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Die Araber in Ostafrika im 19. Jahrhundert. Herrschaft oder nur wirtschaftliche Interessen?

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Geschichte - Afrika

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Arabische Kolonialherrschaft?

1. Die Araber in Ostafrika
1.1 Geschichte bis ins 19. Jahrhundert
1.2 Der Aufstieg Seyyid Saids
1.3 Karawanenhandel
1.3.1 Ausweitung des Inlandhandels
1.3.2 Auswirkungen des Inlandhandels
1.3.3 Tippu Tip

2. Was ist Herrschaft?
2.1 Kolonialismus
2.2 informelle Herrschaft

Schlußbetrachtung:

großer wirtschaftlicher Einfluss – aber kein Kolonialystem

Arabische Kolonialherrschaft?

„I am nothing but a merchant...“[1] soll Seyyid Said, der große Herrscher des Oman und von Sansibar, kurz vor seinem Tod 1856 gesagt haben. Die Aussage dieses Satzes zieht sich wie eine zentrale These durch die Betrachtung der arabischen[2] Herrschaft über Ostafrika. Waren die Araber nur Händler? Oder verfolgten die Swahili-Kaufleute ganz andere Interessen? Wollten sie gar einen großen Flächenstaat errichten, um für immer vom Handel mit den, in den Industrienationen so begehrten, Gütern zu profitieren? Viele unterschiedliche Ansichten werden hierzu von der Forschung vertreten. Oft genug erscheint Autoren die viele hundert Jahre andauernde Zeit der arabischen Vorherrschaft über Ostafrika nur einige Seiten wert zu sein. Dabei wird häufig übersehen, welch großen Einfluss die Araber auf die Bevölkerung Ostafrikas hatten. Zwar nicht unbedingt in direkter Art und Weise, wie ihn die späteren Kolonialherren hatten, doch teilweise in viel größerem Umfang als vermutet – durch den Sklavenhandel, der letztlich zu einer Entvölkerung Ostafrikas in schrecklichem Ausmaß führte, und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur Ostafrikas hatte.

Zum Forschungsstand lässt sich sagen, dass zwar eine Reihe von Werken über die Kolonialherrschaft in Ostafrika verfasst wurden, diese aber größtenteils älteren Datums sind, und somit oft noch vor der Unabhängigkeit Tansanias, und der sich damit veränderten Betrachtungsweise auf den Kolonialismus, geschrieben wurden. Dadurch fehlen in vielen Werken kritische Töne zu den (britischen) Kolonialherren. Desweiteren beschränkt sich die Forschung allzu oft auf die europäischen Herrscher, und lässt die arabische Herrschaft außen vor. Diese Lücke wurde allerdings von afrikanischen und anderen Autoren in den letzten Jahrzehnten verkleinert, wenn auch noch viele Themen unerforscht bleiben.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil beginnt mit einer kurzen Darstellung der arabischen Geschichte in Ostafrika, und untersucht dann die Auswirkungen des arabischen Wirtschaftstreibens auf die Bevölkerung. Im zweiten Teil wird versucht, zu beantworten, was Herrschaft eigentlich bedeutet. Hierbei wird bewußt Abstand genommen von den theoretischen Herrschaftsgebilden, welche britische und französische Kolonialherrschaft unterscheiden.

Im Schlußteil wird schließlich versucht, die Frage zu beantworten, inwieweit die arabischen Händler einen Einfluss auf die indigene Bevölkerung Ostafrikas hatten.

1. Die Araber in Ostafrika

1.1 Geschichte bis ins 19. Jahrhundert

Ab dem 7. Jahrhundert gibt es nachweisbare Handelsbeziehungen zwischen Arabern und Ostafrika. In den nächsten hundert Jahren wurden mehrere Siedlungen gegründet, darunter Mogadischu, Pemba, Sansibar, Kilwa u.a.. Diese ersten Zentren arabischer Kultur lagen in der Regel auf Inseln, welche sich gut verteidigen ließen und die Kontrolle des Handels ermöglichten.[3]

In den Städten siedelten sich schnell indische Händler und Geldverleiher an, welche einen wichtigen Teil des Wirtschaftslebens übernahmen. Es entstand eine arabisch-afrikanische Mischkultur mit eigener Sprache – die Swahili-Kultur.[4]

Die Städte formten jedoch kein gemeinsames Reich. Die Jahrhunderte waren geprägt von wechselnden Bündnissen und Rivalitäten, aber auch von großem Reichtum. Ende des 15. Jahrhunderts erlangte Kilwa eine Vormachtstellung.[5]

