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Didaktischer Entwurf: Exkursion zur Wewelsburg

Unterrichtsentwurf 2009 30 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Gliederung des didaktischen Entwurfs

2. Rahmenbedingungen
2.1 Lehrplan
2.2 Das allgemeine Klassenbild der 10a
2.3 Sozialer Hintergrund der SchülerInnen
2.4 Kognitive Entwicklung der SchülerInnen
2.5 Vermutete Vorkenntnisse zum Thema SS und Wewelsburg
2.6. Relevanz des Nationalsozialismus hier und heute

3. Didaktische Erläuterung

4. Exkursion
4.1 Unterrichtsstunde vor der Exkursion
4.2 Dokumentation „Wewelsburg 1933-1945 Kult- und Terrorstätte der SS“
4.3 Nordturm der Wewelsburg
4.4 Mahnmal des ehemaligen KZ-Niederhagen
4.5 Unterrichtsstunde nach der Exkursion
4.6 Lernziele der Exkursion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Anhang
Materialien für die Unterrichtsstunde vor der Exkursion
Aufgabenzettel für die Klasse 10a
Musterlösung des Fragenkatalogs
Zeitungsartikel aus der Dokumentation

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Die NSDAP verfügte über eine eigene Schutzstaffel (= SS), welche sich aus den Leibwachen des Führers Adolf Hitler zusammensetzte und dadurch ein inniges, treues und absolut fügsames Verhältnis gegenüber Hitler vorwies. Neben diesen Obliegenheiten hielt die SS polizeiliche Aufgaben inne und bekam durch Reichsführer-SS Heinrich Himmler eine dritte Bestimmung hinzugefügt. Diese sollte die SS als „[…] rassische Elite der gesamten nationalsozialistischen Bewegung […] [darstellen, welche auch als] soldatischer Orden nordisch bestimmter Männer und als eine beschworene Gemeinschaft ihrer Sippen [zu verstehen war].“[1] Diese Eliteeinheit sollte das arische Blut gegenüber dem der jüdisch-bolschewistischen Untermenschen schützen, da ihr Blut aus rassenbiologischer Sicht von Himmler als Notwendigkeit für Kultur und Erhabenheit angesehen wurde. Somit stellte sich die Aufgabe der SS, ihr äußerst gefährdetes Blut zu sichern.[2]

Heinrich Himmler beschloss nach dem Sieg über Polen 1939/40 ein ideologisches Zentrum für seine Schutzstaffel zu errichten, welche der zukünftige Mittelpunkt der (germanischen) Welt werden sollte.[3] Dieses Zentrum sollte die Wewelsburg, welche Himmler im Jahre 1934 ohne konkrete Ziele als Reichsführerschule-SS ausbauen wollte, werden.[4]

An diesem Punkt stellt sich die Frage, wie weit Reichsführer-SS Himmler seine Pläne verwirklicht hat. Ist die Wewelsburg, welche sich im heutigen Kreis Paderborn befindet, wirklich zu einem Mittelpunkt der (germanischen) Welt ausgebaut worden? Welche Anzeichen von Bautätigkeiten eines ideologischen SS-Zentrums oder einer Kultstätte der SS sind dort vorzufinden? Welche Auswirkungen hatte dies auf die Nachkriegszeit bzw. unsere Gegenwart?

Um diese Fragestellungen im Schulunterricht an einer Kasseler Realschule zu erarbeiten, bietet sich eine Exkursion zur Wewelsburg an, welche an dieser Stelle geplant und entworfen wird.

Diese Exkursion beinhaltet nicht die Führung, welche an der Wewelsburg vor Ort angeboten wird und ist ein völlig eigenständig geplanter Entwurf. Dieser ist vor allem unter der Berücksichtigung von Methoden, den zu vermittelnden Lerninhalt, der historischen Stätte und ihrem Umland und der Schulklasse selbst entstanden. Diese Aspekte wurden berücksichtigt, um die Frage nach einer ausgereiften Exkursion zur Wewelsburg mit diesem Entwurf zu klären.

1.2 Gliederung des didaktischen Entwurfs

Der didaktische Entwurf leitet mit den Rahmenbedingungen der Exkursion ein. In diesen wird als erstes die Exkursion in den Lehrplan eingebunden und anschließend das allgemeine Klassenbild, der soziale Hintergrund und die kognitive Entwicklung der SchülerInnen beschrieben. Darauf werden die Vorkenntnisse des Themas SS und Wewelsburg der Klasse eingeschätzt, um anschließend kurz die Bedeutsamkeit des Nationalsozialismus in der Gegenwart bzw. der Relevanz in der heutigen Jugend zu beschreiben.

Der Entwurf wird mit einer didaktischen Erläuterung fortgesetzt, die allgemeine Methoden, welche in der Exkursion angewendet werden, zur Geltung bringt und zugleich veranschaulicht.

Darauf folgt die Beschreibung der Exkursion einschließlich ihrer Vor- und Nachbereitung im Schulunterricht. Der Entwurf setzt mit den Lernzielen, welche in der Exkursion erlangt werden sollen, fort und schließt mit dem Beantworten der Fragestellungen im Fazit ab.

