Lade Inhalt...

Target Costing

Studienarbeit 2008 29 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung und Definition

3. Geschichte und Verbreitung des Target Costing

4. Allgemeiner Ansatz des Target Costing

5. Ablauf des Target Costing-Prozesses
5.1. Zielkostenfindung
5.2. Zielkostenspaltung
5.2.1. Zerlegung in Teilzielkosten
5.2.2. Zielkostenindex und Zielkostendiagramm
5.3. Zielkostenerreichung

6. Anwendung in der Praxis

7. Bewertung des Target Costing

8. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Erfolgreiches Bestehen im Wettbewerb verlangt von Unternehmen, sich kontinuierlich an die Gegebenheiten des Marktes und der Wirtschaft anzupassen. Viele vor allem deutsche Unternehmen haben bei der Entwicklung neuer Produkte in der Vergangenheit den Faktoren Technologie, Qualität und Funktionalität besonders hohe Bedeutung zugeschrieben. Dabei wurden die essentiellen Aspekte Kosten und Markt oftmals vernachlässigt. In der Folge kam es nicht selten zu Produktentwicklungen, die zwar durch ausgefeilte Technik bestachen, sich jedoch meist aus Preisgründen am Markt nicht durchsetzen konnten.[1]

In der heutigen Wirtschaftswelt sind die Faktoren Kunde, Kosten und Markt jedoch entscheidende Determinanten für den Erfolg eines Unternehmens. Dem trägt das Target Costing Rechnung, indem es darauf hinwirkt, Preise und Kosten gezielt am Markt bzw. Kunden auszurichten. Es stellt sich nicht mehr vornehmlich die Frage: „Was wird das Produkt kosten?“, entscheidender ist: „Was darf das Produkt kosten?“. Die wachsende Bedeutung der Kundenorientierung wird dabei vor allem beim Preis mit einbezogen. Folglich stellt Target Costing ein beachtenswertes Instrument des Kostenmanagements zeitgemäßer Unternehmenspraxis dar.[2]

Nachdem zunächst auf eine kurze Definition und die geschichtliche Entstehung des Target Costing eingegangen wird, soll anschließend der allgemeine Ansatz des Konzeptes vorgestellt werden. Die Verfahrensweise wird in Abschnitt fünf eingehend beschrieben und anhand eines Beispiels erläutert. Ferner bilden empirische Daten zur praktischen Awendung sowie eine kurze Bewertung des Modells den Abschluss dieser Arbeit.

2. Begriffsklärung und Definition

Da das Konzept ursprünglich in Japan entwickelt wurde, ergeben sich mitunter Schwierigkeiten bei der Begriffsübersetzung (japanisch: genka kikaku). So wurde in der deutschsprachigen Literatur anfangs häufig der Begriff Zielkosten rechnung gebraucht. Dies lässt jedoch fälschlicherweise vermuten, dass es sich um ein Instrument der Kosten rechnung handelt. Aufgrund der aktiven Beeinflussung der Kosten, wird Target Costing jedoch eher dem Kosten management zugeordnet. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, bemühten sich deutsche Autoren, präzisere Bezeichnungen zu prägen. So werden in der Literatur gelegentlich Begriffe wie (marktorientierte/s) Zielkostensteuerung, Zielkostenmanagement oder Target Cost Management verwandt. Vorherrschend behauptete sich jedoch auch in Deutschland der Ausdruck Target Costing. Demzufolge behandelt die vorliegende Arbeit das Konzept ebenfalls unter der Bezeichnung Target Costing.[3]

Zum Begriff Target Costing finden sich zahlreiche Definitionen. Einleitend soll das Prinzip anhand der treffenden Definition von Horváth kurz umrissen werden:

„Target Costing ist ein Konzept zur umfassenden Kostenplanung, Kostensteuerung und Kostenkontrolle, das hauptsächlich auf die frühen Phasen des Produktentwicklungs-prozesses abzielt, um die Struktur der Produktkosten in Abhängigkeit der Marktanforderungen zu beeinflussen. Der Target Costing-Prozeß verlangt die kostenorientierte Koordination aller produktbezogenen Funktionsbereiche.“[4]

