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Konzept zum interkulturellen und interreligiösen Dialog

Referat (Ausarbeitung) 2007 15 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der interkulturelle und interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen
2.1. Das Wahrnehmen des Anderen als Grundvoraussetzung für den Dialog
2.2. Ebenen und Modelle des interkulturellen – interreligiösen Dialogs

3. Muslimischer Religionsunterricht an deutschen Schulen

4. Interkulturelles Lernen

5. Dalil Boubakeur und Martin Buber, zwei Menschen im Angesicht des Dialogs

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Welt ist übersät mit Konflikten. Es sind nicht nur die globalen Konflikte, die kontinuierlich zunehmen. Oft sind es Probleme zwischen verschiedenen Kulturen im Alltagsleben, die im Konflikt enden. Deutschland ist nicht erst seit kurzem multikulturell. Neben dem Christentum bildet der Islam die zweit größte Religionsgemeinschaft in unserem Land. Über drei Millionen Muslime leben zur Zeit in Deutschland. Aus Unwissenheit, Desinteresse und Vorurteilen, bezüglich der jeweils anderen Kulturen, entstehen Spannungen und Probleme. Diese gilt es mit Hilfe des interkulturellen und interreligiösen Dialogs zu lösen. Alle Menschen müssen von der Notwendigkeit des Dialogs überzeugt und gewillt sein, diesen zu führen. Nur so ist es möglich, Frieden in der Welt zu schaffen und die Probleme im eigenen Land zu beseitigen. Peter Antes stellte einst die These auf: Wir haben nur die Alternative zu lernen, miteinander zu leben oder gemeinsam unterzugehen.

In der folgenden Ausarbeitung werde ich näher auf den Dialog eingehen. Ich werde u.a. aufzeigen, wie notwendig und wichtig dieser ist. Des Weiteren werde ich mich mit dem muslimischen Religionsunterricht an deutschen Schulen, sowie dem interkulturellen Lernen befassen. Abschließend gebe ich einen kurzen Einblick in die Denkweise Dilal Boubakeur und Martin Bubers, zwei der größten Repräsentanten des interkulturellen und interreligiösen Dialogs.

2. Der interkulturelle und interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen

2.1. Das Wahrnehmen des Anderen als Grundvoraussetzung für den Dialog

Wer über Frieden, Krieg und Gewalt spricht, fängt an, sich mit dem Thema des interreligiösen und interkulturellen Dialogs auseinanderzusetzen. Frieden ist das heiligste Gut der Menschheit, jedoch lässt sich Frieden nicht „als solcher“ planen, Frieden ist ein Geschenk. Um diesen zu erreichen, sind mehrere Dinge wichtig und erforderlich.

Es geht darum, „nach Spuren der Vernunft“ zu suchen. Eine Vernunft, die Menschen zusammen führt, ohne Abstände zu tilgen, die verbindet, ohne Verschiedenes gleichnamig zu machen, die unter Fremden das Gemeinsame kenntlich macht, aber den Anderen anders sein lässt. Das Denken, Glauben und Fühlen des Anderen muss geachtet werden.[1] Jedoch ist es wichtig, dass die Dialogbereitschaft auf beiden Seiten für notwendig erachtet wird. Ein Dialog kann nicht geführt werden, wenn einer der Partner das Gesprächsergebnis vorweg festlegt. Ohne eine offene Bereitschaft, von den anderen zu lernen, findet kein Dialog statt. Eben diese Bereitschaft, von anderen Neues zu übernehmen, fällt der Mehrheit schwer, da damit auch ein Abschied von den herrschenden Strukturen verbunden ist.[2]

Die Fähigkeit und der Wille zum Dialog bedeute keineswegs eine Relativierung der eigenen Position. Gerade aus der eigenen Selbstbewusstheit heraus, lässt sich eine dialogische Haltung einnehmen. Daher sollte jeder Partner im Dialog von dem Wahrheitsanspruch seines Glaubens überzeugt sein. Ausschlaggebend sollte sein, eines Herzens zu sein und in die selbe Richtung zu schauen.[3]

