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Die aktuelle Situation des deutschen Arbeitsmarktes

Seminararbeit 2008 34 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung — Kurzchronik des deutschen Arbeitsmarktes nach
1.1. Das Wirtschaftswunder — Weg zur Vollbeschäftigung
1.2. Der Niedergang der Schwerindustrie in Westdeutschland
1.3. Die Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland
1.4. Der demographische Wandel

2. Der deutsche Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert
2.1. Globalisierung — der weltweite Markt
2.1.1. Konkurrenz des Standortes Fernost
2.1.2. Die EU-Osterweiterung
2.2. Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft
2.2.1. Der Mangel an Stellen fir Geringqualifizierte
2.2.2. Der Fachkräftemangel
2.3. Folgen der versäumten Integration von Immigranten
2.3.1. Bildungsmangel in Familien mit Migrationshintergrund
2.3.2. Abkapselung einer Parallelgesellschaft

3. Die Struktur des deutschen Arbeitsmarktes
3.1. Die Beschäftigungsstruktur in Deutschland
3.1.1. Die Rolle der GroBunternehmen
3.1.2. Die tragende Säule — der deutsche Mittelstand
3.2. Die Sockelarbeitslosigkeit — dauerhaft unvermittelbare Arbeitslose
3.2.1. Bildungsschwache Erwerblose ohne Schulabschluss
3.2.2. Die „Generation 50+"
3.3. Niedriglohnbeschäftigte — Entlohnung unterhalb des Existenzminimums
3.3.1. Der Gedanke des Mindestlohns
3.4. Die strukturschwachen Räume
3.4.1. Die neuen Bundesländer

4. Staatliche MaBnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
4.1. Die Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit durch Ein-Euro-Jobs
4.2. Die Ich-Aktiengesellschaft
4.3. Hartz I9 — Die Kfirzung der staatlichen Transferleistungen
4.4. Anhebungen des Renteneintrittsalters

5. Der deutsche Arbeitnehmerschutz
5.1. Strikter Kfindigungsschutz — Notwendigkeit oder Hindernis?
5.2. Hohe Lohnnebenkosten ffir Unternehmen?
5.2.1. Scheinselbstständigkeit, Leiharbeitsfirmen, Schattenwirtschaft

6. Fazit

7. Abbildungsverzeichnis

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung — Kurzchronik des deutschen Arbeitsmarktes nach 1945

1.1. Das Wirtschaftswunder — Weg zur Vollbeschäftigung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Griindung der Bundesrepublik Deutschland 1948 begann der rasche wirtschaftliche Wiederaufstieg Westdeutschlands, unterstiitzt durch den Marschallplan der Alliierten. Treibender Motor war hier das Ruhrgebiet, dessen Schwerindustrie, angefangen von der Förderung der Kohle, iiber die Stahlproduktion, bis zum weiterverarbeitenden Maschinenbau.

Dieser arbeitsintensive Wirtschaftszweig schaffte in kurzer Zeit unzählige Arbeitsplätze, die vor allem gering Qualifizierten zu Gute kamen. Gefördert durch die von Ludwig Erhard politisch durchgesetzte soziale Marktwirtschaft, die soziale Diskrepanzen auszugleichen versuchte, kamen die Bundesbiirger rasch zu einem bescheidenen Wohlstand, der auch die unteren Einkommensgruppen erreichte.

Hatte die Bundesrepublik 1950 noch eine Arbeitslosenquote von gut 10%, fiel diese bis 1955 auf unter 2% ab, es herrschte Vollbeschäftigung. In den Folgejahren wurde vermehrt auf Gastarbeiter zuriickgegriffen, um weiteres Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.

