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Interkulturelles Lernen

mit Unterrichtsbeispiel "Like Mexicans" (short story)

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Anglistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interkulturelles Lernen
2.1 Was bedeutet überhaupt ‚interkulturelles Lernen’
2.2 Aufgaben des ‚interkulturellen Lernens’
2.3 Ziele des ‚interkulturellen Lernens’

3. ‚Interkulturelles Lernen’ und Literatur
3.1 Der Zusammenhang zwischen literarischem und ‚interkulturellem Verstehen’
3.2 Wie sieht eine Unterrichtseinheit in Bezug auf ‚interkulturelles Lernen’ aus

4. Multikulturelle Literatur: short stories

5. Unterrichtsbeispiel: Like Mexicans

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eigenes und Fremdes sind schwer fassbare Begriffe und können auf sehr unterschiedliche Art und Weise beim interkulturellen Verstehen ins Spiel kommen. Das Fremde kann als das Feindliche erscheinen. In unserer Zeit sprechen wir von Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass. Es kann aber auch das Verlockende sein, das uns fasziniert, oder das Unbekannte, das als Fremdes verschwindet, wenn wir es erkennen, wenn es uns anspricht und herausfordert. Für eine Didaktik des Fremdverstehens bzw. des interkulturellen Verstehens sollte die Dialektik zwischen Eigenem und Fremden offen gestaltet werden, sodass wir in der Begegnung mit dem Fremden etwas Neues lernen können. (Bredella 2001: 10)

Nicht nur Deutschland ist seit Jahrzehnten Zielland von Zuwanderern aus unterschiedlichen Herkunftsländern, „der Fremde“ und die Erfahrung der Fremdheit ist für viele Menschen längst ein Teil ihres Alltags geworden.

Besonders in der Schule treffen Kinder und Jugendliche verschiedenster Kulturen aufeinander. Hier ist es besonders wichtig, frühzeitig Konflikten und Problemen des Zusammenlebens entgegenzuwirken, indem die Schüler Kenntnisse über andere Kulturen erwerben und erkennen, dass auch sie selbst in einem anderen Land „fremd“ sein können.

Vor allem der Fremdsprachenunterricht ist besonders gut für das interkulturelle Lernen bzw. das interkulturelle Verstehen geeignet. Die Tatsache, dass die Schüler ihre Gedanken, Ideen und Gefühle in einer anderen Sprache zum Ausdruck bringen müssen, schafft für alle eine Vorstellung der Fremdheit.

Diese Situation kann dann dafür genutzt werden, dass die Schüler durch multikulturelle Literatur darin gefördert werden, ihr interkulturelles Bewusstsein zu erweitern. Dies hilft ihnen unter anderem dabei Stereotype und Vorurteile abzubauen sowie eine Perspektivenübernahme vollziehen zu können.

In dieser Hausarbeit möchte ich zeigen, wie bedeutend eine Verbindung von interkulturellem Lernen und Literatur ist. Im ersten Teil werde ich zunächst auf interkulturelles Lernen allgemein eingehen. Danach werde ich den Zusammenhang von interkulturellem Lernen und Literatur erläutern und erklären, worauf es bei einer interkulturellen Unterrichtseinheit ankommt. Im dritten Teil soll gezeigt werden, warum vor allem short stories sehr gut als multikulturelle Literatur im Unterricht geeignet sind bevor ich im letzten Teil der Arbeit ein Unterrichtsbeispiel zu einer short story vorstelle.

2. Interkulturelles Lernen

2.1 Was bedeutet überhaupt ‚interkulturelles Lernen’

Um aufzuzeigen, wie interkulturelles Lernen mit Hilfe von Literatur im Fremdsprachenunterricht geschehen kann, sollte zunächst der Begriff des ‚interkulturellen Lernens’ an sich geklärt werden. Was bedeutet überhaupt interkulturelles Lernen, wie sehen die damit verbundenen Aufgaben und Ziele aus?

Wenn man sich mit diesen Fragen im Hinterkopf in der Fachliteratur umschaut und nach möglichen Antworten sucht, kann dies schnell im Chaos enden. Zwar beschäftigen sich vor allem in den letzten Jahren „unzählige Publikationen mit dem Problembereich des interkulturellen Lernens“ (Burwitz-Melzer 2003: 42), jedoch findet man keine genaue Definition des Begriffes.

Vielmehr wird man durch die weiteren Begriffe, die man in der Literatur im Zusammenhang mit dem interkulturellen Lernens noch finden kann, zusätzlich verwirrt.