Die Welt ist geprägt von vielen religiösen Konflikten. Da in Deutschland ca. 3 Millionen Muslime leben, gewinnt der interkulturelle und interreligiöse Dialog immer mehr an Bedeutung. Toleranz spielt in einem erfolgversprechenden Dialog eine sehr wichtige Rolle. Wer Toleranz übt, macht nach allgemeiner Einschätzung Zugeständnisse hinsichtlich seiner Prinzipien. Sie ist eine vorläufige Haltung für einfache Formen der Begegnung mit Menschen, die eine andere Lebensform leben. Toleranz besteht aus der Fähigkeit, das Anderssein des anderen auf sich zunehmen, ohne sich ihr direkt anzupassen. Darüber hinaus bedarf es eine Haltung der gegenseitigen Anerkennung auf beiden Seiten. Keine Stadt und kein Land ist sprachlich, kulturell oder religiös homogen. Es kann nicht nur von der Leistung der Einheimischen leben. Die Zukunft einer Stadt oder eines Landes kann nur gemeinsam, also von Einheimischen, als von Fremden, gestaltet werden. Es muss versucht werden unterschiedliche Gruppen am kommunalen Leben teilhaben zu lassen und durch die verschiedenen Kräfte und Kompetenzen die Stadt zu bereichern. Die Lebensweise der Nachbarn, der fremden Gruppen, sowie Kulturen sind wahrzunehmen, um den eigenen Ort zu erkennen.[4]

Keiner lebt mehr auf einer einsamen Insel. Keiner kann sich selber verstehen, ohne seine Umwelt zu verarbeiten, die ebenso neue wie fremde Anteile beinhaltet. Das Fremde ist vor allem das Ergebnis von eigenen Ansichten über die Welt. „Die Wahrnehmung des Fremden ist so eng mit der eigenen Lebensgeschichte verknüpft, dass man vom Fremden nicht sprechen kann, ohne auch von sich selber zu erzählen“.[5] Es sind letztendlich kleine, verschiedenen Dinge, die eine Kultur und eine Religion hervorheben. Der Dialog muss somit wesentlich „von unten“ getragen werden. Das regionale, kommunale Alltagsleben ist entscheidend. Der Dialog von „oben“ ist geradezu wirkungslos. Z.B. die Frage nach dem Ende des Lebens wird zur Provokation jeder Kultur und jeder Religion. Das Gespräch jedoch darüber wird zum Ort des interkulturellen Dialogs.

Ausschließlich den anderen die Aufgabe zu zuweisen sich zu integrieren, verhindert die Verarbeitung von Differenzen, die als solche nicht mehr zugelassen werden. Jeder muss das Recht haben dürfen, seine eigene Identität verbindlich zu leben, verankert in den Fundamenten seiner Kultur. Der interkulturelle Dialog zwischen den Gruppen erfordert daher das Aufbrechen von Oberflächenstrukturen. Der einzelne Mensch darf nicht als Repräsentant einer Kultur behandelt werden. Er wird aber besser verstanden, wenn man seinen ethnischen und kulturellen Hintergrund kennt. Wir haben nur die Alternative, miteinander zu lernen oder gemeinsam unterzugehen. Wir müssen uns den Problemen stellen, die Chance für den Dialog nutzen und entsprechende Perspektiven entwickeln. Ein friedliches Miteinander kann in unserer Gesellschaft zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens nur gelingen, wenn die pauschalen Feindbilder aufhören und differenzierte Betrachtungsweisen an ihre Stelle treten. Dazu gehört die Wahrnehmung der unterschiedlichen Ausrichtungen innerhalb einer jeden Religion. Nicht jeder Muslim ist ein Fanatiker oder extremistischer Terrorist, wie nicht jeder Christ ein Ungläubiger ist.[6]

[...]


[1] Vgl. Stöger, Peter, 2003: Das Fremde im Eigenen: Betrachtung des Nord-Süd-Dialog, Annäherung an den Dialog. in: Graf, Peter (Hrsg.) (2003): Dialog zwischen den Kulturen in Zeiten des Konflikts. Göttingen, S. 124

[2] Vgl. Graf, Peter; Antes, Peter (1998): Strukturen des Dialogs mit Muslimen in Europa. Frankfurt a. M., S. 52

[3] Vgl. Graf, 2003, S. 124

[4] Vgl. Graf, 2003, S. 7-8

[5] Vgl. Graf, 2003, S. 125

[6] Vgl. Graf, 2003, S. 55f

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640375790
ISBN (Buch)
9783640376230
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129209
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Schlagworte
Konzept Dialog

Autor

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