Lade Inhalt...

Traditionelle Wirtschafts- und Lebensformen auf der Arabischen Halbinsel

Seminararbeit 2009 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Historischer Rückblick

3. Traditionelle Beduinen

4. Die Bedeutung von Dattelpalme und Kamel

5. Gesellschafts- und Alltagskultur
5.1. Religiöser Einfluss
5.2. Familienleben
5.3. Arabische Kleidung
5.4. Gastfreundschaft und arabisches Gastmahl
5.5. Einkaufen zwischen Souq und Mall

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende schriftliche Ausarbeitung beschäftigt sich mit der weitgefassten Thematik „Traditionelle Wirtschafts- und Lebensformen auf der Arabischen Halbinsel“ und soll vor allem die arabisch-islamisch geprägte Lebenswelt, deren Kultur sowie den sich vollzogenen bzw. sich noch vollziehenden Wandel aufzeigen und erläutern.

Die meisten Staaten der Arabischen Halbinsel kennen wir heute als sehr wohlhabende und mächtige Nationen, die - wie am Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate erkennbar - gewaltige und vor allem kostspielige Projekte planen und umsetzen und damit einen immer größer werdenden Einfluss auf die Weltwirtschaft einnehmen. Dieser angedeutete Reichtum ist geschichtlich gesehen allerdings eine recht junge Entwicklung, wenn man bedenkt, dass erst in den 1960er Jahren die gigantischen Ölvorkommen gefunden und gefördert wurden. In der langen Zeit vor dem großen Ölfund zogen viele Beduinen mit ihren Viehherden durch die vegetationsarme Naturlandschaft, viele Regionen waren unbewohnt und etliche Menschen litten unter Armut und Hunger – diese traditionelle Lebenswelt des ehemaligen arabischen Oasendorfs unterscheidet sich stark von manchen heutigen Wohlfahrtsstaaten. Obwohl die arabische Kultur, welche stark mit der Glaubenswelt des Islam verbunden ist, sehr viel Wert auf ihre Kulturpflege legt, gibt es zwischen Baukran und Minarett immer wieder gewaltige Disparitäten und Auseinandersetzungen, die es zu bewältigen gilt. Um sich allerdings eine differenzierte und fundierte Meinung zu dieser Thematik zu bilden, ist es notwendig, die traditionellen Wirtschafts- und Lebensformen zu kennenzulernen, da diese für die Einheimischen bis heute einen hohen Stellenwert besitzen.

Zuallererst gebe ich dazu einen kleinen historischen Rückblick, der sich an wichtigen zeitlichen Epochen orientiert. Anschließend gehe ich auf das Leben der traditionellen Beduinen sowie auf die Bedeutung von Kamel und Dattelpalme ein, denn diese drei Elemente sind untrennbar zueinander zu betrachten und kennzeichnend für das typische Leben der alten arabischen Lebensweise. Der dritte größere Themenabschnitt erklärt das althergebrachte Gesellschaftsleben sowie die Alltagskultur auf der arabischen Halbinsel und umfasst damit die Unterthemen Religion, Familienleben, traditionelle Kleidung, Etikette und Gastfreundschaft, Einkaufen sowie die Kategorie Essen und Genuss. Nach diesen vielförmigen Ausführungen setzte ich die beiden unterschiedlichen Lebenswelten kurz gegenüber und diskutiere sie und schließe die schriftliche Ausarbeitung, indem ich die zentralsten Ergebnisse zu einem Fazit zusammenfasse.

2. Historischer Rückblick

Das Gebiet der Arabische Halbinsel wurde vermutlich bereits in der Steinzeit von der Menschheit besiedelt und genutzt. Besonders nach Nahrung suchende Beduinen (nomadische Viehzüchter arabischer Herkunft) zogen mit ihren Viehherden durch die Region, die bei weitem nicht so aride und vegetationslos war wie wir die arabische Wüstenlandschaft heute kennen. Nach intensiven Nachforschungen der Klimageographen war das Klima um 5.500 v. Chr. in dieser Region wesentlich feuchter und humider ausgeprägt als heute, sodass es neben den Wüstenregionen auch viele fruchtbarere und nahrhaftere Böden gab wie bspw. weitläufiges Grasland sowie unterschiedliche Typen von Savannenlandschaften[1]. Aber nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern auch die Pflanzen- und Tierwelt war viel reichhaltiger ausgeprägt; es gab auf der gesamten Halbinsel zahlreiche Wildtiere wie beispielsweise Gazellen und Oryxantilopen, die heutzutage leider vom Aussterben bedroht sind. Aufgrund der saisonal relativ guten Klimavoraussetzungen betrieben die umherziehenden Beduinen neben der Viehhaltung auch schon eine einfache Form von Gartenanbau. Trotzdem mussten sie ihre Lebensräume zwischen Landesinneren und Küste stetig wechseln, wenn die Natur zu wenig Nahrung und Wasser hergab. Im Winter lebten sie daher eher in küstennahen Gebieten und betrieben das Fangen von Fischen und Krebsen sowie die Perlensuche. Im Sommer betrieben sie dann im Binnenland Viehzucht und bauten erste Pflanzen und Früchte an. In ihrer Lebensweise waren die Nomaden allerdings nicht von ihren Mitmenschen abgekapselt, sondern sie hatten durchaus Kontakte zu ihnen, indem sie mit anderen Völkern und Kulturen Tauschhandel betrieben.