Dieses Wachstum hielt bis zur ersten Rezession 1967 an und veranlasste die Politik dazu, den Sozialstaat sukzessive auszubauen, aufgrund der wirtschaftlich guten Aussichten und der geringen Zahl an Bediirftigen.1

1.2. Der Niedergang der Schwerindustrie in Westdeutschland

Ende der 1960er Jahre hatte sich, bei gleichzeitiger Abnahme der Nachfrage, das weltweite Angebot an Stahl vervielfacht, Schwellenländer wie Indien oder China waren zu Konkurrenten in der Stahlproduktion geworden, die vor allem aufgrund niedrigster Löhne kostengiinstig produzieren konnten. Doch auch andere Industrienationen wie die USA hatten zum Teil giinstigere Bedingungen als Deutschland, dessen Kohleförderung sich aufgrund der immer tieferen Lage verbleibender Vorkommen drastisch verteuerte.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, setzte man zum einen auf Rationalisierung, z.B. die Konzentration der Stahlproduktion auf wenige Standorte wie das Stahlverhiittungszentrum Duisburg und die Spezialisierung auf höchstwertigen Stahl, um die höheren deutschen Löhne auszugleichen. Diese MaBnahmen fiihrten zu den ersten gröBeren Entlassungswellen. In den folgenden Jahren mussten die Kapazitäten regelmäBig weiter gesenkt werden, um das Fortbestehen der Schwerindustrie in Deutschland zumindest auf einem Bruchteil des ehemaligen Niveaus dauerhaft zu sichern.

Dem Ruhrgebiet gelang allerdings nicht der erhoffte Strukturwandel. Folglich konnten freigesetzte Arbeitskräfte meist trotz Umschulungen keine Folgeanstellung finden. Das Ruhrgebiet bleibt als Konsequenz das wirtschaftliche Sorgenkind der alten Bundesländer und besitzt mit 15% eine der höchsten Arbeitslosenquoten Deutschlands.2

1.3. Die Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland

Durch die Abschaffung der Planwirtschaft in den neuen Bundesländern und der Bewertung der Ostdeutschen Wirtschaft nach marktwirtschaftlichen Kriterien wurde schnell ersichtlich, dass ein GroBteil der ostdeutschen Beschäftigung staatlich subventioniert worden war und auf Dauer nicht konkurrenzfähig sein konnte. Erschwerend kam hinzu, dass die ostdeutsche Infrastruktur und der Technisierungsgrad weit unter westdeutschem Niveau lagen. Der hieraus resultierende Stellenabbau aufgrund von Rationalisierungswellen und Insolvenzen in den Folgemonaten glich einem Kahlschlag der ostdeutschen Wirtschaft.

Auch staatliche Investitionsprogramme unter dem Kanzler Helmut Kohl konnten die Ostdeutsche Wirtschaft nicht nennenswert fördern und fir mehr Beschäftigung sorgen. Die Wiedervereinigung war fir den Sozialstaat die erste schwere Krise, da Millionen von Rentnern, sowie Empfänger von staatlichen Transferleistungen wie Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld von heute auf Morgen vom ehemals Westdeutschen Sozialsystem aufgefangen werden mussten.3

1.4. Der demographische Wandel

Die zunehmende Lebenserwartung der Menschen, bedingt durch sich stetig verbessernde medizinische Versorgung, sowie die Abnahme der Geburtenrate sorgen fir eine radikale Verschiebung der Bevölkerungszusammensetzung. Dieser demographische Wandel ist in sofern brisant, als er den eng verzahnten Sozialstaat und Arbeitsmarkt vor die Herausforderung stellt, dass eine abnehmende Zahl an Beitragszahlern eine steigende Zahl an Beitragsempfängern finanzieren muss.

