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Jugendsprache in den Medien

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Jugendsprache in den Medien - Einleitung

2. Die historische Studentensprache

3. Sprachstile Jugendlicher heute

4. Das Prinzip der Substandardisierung und Sprachwandelprozesse

5. Literaturverzeichnis

1. Jugendsprache in den Medien - Einleitung

Das Referat, das dieser Ausarbeitung zugrundegelegt wurde beschäftigt sich mit dem Phänomen der Jugendsprache(n), insbesondere mit dem der Skatersprache unter Berücksichtigung des Jugendromans „Slam“ von Nick Hornby (2008)1.

Der in dieser Arbeit behandelte Referatsteil soll eine Einführung in die Jugendsprache mit ihren Funktionen, Besonderheiten und Einflüssen auf die Standardsprache geben. Außerdem soll das in der Öffentlichkeit vorherrschende negative Bild von jugendsprachlichen Erscheinungen durch einen anderen Blickwinkel neu beleuchtet werden und Verständnis für jugendliche Spracherscheinungen geweckt werden.

Um dieses zu leisten ist es vonnöten, eine historische Jugendsprache, die Studentensprache zu betrachten, um deutlich zu machen, dass es sich bei der Jugendsprache nicht um ein Phänomen der Gegenwart handelt, sondern dass das Phänomen der Jugendsprache bereits in früheren Epochen aufgetreten ist, ohne dass ein spürbarer „Verfall der Sprache“ eingetreten ist (Kapitel 2).

Im darauffolgenden Kapitel 3 wird der Blick auf die Gegenwart gelenkt, und es soll ein kurzer Einblick in „Sprachstile Jugendlicher heute“ gegeben werden. Insbesondere soll das mediale Interesse an Jugendsprache beleuchtet werden und der Frage nachgegangen werden, in welchem Verhältnis Jugendsprache zur Standardsprache steht.

Auf diese Frage wird in Kapitel 4 näher eingegangen, indem das Prinzip der Substandardisierung und die damit verbundenen Prozesse des Sprachwandels tiefergehend untersucht werden.

Diese Arbeit soll einen groben Überblick über jugendsprachliche Erscheinungen geben und in Ansätzen deutlich machen, dass ein Abweichen von bestehenden Sprachnormen nicht mit einem Sittenverfall gleichzusetzen ist.

Der Referatsteil, den diese Ausarbeitung umfasst ist die Grundlage für die Untersuchung der Skatersprache, unter besonderer Berücksichtigung des Jugendromans „Slam“, deren Untersuchung im zweiten Teil des Referats von einer Kommilitonin durchgeführt wurde.

2. Die historische Studentensprache

Jugendsprache ist kein aktuelles Phänomen der Gegenwartssprache, sondern ein historisches Phänomen, das seine Anfänge mit der historischen Studentensprache bereits im 16. Jahrhundert hat.2

Ein charakteristisches Merkmal der historischen Studenten-, und damit Jugendsprache ist, dass ihr Sprecherkreis nur auf einen kleinen Teil der damaligen Gesellschaft beschränkt ist, nämlich auf männliche Personen mit akademischem Hintergrund.3 Damit stellt die Gruppe der Sprecher auch nur eine geringe Teilmenge der damaligen Jugendlichen dar.

Dass Jugendsprache schon zu der Zeit der historischen Studentensprache als negativ beurteilt wurde, beweist folgendes Zitat von Robert Salmasius, aus seinem „Kompediösen Handlexikon der unter den Herren Purschen [sic!] auf Universitäten gebräuchlichsten Kunstwörter“ von 1749 in dem das „Feldgeschrei“ der „Purschen“ den Sittenverfall einläutet:4O Zeiten! O Sitten! Wo höret man noch ein angenehmes Feldgeschrei der praven Purschen [sic!] auf der Gasse und aus den Fenstern?“5 Die Funktion dieser Ausprägung einer Jugendsprache liegt darin begründet, dass eine „Abgrenzung zu den bürgerlichen Konventionen der Standardsprache“ vorgenommen wurde, die insbesondere durch die Ausbildung einer Sonderlexik vonstatten ging.6

Man grenzte sich jedoch nicht nur von der Standardsprache im Allgemeinen ab, sondern auch begrifflich von anderen Gruppierungen, vor allem von den nicht- studentischen Bürgern, den „Philistern“, den nicht-studentischen Jugendlichen, den „Gnoten“, und den nicht- burschikosen Studenten, den „Muckern, Klössen und Finken.“7

Aus dem überlieferten studentischen Wortschatz lassen sich zentrale Erfahrungsbereiche und soziale Handlungsräume der historischen Studenten ableiten, wie etwa der Bereich des Studiums selbst, in dem Begriffe wie „einschreiben“, „schwänzen“, „oxen“ oder „Hefte führen“ geprägt wurden. Ein weiterer Bereich umfasst das studentische Brauchtum, in dem Wendungen wie „Skandale haben“ und „Lektion hauen“, und Verben wie „anscheißen“ und „pauken“ auftauchen.8Einen weiteren Handlungsraum stellt die materielle und finanzielle Reproduktion dar, mit Begrifflichkeiten wie „pumpen“, „hebräisch lernen“ und „Moneten“. Auch soziale Beziehungen, wie etwa die Graduierung des Studentenstandes, bekamen studentische Bezeichnungen, wie „Fuchs“, „Brandfuchs“, „Jung- und Altbursch“ etc.9