Das babylonische Sprachgewirr um das Adjektiv ‚interkulturell’ hat die Fremdsprachendidaktik in den letzten zwanzig Jahren um viele neue Wortschöpfungen bereichert, wie ‚interkulturelles Verstehen’, ‚interkulturelle Kommunikation’, ‚interkultureller Ansatz’ und ‚interkulturelle Erziehung’, die durch englischsprachige Entsprechungen noch ergänzt wurden. (Burwitz-Melzer 2003: 46)

Dabei wäre eine genaue Klärung des Begriffs ‚interkulturelles Lernen’ von großer Bedeutung, denn gerade die Unwissenheit über die genaue Definition sorgt für Skepsis bei Lehrern und Lehrerinnen und somit in manchen Fällen für eine Gleichgültigkeit. Denn warum sollte man in seinem Unterricht ein Thema behandeln, dass noch nicht einmal genau definiert ist?

Heute präsentiert sich der Fremdsprachenunterricht in einem Dilemma, das Lehrende beunruhigt und Schülern eine Chance zum interkulturellen Lernen noch weitgehend vorenthält: Gedrängt von fachdidaktischen Überlegungen, die sich auf die internationale Diskussion zum Fremdverstehen und zur Förderung der interkulturellen Kommunikation stützen, aber ohne empirische Erkenntnisse über stoffliche, inhaltliche und methodische Details der Vermittlung vorgetragen werden, stehen Lehrerinnen und Lehrer vor einer Vielfalt von Vermittlungsangeboten, die sie aber nicht umsetzen können, weil diese Angebote meist nicht in die curriculare Struktur ihrer Schulen passen, und weil die auf dem Markt befindlichen Lehrbücher ihrerseits kaum Stoff zur Förderung eines interkulturellen Bewusstseins anbieten. (Burwitz-Melzer 2003: 40)

Wie Burwitz-Melzer (2003: 40) bereits erwähnt, fehlen nicht nur genaue Begriffserklärungen zum interkulturellen Lernen sondern auch spezifische Unterrichtskonzepte. Bisher findet man nur selten Aufgabenvorschläge zum interkulturellen Lernen in den Lehrbüchern und der Rahmenplan lässt meistens wenig Zeit für eine Eigeninitiative der Lehrer. An dieser Stelle könnte man wieder fragen, warum Lehrer und Lehrerinnen überhaupt eigene Unterrichtskonzepte erstellen sollten, wenn bis jetzt noch nicht einmal der Begriff an sich genau geklärt wurde.

Motivieren kann man alle Lehrer aber damit, das zumindest was Aufgaben und Ziele des interkulturellen Lernens anbelangt, weitgehend Einigkeit in der Fachliteratur herrscht (vgl. Burwitz-Melzer 2003: 49).

Aufgaben des interkulturellen Lernens für die Schule und somit auch für den Fremdsprachenunterricht formuliert zum Beispiel Bliesener (1997: 223-227). Einige von ihnen sollen im folgenden Abschnitt erläutert werden.

2.2 Aufgaben des ‚interkulturellen Lernens’

Zu den Aufgaben des interkulturellen Lernens gehört zuerst einmal die Entwicklung und die nachhaltige Festigung der Ich-Stärke. Dies mag im Zusammenhang mit dem Adjektiv ‚interkulturell’ verwirrend wirken. Es ist jedoch wichtig, dass die Schüler zuvor Raum erhalten sich selbst kennen zu lernen, um ein Identitätsbewusstsein sowie ein kulturelles Selbstwertgefühl zu entwickeln. Dies kann unter anderem durch mehr Kenntnisse über das eigene Land, über seine Geschichte und Wertvorstellungen geschehen. Durch diesen Prozess soll die eigene kulturelle Perspektive wahrgenommen und reflektiert werden, mit dem Ziel, eine differenzierte Selbstwahrnehmung zu ermöglichen. Diese Vergewisserung des eigenen Standortes soll dazu verhelfen, die Verunsicherung durch das Fremde zu reduzieren, denn „wer sich selbst gewiss ist, braucht den Anderen/Fremden nicht zu fürchten“
(Bliesener 1997: 223).

Auch die Entwicklung und Förderung affektiver und emotionaler Zuwendung und die Bereitschaft, sich dem Fremden gegenüber zu öffnen sind Aufgaben des interkulturellen Lernens. Dies bedeutet, dass nicht nur die Fähigkeit eines rationalen Diskurs anzustreben ist, vielmehr soll die gefühlsgesteuerte Zuwendung entwickelt und gefördert werden. Interkulturelles Lernen beinhaltet demzufolge neben einer rationalen Komponente auch eine emotionale Ebene, die im weitesten Sinne Empathiefähigkeit darstellt (vgl. auch Bredella 2002: 403).

