden steigenden versicherten Gesamtschäden das Risk-Management von Naturkatastrophen für Unternehmen im Allgemeinen und Erstversicherungsge­sellschaften im Speziellen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

3 Klassische und innovative Instrumente zur Absicherung von Risiken aus Naturkatastrophen

3.1 Rückversicherung

3.1.1 Funktion und Formen der Rückversicherung

In der versicherungswissenschaftlichen Literatur findet sich keine einheitliche Beg­riffsbestimmung des Begriffs Rückversicherung.[13] Auch eine Legaldefinition ist im deutschen Versicherungsrecht nicht zu finden. Die Definition des § 779 Abs. 1 HGB, bei Rückversicherung handle es sich um „die Versicherung der von dem Versicherer übernommenen Gefahr“[14], gilt nur für die Seerückversicherung.

Generell übernimmt bei einer Rückversicherung eine Rückversicherungsgesellschaft einen Teil der von einem Erstversicherer gegenüber Versicherungsnehmern über­nommenen Gefahren oder Risiken. Es findet also ein Transfer versicherungstechni­scher Risiken statt.[15] Der Erstversicherer wird im Zuge dieses Prozesses auch als Ze­dent und der Rückversicherer auch als Zessionar bezeichnet. Durch den Abschluss einer Rückversicherung erreicht der Zedent gegen Zahlung einer Rückversicherungs­prämie eine Reduzierung seines versicherungstechnischen Bestandsrisikos.[16] Die Hö­he der Haftung des Rückversicherers ist abhängig von der versicherungstechnischen Form der Rückversicherung, welche Abbildung 5[17] zusammenfasst.

Generell unterscheidet man zwischen den Formen der proportionalen sowie der nichtproportionalen Rückversicherung.[18] Bei erstgenannter beteiligt sich der Rück­versicherer zu einem festgelegten, gleichen Prozentsatz an Schäden und erhält in der Regel auch diesen Anteil der Originalbruttoprämien. Dies gilt ohne weiteres bei der Quotenrückversicherung als Form der proportionalen Rückversicherung. Bei der Summenexzedentenrückversicherung gilt diese prozentuale Beteiligung erst bei Schadenssummen, die einen für den Erstversicherer festgelegten Selbstbehalt über­schreiten.

Bei der nichtproportionalen Rückversicherung ist der Rückversicherer an entstande­nen Schäden erst dann beteiligt, wenn diese eine bestimmte Höhe (Priorität) über­schreiten. Bei der Schadenexzedentenrückversicherung erfolgt diese Übernahme durch den Rückversicherer ab der Priorität bis zu einer ggf. festgelegten Obergrenze. Dabei ist zu unterscheiden, ob die Priorität für Einzelschäden oder die aggregierten Gesamtschadenbeträge festgelegt wird.

Bei der Höchstschadenrückversicherung als Form der nichtproportionalen Rückversi­cherung übernimmt der Rückversicherer eine festgelegte Anzahl der größten Einzel­schäden ohne Abzug. Bei der Jahresschadenrückversicherung überträgt der Erstversi­cherer auf den Rückversicherer solche Schäden, die in einem Jahr eine bestimmte absolute Schadenssumme bzw. bestimmte Schadensquote überschreiten. In der Regel wirdjedoch auch hier eine Höchstsumme festgesetzt.

3.1.2 Probleme der Rückversicherung in Bezug auf Naturkatastrophen

Bei Risiken aus Naturkatastrophen können die Auszahlungsverpflichtungen, die ein (Rück-) Versicherer infolge eines Ereignisses zu leisten hat, deutlich höher ausfallen, als die erwarteten Auszahlungsverpflichtungen an Versicherungsleistungen.[19] Anders als bei generellen Schadensrisiken, für welche die erwarteten Auszahlungsverpflich­tungen an Versicherungsleistungen aus einem Versicherungsvertrag relativ genau kalkuliert werden können, sind Risiken aus Naturkatastrophen damit für (Rück-) Ver­sicherer nur schwer kalkulierbar.[20] Es handelt sich hierbei um so genannte „low- frequency, high severity“[21] Risiken.