Es wird deutlich, dass Target Costing als Managementinstrument zu verstehen ist, das die Produktplanung und –entwicklung entscheidend beeinflusst. Es versucht, die Kostenstruktur eines Produktes von Beginn an so auszurichten, dass sie den Bedürfnissen des Marktes entspricht und auch während des Lebenszyklus wettbewerbsfähig ist. Ali Arnaout weist in seiner Definition noch zusätzlich auf den Einfluss der Kundenorientierung hin.[5]

Des Weiteren ist ersichtlich, dass Target Costing sich keinesfalls nur auf einzelne Unternehmensbereiche bezieht. Vielmehr verlangt es enge, schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit der involvierten Abteilungen, so z.B. von Produktion, Konstruktion, Forschung und Entwicklung, Marketing und Controlling.[6]

3. Geschichte und Verbreitung des Target Costing

Erste Ansätze des Target Costing waren bereits in den 1930er Jahren erkennbar. Die Entwicklung des VW Käfer stand bspw. unter der Maßgabe, einen Zielpreis von 990 Reichsmark einzuhalten. Demzufolge wurde aus Kostengründen auf den Einbau hydraulischer Bremsen verzichtet. Die alternativ gewählten Seilzugbremsen führten zu Ersparnissen von 25 Reichsmark.[7]

Nach dem zweiten Weltkrieg führte der Mangel an Ressourcen bei vielen Unternehmen zu dem Ziel, das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Produktfunktionen zu optimieren. Dieser, als Value Engineering bezeichnete Ansatz, wurde in den 60er Jahren weiterentwickelt und bereits in die Planung und Entwicklung von Produkten mit einbezogen.[8]

Der Ursprung des Target Costing wird jedoch im Jahre 1965 gesehen. Neben anderen richtungsweisenden Konzepten wie z.B. Just-in-time, wurde es von Toyota in Japan entwickelt. Unter der japanischen Bezeichnung genka kikaku fand es seit dem Beginn der 70er Jahre in japanischen Unternehmen wie z.B. NEC, SONY, Nissan und Hitachi Anwendung. Es galt damals wie heute, steigendem Wettbewerb und zunehmendem Preisdruck entgegen zu treten.[9]

In der westlichen Unternehmenspraxis wurde Target Costing durch erste Veröffentlichungen in englischer Sprache von Hiromoto, Sakurai und Tanaka Ende der 80er Jahre populär. Dem Konzept widmeten sich zu Beginn der 90er Jahre in Deutschland vor allem Horváth und Seidenschwarz. Ihre Ausführungen führten zu erfolgreicher Anwendung des Target Costing auch in deutschen Unternehmen.[10]

4. Allgemeiner Ansatz des Target Costing

Wie eingangs erwähnt, beginnt Target Costing bereits in den frühen Phasen der Produktentwicklung. Dies liegt darin begründet, dass die ersten 20% des Entwicklungsprozesses ausschlaggebend für ca. 80% der Kosten sind, die zur Produktion des Produktes anfallen werden. Des Weiteren lässt sich mit fortschreitendem Produktlebenszyklus immer weniger Einfluss auf die Kosten nehmen. Nach Markteinführung ist es oftmals zu spät, Kosten bzw. Preise an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.[11]

Demzufolge müssen Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse von Beginn an in die Produktentwicklung einfließen. Dies stellt sicher, dass Produkte und Produktfunktionen dem entsprechen, was der Kunde wünscht und bereit ist zu zahlen. Abbildung 1 verdeutlicht, wie Target Costing Produkt- und Marktinformationen während der Entwicklungsphasen zusammenführt. Es verbindet somit aus Unternehmenssicht interne (Produkt) und externe (Markt) Aspekte. Intern bedeutet hier, dass für die Herstellung eines Produktes Kosten anfallen. Extern bezieht sich auch auf den Kunden, für den der Kauf eines Produktes Nutzen stiftet. Mittels Target Costing sollen Kosten und Nutzen in ein ausgeglichenes Verhältnis gesetzt werden. Zu diesem Zweck werden, ausgehend vom Markt, Zielkosten definiert, die es bei der Produktentwicklung einzuhalten gilt.[12] Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Target Costing in den Phasen der Produktentwicklung