Des weiteren ist die Befähigung zur Kommunikation und zum rationalen Diskurs mit dem Anderen/Fremden wichtig. Erst die Entwicklung von Kommunikationsfähigkeit (z.B. das Verbalisieren von Gefühlen) ermöglicht ein Aushandeln von Positionen. Diese allgemeine Kompetenz stellt eine grundlegende Fähigkeit dar, um kulturellen Austausch überhaupt zu ermöglichen. Erst wenn eigene Empfindungen und Eindrücke versprachlicht worden sind, können sie einer weiteren Reflexion dienen.

Eine weitere Aufgabe des interkulturellen Lernens ist die Vermittlung einer Sozialkompetenz. Neben der Fähigkeit zum respektvollen Umgang mit anderen in der Schule, aber auch im Alltag allgemein, ist hierunter auch die Erziehung zur Selbstbeherrschung, zur Eigenkontrolle u. ä. zu verstehen, ferner die Fähigkeit zuzuhören, die Interessen anderer zu erspüren und eigene Positionen angemessen zu artikulieren.

Eine der wohl wichtigsten Aufgaben ist es den Schülern eine Bereitschaft zu vermitteln, sich im Dialog mit dem Fremden auf das entstehende Neue einzulassen. Die Offenheit, mit dem Anderen in einen Austausch zu treten (auf der Grundlage der eigenen Wertvorstellungen und Kenntnisse), beinhaltet auch die Bereitschaft, für Verunsicherungen offen zu bleiben, die zur Bereicherung des eigenen Horizonts dienen können. Außerdem sollen die Schüler die Fähigkeit erwerben, mit eventuellen Unsicherheiten, die das Fremde auslösen kann, umgehen zu können.

Auch die Einübung von Grundeinstellungen und offenen Verhaltensweisen/ Dispositionen sind Komponenten des interkulturellen Lernens. Hierbei geht es um die realistische Einstellung und Erwartungshaltung gegenüber dem fremden Partner, aber auch um die ehrliche Selbsteinschätzung. Die Entwicklung dieser Kompetenz soll vermeiden, dass eine grundlegende Ablehnung und Fremdenangst entsteht (Xenophobie) oder eine vorschnelle und unkritische Beurteilung des Fremden (Xenophilie) .

Eine weitere bedeutende Aufgabe bzw. Komponente ist es, den Schülern die Fähigkeit zu vermitteln, eigene Fehler zu erkennen und mit diesen im Verhältnis zum Anderen/Fremden angemessen umgehen zu können. Im Umgang mit Fremden anderer Kulturen können immer wieder Fehler und Schwierigkeiten auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass die Schüler die Fähigkeit besitzen darauf angemessen zu reagieren und Verständnis zu zeigen. Immer wieder wird die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen aufs Neue fordern, eigene Werte, Normen, Denk-, Interpretations- und Orientierungsmuster sowie Ziele, Handlungsweisen, Lebensstile etc. zu reflektieren (vgl. hierzu auch Nünning&Nünning 2000: 7). Dies kann, wie bereits erwähnt, den Schülern dazu dienen, ihren eigenen Horizont zu erweitern. Man muss ihnen nur dazu verhelfen und sie ermutigen, sich auch darauf einzulassen.

Natürlich stellen diese Aufgaben des interkulturellen Lernens nur einen kleinen Teil der möglichen dar. Immer wieder wird man neue finden und über weitere diskutieren. Es ist ebenfalls fraglich, ob man allen Aufgaben nachkommen kann. Jeder Lehrer sollte sich die für ihn wichtigsten herausfiltern und sie im Unterricht verfolgen. Es ist effektiver, den Schülern wenige Komponenten zu lehren, die dann auch in ‚Fleisch und Blut’ übergehen, als das Ziel zu verfolgen, dass die Schüler alle Aufgaben des interkulturellen Lernens beherrschen müssen. Es ist jedoch zu erwähnen, dass sich viele der Komponenten sowieso überschneiden.

Nachdem die Aufgaben des interkulturellen Lernens aufgezeigt worden sind, sollen nun im folgenden Abschnitt genaue Ziele erläutert werden. Obwohl es schwierig ist, Aufgaben von Zielen genau zu differenzieren, findet man in der Fachliteratur doch häufig eine Trennung. Die Aufgaben sind meistens eher allgemeiner gehalten, die Ziele bringen einige der Aufgaben dann explizit auf den Punkt.

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Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640342884
ISBN (Buch)
9783640342655
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128111
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Anglistik
Note
2
Schlagworte
Interkulturelles Lernen Unterrichtsbeispiel Like Mexicans

Autor

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Titel: Interkulturelles Lernen