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Der Relativsatz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 19 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführendes

2. Allgemeines zum Relativsatz
2.1. Relativadverbien
2.2. Relativpronomen

3. Freie Relativsätze

4. Nicht notwendige und notwendige Relativsätze
4.1. nicht notwendig
4.2. notwendig

5. Restriktive Relativsätze und nicht - restriktive Relativsätze
5.1. restriktiv
5.2. nicht-restriktiv

6. Die Relativsätze im Einzelnen
6.1. uncharakterisiert
6.2. modal
6.3 lokal
6.4. kausal, instrumental und temporal

7. Relativsätze und die Probleme bei ihrer Bildung
7.1. Stellung des Relativsatzes im Satzgefüge
7.2. Der Anschluss mit das oder was
7.3. Anschluss von Relativsätzen mit einleitenden Relativadverbien
7.4. Kongruenz beim relativischen Anschluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einführendes

Das Deutsche verfügt über eine Vielzahl von Nebensätzen. Einen wichtigen Nebensatztypus stellt der Relativsatz dar, der in der folgenden Arbeit näher untersucht werden soll. Zunächst folgt eine knappe Darstellung der Relativadverbien und Relativpronomina, mit deren Hilfe Relativsätze eingeleitet werden. Nach einer kleinen Abhandlung der freien Relativsätze erfolgt die an den DUDEN angelehnte Unterscheidung zwischen nicht notwendigen und notwendigen Relativsätzen. An die Differenzierung von restriktiven und appositiven Relativsätzen schließt sich die Darstellung der Relativsätze im Einzelnen an. Abschließend werden Probleme bei der Bildung von Relativsätzen untersucht.

2. Allgemeines zum Relativsatz

Nach DUDEN ist der Relativsatz ein Nebensatz, der durch ein Relativpronomen oder durch ein Relativadverb eingeleitet ist.[1]

Charakteristisch für die Relativbeziehung ist eine gemeinsame Stelle zwischen Hauptsatz und Nebensatz, die die beiden Teilsätze miteinander verbindet.[2]

2.1. Relativadverbien

Diese gemeinsame Stelle kann zum einen mit einem Relativadverb besetzt werden. Als Relativadverbien bezeichnet man z.B. wo oder wie. Weiterhin gibt es die Relativadverbien wohin, woher, wodurch, wonach oder wovon, die den Relativsatz in die Nähe von konjunktional angeschlossenen Relativsätzen bringen.[3] Bei Relativsätzen, die durch derartige Relativadverbien eingeleitet werden, ist es möglich, sie ohne Sinnveränderung in pronominal eingeleitete Relativsätze zu überführen.[4]

2.2. Relativpronomen

Die zweite Möglichkeit, die gemeinsame Stelle zwischen Haupt- und Nebensatz zu besetzen, ist mit Hilfe eines Relativpronomens.

Hier gilt es zunächst einmal zu klären, über welche Formen des Relativpronomens das Deutsche eigentlich verfügt.

Das am häufigsten verwendete Relativpronomen ist der.[5] Ebenso können Relativsätze mit die und das eingeleitet werden. Die Relativpronomen der, die, das werden als Stellvertreter eines Nomens (+Artikel) verwendet.[6]

Der japanische Pianist, der heute sein Konzert gibt, ist weltberühmt.

Die Sängerin, die auch Geige spielen kann, kommt aus Italien.

Das Konzert, das ausverkauft war, findet nicht statt.

Der relative Anschluss kann ebenso mit welcher, welche, welches realisiert werden. Dies ist jedoch eine Möglichkeit, die als „schwerfällig und stilistisch unschön“[7] gilt.[8]

Das ist der Musiker, welcher zu spät kam.

Die, welche Karten für das Konzert gekauft hatten, wurden entschädigt.

Er holte das Konzert nach, welches aufgrund seiner Erkrankung ausfallen musste.

