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Die Christliche Rechte in der amerikanischen Politik

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

gliederung

1. Einleitung

2. Religion in den Vereinigten Staaten

3. Christlicher Fundamentalismus in den USA
3.1. Entstehung christlich rechter Organisationen
3.2. Neuorientierung der Christlichen Rechten in den 90er Jahren

4. Die Christliche Rechte in der politischen Landschaft
4.1. Die Christian Coalition an den grass roots
4.2. Mobilisierung der christlichen Wählerschaft
4.3. Die Christian Coalition in der Republikanischen Partei

5. Die Religiöse Rechte unter der Bush-Administration
5.1. Die Christliche Rechte im Präsidentschaftswahlkampf
5.2. Umsetzung religiös-konservativer Ziele durch die Bush-Administration

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Land der Gegensätze:

„Amerika, das modernste Land auf Erden, hat sich auf einen Sonderweg begeben. Auf erstaunliche Weise kombiniert es Modernität mit Tradition. Es träumt von einem weltraumgestützten Raketenschild und ist fromm bis zur Bigotterie. Es entwickelt die besten Computer der Welt und legt die Bibel wörtlich aus. Es bringt pausenlos Nobelpreisträger hervor und sieht in Darwins Evolutionslehre ein Sakrileg.“[1]

Die Gesellschaft der Vereinigten Staaten ist traditionell mit Religion durchzogen. In God we trust steht geschrieben auf den Geldscheinen des US-Dollars und in der Verfassung. Prominente und vor allem Politiker würzen ihre Reden damit. Der Präsident der Vereinigten Staaten schwört bei Amtsantritt auf die Bibel, genauso wie die Zeugen im amerikanischen Gerichtssaal.

Obwohl auch in den USA eine Trennung zwischen Staat und Kirche besteht, so ist eine moralische Prägung der Politik, vor allem bei der Republikanischen Partei, festzustellen. Die Politik repräsentiert die Stimmen der Bürger und die Bürger wählen ihre Repräsentanten nach ihren Interessen, Forderungen und Wünschen. Viele organisieren sich in Interessengruppen und bemühen sich um politischen Einfluss, um einer besonderen Forderung Gewicht zu verleihen.

Die Religiöse Rechte hat als soziale Bewegung ihre Wurzeln im amerikanisch protestantischen Fundamentalismus. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gesellschaftlichen Perspektiven und Interessen ihrer protestantisch-konservativen Trägerschaft auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen. Sie hat einen enormen Stamm von Anhängern hinter sich geschart, die bereit sind viel Geld, Wählerstimmen und Arbeitskraft für diese Aufgabe zu investieren. So ein Wählerpotential weckt natürlich das Interesse der politischen Parteien. Im Fall der christlich rechten Interessengruppen hat sich eine enge Verbindung mit der Republikanischen Partei herausgebildet.

In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie es der Christlichen Rechten gelingt, ein solches Potential aufzubauen, um in einem engen Verhältnis mit der Republikanischen Partei, ihre Ziele in der amerikanischen Innen- und Außenpolitik umzusetzen. Dafür werden die wesentlichen Entwicklungsschritte dieser Bewegung nachvollzogen und aufgezeigt, wie sich ihre Forderungen in der Politik der aktuellen Regierung unter George W. Bush niederschlagen.

2. Religion in den Vereinigten Staaten

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Einwanderungsland und damit durch eine Vielzahl religiöser Gruppierungen gekennzeichnet. Jedoch ist das Christentum in den USA vorherrschend. Über 80% der Amerikaner bekennen sich zu dieser Religion. Neben den Anhängern der römisch-katholischen Konfession bilden die Protestanten mit einem Anteil von knapp 60% an der amerikanischen Bevölkerung die größte Gruppe.[2] Mit heute ca. 6 Millionen Anhängern stellen die Juden eine weitere große Religion in den Vereinigten Staaten dar.[3]

Wenn man jedoch das politische Verhalten religiöser Gruppen betrachten möchte, ist eine weitere Klassifizierung nötig. Grundsätzlich ordnet man die Katholiken und die Juden eher dem liberalen Politikfeld zu, während die Protestanten politisch eher eine konservative Haltung einnehmen. Ganz so klar ist die Trennung allerdings nicht vorzunehmen, da beispielsweise ein Teil der römisch-katholischen Gläubigen durchaus politisch konservativ eingestellt ist. Innerhalb der Protestanten gibt es drei Untergruppen, die Black Protestants, die Mainline Protestants und die Evangelical Protestants. Hier sind es vor allem die Mainline Protestants aber auch ein Großteil der schwarzen Protestanten, die liberale Ansichten vertreten.

