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Der Freundschaftsbegriff in Aristoteles`Nikomachischer Ethik

Hausarbeit 2006 19 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Rekonstruktion des Textes

III. Die Wirkmacht des Textes

IV. Kritik

V. Zusammenfassung und Schlusswort

Literaturangaben

I. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit geht es um die Aristotelische Abhandlung über die Freundschaft, die sich in seinem Werk Nikomachische Ethik befindet. Der Begriff der Freundschaft ist auch heute noch (oder wieder) präsent und wichtig für uns, auch wenn wir ihn vielleicht selten unter den Aspekten betrachten, die Aristoteles in seiner Schrift darlegt.

Aristoteles hat sich als einer der ersten mit dem Thema Freundschaft auseinandergesetzt, weil er die Wichtigkeit der Freundschaft für den charakterlich guten Menschen erkannte und hervorheben wollte. Seine Hauptthese lautet deshalb auch verkürzt: Gute Menschen brauchen Freunde[1].

Im Aristotelischen Text über die Freundschaft geht es jedoch nicht ausschließlich um diese These, sondern auch verstärkt um die Motive und Arten der Freundschaft und darum, welche Menschen zu welcher Art von Freundschaft fähig sind. Diese Inhalte werden im zweiten Teil der Arbeit ausführlich betrachtet.

Im dritten Teil soll kurz dargestellt werden, welche Wirkung der behandelte Text in den darauf folgenden (ca.) 2300 Jahren auf die Menschen, insbesondere die Philosophen, gehabt hat.

Der vierte Teil der Arbeit umfasst eine kurze Kritik, bevor der fünfte Teil schließlich den Abschluss bildet.

II. Rekonstruktion des Textes

Im folgenden Teil der Arbeit wird das Buch VIII aus der Nikomachischen Ethik genau rekonstruiert[2]. Dazu wird der Text in einzelne Thesen mit den dazugehörigen Begründungen zerlegt. Dabei wird die gewählte Reihenfolge des Autors möglichst beibehalten, um seine Argumentationsstruktur sichtbar zu machen.

1. These:

Freundschaft ist eine Notwendigkeit im gemeinschaftlichen und sozialen Zusammenleben, also im Leben eines jeden Menschen.

1. Begründung:

Allein ein Freund kann einem Menschen ein Gefühl des Wohlbefindens geben. Sämtliche Güter, Reichtümer und hohe Ämter/ Machtpositionen vermögen dies nicht.

2. Begründung:

Der materielle Wohlstand eines Menschen ist sicherer, wenn dieser Freunde an seiner Seite hat, denn sie helfen ihm, die Reichtümer zu beschützen.

3. Begründung:

Arme Menschen oder Menschen, denen Unglück widerfährt, finden bei einem Freund Zuflucht und Hilfe.

4. Begründung:

Freundschaft hilft in verschiedenen Lebenslagen: In der Jugend bewahrt ein Freund den anderen vor Irrtümern, im Erwachsenenalter spornt ein Freund einen anderen zu edlen Taten an, im Alter bieten sich Freunde gegenseitige Pflege an.

5. Begründung:

Freundschaft vermittelt den Freunden ein Zusammengehörigkeitsgefühl und sorgt somit auch für Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft.

6. Begründung:

Auch die Gesetzgeber bemühen sich um die Eintracht stiftende Freundschaft, denn je besser sich die Menschen untereinander verstehen (je besser sie also befreundet sind), desto weniger Rechtsschutz ist notwendig.

2. These:

Freundschaft bedeutet gegenseitiges Wohlwollen zweier Menschen, das nach außen gezeigt werden muss und stets verbunden ist mit dem Wunsch des Guten für den Freund.

1. Begründung:

Bei der Vorliebe für Gegenstände kann es sich nicht um Freundschaft handeln, da der Aspekt des Gegenseitigen und des Menschlichen fehlt.