Weitere Relativpronomina sind wer und was, jedoch kann nicht jeder Relativsatz mit diesen Relativpronomina eingeleitet werden. Wer oder was kann dann stehen, wenn das Bezugsnomen eine Form des Demonstrativums der ist, und der Relativsatz dem Bezugsnomen vorausgeht.[9]

Wer zuerst kommt, der gewinnt. (Nom)

Wessen du dich bedienst, dem geht es schlecht. (Gen)

Was gut ist, das muss nicht teuer sein. (Nom)

Das Relativpronomen leistet im Satz zweierlei Dinge: zum einen erfolgt durch das Relativpronomen eine Verbindung des Relativsatzes mit dem übergeordneten Satz, vor allem mit der Bezugskonstituente; zum anderen ist das Relativpronomen Vertretung für diese Konstituente und übernimmt im Relativsatz eine Satzgliedrolle. Genus und Numerus des Relativpronomens mit seinem Bezugsnomen sind übereinstimmend, es besteht Kongruenz.[10]

Es gibt nur wenige Sprachen, die eigene Relativpronomina haben.

Oft wird der Relativsatz dem Referenten einfach vor- oder auch nachgestellt. Das Relativpronomen der indogermanischen Sprachen geht historisch auf das Demonstrativum[11] zurück, so auch im Deutschen. Die Relativpronomen sind identisch mit dem Artikel.

Die Einleitewörter besetzen im Normalfall die erste Stelle im Satz, nur eine Präposition vermag es, sie von dort zu verdrängen. Folgendes Beispiel verdeutlicht dies:

Der Konzertsaal, der ausverkauft war, wurde geschmückt.

Der Konzertsaal, in dem es viele Plätze gab, wurde geschmückt.

Die Verbindung Präposition + Relativpronomen stellt den einzigen Fall dar, in dem das Relativpronomen nicht selbst den Relativsatz einleitet.[12]

Die oben angesprochene gemeinsame Stelle zwischen Haupt- und Nebensatz erfährt durch folgende Beispiele eine Verdeutlichung.

Ich spielte lediglich [ das ] , was er auch schon gespielt hatte.

Das Konzert begann gerade [ da ] , als wir es schon nicht mehr erwartet hatten.

Wo sonst Musiker saßen, [dort] ist es jetzt leer.

In seiner Grundfunktion ist der Relativsatz Attribut. Attributsätze sind Nebensätze, die sich als Attribute auf einen anderen Satzteil beziehen. Relativsätze sind sozusagen der Prototyp des Attributsatzes.[13]

Diese Attributfunktion wird auch nicht durch die Tatsache in Frage gestellt, dass sich der Relativsatz an verschiedenen Stellen mit Nebensätzen anderer Art berührt.

Der Grund hierfür ist, dass das phorische Element des relativen Anschlusses nicht auf das Nominale beschränkt ist, sondern auf andere Sätze bezogen sein kann. Der Relativsatz gerät zum Teil in die Nähe von Ergänzungs- oder Adverbialsätzen, was wiederum deutlich macht, dass es funktionale Überschneidungen zwischen Satzgliedern und Attributen gibt.[14]

3. Freie Relativsätze

Im Satz kann der Relativsatz als Nebensatz sowohl die Position eines Satzglieds, als auch die Position eines Gliedteils einnehmen. Der Relativsatz ordnet inhaltlich dem Satzglied im übergeordneten Satz eine nähere Bestimmung zu.

Wenn der Relativsatz die Position eines Gliedteils einnimmt, ist er Attribut zu seiner nominalen Bezugskonstituente. Ist der Relativsatz jedoch Satzglied, fehlt die Bezugskonstituente im Hauptsatz, es entsteht ein freier Relativsatz.

Im Deutschen gibt es eine ganze Reihe von Formen des relativen Anschlusses ohne Bezugsnominal.[15]

Ein Problem ergibt sich bei Relativsätzen die wer / was enthalten. Die Abgrenzung zu indirekten Fragesätzen gestaltet sich schwierig.

Wer zuerst kommt, der gewinnt.[16]

In diesem Beispiel könnte die Bezugskonstituente der weggelassen werden, ein ungrammatischer Satz würde dennoch nicht entstehen. Relativpronomen und Bezugsnominal stimmen im Kasus überein, sie haben also dieselbe syntaktische Funktion im jeweiligen Satz und sind kasusidentisch.

Wer zuerst kommt, gewinnt.[17]

Das Subjekt des Relativsatzes ist wer, Subjekt des Hauptsatzes ist der. Ist diese Voraussetzung gegeben, kann das Bezugsnominal fehlen.