Das Hauptaugenmerk richtet sich aber auf die evangelikalen Protestanten. Denn diese beziehen mit zum Teil extrem konservativen Ansichten immer öfter politische Stellung und entpuppen sich als äußerst loyale Anhänger der Republikanischen Partei. Mit einem Anteil von 24% der als Wähler registrierten Amerikaner und mit ihrer überdurchschnittlich hohen Wahlbeteiligung sind die evangelikalen Protestanten zu einem entscheidenden Bestandteil der republikanischen Wählerschaft geworden.[4]

3. christlicher Fundamentalismus in den USA

Hört man das Wort Fundamentalismus, denkt man im allgemeinen an muslimische Extremisten. Doch auch im Christentum hat es seit jeher Fundamentalisten gegeben.

„Fundamentalismus bedeutet hier eine ausgeprägte Orthodoxie, die sich auf die Unfehlbarkeit des biblischen Wortes und eine selektive Adaption religiöser Traditionen gründet und in einer diesseitigen Haltung dezidiert gegen bestimmte Ausprägungen der Moderne wie Liberalismus und Säkularismus Stellung bezieht.“[5]

Politisierung religiöser Ansichten ist nicht neu. So haben bereits Anfang des 20. Jahrhunderts protestantische Fundamentalisten versucht, ihren Ansichten Gehör in der Politik zu verschaffen. Dies ist ihnen damals auch durchaus gelungen, als sie ein Verbot der Evolutionslehre an Schulen erwirken konnten. Mitte der Zwanziger Jahre zogen sie sich jedoch von der Politik zurück.[6]

3.1. Entstehung christlich rechter Organisationen

In den 70er Jahren kehrten die konservativen Protestanten wieder zurück auf die politische Bühne. Auslöser hierfür waren vor allem das 1963 erlassene Verbot des Betens an Schulen und das Gerichtsurteil des Supreme Courts 1973, das entschied, dass Frauen innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate ein Abbruch nicht mehr verweigert werden durfte. So wurden im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 1980 diverse christlich rechte Organisationen gegründet, die sich die Ablösung der Regierung Carters zum Ziel machten. Darunter befanden sich zwei der bekanntesten, Moral Majority und Christian Voice. Sie versuchten mit intensiver Lobbyarbeit in Washington D.C. ihre religiösen Forderungen politisch durchzusetzen.

Doch die von ihnen unterstützte Reagan-Regierung löste ihre Wahlversprechungen nicht ein. Die Enttäuschung der Mitglieder und Sympathisanten wuchs und zog einen Rückgang der Spendengelder nach sich. Als dann auch noch in 1986 beide Häuser in demokratische Hand fielen, machte sich Resignation breit und die meisten der großen Organisationen lösten sich auf, darunter auch Moral Majority.[7]

Das war allerdings nicht das Ende der Christlichen Rechten. Neue Gruppen bildeten sich, darunter Christian Coalition und Family Research Council als zwei der prominentesten. Sie sollten mit einer neuen Taktik der Anpassung erheblichen Einfluss auf die Politik erhalten, insbesondere auf die der republikanischen Partei.

3.2. Neuorientierung der Christlichen Rechten in den 90er Jahren

Die neuen Organisationen der Christlichen Rechten versuchten aus den Fehlern, die in den 80er Jahren gemacht wurden, zu lernen. Die Fehleranalyse ergab, dass keine, auf nationale Themen bezogene, langfristige Strategie verfolgt wurde. Einzelne Gruppen waren oft zu eng auf gewisse Themen fixiert. Bei Erreichen dieser Ziele hätte es hier keinen Anschluss gegeben. Oder aber es wurde versucht zu viele Themen abzudecken, so dass keine klare Strategie erkennbar war.