Dies führt bei dem Ziel, den Bundeshaushalt nicht in den Kollaps laufen zu lassen, zwangsläufig zur Abnahme der Sozialleistungen, wie den Anstieg des Rentenalters, oder das Ausbleiben der Rentenerhöhungen zum Ausgleich von inflationsbedingten

Kaufkraftverlusten. Aufgrund dessen ist es von entscheidender Bedeutung flr die Finanzierung der Sozialsysteme, die Sockel- sowie Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen, um die Beschäftigung zu steigern und weitere Beitragszahler zu gewinnen, die sich aufgrund der fallenden Geburtenraten zuklnftig ohnehin verringern werden.4

2. Der deutsche Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert

2.1. Globalisierung — der weltweite Markt

Die Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten lber weite Distanzen, wie z.B. das Internet oder die ständige Erreichbarkeit durch Mobiltelefone sowie die Möglichkeit eines effektiven und kostenglnstigen Warentransports durch moderne Transportmittel, wie das Flugzeug oder die Schifffahrt haben zu einer drastischen Ausweitung des Wettbewerbs geflhrt. Unternehmen erkennen Absatzmöglichkeiten, die sich ihnen im Ausland bieten, und werden international aktiv oder stellen sich gar global auf. Dies gilt jedoch auch flr die Fertigung bzw. Produktion der Glter. Der deutsche Arbeitsmarkt muss mit dem Arbeitskräftepotential anderer Länder konkurrieren.

Der Begriff des „Humankapitals" spielt in diesem Zusammenhang eine immer gröBere Rolle. Mit dem Ubergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft Ende des 20. Jahrhunderts zeichnete sich immer deutlicher die Bedeutung von Fachkräften flr Unternehmen ab. Diese sind wegen ihrer hohen Qualifikation knapp und werden daher immer öfter auch länderlbergreifend angeworben. Die Wahl des richtigen Personals gilt heute als kritischer Erfolgsfaktor.

Die Folgen der Globalisierung zeigen sich allerdings auch bei gering qualifizierten Arbeitskräften. Dies vor allem in Branchen, die aufgrund der abnehmenden Diversifizierung der Produkte strategische Erfolgsfaktoren vor allem in der Kostenflhrerschaft suchen. Aufgrund des vergleichsweise hohen Lohnniveaus in Deutschland sind solche unternehmerischen Tätigkeiten hier zu Lande nicht attraktiv und können in Niedriglohnländern bei vergleichbarer Qualität mit deutlich geringeren Kosten durchgeflhrt werden.5

2.1.1. Konkurrenz des Standortes Fernost

Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Standort Fernost, dem asiatischen Raum, zu. Zu nennen sind hier vor allem die aufstrebenden Schwellenländer China und Indien. Beide verfügen jeweils über ein Milliardenvolk, das allerdings auf niedrigstem Wohlstandsniveau lebt und in Folge dessen seine Arbeitskraft zu günstigsten Konditionen anbietet. Somit stellt sich der asiatische Raum für global agierende Unternehmen als kostengünstiger Produktionsstandort dar, der über eine unerschöpfliche Anzahl an gering qualifizierten Arbeitskräften verfügt. Schon heute produziert der überwiegende GroBteil der Elektronik- und Unterhaltungsindustrie in Fernost und ermöglicht damit niedrige Verkaufspreise der Produkte in den Industrieländern. Deutschland erlitt als Folge dieser Entwicklung den Verlust der eigenen Unterhaltungselektronikindustrie und damit von Beschäftigungsmöglichkeiten. Horrend steigende Transportkosten aufgrund knapper werdender fossiler Rohstoffe könnten allerdings in Zukunft eine Rückverlagerung von Arbeitsplätzen bedingen, da die Einsparungen bei der Lohnkomponente die Aufwendungen für den Transport nach Europa nicht mehr rechtfertigen.6