Quelle: Horváth/Niemand/Wolbold (1993), S. 11

5. Ablauf des Target Costing-Prozesses

In der Literatur unterscheiden verschiedene Autoren zwischen unterschiedlichen Phasen des Target Costing-Prozesses. Die jeweiligen Modelle differenzieren zwei bis hin zu 14 Teilschritte bei der Anwendung des Konzeptes. Im Wesentlichen sind die Elemente des grundlegenden Ablaufes jedoch ähnlich und weisen lediglich Unterschiede in ihrer Struktur auf. Vorwiegend wird der Target Costing-Prozess in drei Schritte unterteilt: Zielkostenfindung, Zielkostenspaltung und Zielkostenerreichung. Diese sollen im folgenden beschrieben und anhand eines Beispiels verdeutlicht werden.[13]

5.1. Zielkostenfindung

Zur Bestimmung der Zielkosten werden fünf Verfahrensweisen unterschieden.

Market into Company

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu Beginn gilt es, die Frage zu beantworten: „Was darf das Produkt kosten?“. Ausgehend vom Markt werden die Zielkosten (Allowable Costs) für ein Produkt bestimmt. Dabei wird von dem am Markt realisierbaren Zielpreis (Target Price) die gewünschte Gewinnspanne (Target Profit) subtrahiert:

Die Bestimmung des Zielpreises setzt zunächst fundierte Marktforschung voraus, um Kundenwünschen und Marktanforderungen Rechnung zu tragen. Neben der erzielbaren Preisobergrenze ist es von Bedeutung, auch Erkenntnisse über die geschätzte Länge der Produktlebensdauer, das jährliche Absatzpotential, mögliche Preisentwicklung u.a. in die Kalkulation des Zielpreises einzubeziehen. Denkbare Instrumente zur Datenerhebung sind bspw. Kunden- und Expertenbefragung, Preisexperimente und Beobachtung von Marktdaten. Als besonders hilfreich, auch für die weiteren Schritte, erwies sich die Conjoint-Analyse zur Erfassung von Kundenpräferenzen.[14]

Die Festlegung der gewünschten Gewinnmarge kann sich aus der strategischen Zielfestlegung für ein Produkt ableiten, der Ziel-Kapitalrendite des Unternehmens entsprechen oder als Ziel-Umsatzrendite bestimmt werden.[15]

Aufgrund der konsequenten Einbeziehung von Marktdaten, wird der Market into Company Ansatz auch als „Reinform des Target Costing“ bezeichnet.[16]

[...]


[1] Vgl. Arnaout (2001), Seite 25 f.

[2] Vgl. Preißler (2007), S. 190

[3] Vgl. Arnaout (2001), S. 20 f. und . Horváth/Niemand/Wolbold (1993), S. 3

[4] Horváth (Hrsg., 1993), S. 232

[5] Vgl. Arnaout (2001), S. 32

[6] Vgl. Horváth/Niemand/Wolbold (1993), S. 3 und Seidenschwarz (1993), S. 33

[7] Siehe Weber/Schäffer (2008), S. 348

[8] Siehe Arnaout (2001), S.18 f.

[9] Vgl. Preißler (2007), S. 190 f.

[10] Vgl. Arnaout (2001), S.19 f.

[11] Vgl. Preißler (2007), S. 191 und Weber/Schäffer (2008), S. 345

[12] Vgl. Brecht (2005), S. 68 f.

[13] Siehe Arnaout (2001), S. 41 ff.

[14] Siehe Arnaout (2001), S. 44 f.

[15] Siehe Arnaout (2001), S. 45

[16] Siehe Hardt (1998), S. 112

Details

Seiten
29
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640340446
ISBN (Buch)
9783640338993
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127632
Institution / Hochschule
Fachhochschule Hof
Note
1,3
Schlagworte
Target Costing Zielkostenrechnung Zielkostenmanagement Kosten-Nutzen-Analyse Zielkosten Zielkostenindex

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Target Costing