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Der Sprachwandel des Deutschen unter Berücksichtigung der Neuen Medien

Hausarbeit 2007 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Fragestellung

1. Sprachwandel

2. Die Neuen Medien

3. Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschen Sprachwissenschaft

4. Die deutsche Sprache und die Neuen Medien
4.1 Analyse der Mündlichkeit
4.1.1 Fernsehen
4.1.2 Internettelefonie
4.2 Analyse der Schriftlichkeit
4.2.1 World Wide Web
4.2.2 E-Mails
4.2.3 Chat
4.2.4 SMS

Fazit

Literaturverzeichnis

Fragestellung

Die deutsche Sprache ist von einem Verfall bedroht. Diese und ähnliche Äußerungen finden sich immer wieder. Nicht nur alteingesessene Sprachwissenschaftler, sondern auch Ottonormalverbraucher stellen dieses Phänomen heutzutage fortkehrend fest. Wolf Schneider, heute 81 Jahre alt, ehemaliger Leiter der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule und Autor verschiedenster sprachwissenschaftlicher Handbücher, fasste diese Ansicht provokativ zusammen:

„Es geht bergab mit der Sprache, machen wir uns nichts vor. Die Fernsehschwätzer beherrschen die Szene, die Bücherleser sind eine bedrohte Gattung, die Grammatik ist unter jungen Leuten unpopulär, ihr Wortschatz schrumpft, und viele 17-Jährige betreiben das Sprechen (...) wie ein Nebenprodukt des Gummikauens.“[1]

Dieser Umstand wird, so auch von Schneider, den Neuen Medien zugeschrieben. Wir alle kennen Wörter, die aus dem Englischen entlehnt, Kurzformen der deutschen Sprache, die vor allem in SMS oder Internetforen zu finden sind. Doch hinter diesen Abkehrungen von der deutschen Norm stecken in den meisten Fällen Funktionen, die diese Formen der deutschen Sprache rechtfertigen. In dieser Hausarbeit soll geklärt werden, inwiefern ein deutscher Sprachwandel stattfand, welche Formen und Funktionen dieser hat und inwiefern die Neuen Medien hierzu beigetragen haben. Hierfür muss im ersten Kapitel eine Definition von Sprachwandel gefunden werden, die die zu behandelnde Problematik zusammenfasst. Weiterhin wird im zweiten Kapitel der Begriff der Neuen Medien definiert. Im dritten Kapitel wird auf das Konstrukt Sprache in ihrer Unterteilung Mündlichkeit und Schriftlichkeit eingegangen werden müssen, um die Neuen Medien einordnen zu können. Hier spielen die Modelle von Koch/Oesterreicher[2] und Christa Dürscheid[3] eine entscheidende Rolle. Hiernach wird im vierten Kapitel sowohl die Mündlich- als auch die Schriftlichkeit des Deutschen innerhalb der Neuen Medien analysiert und der Frage nachgegangen, inwiefern die Neuen Medien einen Sprachwandel hervorgerufen haben beziehungsweise hervorheben. Abschließend wird ein Fazit gezogen, welches zusammenfassend die Ergebnisse dieser Hausarbeit darstellen soll.

