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Hadrians Reisen

Interpretation der Quellenstelle HA Hadr. 13,1 – 14,4

Hausarbeit 2007 10 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung

2.) Die Vita Hadriani

3.) Ziele und Zweck der Reisen

4.) Neue und traditionelle Elemente in Hadrians Reisepolitik

5.) Schlussbetrachtung

6.) Quellen- und Literaturverzeichnis

1.) Einleitung:

Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung einer Quellenstelle aus der Vita Hadriani, in welcher auf die Reisen des Kaisers Hadrian eingegangen wird. Die besagte Quellenstelle beinhaltet die Kapitel 13,1 bis 14,4. Die Vita Hadriani ist eine der Kaiserbiographien, die in der sogenannten Historia Augusta enthalten sind. Diese spätantike Sammlung römischer Kaiserbiographien, die von Hadrian (117-138 n. Chr.) bis Numerianus (seine Regierungszeit endete 285 n. Chr.) reicht, ist angeblich Ende des 3. bzw. Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. von sechs verschiedenen Autoren niedergeschrieben worden, deren Namen wie folgt lauten: Aelius Spartianus, Iulius Capitolinus, Vulcacius Gallicanus, Aelius Lampridius, Trebellius Pollio und Flavius Vopiscus.[1] Professor Doktor Holger Sonnabend bemerkt zu dieser Sammlung, dass es sich hierbei um „die einzige zusammenhängende literarische Quelle für die Geschichte der römischen Kaiserzeit in der Phase zwischen Hadrian und Numerianus, also zwischen 117 und 285 n. Chr.“[2] handelt, deren Quellenwert lange Zeit umstritten war.[3] Nicht nur wird angezweifelt, dass sie von sechs verschiedenen Autoren niedergeschrieben wurde, sondern auch dass sie aus der Zeit der Kaiser Diokletian und Konstantin stamme.[4] Heute ist man in der Forschung der Ansicht, dass die Historia Augusta wohl von einem anonymen Autor gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. verfasst worden ist[5] und dass ihr Quellenwert nicht unterschätzt werden darf, da über sämtliche Kaiser (auch die inoffiziellen) von Hadrian bis Numerianus berichtet wird (lediglich die Berichte über die Herrscher zwischen den Jahren 244 und 253 n. Chr. sind verloren gegangen).[6]

Im Folgenden soll nun unter Punkt 2 in knapper Darstellung auf die Vita Hadriani und auf Kaiser Hadrians Reisen eingegangen werden, unter Punkt 3 wird dann besagte Quellenstelle (Kapitel 13,1 bis 14,4) untersucht werden und zwar im Hinblick auf die Reiseziele Hadrians und den mit der Reise verbundenen Zweck, während unter Punkt 4 die neuen Elemente in Hadrians Reisepolitik verglichen mit seinen Vorgängern unter Hinzuziehung von Sekundärliteratur herausgearbeitet werden sollen.

2.) Die Vita Hadriani:

Die Vita Hadriani bietet den Auftakt der Historia Augusta und wurde angeblich von Aelius Spartianus verfasst. Hadrians Vita kann in vier Teile aufgegliedert werden: Kapitel 1 bis 4 behandeln seine Herkunft und seine Familie sowie seine Jugendjahre bis zum Herrschaftsantritt. Kapitel 5,1 bis 14,7 behandeln neben seinem Leben bis zur Rückkehr nach Rom nach seiner zweiten großen Reise historische Ereignisse, allgemeine Politik, seine Beziehung zum Senat, seine Militärreformen und seine Reisen. Der Autor widmet sich dann in den Kapiteln 14,8 bis 22 Hadrians Charakter, seinen Eigenschaften und Vorlieben (zum Beispiel seinem literarischen Geschmack), seinen Baumaßnahmen und seinen Wohltätigkeitsakten. Die Kapitel 23 bis 27 behandeln seine letzten Lebensjahre, sein Erscheinungsbild, seine Vergnügungen und seinen Tod und liefern zudem eine Beurteilung seines Charakters.

