Lade Inhalt...

Unterrichtsstunde: Den Männern untertan? Die Rolle der Frauen in der Polis Athen

Unterrichtsentwurf 2008 10 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

1. Lerngruppenanalyse

Die Klasse 6 unterrichte ich nicht nur seit Beginn meines eigenverantwortlichen Unterrichts, sondern war zudem mit der Lerngruppe Anfang September als Begleitung des Klassenlehrers auf Klassenfahrt. Entsprechend offen und aufgeschlossen begegnen mir die Schüler, entsprechend gut kenne ich sie auch außerhalb des Unterrichts. Ebenso sind die Schüler dem Fach Geschichte gegenüber positiv eingestellt und beteiligen sich mehrheitlich quantitativ sehr intensiv am Unterricht. Daher müssen oft auch aus Zeitgründen einige Meldungen zurückgestellt werden, wobei die Schüler mitunter ein wenig enttäuscht reagieren, weil sie von der Wichtigkeit ihrer Meldungen überzeugt sind und diese nur ungern zurückhalten. Deswegen ist es hier besonders wichtig für mich, den Schüler auch Rückmeldung auf ihre Meldung zu geben, ohne ihnen allen das Wort zu erteilen. Insbesondere bei Bildquellen zum Einstieg ist die Anzahl an Meldungen sehr groß, so dass ich in Hinblick auf das Ziel und die folgende intensive Erarbeitungsphase auf einen solchen verzichtet habe.

Im Unterrichtsgespräch suchen die Schüler mich noch sehr als Ansprechpartnerin und Lehrperson, die ihre Äußerungen bewertet. Wenngleich auch Kommunikationsformen wie beispielsweise die Redekette bereits erprobt sind, schaffen es nur sehr wenige Schüler sich in ihren Äußerungen auf ihre Mitschüler zu beziehen. Daher muss von mir von Zeit zu Zeit steuernd eingegriffen werden um das Thema nicht ausufern zu lassen und Wiederholungen zu vermeiden.

Mit Quellen- und Darstellungstexten, aus denen sie Informationen entnehmen, mit denen sie wiederum auf verschiedene Arten und Weisen weiterarbeiten, haben die Schüler zum überwiegenden Teil kaum Probleme, sofern sie der Altersstufe angemessen, also gegebenenfalls vereinfacht sind. Darüber hinaus vermeiden einige gezielte Arbeitsaufträge zum Text eventuelle Verständnisprobleme, die die Schüler auch mit ihren Sitznachbarn besprechen und lösen, bei Unklarheiten bin ich der letzte Ansprechpartner. In diesem Zusammenhang funktioniert auch die Arbeit in Gruppen von drei bis sechs Schülern sehr gut, wenngleich mitunter die Kommunikation nicht im Sinne der erteilten Arbeitsaufträge verläuft, so dass ich in der Gruppenarbeit möglichst präsent bin.

Mit dem geplanten Produkt des Standbildes haben die Schüler bislang einmalig Erfahrung sammeln können, sie haben aber bereits andere produktionsorientierte Verfahren (Perspektivübernahme beim „Bilder zum Sprechen bringen“, Dialoge schreiben), die sie sehr motiviert haben, mehrfach erprobt. Grundsätzlich ist bei der Verwendung von produktionsorientierten Methoden davon auszugehen, dass sie motiviert und engagiert mitarbeiten werden.

Vorwissen in Bezug auf das gesamte Themengebiet ist bei einigen Schülern in Bruchstücken vorhanden, da sich viele Schüler dieser Lateinklasse auch außerhalb des Unterrichts mit (alt-) geschichtlichen Themen beschäftigen; auch hat sich im bisherigen Unterrichtsverlauf gezeigt, dass viele mit ihren Eltern regelmäßig Museen und Ausstellungen besuchen. André ist als Repetent zwar mit dem Stoff vertraut, beteiligt sich jedoch im Verhältnis zu seinen Mitschülern eher selten aktiv am Unterricht. Der Wechsel von Pascal P. auf die Realschule ist bereits eingeleitet, in seiner Arbeitshaltung ist deutlich zu erkennen, dass er sich innerlich schon verabschiedet hat. Leider steckt er mit diesem Verhalten seinen Sitznachbarn Jonas an, der eigentlich ein aktiver Schüler ist, sich jedoch zu häufig und gern ablenken lässt.

2. Sachanalyse

Das Ideal der Frau beschreibt der Dichter Homer, von vielen auch als der Begründer einer gemeinsamen griechischen Mythologie und damit eines Selbstverständnisses der Hellenen betrachtet wird, bereits in seiner „Odyssee“: Penelope, die Gattin des Odysseus, wartet zwanzig Jahre lang geduldig auf die Rückkehr ihres Mannes, verlässt dabei das Haus nicht und beschäftigt sich stattdessen mit Handarbeiten oder anderer Hauswirtschaft.[1] Die Lebenswelt eines griechischen Ehepaares war bipolar: Während er als freier Athener auf den Marktplatz ging und mit seinen Mitbürgern diskutierte, seine Aufgaben innerhalb der Polis wahrnahm, kurzum als homo politikus ein am Gemeinleben orientiertes Leben führte, gab es für sie nur selten Anlässe, das Haus zu verlassen. Die Frauen waren Hausherrin im Wortsinne, bewirtschafteten Haus und Güter und brachten es in dieser Position auch zu einem gewissen Ansehen. Doch blieb ihr Wirkungsbereich auf den oikos beschränkt, während die polis Männersache war.

Dieses Ideal war auch maßgebend für die Erziehung. Frauen wurden ab ihrem siebten Lebensjahr in Tätigkeiten rund um Hand- und Hausarbeit geschult, um sie auf ihre künftigen Tätigkeiten in der möglicherweise schon jetzt mit einer Verlobung besiegelten Ehe vorzubereiten. Sie wurden nur selten aus Liebe verheiratet, sondern mit etwa fünfzehn Jahren in eine arrangierte Ehe mit einem ungefähr doppelt so alten Mann geschickt.[2] Dieses Ideal wurde auch von den Philosophen vertreten und diskutiert, ihre Aussagen, die den Schülern als Textquelle vorliegen werden, fanden Eingang in die schriftliche Überlieferung.

[...]


[1] Vgl. Höcker, Christoph: Griechische Antike, Köln: Du Mont 1999, S. 110.

[2] Vgl. Vollkommer, Rainer: Das antike Griechenland, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag 2007. Dies wird vor allem auch im ersten der Texte deutlich.

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640352111
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128202
Note
gut
Schlagworte
Athen Unterrichtsentwurf Frauen Polis Griechenland

Autor

Zurück

Titel: Unterrichtsstunde: Den Männern untertan? Die Rolle der Frauen in der Polis Athen