Wie im vorangegangenen Abschnitt dargestellt wurde, sehen fast alle Formen der Rückversicherung eine Obergrenze der durch den Rückversicherer übernommenen Schäden vor. Aufgrund der schwierigen Kalkulierbarkeit von Katastrophenrisiken stellt die Bestimmung der nötigen Deckung für den Erstversicherer durch den Rück­versicherer jedoch ein Problem dar. Soweit durch eine Naturkatastrophe zu tragende Schäden für Erstversicherer auftreten, die nur in begrenztem Maße von Rückversiche­rern übernommen werden, entstehen Deckungslücken, die zunächst das Eigenkapital reduzieren und im extremsten Fall sogar zur Insolvenz führen können. So hat bei­spielsweise der Hurrikan Andrew mit von der Versicherungsindustrie zu tragenden Schäden von 19 Mrd. US $ die Insolvenz von sieben Erstversicherern verursacht.[22]

Ein weiteres Problem der klassischen Rückversicherung in Bezug auf Naturkatastro­phen ist, dass die weltweite Rückversicherungskapazität zur vollständigen Rückde­ckung von Schäden nicht ausreichend ist. Betrachtet man z.B. den US- amerikanischen Markt der Erst- und Rückversicherung, so betrug die Kapazität im Jahr 2000 ca. 235 Mrd. US $.[23] Das Naturkatastrophenereignis mit den bisher höchs­ten versicherten Gesamtschäden, der Hurrikan Katrina im August 2005 mit 49 Mrd. US $, zeigt, wie groß die durch eine Naturkatastrophe verursachte Gesamtschaden­summe in Bezug auf den gesamten Versicherungsmarkt sein kann.[24] [25] Strube spricht insgesamt von einer Deckungslücke im Rückversicherungsmarkt von 20 bis 30 Mrd. US $.[26]

Betrachtet man dagegen den US-amerikanischen Kapitalmarkt mit einer Größe von ca. 20 Billionen US $, so wird deutlich, weshalb die Übertragung von versicherungs- technischen Risiken aus Naturkatastrophen auf den Kapitalmarkt sinnvoll erscheint.[27]

Dies und die damit einhergehenden Möglichkeiten sollen in den folgenden Abschnit­ten betrachtet werden.

[...]


[1] Vgl. Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 7 f.

[2] Vgl. Dudenreaktion (2006), S. 937.

[3] Dudenreaktion (2006), S. 937.

[4] Vgl. z.B. Kuck (2000), S. 8.

[5] Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2001), S. 4.

[6] Vgl. Ebenda, S. 4.

[7] Vgl. Kuck (2000), S. 9.

[8] Vgl. Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 4 sowie zu den Untergrenzen Schwei­zerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 38.

[9] Vgl. Ebenda, S. 5.

[10] Vgl. Ebenda, S. 6.

[11] Vgl. Ebenda, S. 7.

[12] Vgl. Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 7.

[13] Vgl. Thiemermann (1993), S. 20.

[14] Handelsgesetzbuch (2007).

[15] Vgl. Thiemermann (1993), S. 21.

[16] Vgl. Wörmsbacher (2001), S. 14.

[17] Siehe Anhang 1.

[18] Vgl. zu den Formen der Rückversicherung Thiemermann (1993), S. 55 ff.

[19] Vgl. Nickel (1994), S. 83.

[20] Vgl. Strube (2001), S. 8.

[21] Strube (2001), S. 8.

[22] Vgl. Strube (2001), S. 7.

[23] Vgl. Nelles, Klusemann (2002), S. 395 f.

[24] Vgl. Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 13.

[25] Die Summe von 49 Mrd. US $ ergibt sich aus der gesamten versicherten Schadensumme von 66,3 Mrd. US $ abzüglich der darin enthaltenen, durch das staatliche „National Flood Insurance Program“ (NFIP) gedeckten Summe von ca. 17,3 Mrd. US $, vgl. Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft (2007), S. 13 u. S. 37.

[26] Vgl. Strube (2001), S. 8.

[27] Vgl. Nelles, Klusemann (2002), S. 396.

Details

Seiten
31
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640354764
ISBN (Buch)
9783640355037
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129233
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Schlagworte
Risk Management Naturkatastrophen Beachtung Instrumenten Alternativen Risikotransfer

Autor

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