Des weiteren wurde deutlich, dass eine Anpassung an politische Spielregeln nötig war, wollte man langfristig erfolgreich seine Ziele durchsetzen. Hierzu gehörte auch, dass gegenüber der Öffentlichkeit von einer Argumentation abgerückt wurde, die sich wie bisher auf die Bibel und moralische Grundsätze stützte. Stattdessen sollte versucht werden, politische Forderungen auf der Grundlage von rechtsstaatlichen Prinzipien zu begründen.[8]

Der Neubeginn der politischen Aktivität der Christlichen Rechten fand auf lokaler politischer Ebene statt. Dabei engagierten sich evangelikale Aktivisten in lokalen und einzelstaatlichen Parteiorganisationen, um ein gutes Verhältnis zu den Abgeordneten herzustellen. Bei der Unterstützung von Kandidaten sollte nicht mehr dessen Konfessionszugehörigkeit entscheiden, sondern die Übereinstimmung in den Sachfragen, die vor allem bei Kandidaten der Republikanischen Partei zu finden war.

So kam es dazu, dass die christlich rechte Bewegung zunehmend Ortsverbände der Republikaner unterwanderte und Ende der 90er Jahre in 30 einzelstaatlichen Organisationen der Partei dominant vertreten war.[9]

Der politische Fehlschlag der Religiösen Rechten in den 80er Jahren machte diese Professionalisierung und die Verfolgung einer grass roots -Strategie, also ein Engagement auf der lokalen Ebene, erst möglich. Wie erfolgreich diese Transformation und Neuausrichtung sich auswirkte, zeigt sich bei der Betrachtung der Christlichen Rechten als Wahlbewegung.

4. Die Christliche in der politischen Landschaft

In ihrer Funktion als Wahlbewegung hat die Christliche Rechte klar abgesteckte Ziele.

„As an electoral movement, the New Christian Right has three major goals – to get evangelical Protestants to participate in politics, to bring them into the Republican coalition, and to elect social conservatives to public office.“[10]

Mit welchen Mitteln deren Umsetzung erfolgt und wo die Potentiale der Religiösen Rechten in diesem Bereich mobilisiert werden können, lässt sich stellvertretend an der von Pat Robertson in 1989 gegründeten Christian Coalition aufzeigen. Denn diese Organisation spielt innerhalb der Christlichen Rechten und besonders in bezug auf die Verbindung zur Republikanischen Partei eine Schlüsselrolle.

4.1. Die Christian Coalition an den grass roots

Im Zuge seiner Bemühungen um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei 1987 stellte der bereits höchst erfolgreiche Fernsehprediger, Pat Robertson, ein gewaltiges Mobilisierungspotential in Verbindung mit traditionellen Werten fest. In der von ihm ins Leben gerufenen r eligious right activist group, der Christian Coalition, übernahm aber von Anfang an Ralph Reed die Rolle des Geschäftsführers. Dieser war zu jenem Zeitpunkt noch weitgehend unbekannt.

„Dies änderte sich aber schnell, als Reed damit begann, Christian Coalition unter erheblicher medialer Aufmerksamkeit zu einer schlagkräftigen, professionellen politischen Organisation aufzubauen und sie als Stimme des amerikanischen „Mainstream“ zu profilieren.“[11]

Im Gegensatz zu Pat Robertson, der in der Öffentlichkeit provokante Töne anschlägt, geht Reed mit gemäßigter Wortwahl und Eingehen von Kompromissen (z.B. in der Abtreibungsdebatte) eher taktisch vor. Diese kompromissbereite Haltung brachte ihm teilweise herbe Kritik von Seiten der Christlichen Rechten ein. Doch der Erfolg der Christian Coalition gibt ihm recht. Unter seiner Leitung entwickelte sich Christian Coalition zu einer der prominentesten Organisationen der Christlichen Rechten. Nach eigenen Angaben verfügen sie über eine Anhängerschaft von über zwei Millionen Gläubigen.[12] Die Gruppe unterhält auf alle Staaten verteilt 2000 Filialen und verfügte über ein in 1998 geschätztes Spendenaufkommen in zweistelliger Millionenhöhe.[13]