2.1.2. Die EU-Osterweiterung

Mit der EU-Osterweiterung 2004 wurde die Europäische Union um die baltischen Staaten, Polen, Tschechien, die Slowakei und Slowenien erweitert. Kritiker befürchten, dass durch den erweiterten grenzfreien Raum und die Bewegungsfreiheit im Gemeinschaftsgebiet einheimische Arbeitskräfte in den alten reicheren EU-Nationen wie Deutschland, Frankreich oder GroBbritannien benachteiligt werden. Diese müssten mit den geringeren Lohnerwartungen der osteuropäischen Mitbewerber konkurrieren. Um dieser Gefahr zu begegnen, wurden diverse Gesetze verabschiedet, die deutsche Arbeitnehmer vor Lohndumping ausländischer Arbeitskräfte schützen sollten, wie bspw. das Entsendegesetz. Die Gefahr für gering qualifizierte Erwerbslose in Deutschland bleibt jedoch bestehen, da diese Gesetze zeitlich befristet sind. Am Beispiel von Nokia zeigt sich, dass Unternehmen in diesem Zusammenhang durchaus die Initiative ergreifen und komplette Fertigungsstandorte nach Osteuropa verlegen, sogar mit Unterstützung durch EU-Subventionsmittel.7

2.2. Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft

Mit dem Aufkommen der Informationswirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnete sich eine Veränderung der Gesellschaftsstruktur in den Industrieländern ab. Nicht mehr die Produktion von Gütern stand im Vordergrund, sondern die Gewinnung, Bereitstellung und Verwaltung von Informationen begannen eine zentrale Position einzunehmen. Die Bedeutung von Informationstechnologien als strategische Erfolgsfaktoren von Unternehmen nimmt seither stetig zu.

Verbunden damit ist vor allem die kritische GröBe des Know-How — des branchenspezifischen Wissens. Um an diesen Entwicklungen teil zu haben ist ein hohes MaB an Fachwissen von Nöten, um moderne betriebswirtschaftliche Methoden wie die Restrukturierung von Geschäftsprozessen oder die Etablierung von Managementunterstützungssystemen durchführen zu können. Als klassisches Geschäftsfeld der Unternehmensstandorte in den Industrieländern kristallisiert sich immer mehr die Verwaltung, Planung, und Kontrolle der betriebswirtschaftlichen Abläufe heraus. Die eigentliche Fertigung wird in Niedriglohnländer ausgelagert. Klarer Verlierer dieser Entwicklung sind wieder gering qualifizierte Arbeitskräfte mit geringer Bildung und Fachkompetenz. Sie sind in ihrem Tätigkeitsfeld nicht mehr konkurrenzfähig und nicht ausreichend ausgebildet, um von den neuen Erwerbsmöglichkeiten in den Industrieländern zu profitieren. FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle fordert daher: „Je billiger andere sind, umso besser müssen wir sein. Deshalb muss Deutschland seine Ressourcen endlich auf Zukunftsfähigkeit konzentrieren: Bildung und Forschung, neue Technologien ... Fortschritt durch Vernunft."8 9

2.2.1. Der Mangel an Stellen für Geringqualifizierte

Deutschlands untere Einkommensgruppen und Geringqualifizierte leiden an einem eklatanten Mangel an für sie in Frage kommenden Arbeitsplätzen, der sich jährlich ausweitet und verschärft. Im Bereich der einfachen ausführenden Tätigkeiten herrscht ein Uberangebot an Arbeitskräften, die das allgemeine Lohnniveau dieser Gruppen noch weiter senkt. Der Versuch des Staates, Erwerbslosen ein Leben über dem Existenzminimum mittels Transferleistungen zu ermöglichen bedingt, dass Löhne potenzieller Arbeitsplätze so hoch angesetzt werden müssen, um einen nennenswerten Nutzenzuwachs gegenüber den staatlichen Sozialleistungen zu erlangen, dass sie für Unternehmen nicht mehr lohnenswert sind. Eine Senkung der staatlichen Leistungen wäre allerdings nur bedingt sinnvoll. Zahlreiche Minijobs oder Tätigkeiten mit geringem Verdienst warden zwar realisierbar, die Konsequenz wären allerdings US-amerikanische Sozialverhältnisse. Erwerbslose wären aufgrund ihrer wirtschaftlichen Not gezwungen jede Arbeit anzunehmen, und massten wahrscheinlich mehrere Arbeitsstellen dieser Art besitzen um bei dem hohen Preisniveau in Deutschland bestehen zu können.