Das Leben der küstennahen Stämme wurde von der Kette aus arabischen Kolonien bedeutend beeinflusst. Doch scheinen die ersten Kontakte, bis auf wenige Ausnahmen friedlich gewesen zu sein. Den Arabern fehlte nicht nur der Wille, sondern auch die Möglichkeit die Stämme militärisch zu unterwerfen. Sie waren vielmehr auf Handel aus und kämpften nur, um Handelswege offenzuhalten, niemals um zu erobern. Auf Völker im Hinterland Ostafrikas hatten diese ersten arabischen Siedler so gut wie keinen Einfluss. Es entstanden zwar im 16. Jahrhundert erste Handelsstationen im Inland, doch waren diese noch klein und die sie besuchenden Karawanen selten.[6] Nach einer kurzen Periode der portugiesischen Herrschaft über Ostafrika im 16. und 17. Jahrhundert erstarkten die Araber ein zweites Mal. Der Befreiungskampf der arabischen Kolonien wurde von Oman unterstützt, welches sich über die Jahre hinweg einen immer grösseren Einfluss auf Ostafrika sicherte. 1806 wurde Seyyid Said der neue Herrscher von Oman, und begann nach der Absicherung seiner Herrschaft zügig damit, sein Reich auf Ostafrika auszudehnen.[7]

1.2 Der Aufstieg Seyyid Saids

Der neue Herrscher des Oman hatte zuerst mit zwei Problemen zu kämpfen. Sein Reich stand unter ständiger Bedrohung durch die Wahabiten, ein im Inland lebendes Volk, und die Jawasami-Piraten, welche den Handel auf dem Seeweg blockierten. Unter anderem durch britische Hilfe gelang es Said die beiden Gefahren zu verringern. Dadurch erlangte er ab ca. 1820 den Höhepunkt seiner Macht in Muscat, und wendete sein Augenmerk auf Ostafrika. Bereits seit 1812 hatte Oman die Kontrolle über Kilwa, Mafia, Pemba „and above all Zanzibar, the great depot of his colonial commerce and power, where the rule of Muscat, ever since it had replaced the rule of Portugal, had remained unbroken.“[8]

Die nördliche Küste Ostafrikas stand aber unter dem Einfluss von Mombasa, um welches Said lange kämpfen musste. Von 1826-1830 gelang es ihm schließlich einen eher brüchigen Friedensvertrag mit Mombasa zu schließen. Durch seine lange Abwesenheit schwand allerdings sein Einfluss in Muscat. Die dort ausbrechenden Rebellionen konnten nur durch britische Hilfe unterdrückt werden. Etwa in der Zeit von 1830-1833 entschloss sich Said, seinen Hauptsitz nach Sansibar zu verlegen. Er begann mit dem Bau eines Palastes auf Sansibar, und hielt sich zwischen 1832 und 1837 sehr lange Zeit dort auf. 1836/37 übernahm er endgültig die Herrschaft über Mombasa, bevor er 1840 seinen Hof praktisch nach Sansibar verlegte.[9]

Gründe für den Wechsel von Muscat nach Sansibar gab es mehrere. Zum einen waren die klimatischen Bedingungen auf Sansibar wesentlich besser als in der staubigen Wüste des Oman. Desweiteren konnte er in Sansibar ohne die in Muscat verbreiteten Intrigen regieren. Der wichtigste Grund war jedoch die Wirtschaft, da Said früh erkannte, dass Sansibar mit seinem reichen Hinterland ein besserer Ausgangspunkt für den Handel war als das ferne Muscat.

Said begann, den freien Handel zu fördern. Er vereinheitlichte Steuer- und Währungssystem, und weitete den Handel mit dem Inland stark aus. In den Jahren seiner Herrschaft entwickelte sich Sansibar von einem kleinem Fischerdorf zu einer blühenden Stadt mit bis zu 60.000 Einwohnern .[10] „Never before had all the Arab colonies submitted to one Arab overlord. Never before had they established so wide and deep a contact with the inland colony.“[11]

[...]


[1] Nach Coupland, R.: East Africa and its Invaders. From the earliest times to the death of Seyyid Said in 1856, Oxford 1968, S.299.

[2] Der Terminus Araber ist eigentlich nicht korrekt, da es sich zum Großteil um eine neu entstandene arabisch-afrikanisch-asiatische Mischrasse, die sog. Swahili handelte. Da es viele Verbindungen mit indigenen Frauen gab, waren viele von ihnen nur noch entfernt mit den „echten“ Arabern aus dem Oman verwandt. In der Forschung ist es jedoch verbreitet den Terminus Araber zu benutzen, was sich auch in der vorliegenden Arbeit nicht ändern soll.

[3] Vgl. Coupland, Invaders S.21-25.

[4] Swahili bedeutet „Küstenmenschen“; vgl. ebd., S. 25-28.

[5] Vgl. ebd., S. 25f.

[6] Vgl. Coupland, Invaders S. 28-31.

[7] Vgl. ebd., S. 37-151.

[8] Ebd., S. 218; zum Abschnitt davor Vgl. ebd. S.109-218.

[9] Vgl Coupland, Invaders S.218-295.

[10] Vgl. ebd., S. 295-320.

[11] Ebd., S. 360.

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638186032
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12800
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Historisches Seminar
Note
1.7
Schlagworte
Ostafrika Araber Kolonialismus

Autor

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