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Kinder und Jugendliche mit einer hyperkinetischen Störung

Erscheinungsbild – Ursache – Intervention

Zwischenprüfungsarbeit 2003 20 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Gliederung

0. Vorwort

1. Einleitung
1.1. Wie zeigt sich die hyperkinetische Störung ?
1.2 Wie häufig tritt die hyperkinetische Störung auf ?
1.3 Welche Folgen kann die hyperkinetische Störung bei Kindern und Jugendlichen haben?
1.4. Wie verläuft die Entwicklung von Kindern mit einer hyperkinetischen Störung ?

2. Wie kann man die hyperkinetische Störung erklären ?

3. Wie kann die hyperkinetische Störung behandelt werden ?

4. Wie kann die Schule Kinder und Jugendlichen mit einer hyperkinetischen Störung helfen ?

Bibliographie

0. Vorwort

In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Phänomen der hyperkinetischen Störung bei Kindern und Jugendlichen befassen. Diese Thematik scheint besonders im Zusammenhang mit der Schule immer wichtiger zu werden, zumal die Zahl der Kinder, die eine hyperkinetische Störung entwickeln, zu ansteigt.

Das Erscheinungsbild der hyperkinetischen Störung bei Kindern und Jugendlichen wird unter dem Punkt 1. ausführlich thematisiert.

Zunächst werde ich in der Einleitung den Begriff der „hyperkinetischen Störung“ definieren. Danach werde ich die Frage „Wie zeigt sich die hyperkinetische Störung ?“ beantworten (1.1), um danach die Frage der Epidemiologie dieser Störung zu klären (1.2) und hierbei auf die besondere Geschlechtsspezifik einzugehen. Unter dem Punkt 1.3 werde ich die möglichen Folgen dieser Störung betrachten und dann auf den Verlauf der Störung unter dem Punkt 1.4 eingehen. Anschließend werde ich unter dem Punkt 2. „Erklärungsansätze der hyperkinetischen Störung“ darstellen (Ursache) und im Folgenden Behandlungsmöglichkeiten der hyperkinetischen Störung schildern (Punkt 3. (Intervention)). Zuletzt werde ich Ausführungen zur schulischen Intervention für

Kindern und Jugendlichen mit einer hyperkinetischen Störung machen (4.).

1. Einleitung

Sie fallen auf und stechen aus der Masse: die „etwa 1-3 % aller Kinder einer Altersstufen im Grundschulalter“.1 Sie machen es ihren Eltern, Erziehern, Lehrern und Altersgenossen nicht leicht, denn sie verhalten sich zappelig und handeln zügellos wild. Ihr Handeln erscheint impulsiv, die lassen sich nicht von Regeln und Grenzen beeindrucken und zeigen häufig aggressive Verhaltensweisen. Sie alle sind Kinder mit einer „hyperkinetischen Störung“. Die hyperkinetische Störung ist eine Störungen, die zumeist noch „vor dem sechsten Lebensjahr einsetzt“; sie bewirken ein sehr auffälliges kindliches Verhalten, welches durch „überaktives Verhalten“ gekennzeichnet ist und durch das Auftreten von „Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität“.2

Das Kind verhält sich sehr unkonzentriert, nervös und hektisch, so als ob es ständig „unter Strom stehen“ würde. Es scheint sich nicht genügend auf seine Handlungen konzentrieren zu können und lässt sich bei der Ausführung dieser leicht von anderen Reizen ablenken.3

Die „Impulsivität“ im Verhalten des Kindes bzw. des Jugendlichen besteht in einem „voreiligen Handeln“; alles scheint sofort und jetzt und hier geschehen zu müssen. Die Handlung wird also ausgeführt, bevor nachgedacht wurde.3

Die „Impulsivität“ des betroffenen Kindes erstreckt sich auch auf sein Gefühlsleben, welches von „raschen Stimmungswechseln“ gekennzeichnet ist; abrupt kann es „wütend oder jähzornig“ werden, besonders bei Misserfolgs -oder Frustrationserfahrungen.3