Dem jährlich wachsenden Heer an Geringqualifizierten kann nur mit einer massiven Förderung der Bildung begegnet werden, um diese Menschen kanftig far den deutschen Arbeitsmarkt vermittelbar zu machen.10

2.2.2. Der Fachkräftemangel

Der hohe Bedarf an Fachkräften in den Industrieländern ergibt sich aus den dargestellten Veränderungen der Beschäftigungs- und Erwerbsstrukturen, weg von einfachen arbeitsintensiven Tätigkeiten hin zu Aufgabenfeldern mit hoher Anforderung an Fachwissen und Know-How.

Die in Deutschland geringe Akademikerquote bzw. geringe Anzahl an Jugendlichen mit gymnasialem Hintergrund führen dazu, dass die Unternehmen ihre höherwertigen Stellen nicht mehr besetzen können und so der wirtschaftliche Aufschwung im Allgemeinen bedroht ist. Waren vor allem Fachkräfte der Informationstechnologien lange Zeit Mangelware, so sind nun auch weitere Branchen betroffen. Seit einigen Jahren stehen bspw. auch Ingenieure nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung, um die vakanten Stellen zu besetzen.

Hierfür gibt es verschiedene Griinde: Zum einen ist das deutsche Bildungssystem im europäischen Vergleich bestenfalls von durchschnittlicher Qualität. Haupt- und Gesamtschulen haben mit Schalern aus sozialen Krisenverhältnissen zu kämpfen. Realschulen und Gymnasien vermitteln oftmals die falschen Inhalte und die Universitäten sind hoffnungslos unterdimensioniert. Die Gesellschaft muss erst Recht im Informationszeitalter darum bemaht sein, vielen eine möglichst gute Bildung zu ermöglichen, um bedeutend weniger Geringqualifizierte auf den Arbeitsmarkt zu entlassen, deren Beschäftigungschancen gegen Null gehen. Zum anderen sind die Verdienstmöglichkeiten in Deutschland far Fachkräfte geringer als in vergleichbaren Industrieländern wie den USA. So kommt es bspw. zu einem nicht unerheblichen Abfluss an Arzten und Ingenieuren in das europäische Ausland oder in den nordamerikanischen Raum.11

2.3. Folgen der versäumten Integration von Immigranten

Deutschland hat sich seit dem ersten Arbeitskräfteengpass Ende der 50er Jahre fur Gastarbeiter und Zuwanderung geöffnet. Im Gegensatz zu den ersten Gastarbeiterwellen, die sich vornehmlich aus dem europäischen Ausland rekrutierten, wie bspw. Italien und die nur fir die Zeit ihrer Tätigkeit in Deutschland lebten erfährt die Bundesrepublik seit Jahrzehnten auch einen anhaltenden Zuwanderungsstrom von Menschen, die sich dauerhaft in Deutschland niederlassen möchten. Leider wurde von Beginn an versäumt, die Integration dieser Gruppen in die deutsche Gesellschaft einzufordern. In Konsequenz wurden selbst grundlegendste Fähigkeiten wie die ausreichende Beherrschung der deutschen Sprache nicht erlernt, mit dem langfristigen Ergebnis mangelhafter Bildung. Oftmals ohne Schulabschlusses. Folglich wurden groBe Teile der zweiten und gar dritten Generation der Zuwanderungsfamilien fir den Arbeitsmarkt unvermittelbar. Könnte man das hier gelagerte Potenzial nutzbar machen und eine sinnvolle und funktionierende Integration der Immigranten erreichen, ergäbe sich die Möglichkeit, dem Schwund an jungen Arbeitskräften, der sich aus dem demographischen Wandel ergibt, entgegenzuwirken. 12