Betrachten wir weiter folgenden Satz:

Wessen du dich bedienst, dem geht es schlecht.[18]

Hier gestaltet sich die gleiche Operation schwierig, denn das Relativpronomen (wessen) und das Bezugsnominal (dem) stimmen nicht im Kasus überein. Der Satz würde dann lauten:

*Wessen du dich bedienst, geht es schlecht.[19]

Kasusidentität ist eine hinreichende Bedingung für die Möglichkeit freier Relativsätze. Dass sie jedoch nicht notwendig ist, zeigt folgendes Beispiel:

Was uns lieb ist, das schützen wir auch.

Was uns lieb ist, schützen wir auch.

Das Relativpronomen was steht im Nominativ, die Bezugskonstituente im Akkusativ. Das Bezugsnominal kann dennoch weggelassen werden, da Nominativ und Akkusativ von was formgleich sind.[20]

4. Nicht notwendige und notwendige Relativsätze

Die Unterscheidung dieser beiden Relativsatztypen erfolgt in Anlehnung an den DUDEN.

Es handelt sich hierbei um ein syntaktisches Kriterium, das nur auf Relativsätze, die kein Beziehungswort haben, angewandt werden kann.[21] Für die Konstruktion des Satzgefüges können Relativsätze sowohl nicht notwendig als auch notwendig sein.

4.1. nicht notwendige Relativsätze

Sie verhält sich taktlos, wie es niemand von ihr erwarten würde.

In der Regel bezeichnet man einen Relativsatz als nicht notwendig, wenn eine Umformung des Relativsatzes in eine Satzverbindung möglich ist. Daraus kann man ein Kriterium für die Unterscheidung zwischen nicht notwendigem und notwendigem Anschluss ableiten, da nur nicht notwendige Relativsätze in ein Satzgefüge umgeformt werden können.[22]

Sie verhält sich taktlos; niemand würde das von ihr erwarten.

*Sie verhält sich; niemand würde das von ihr erwarten.[23]

Nicht notwendige Relativsätze bezeichnet man ebenso als weiterführende Relativsätze.

Sie wollte ein Konzert besuchen, das nicht weit von ihr entfernt stattfand.

In Satzgefügen mit weiterführenden Relativsätzen sind Sachverhalte aufeinander bezogen, die inhaltlich meist eher unabhängig voneinander sind.[24]

4.2. notwendige Relativsätze

Ein notwendiger Anschluss liegt zum Beispiel in folgendem Satz vor:

Sie verhält sich, wie es niemand von ihr erwarten würde.[25]

Ein Relativsatz ist dann notwendig, wenn ohne ihn ein grammatisch unkorrekter Satz entstehen würde. Ist dies der Fall, darf die Stelle des Relativsatzes keinesfalls unbesetzt bleiben.[26]

*Sie verhält sich.

In Satzgefügen mit Relativsätzen, die notwendig sind, gibt es im Hauptsatz verschiedene sprachliche Möglichkeiten des Verweises auf den Nebensatz. Unterscheiden kann man hier neutrale Verweiselemente von charakterisierenden Verweiselementen. Bei ersteren handelt es sich meist um unflektierbare Wörter, charakterisierende Verweiselemente sind in der Regel Substantive.[27]

Wo das Konzert stattfand, blieb er stehen.

[...]


[1] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 759

[2] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 759

[3] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 277

[4] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 759

[5] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 272

[6] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 345

[7] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1984 S. 332

[8] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 272

[9] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 273

[10] Fritsch, Werner Johann: Gestaltung und Bedeutung der deutschen Relativsätze, S. 55

[11] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 272

[12] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 276

[13] Hentschel, E./Weydt, H.:Handbuch der deutschen Grammatik, S. 423

[14] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 277/278

[15] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 274

[16] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 274

[17] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 274

[18] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 274

[19] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 274

[20] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik: Der Satz, S. 275

[21] Hentschel, E./Weydt, H.:Handbuch der deutschen Grammatik, S. 424

[22] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 760

[23] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 760

[24] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 760

[25] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 760

[26] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 760

[27] Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 1998, S. 761

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640355679
ISBN (Buch)
9783640356034
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128471
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Relativsatz

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