Die „Hyperaktivität“ zeigt sich in einer Vielzahl an Handlungen, die das Kind gleichzeitig vollziehen möchte, ohne eine dieser Handlung tatsächlich zu vollenden.3 Stets wird die Handlung unterbrochen oder ganz abgebrochen, unter ständigem Zappeln, Lärmen und Herumspringen. Zumeist beeinflusst die „hyperkinetische Störung“ auch die Interaktion mit Gleichaltrigen. Ihnen gegenüber verhalten sie sich oft dissozial, belügen, beleidigen oder hauen sie oder versuchen, sie zu dominieren.3

Diese Verhaltensweisen können als Störung des Sozialverhaltens interpretiert werden, deren Folgen ganz besonders signifikant werden, wenn das Kind eingeschult wird. Für das Phänomen der hyperkinetischen Störungen, welches ausschließlich von Spezialisten, also von Kinder- und Jugendpsychiatern, Kinder- und Jugendpsychologen, Kinderärzten und Nervenärzten diagnostiziert werden kann, gibt es viele Namen.4 Die Diagnosen „ADS“ bzw. „ADD“ und „ADHS“ oder „ADD-H“ sind hierbei die geläufigsten. Sie stehen für die entsprechenden Störungen „Aufmerksamkeitsdefizit-Störung“ (ADS) und dessen amerikanische Bezeichnung „Attention Deficit Disorder“ (ADD) und für die „Aufmerksamkeitsdefizit - Hyperaktivitäts - Störung“ (ADHS) bzw. für den äquivalenten Begriff „Attention Deficit Disorder With Hyperactivity“ (ADD-H).5

Sie stellen „psychiatrische Erkrankungen“ dar, welche im Klassifikationssystem DSM IV (Diagnostic and Statistic Manual of Psychiatric Disorders) erfasst wurden.

Diese Diagnosen stellen zwei unterschiedliche Formen der hyperkinetischen Störung dar, deren Kernsymptome, Epidemiologie, Konsequenzen und Verläufe ich im Folgenden beschreiben möchte.

1.1. Wie zeigt sich die hyperkinetische Störung ?

Das Unterscheidungskriterium der beiden Formen der hyperkinetischen Störung „ADS“ und „ADHS“ liegt im Symptom der Hyperaktivität, welche bei der „Aufmerksamkeitsdefit – Hyperaktivitäts – Störung“ vorliegt, während es bei der „Aufmerksamkeitsdefizit – Störung“ nicht vorhanden ist.5 Wie Hans Biegert in dem Buch „ADS: verstehen – akzeptieren – helfen“ berichtet, liegt „bei einem Drittel der Betroffenen“ die Hyperaktivität, diese „Zappeligkeit, Rastlosigkeit, motorische Exzessivität und Unruhe“, kaum oder gar nicht vor.6

Die Kernsymptome dieser Störungen sind jedoch gleich. Kinder und Jugendliche mit einer hyperkinetischen Störung haben in sehr vielen Bereichen des täglichen Lebens Schwierigkeiten. Die Störung zeigt sich in einem „situationsübergreifenden Mangel an alters- und intelligenzgemäßer Daueraufmerksamkeit“.7 Ihre Aufmerksamkeitspanne ist wesentlich kürzer als die ihrer Altersgenossen und ihr Konzentrationsmangel führt zu einer „vermehrten Ablenkbarkeit und einem vorschnellen, unüberlegten Handeln; sie zeigen eine motorische Unruhe („Zappeln“) und wechseln häufig ihre Tätigkeiten, die sie alle nicht zu Ende führen.7

Die Kernsymptome der hyperkinetischen Störung bestehen also in einer Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und der Hyperaktivität bei „ADHS“.7 Die Aufmerksamkeitsstörung zeigt sich darin, dass die Betroffenen große Schwierigkeiten damit haben, ihre Konzentration („Daueraufmersamkeit“) ausreichend lang auf „wichtige Sachverhalte“ zu richten.7

