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Welche Zwischenräume erlaubt die Backfischliteratur für junge Mädchen? Was wird innerpsychisch von jungen Mädchen verlangt?

Fasse die Aufsätze von Dagmar Grenz „Der Trotzkopf – damals und heute“ und Gisela Wilkending „Man sollte den Trotzkopf noch einmal lesen“ zusammen, vergleiche die Thesen und arbeite die unterschiedlichen Argumentationsweisen heraus.

Essay 2008 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Dagmar Grenz beginnt ihren Aufsatz damit, dass der „Trotzkopf“ eine Art Vorreiter in der deutschen Mädchenliteratur gewesen ist. Das bedeutet, dass dieses Buch wohl offensichtlich einen so starken Einfluss auf die weibliche Leserschaft gehabt haben musste, dass sich mehrere Autorinnen Emmy von Rhodens annahmen und auf ähnliche Weise versuchten, die Mädchenwelt zu beeinflussen. Innovativ am Trotzkopf war, dass er unangepassten, noch kindlichen Mädchen eine größere Liberalität zusprach als andere Literatur. Leserinnen erkannten, dass sie trotz andersartiger Charakterzüge, wie sie auch bei Ilse Mackett auftreten, nicht gleich als unsympathisch galten. Als sympathische Identifikationsfigur zeigt Ilse, dass es durchaus natürlich war, nicht ohne Komplikationen die Schwelle von Kindheit zum endgültigen Frausein zu übertreten. Durch ihr Verhalten, welches zuvor als unsittlich und moralisch unmöglich galt, wird Ilse zum Sympathieträger junger Leserinnen. In ihrem Verhalten werden innere Ängste und Wünsche zum Ausdruck gebracht. Hinzu kam, dass aufgrund der Vielzahl an weiblichen Charakteren, die in diesem Buch auftreten, für beinahe jedes Mädchen eines dabei war, mit dem es sich identifizieren konnte.

Der „Trotzkopf“ war keine Aufforderung zur Rebellion. Aufgrund der Tatsache, dass gesellschaftliche Vorstellungen durchbrochen wurden, konnte stärker vermittelt werden, wie sich Mädchen tatsächlich zu verhalten haben. Sozusagen sollte durch Ilses aufgezeigtes Verhalten genau das Gegenteil bezweckt werden. Ilses zuvor schmerzlich dargestellte Wandlung ist demzufolge eine moralische Beispielgeschichte, die zu einem fröhlichen Backfischleben führt. Sie selbst beschreibt ihre Wandlung (nachdem sie Fräulein Gontrau um Verzeihung gebeten hat) als befreiendes Gefühl. Durch Ilse konnten die Leserinnen erkennen, dass selbst wenn es anfangs quälend erscheint, ein Leben in Anpassung an die weibliche Rolle mit dem individuellen Glück zu vereinbaren ist und gerade die individuelle Selbstaufgabe nachhaltig glücklich macht. Ähnlich wie in modernen Soaps ist es das Erfolgsgeheimnis des Buches. Das Dargestellte widerspricht einerseits den eigenen Vorstellungen und Erfahrungen, klingt aber andererseits fabelhaft und wunderschön und ist daher so verlockend.

Diese Widersprüchlichkeit wird geradezu in der Hauptfigur Ilse aufgezeigt. Nachdem diese aufgrund ihrer Kindlichkeit und Natürlichkeit ins Pensionat muss, da es sich nicht schickt sich so zu verhalten, sind diese Charakterzüge nach ihrer Wandlung geradezu Anlass dafür, Ilse als besonderes Mädchen hervorheben.

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Details

Seiten
5
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640346417
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128244
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
Schlagworte
Welche Zwischenräume Backfischliteratur Mädchen Fasse Aufsätze Dagmar Grenz Trotzkopf Gisela Wilkending Trotzkopf Thesen Argumentationsweisen

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Titel: Welche Zwischenräume erlaubt die Backfischliteratur für junge Mädchen? Was wird innerpsychisch von jungen Mädchen verlangt?