Als offizielle Ziele gibt Christian Coalition an:

1. Vertretung christlicher Interessen in lokalen Verwaltungsräten, in einzelstaatlichen Parlamenten und im US-Kongress.
2. Christen in die Lage versetzen, sich gesellschaftlich und politisch effektiv zu engagieren.
3. Information der Christen über ablaufende Gesetzesvorhaben und andere Themen.
4. Einstehen für traditionelle Werte in den Medien und in der öffentlichen Arena.
5. Vorgehen gegen die Diskriminierung von Gläubigen.[14]

Zur Verfolgung ihrer Ziele verwendet die Christian Coalition teilweise recht außergewöhnliche Mittel. So wurden beispielsweise 1993 in ihrem Congressional Scorecard Program ca. 40 Millionen Family Voter Guides verteilt. Damit informierten sie Wähler über die politischen Standpunkte und das Abstimmungsverhalten einzelner Abgeordneter.

Als weiteres Instrument ihrer Öffentlichkeitsarbeit gibt Christian Coalition die Mitgliederzeitung „The Christian America“ und die Zeitschrift „Religious Right Watch“ heraus. Diese Publikationen informieren über wichtige gesellschaftliche Themen und prangern anti-christliche Haltungen an.

Für ihre Mitglieder bietet Christian Coalition Seminare an, die sich mit effektiver Bürgerbeteiligung in der Politik befassen. Mit Leadership Training Schools werden Nachwuchs-Eliten für die Führungsebene ausgebildet. Ihnen soll das Rüstzeug vermittelt werden, welches sie in die Lage versetzt, sich erfolgreich für öffentliche Ämter zu bewerben.

[...]


[1] Brinkbäumer, K./ von Ilsemann, S./ Mascolo, G./ Spörl, G. (Hg.), Die rechte Revolution, in: Der Spiegel, 46/2004, S. 130

[2] Vgl. Braml, Josef (Hg.), 2004: Die religiöse Rechte in den USA. Basis der Bush-Administration?, in: SWP-Studie, Berlin, S.7.

[3] Wasser, Hartmut (Hg.), 2000: USA. Grundwissen Länderkunde. Wirtschaft – Gesellschaft – Politik, 4. Aufl., Opladen, S.54.

[4] Vgl. ebd. Braml, Josef, S. 7

[5] Minkenberg, Michael, 2003: Die Christliche Rechte und die amerikanische Politik von der ersten bis zur zweiten Bush-Administration, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B46/2003, S. 24

[6] Vgl. Mertin, Katja (Hg.), 2004: Zwischen Anpassung und Konfrontation. Die Religiöse Rechte in der amerikanischen Politik, 1.Aufl., Wiesbaden, S.71-73.

[7] Vgl. ebd. Mertin, Katja, S.74-80.

[8] Vgl. ebd. Mertin, Katja, S.277.

[9] Vgl. ebd. Minkenberg, Michael, S. 24

[10] Wald, Kenneth (Hg.), 1997: Religion and Politics in the United States, 3. Aufl., Washington DC, S. 252

[11] Ebd. Mertin, Katja, S.145.

[12] Vgl. die website der Organisation auf (http://www.cc.org) vom 22.02.2005.

[13] Vgl. ebd Mertin Katja, S.146

[14] Vgl. Sterr, Martin (Hg.), 1999: Lobbyisten Gottes – Die Christian Right in den USA von 1980 bis 1996. Zwischen Aktion. Reaktion und Wandel, Berlin, S. 287 und auf der website der Christian Coalition (http://www.cc.org) vom 22.02.2005 wobei hier mittlerweile „christlich“ durch „pro-family“ ersetzt wurde.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640355709
ISBN (Buch)
9783640356065
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128485
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,0
Schlagworte
Christliche Rechte Politik

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