Insbesondere im Bereich der Sexualität und Frauenwelt kristallisierten sich Bezeichnungen heraus, die Frauen insbesondere nach der sozialen Herkunft („Küchenbesen“) und nach der Käuflichkeit („Schnalle“, „Nymphe“, „Zobel“) kategorisierten. Die Standardsprache wurde so um Begriffe erweitert, für die es bislang keine Bezeichnung gab.10

Ein Phänomen, das bei der Herausbildung der Studentensprache auffällig ist, ist die sprachliche Spiegelung und Gegenspiegelung des sozialen Umfeldes der Studenten.11 Es handelt sich also nicht um die Neu-Erfindung einer Sprache mit eigener Grammatik, sondern es wurde sprachliches Material aus dem sozialen Umfeld durch verschiedene Stilbildungsprozesse aufgenommen und umgedeutet, wie es in der heutigen Jugendsprache zu beobachten ist12. Es lassen sich drei Hauptherkunftsgebiete für die sprachlichen „Neu“schöpfungen beobachten:

Eine wichtige Rolle spielt die Antike mit ihren Sprachen Latein und Altgriechisch, die als Sprachen der Gebildeten in der Welt eines Studenten eine vorrangige Rolle spielten. Man sprach in diesem Bereich von einer „derb-komischen Verschmelzung von Deutsch und Latein“, dem sogenannten „makaronischen Latein13. Aus diesem Herkunftsbereich stammt etwa das Verb „promovieren“, das im Sinne von „entwenden“ gebraucht wurde (abgeleitet vom lateinischen Verb „promovere“), oder der Begriff „Illiade“, der für die Besingung einer Bierreise steht. Hier lässt sich besonders deutlich die abgrenzende

Funktion der Studentensprache erkennen, da eingesetzte Stilmittel und Metaphern nur unter der Vorraussetzung der Bildungskenntnisse verständlich waren.14

Ein weiterer Einflussfaktor war die französische Sprache, die insbesondere im Bereich des Duellwesens Einfluss nahm, was durch die kulturelle und politische Vorrangstellung Frankreichs bedingt war.15

Des Weiteren stellte der biblisch-theologische Bereich einen großen Einflussfaktor dar, da dieser mit Anspielungen karikiert wurde. So lautete die studentische Bezeichnung für einen Theologiestudenten „Bibelhusare“ und die Kirchengeschichte wurde als „Ketzerhistorie“ diffamiert.16

Als weiterer Herkunftsbereich der sprachlichen Neuschöpfungen der historischen Studentensprache ist das Rotwelsche zu nennen, das als Sprache der „Gauner“ im Kontrast zu den oben genannten akademischen Herkunftsbereichen steht. Dieser Geheimsprache wurden insbesondere Begriffe aus dem Bereich des Geldes und der Sexualität entlehnt. Es wurden Begriffe wie „Blech“, „pumpen“, „mogeln“ und „stibitzen“ im Bereich des Geldes geprägt, sowie Bezeichnungen wie „Schnalle“ und „Kober“ im Bereich der Sexualität, der durch ständische Moralvorstellungen stark reglementiert war.17

Selbst die Dokumentation dieser studentischen Ausdrucksweisen in Wörterbüchern erregte starken Anstoß, was an dem Beispiel des Magister Kindlebens zu beobachten ist, dessen Schriften „wegen ihres unanständigen und sittenverderbenden, pöbelhaften Inhalts“ konfisziert wurden, und der der Hochschule verwiesen wurde.18

Die zeitgenössischen Reaktionen auf die Studentensprache schlugen sich in einem allgemeinen Klagen über „studentische Zuchtlosigkeit und den Sittenverfall“, durch „Spielen, Fressen, Saufen, Huren und Schlagen“ nieder. Es wurden „mahnende Worte“ seitens der Kirche, von Eltern und Verfassern zeitgenössischer Wörterbücher zur Studentensprache gesprochen.19

[...]


1 Vgl. Nick Hornby (2008): Slam. 1. Aufl. Köln.

2 Eva Neuland (2003a): Jugendsprachen im gesellschaftlich- historischen Wandel. Ein Beitrag zur Geschichte der Jugendsprache. In: Eva Neuland (Hg.): Jugendsprache – Jugendliteratur – Jugendkultur. 2. Aufl.

Frankfurt a.M. S.92.

3 Neuland 2003a, S.92.

4 Eva Neuland (2003b): Entwicklungen und Perspektiven der Jugendsprachforschung. Zur Einführung. In: Eva Neuland (Hg.): Jugendsprachen – Spiegel der Zeit. Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen Universität Wuppertal. Band 2. Ohne Auflage. Frankfurt a.M. S.10.

5 Salmasius (zit. nach Neuland 2003a, S. 91).

6 Neuland 2003a, S.100.

7 Neuland 2003a, S.102.

8 Neuland 2003a, S.101.

9 Neuland 2003a, S.102.

10 Neuland 2003a, S.103.

11 Neuland 2003a, S.104.

12 Eva Neuland (2003c): Subkulturelle Sprachstile Jugendlicher heute. Tendenzen der Substandardisierung in der deutschen Gegenwartssprache. In: Eva Neuland (Hg.): Jugendsprache – Jugendliteratur – Jugendkultur. 2. Aufl. Frankfurt a.M. S. 145.

13 Kluge (zit. nach Neumann 2003a, S. 105).

14 Neuland 2003a, S.105.

15 Neuland 2003a, S.104.

16 Neuland 2003a, S.105.

17 Neuland 2003a, S.107.

18 Burdach (zit. nach Neuland 2003a, S.107).

19 Bauer (zit. nach Neuland 2003a, S.108).

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