2.3.1. Bildungsmangel in Familien mit Migrationshintergrund

Aufgrund des oftmals geringen Bildungsgrades von Immigrantengruppen, ist die Bedeutung von Bildung in diesen Bereichen meist untergeordnet und wird den jungen Generationen nicht ausreichend vermittelt. In sozial schwachen Familien ist die interne Förderung der schulischen Ausbildung daher in der Regel nicht gegeben. Der Staat muss in diesen Fällen die Initiative ergreifen und diese Gruppen von Kindern und Jugendlichen ausreichend fördern und unterstützen, bspw. durch das Konzept der Ganztagsschulen oder die Einführung von Pflichtkursen zum Erlernen der deutschen Sprache im Vorgrundschulalter. Es müssen allerdings auch die Eltern intensiv fir die Thematik sensibilisiert werden, um aufzuzeigen welche Bedeutung eine gute schulische Ausbildung und die anschlieBend besseren beruflichen Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt fir die Integration in die Gesellschaft haben. Jedoch fehlt es auch an grundlegenden Werten, wie Zuverlässigkeit oder Plnktlichkeit, die in der Arbeitswelt vorausgesetzt werden. Die Erhebung von Docquier und Marfouk aus dem Jahre 2007 zeigt den mit 61% lberproportional hohen Anteil von Geringqualifizierten, in der ausländischen Bevölkerung Deutschlands verglichen mit anderen bedeutenden Industrienationen wie den USA.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung I :

Qualifikationsstrukturen ausländischer Bevölkerungen im Ländervergleich

2.3.2. Abkapselung einer Parallelgesellschaft

Die dargestellte schlechte Ausbildungssituation in Zuwanderungsfällen bewirkt eine geringere Hemmschwelle zur Kriminalität oder der Partizipation an der Schattenwirtschaft, da wegen fehlender Perspektiven und Zukunftschancen auf dem Arbeitsmarkt eine greifbare und erreichbare Alternative fehlt. Bei den Betroffenen macht sich das Geflhl breit, sie seien von staatlicher Stelle abgeschrieben worden und wlrden allein gelassen. Schon jetzt haben sich ganze Stadtteile deutscher GroBstädte wie Hamburg, Köln oder Berlin zu regelrechten Subkulturen entwickelt, die abgeschottet flr sich leben. Die Gefahr besteht darin, dass die Betroffenen mit fortschreitender Isolierung nicht mehr flr den Arbeitsmarkt und ein geregeltes Beschäftigungsverhältnis zu gewinnen sind und dauerhaft in der Sockelarbeitslosigkeit verbleiben.14

[...]


1 Informationen zur politischen Bildung (Heft 256) — Deutschland in den 50er Jahren ; bpb — Bonn

2 Informationen zur politischen Bildung (Heft 270) — Deutschland in den 70er/80er Jahren ; bpb — Bonn

3 Informationen zur politischen Bildung (Heft 250) — Der Weg zur Einheit ; bpb — Bonn

4 Aus Politik und Zeitgeschichte (B 20 / 2003) — Altere Menschen

5 Informationen zur politischen Bildung (Heft 280) — Globalisierung ; bpb — Bonn

6 http://www.bpb.de/wissen/BGJEMT,,0,Lohnst%FCckkosten_im_verarbeitenden_Gewerbe.html

7 http://europa.eu/abc/history/2000_today/index_de.htm

8 Guido Westerwelle (FDP) ; Parteivorsitzender ; 2.11.2006 — Stellungnahme Westerwelles in „Die Zeit"

9 http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Technologie-und-Innovation/informationsgesellschaft.html

10 Jahresgutachten des Sachverständigenrates 2005/2006, S.137 Ziffer 197.

11 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Kurzbericht Nr.9 2003

12 http://www.bpb.de/themen/0FZCJC,0,Integration.html

13 Institut flr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Kurzbericht 1/2008

14 http://www.bpb.de/themen/4QYA8K,0,Parallelgesellschaft_und_ethnische_Schichtung.html

Details

Seiten
34
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640340514
ISBN (Buch)
9783640339068
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127670
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,0
Schlagworte
Situation Arbeitsmarktes

Autor

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Titel: Die aktuelle Situation des deutschen Arbeitsmarktes