Die hier zu behandelnde Quellenstelle konzentriert sich im wesentlichen auf Hadrians Reisen, von denen er während seiner 21-jährigen Regierungszeit insgesamt drei größere unternommen hat und die ihn über elf Jahre fern von der Heimat verweilen ließen: seine erste Reise trat er noch im ersten Jahr seiner Regentschaft (117 n. Chr.) an, er kehrte aber schon 118 nach Rom zurück. Seine erste große Reise dauerte von 121 bis 125 und seine zweite große Reise fällt in die Jahre 128 bis 132.[7] Die vorliegende Quellenstelle konzentriert sich sowohl auf die erste als auch auf die zweite große Reise, allerdings wird nur der letzte Teil von Hadrians erster großer Reise behandelt (ab der Überfahrt nach Achaia im Jahr 124, Kapitel 13,1)[8] und seine zweite große Reise wird nur bis zur Ankunft in Pelusium (Kapitel 14,4) genauer untersucht werden.

3.) Ziele und Zweck seiner Reisen:

Die besagte Quellenstelle setzt in Kapitel 13,1 mit Hadrians Besuch in Achaia (gemeint ist die römische Provinz Griechenland)[9] ein, wobei er entlang der kleinasiatischen Küste und über die Inseln (gemeint sind die ägäischen Inseln)[10] reist. In Eleusis wird er nach dem Vorbild des Herkules und des Philippus in die eleusinischen Mysterien eingeweiht. Warum an dieser Stelle „exemplo Herculis Philippique“[11] erwähnt wird, ist in der Forschung umstritten. Die Erwähnung des Herkules wäre noch erklärbar, da seine Rolle in der Legende der Mysterien bekannt ist. Warum jedoch Philip von Makedonien, ein Feind Athens, erwähnt wird, ist fraglich. Vielleicht wurde Philip ebenfalls in die eleusinischen Mysterien eingeweiht, immerhin beansprucht das makedonische Königshaus für sich, von Herkules abzustammen. Es ist jedoch auch wahrscheinlich, dass diese Formulierung aus der Autobiographie Hadrians stammt, denn Philip war immerhin der Vorkämpfer für den Panhellenismus, den Hadrian so sehr bewunderte.[12] Während seiner Anwesenheit in Athen leistet Hadrian dessen Einwohnern viel Gutes und wohnt den Festspielen (gemeint sind die Dionysien von März 125)[13] als Vorsitzender bei. Anschließend reist er auf dem Seeweg nach Sizilien, wo er den Ätna besteigt, um sich das Schauspiel des Sonnenaufganges anzusehen. Er kehrt schließlich nach Rom zurück, um von dort aus nach Afrika zu reisen und den afrikanischen Provinzen seine Gunst durch die Gewährung zahlreicher Wohltaten zu erweisen. An dieser Stelle ist äußerst augenfällig, wie der Autor die Rückkehr nach Rom, die nachweislich im Jahr 125 n. Chr. erfolgte, und die Abreise nach Afrika im Jahr 128 mit einem einfachen „atque“[14] verbindet und damit die fast dreijährige Zeitspanne zwischen den beiden Ereignissen einfach ausspart.[15]

[...]


[1] Vgl.: Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie: von Isokrates bis zur Historia Augusta. Stuttgart; Weimar 2002, S. 214.

[2] Ebd.

[3] Vgl.: ebd., S. 215.

[4] Vgl.: ebd., S. 216.

[5] Vgl.: Benario, Herbert W.: A Commentary on the Vita Hadriani in the Historia Augusta. (American Classical Studies 7), Michigan 1980, S. 1.

[6] Vgl.: Sonnabend: Geschichte der antiken Biographie, S. 219.

[7] Vgl.: Mortensen, Susanne: Hadrian. Eine Deutungsgeschichte. Bonn 2004, S. 179.

[8] Vgl.: Benario: Commentary on the Vita Hadriani, S. 147.

[9] Vgl.: ebd., S. 94.

[10] Vgl.: Mortensen: Hadrian, S. 181.

[11] HA Hadr. 13,1.

[12] Vgl.: Birley, Anthony R.: Hadrian. The restless emperor. London, New York 1997, S. 175f.

[13] Vgl.: Benario: Commentary on the Vita Hadriani, S. 94.

[14] HA Hadr. 13,4.

[15] Vgl.: Weber, Wilhelm: Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Hadrianus. Leipzig 1907, S. 199.

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640354382
ISBN (Buch)
9783640354252
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128879
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Alte Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Hadrians Reisen Interpretation Quellenstelle Hadr

Autor

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Titel: Hadrians Reisen