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Osttimor: Unterdrückung und Ausbeutung einer Nation mit westlicher Kooperation

Studienarbeit 2007 11 Seiten

Südasienkunde, Südostasienkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Osttimor im Kontext des Kalten Krieges

3. Vorbereitung der Invasion mit westlichem Einverständnis

4. Unterstützung während der Besatzungszeit

5. Militärische Unterstützung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Filmdokumentationen

1. Einleitung

„Das Repertoire der in Osttimor angewandten Formen von Gewalt und Demütigung reichte von Entführungen, Unterwasserzellen, Elektroschocks, Verstümmelungen, Verbrennungen, Schlaf- und Nahrungsentzug, Zwangsmedikation, Vergewaltigung etc. bis hin zu extralegalen Hinrichtungen und Massenhinrichtungen.“[1]

Diese brutale Unterdrückung des gewaltsam annektierten Osttimors durch das diktatorische Regime Indonesiens mit der Unterstützung von westlich alliierten Industrienationen, gehörte zum Alltag der Zivilbevölkerung während der 24-jährigen indonesischen Besatzungszeit. In der Zeitspanne zwischen der Invasion[2] und der darauffolgenden Annexion starben 200.000 Menschen, dies entspricht etwa einem Drittel der gesamten Bevölkerung Osttimors. Diese Arbeit wird sich mit der Rolle der westlichen Mächte, deren Unterstützung und Mitwirken vor der Invasion, als auch während der Besatzungszeit befassen. Der Fokus liegt besonders auf der Kollaboration Australiens, den USA und Großbritanniens mit der indonesischen Besatzungsmacht. Dabei stehen der historische Kontext, sowie die militärische Unterstützung, im Mittelpunkt der Abhandlung.

2. Osttimor im Kontext des Kalten Krieges

Zur Zeit der Besatzung Osttimors, war der Ost-West-Konflikt einer der bestimmenden Elemente der Weltpolitik. Den Osttimor-Konflikt kann man jedoch nicht als einen sogenannten Stellvertreterkrieg bezeichnen da keine indirekte Konfrontation der beiden Supermächte stattfand und weil es zur Zeit der Invasion keine direkte kommunistische Bedrohung gab. Das indonesische Regime und seine westlichen Alliierten versuchten unter Ausnutzung des Ost-West-Konflikts, Osttimor für eigene, nationale, ökonomische und energiepolitische Interessen zu besetzen. Die Fretelin[3] als kommunistisch einzustufen war Teil der Operasi Komodo[4], eine Propaganda und Einschüchterungsaktion, um die Zwangsintegration vorzubereiten und zu rechtfertigen.[5]

Wohl war die kommunistische Gefahr, vor allem nach dem Sieg und Einmarsch kommunistischer Armeen in Indochina, nicht zu unterschätzen. Es war nicht auszuschließen, dass es zu einer eventuellen kommunistischen Infiltration in Osttimor kommen könnte. Zu dem Zeitpunkt der Invasion gab es jedoch keine Fakten die darauf hinwiesen, dass Fretelin kommunistisch wäre. Des Weiteren, zeigten die Sowjets kein Interesse an Osttimor und die Fretelin zeigte sich als kooperativ, indem sie Australien um Hilfe und Unterstützung beim Aufbau des Landes bat.

James Dunn empfindet es als unglaubwürdig, dass die Indonesier an eine kommunistische Beeinflussung in Osttimor glaubten und weist daraufhin, dass die australische Botschaft in Jakarta nicht davon überzeugt war, dieser indonesischen Desinformation entgegenzuwirken, weil sie ebenfalls für Australien von Interesse[6] war.[7] Seine Aussage über diese falsche Beschuldigung kommt der Realität näher:

„The Timorese were unknowns, innocents, in a cynical world, in which the fortunes of the weak and unimportant mattered little.“[8]

Die Interessen der osttimoresischen Bevölkerung galten als zweitrangig und unwichtig. Vor allem die australische und amerikanische Regierung glaubte, dass die Eingliederung Osttimors in Indonesien die einfachste Lösung sei und eine kommunistische Gefahr die nötige Voraussetzung zur Rechtfertigung der Zwangsintegration sei. John Pilger beschreibt die Situation noch zutreffender:

„They were simply landless peasants accused of being communist.“[9]

Diese Haltung zeigt uns, dass die australische Regierung in Canberra nicht die Notwendigkeit verspürte falsche Aussagen und Beschuldigungen zu korrigieren. Im Gegenteil, aus dieser proindonesischen Haltung resultiert, dass die Whitlam Regierung nicht die Interessen der Bevölkerung Osttimors verfolgt, sondern das indonesische Vorhaben weiterhin unterstützt. Es handelt sich um eine unrechte Beschuldigung, durch verschiedenste Propagandamethoden[10] gestützt, und sogar von westlichen Medien übernommen, um die Invasion und Besatzung vorzubereiten und zu rechtfertigen.

[...]


[1] Meier 2005: 13

[2] Am 7.12.1975 beginnt das indonesische Militär mit der Invasion Osttimors.

[3] Fretelin (Revolutionäre Front für ein unabhängiges Osttimor) ist eine Partei die sich für die völlige Unabhängigkeit einsetzt und am 28.11.1975. die Unabhängigkeit der „Demokratischen Republik Osttimor“ erklärt.

[4] Propaganda- und Destabilisierungskampagne geleitet von General Ali Murtopo.

[5] Vgl. Fricke 2000: 60

[6] Hauptinteresse war die Integration Osstimors, die für Stabilität in der Region sorgen sollte.

[7] Vgl. Dunn 2003: 142

[8] Dunn 2003: 186

[9] Pilger 2006: 11. Min

[10] Insbesondere durch Operasi Komodo.

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640333967
ISBN (Buch)
9783640333530
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127258
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
Note
1
Schlagworte
Osttimor Unterdrückung Ausbeutung Nation Kooperation

Autor

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Titel: Osttimor: Unterdrückung und Ausbeutung einer Nation mit westlicher Kooperation