Ab ca. 3.000 v.Chr. setzte jedoch das aride Klima ein, welches bis heute charakteristisch für die arabische Halbinsel ist[2]. Da es zu einer zunehmenden Verwüstung der Naturlandschaft kam, errichteten die Bewohner zwischen 2500 und 2000 v.Chr. in den Gebieten, wo Wasservorkommen in Form von Flüssen, Quellen oder genügend Grundwasser zu finden waren, zahlreiche Oasen-Städte (Hili, Tell Abraq, Bidiya), die sie als große festungsähnliche Lebensräume nutzten. In den Oasenlandschaften gab es meistens ausreichend Feuchtigkeit für eine permanente Vegetation, die allerdings auch nur in Verbindung mit der Dattelpalme genutzt werden konnte. Ohne die Verbreitung der Dattelpalme hätten nämlich andere Früchte bzw. Cerealien nie angebaut werden können, denn die Palmen sind „widerstandsfähig, leicht zu pflegen“[3], ziemlich genügsam und spenden sehr viel Schatten für andere, empfindlichere Fruchtsorten, die ansonsten von Trockenheit und zu starker Sonneneinstrahlung vertrocknet wären. In dem Zeitraum zwischen 2000-1300 v.Chr. nahm die Anzahl solcher Oasenstädte jedoch nicht mehr zu, obwohl die bestehenden Städte „vollzeitmäßig“ bewohnt und genutzt wurden. Das Klima der arabischen Halbinsel wurde im Laufe der Zeit immer arider/trockener, sodass die Bedeutung mariner Güter wie Fisch und Schalentiere immer wichtiger wurde. Der nächste entscheidende Entwicklungsschritt vollzog sich dann erst zwischen 1.300 und 300 v.Chr., als die Domestizierung des Kamels die arabische Wirtschaft zu revolutionieren begann. Die enorme Ausdauer des Kamels eröffnete nämlich den weiteren, längeren und schnelleren Transport von Waren und Gegenständen; so prosperierten Güteraustausch und wirtschaftlicher Handel sowohl in der einheimischen, als auch mit der ausländischen Bevölkerung. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Ausrichtung entstand auch der berühmte Schiffsbau, der die ausländischen Kontakte sowie den marinen Handel stetig anstiegen ließ. Der nächste bedeutungsvolle Einschnitt ist mit dem Auftreten und Wirken des Propheten Mohammeds (* etwa 571 in Mekka; † 632 in Medina) zu verzeichnen, der den islamischen Glauben und seine dogmatischen und alltäglichen Lehren im gesamten Kulturkreis Arabien ausbreitete. Die gewaltige Expansion des Islams sowie die starke Integration von Religion und Herrschaft sind für die Wirtschafts- und Lebensweisen der arabischen Halbinsel einmalig gewesen, da der Glaube bis in die heutige Zeit einen unvergleichbaren Stellenwert einnimmt. Die Worte und Handlungen des Propheten Mohammed sowie vor allem die überlieferten und niedergeschriebenen Suren des Korans prägen und regeln im Allgemeinen das muslimische Leben und im Speziellen sogar den Alltag und die islamische Rechtsprechung (Scharia)[4]. Diese einheitlichen und verbindlichen Lehren und Regeln des Islam prägen von jeher das Leben der Muslime und fördern auch heute noch das soziale und politische Zusammengehörigkeitsgefühl der islamischen Welt.

Insgesamt betrachtet gab es also viele historische Einflüsse unterschiedlichster Art, welche die traditionellen Wirtschafts- und Lebensweisen der arabischen Halbinsel vor dem großen Einschnitt des Ölbooms im 20 Jahrhundert prägten und veränderten. Diese Traditionen wurden bis heute stets bewahrt und respektiert, daher werde ich im Folgenden anhand ausgewählter Beispiele näher auf diese arabischen Lebensweisen eingehen.

[...]


[1] Vgl. UAE Ministry of Information and Culture 2006, S.37.

[2] In der arabischen und englischen Sprache wird diese Epoche als „Umm al Nar“ bezeichnet

[3] Vgl. Müller-Hohenstein 1997, S.105.

[4] Heck & Wöbke 2007, S.23-24.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640350834
ISBN (Buch)
9783640350674
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127409
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Geographie
Note
sehr gut
Schlagworte
Traditionelle Wirtschafts- Lebensformen Arabischen Halbinsel

Autor

Zurück

Titel: Traditionelle Wirtschafts- und Lebensformen auf der Arabischen Halbinsel