1. Sprachwandel

Unter Sprachwandel versteht man in der Linguistik eine Veränderung oder Entwicklung einer Sprache. In der quantitativen Linguistik wird vor allem der Verlauf des Wandels in der Zeit und die Wirkung der Einflussfaktoren, die den Wandel auslösen, untersucht. Nach Peter von Polenz[4] kann ein Sprachwandel aus folgenden Motiven resultieren: Ökonomie, Innovation, Variation und Evolution. Besonders hervorzuheben ist das Modell der unsichtbaren Hand, dessen Hauptvertreter der Moralphilosoph und Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith ist. Angewendet auf die Thematik des Sprachwandels wurde es von Keller[5]. Sprachwandel sei hiernach kein menschliches Artefakt oder ein Naturphänomen, sondern eine Reihe von Einzelhandlungen und ungeplanten Strukturen. Aus unkoordiniertem Verhalten resultiere eine koordinierte Struktur. Keller bezeichnet diese Art von Wandel als „Phänomen der dritten Art“. Der Wandel vollziehe sich durch den Gebrauch der Sprache selbst. Schon immer beklagten Menschen diesseits und jenseits unseres Landes diesen Wandel der Sprache. Nicht jede kleine Veränderung innerhalb einer Sprache kann deshalb direkt als Sprachwandel bezeichnet werden. Doch warum wird jeder Wandel als Zerfall wahrgenommen? Prof. Dr. Keller scheint hierauf eine Antwort zu haben: Die Sprache unterliege „konventioneller Regeln“. Jede Veränderung dieser Regeln gehe mit einer „Übertretung der sprachlichen Norm“ überein. Diese Veränderung werde allgemein hin als „Fehler“ verstanden. Trete dieser „Fehler“ nun verhäuft auf, so werde von Sprachwandel und –zerfall gesprochen. Werde dieser „Fehler“ aber zum „Usus“[6], verblasse der alte Gebrauch eines Wortes etc., so würde niemand mehr von einem Wandel sprechen, weil unsere Wahrnehmung in diesem Stadium des Sprachwandels nachlasse. Was aber finden wir vor, wenn wir uns in den Neuen Medien bewegen? Können wir hier wirklich von Sprachwandel sprechen? Hierzu müssten wir sowohl die Motive Polenz` als auch das „Phänomen der dritten Art“ von Keller auf die Neuen Medien anwenden können. Um zu klären, was Untersuchungsgegenstand bei der im fünften Kapitel vorgenommenen Untersuchung sein wird, müssen wir eine Definition der Neuen Medien voranstellen.

2. Die Neuen Medien

Unter den „Neuen Medien“ versteht man nach Dietrich Ratzke „alle Verfahren und Mittel, die mit Hilfe neuer und erneuerter Technologien neuartige, also in dieser Art nicht gebräuchliche Formen von Informationserfassung und Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung, Informationsübermittlung und Informationsabruf ermöglichen.“[7] Dieser Begriff unterläuft aber einer ständigen Wiederholung, so dass die Inhalte immer wieder neu definiert werden müssen. Wo im 19. Jahrhundert noch die Presse unter diesen Sammelbegriff gefallen wäre, würden wir heute die Informations- und Kommunikationstechnologien, wie das World Wide Web und die mobile Telefonie in unser Beobachtungsfeld nehmen. Somit wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf die Sprache in E-Mails, Chatgruppen, virtuellen Welten und im Netz eingegangen werden. Außerdem wird ein Blick auf die Sprache in Short Message Services (SMS) geworfen werden müssen. Doch um was für sprachliche Äußerungsformen handelt es sich bei diesen Neuen Medien? Hierfür schauen wir uns das Modell der Mündlichkeit und Schriftlichkeit von Koch/Oesterreicher genauer an, welches von Christa Dürscheid bezüglich der Neuen Medien erweitert wurde.

[...]


[1] Vgl. Mathias Schreiber: Deutsch for sale. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2006. Hamburg 2006. S. 182.

[2] Vgl. Koch/Oesterreicher: Schriftlichkeit und Sprache. In: Hartmut Günther u.a.(Hg.): Schrift und

Schriftlichkeit. Ein interdisziplinäres Handbuch der internationalen Forschung. Berlin, New York 1995.

[3] Vgl. Christa Dürscheid: Einführung in die Schriftlinguistik. Wiesbaden 2002.

[4] Vgl. Peter von Polenz: Die Geschichte der Deutschen Sprache. 9. überarb. Auflage. Berlin. New York 1978.

[5] Vgl. Rudi Keller: Sprachwandel. Von der unsichtbaren Hand in der Sprache. 2. Aufl. Tübingen 1994.

[6] Vgl. Rudi Keller : Ist die deutsche Sprache vom Zerfall bedroht ? Unveröffentliche Pubilkation. Auf:

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/rudi-keller/download/Sprachverfall.pdf. Stand: 12.08.2007. 00:48h.

[7] Vgl. Dietrich Ratzke: Handbuch der neuen Medien. 2. Auflage. Stuttgart 1984. S. 5.

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640341481
ISBN (Buch)
9783640337453
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128812
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
befriedigend
Schlagworte
Sprachwandel Deutschen Berücksichtigung Neuen Medien

Autor

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Titel: Der Sprachwandel des Deutschen unter Berücksichtigung der Neuen Medien