Sie sind leicht ablenkbar und lassen sich durch nebensächliche Dinge, z.B. „entdeckte Gegenstände und Geräusche aus Nebenzimmern“, schnell zum Abbruch der benötigten Konzentration verleiten.7

Die Impulsivität in ihrem Verhalten zeigt sich sowohl auf der Aktionsebene, als auf der emotionalen und der kognitiven Ebene.7

Ihre Handlungen werden schnell wieder abgebrochen und neue Tätigkeiten werden aufgenommen, die später wiederum (ohne Resultat) abgebrochen werden. Das Kind agiert häufig sehr abrupt und voreilig, handelt, ohne davor nachzudenken; und wartet nicht ab, bis es „an der Reihe“ ist, sondern drängt auf sofortige Befriedigung seiner Bedürfnisse.7 Hierin spiegelt sich die kognitive Impulsivität des Kindes.

Im emotionalen Bereich scheint das Kind ein „Wechselbad der Gefühle“ zu durchleben; seine Stimmung wechselt rasch und „plötzliche Wutanfälle“ sind keine Seltenheit, zumal die hyperkinetischen Störung zu einer sehr niedrigen „Frustrationstoleranz“ führt.7 Gehäuft zeigen Kinder und Jugendliche mit einer hyperkinetischen Störung oppositionale Verhaltensweisen gegen Regeln und Anweisungen.7 In der Interaktion mit Spielgefährten und Schulkameraden zeigen sie oft aggressive Verhaltensweisen, die diese zur Ablehnung der „Störenfriede“ bewegt; daher werden die Betroffenen leicht zu Außenseitern.7

Die soziale Isolation verschlimmert ihre Situation und folglich ihre „Krankheitssymptome“ und mündet leicht in einer noch höheren Aggressivität.7

1.2 Wie häufig tritt die hyperkinetische Störung auf ?

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, tritt die hyperkinetische Störung bei „1-3 % aller Kinder im Grundschulalter“ auf.

Somit gilt die hyperkinetische Störung als eine „häufig diagnostizierte Erkrankung der Kinder –und Jugendpsychiatrie“.8 Sie wird am häufigsten mit Beginn der Schulzeit festgestellt, also „um das siebte bis achte Lebensjahr“.8

Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Störung nicht schon vor Schuleintritt vorlag. Stattdessen scheinen sich durch die veränderte Situation seit der Einschulung die Symptome zu verstärken, da die Kinder in der Schule einem starken „sozialen Anpassungsdruck“ ausgesetzt sind; alles ist neu und ungewohnt, was ihnen eine hohe „Umstellungsfähigkeit“ abverlangt.8 Kinder mit einer hyperkinetischen Störung sind dadurch überfordert und so verstärken sich die Symptome ihrer Krankheit. Die Probleme in der Schule bzw. der Rat des Lehrers führt dann oft zum Gang zum Facharzt bzw. zum Psychologen, der dann die Diagnose „ADS“ bzw. „ADHS“ stellt.Bei der Epidemiologie der hyperkinetischen Störung fällt auf, dass Jungen „sechsmal häufiger als Mädchen betroffen“ sind.8

[...]


1 Schäfer (1998), S. 10.

2 Schäfer (1998), S. 9.

3 Schäfer (1998), S. 22.

4 Schäfer (1998), S. 16-17.

5 Fitzner / Stark (2002), S. 8.

5 Fitzner / Stark (2000), S. 8.

6 In: Fitzner / Stark (Hrsg.) (2000), S. 27.

7 Schäfer (1998), S.19-22.

7 Schäfer (1998), S. 19-22.

7 8Schäfer (1998), S. 27-28.

8 Schäfer (1998), S. 27-28.

8 In: Fitzner / Stark (Hrsg.) (2000), S. 27.

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640349449
ISBN (Buch)
9783668104280
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128680
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Psychologie
Note
2,0
Schlagworte
Kinder Jugendliche Störung Erscheinungsbild Ursache Intervention

Autor

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Titel: Kinder und Jugendliche mit einer hyperkinetischen Störung