2. Begründung:

Ist ein Mensch einem anderen zwar positiv zugetan, zeigt dies aber nicht, so kann nicht von Freundschaft die Rede sein, da sich Freundschaft immer auch nach außen offenbaren muss.

3. Begründung:

Wenn ein Mensch einem anderen nichts Gutes wünscht oder ihm nur Gutes wünscht aus eigennützigen Zwecken heraus, dann kann es sich nicht um Freundschaft handeln, denn ein Freund wünscht einem anderen Freund das Gute um der Person des Freundes Willen.

3. These:

Freundschaft kann aus unterschiedlichen Motiven entstehen, wodurch sich drei unterschiedliche Arten der Freundschaft ergeben: die Nutzenfreundschaft, die Lustfreundschaft und die vollkommene Freundschaft.

1. Begründung:

Menschen können einander zugetan sein, weil sie für sich selbst einen Vorteil erstreben. In diesem Fall handelt es sich um Nutzenfreundschaft.

2. Begründung:

Ein Mensch kann einem anderen ein Freund sein, weil dieser ihm eine Lust, etwas Angenehmes verschafft. In diesem Fall handelt es sich um Lustfreundschaft.

3. Begründung:

Menschen können befreundet sein, weil ein jeder die Wesensart des anderen liebt. In diesem Fall handelt es sich um die vollkommene Freundschaft.

4. These:

Sowohl in der Nutzen-, als auch in der Lustfreundschaft lieben sich die Freunde nicht um ihres Wesens willen.

1. Begründung:

In der Nutzenfreundschaft geht es den Freunden nicht um das Wesen des anderen, sondern nur um den Nutzen oder Vorteil, den sie aus dem Freund ziehen können.

2. Begründung:

In der Lustfreundschaft sind die Menschen miteinander befreundet, weil sie sich gegenseitig irgendeine Lust, ein Gut, eine Unterhaltung oder etwas anderes Angenehmes verschaffen. Es geht auch hierbei nicht um die Person oder das Wesen des Freundes an sich.

5. These:

Freunründung:

Ist derdschaften, die aus Motiven der Lust oder des Nutzens entstehen, sind meist nicht von Dauer.

1. Beg eine Freund irgendwann nicht mehr angenehm oder nützlich, so fehlt das einzige Motiv der Freundschaft und die Freundschaft muss zu Bruch gehen.

2. Begründung:

Nutzenfreundschaften sind oft im Alter zu beobachten, denn da spielen Lust und Gemeinschaft kaum mehr eine Rolle und Gesellschaft wird oftmals gar nicht erwünscht. Freundschaften entstehen im Alter also oft aus Nutzengründen, können aber (aufgrund der zeitlichen Komponente) oft nicht lange anhalten, da dem Leben ja irgendwann ein Ende gesetzt wird.

3. Begründung:

Die Lustfreundschaft, die oft in jungem Alter zu beobachten ist, ist ebenfalls nicht von Dauer, da die Reize, die Lust bereiten, in der Jugend schnell und oft wechseln und somit auch rasch Freundschaft geschlossen und wieder aufgegeben wird (weil bereits etwas Neues Lust bereitet bzw. ein anderer Mensch interessanter wird).

6. These:

Die vollkommene Freundschaft ist die der besonders guten („trefflichen“) Charaktere.

[...]


[1] Im Folgenden wird oft der Begriff „Freund“ auftauchen. Dieser ist als Oberbegriff gedacht, umfasst also sowohl männliche als auch weibliche Personen. Nur aus Zwecken der Lesefreundlichkeit wird auf die Schreibweise „Freund/ Freundin“ verzichtet. (Anmerkung der Autorin)

[2] Auch im sich anschließenden IX.Buch schreibt Aristoteles über die Freundschaft, da die vorliegende Arbeit aber im Umfang beschränkt ist, wird nur das VIII.Buch genau betrachtet. (Anmerkung der Autorin)

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640353958
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129024
Schlagworte
Aristoteles Freundschaft Philosophie

Autor

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