2. Rahmenbedingungen

2.1 Lehrplan

Im Rahmen des Lehrplans Geschichte für den Bildungsgang Realschule, wird vom Kulturministerium Hessen im zweitem Halbjahr der Jahrgangsstufe 10 das Thema „Der Nationalsozialismus – Verführung zur Gewalt“[5] mit 22 Unterrichtsstunden vorgegeben.

Nachdem die Realschulklasse Unterrichtsstunden gemäß dem Lehrplan über die Spuren der nationalistischen Herrschaft, die Machtergreifung, die wirtschaftliche Lage bzw. der Arbeitsbeschaffung unterrichtet wurde, folgt die Vorstellung des nationalsozialistischen Systems. Anschließend setzt die Planung der Exkursion zur Wewelsburg ein.

2.2 Das allgemeine Klassenbild der 10a

Die Klasse 10a der Realschule setzt sich aus 10 Jungen und 16 Mädchen zusammen. Das Durchschnittsalter der Jugendlichen beträgt 15 ¾ Jahre. Unter den 26 Kindern herrscht ein gutes Arbeitsklima und bis auf wenige SchülerInnen nehmen alle aktiv am Unterricht teil. Das Problemfeld in der Klasse spiegelt sich in zwei Jungen wider; diese verweigern permanent die Arbeitsaufträge und halten ihre MitschülerInnen vom Lernen ab. Der Anteil von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund in der Klasse 10a ist sehr gering und besteht lediglich aus einer türkischen Schülerin. Diese ist allerdings gut in der Klassengemeinschaft und Gesellschaft integriert und beherrscht die deutsche Sprache akzentfrei.

2.3 Sozialer Hintergrund der SchülerInnen

Der soziale Hintergrund der SchülerInnen der Klasse 10a ist bis auf wenige Ausnahmen in der Mittelschicht einzustufen. Zwei der 26 SchülerInnen entstammen jedoch der sozialen Unterschicht und verfügen nur geringfügig über soziale und kulturelle Ressourcen. Diese beiden Schüler bilden zugleich das in Punkt 1.1 beschriebene Problemfeld der Klasse 10a. Bis auf diese stellt die Klasse ein einheitliches Team dar, welches zusammen eine harmonisierende Klassengemeinschaft bildet.

2.4 Kognitive Entwicklung der SchülerInnen

Die kognitive Entwicklung der SchülerInnen ist bis auf wenige Ausnahmen dem Alter entsprechend. Die SchülerInnen befinden sich in Mitten der Pubertät und manche Lernende ziehen ernste Thematiken ins Lachhafte. Dadurch wollen sie ihre Unsicherheiten überspielen, um sich in der Klassengemeinschaft als cool und hart darzustellen. Besonders bei den Jungen trifft dieses Phänomen häufig zu, da Schwäche in ihrer Vorstellung kein Zeichen von Männlichkeit widerspiegelt.

Die übrige Klassengemeinschaft lehnt das coole Verhalten der SchülerInnen ab und versucht sie zum kritischen Verhalten zu animieren.

2.5 Vermutete Vorkenntnisse zum Thema SS und Wewelsburg

Die Vorkenntnisse des Themas SS und der Wewelsburg werden in der Klasse 10a vermutlich gering sein. Schon am Anfang der Unterrichtseinheit „Der Nationalsozialismus – Verführung zur Gewalt“ wurde deutlich, dass die SchülerInnen mit der NS-Zeit nur einzelne Ereignisse und Personen in Verbindung bringen. So war die Person Hitler, die Schlacht von Stalingrad, der Holocaust und Auschwitz zwar jedem Jugendlichen ein Begriff, dennoch besaßen sie nicht die Fähigkeit die einzelnen Geschehen und Persönlichkeiten in den Kontext einzuordnen. Daraus lässt sich schließen, dass nur ein Bruchteil der SchülerInnen ein Grundwissen über die Schutzstaffel der NSDAP vorweisen kann und damit zurechnen ist, dass kein Wissen bei der Schulklasse über die Wewelsburg besteht.

2.6. Relevanz des Nationalsozialismus hier und heute

Einige Auszüge aus einem Besucherbuch der Dokumentation „Wewelsburg 1933-1945 – Kult- und Terrorstätte der SS“ aus den 80er Jahren verdeutlichen, dass Jugendliche die Geschichte bzw. Vergangenheit anders auffassen und diese auf unterschiedliche Weise verarbeiten. Einerseits wollen die Jugendlichen sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen und sehen dies als wichtigen Faktor, um die Zukunft vor einem Vierten Reich zu schützen. Andererseits lehnen viele Jugendliche die Vergangenheit ab, da sie sich persönlich nicht für die Gräueltaten in der Nazidiktatur verantwortlich fühlen. Sie richten ihren Blick ausschließlich auf die Gegenwart und Zukunft, welche sie in Ruhe und Frieden gestalten wollen.[6]

Dieses Bild hat sich bis heute in der Jugend manifestiert und muss deswegen im Geschichtsunterricht berücksichtigt werden. Der Lehrer sollte die SchülerInnen über die Geschichte aufklären und „[…] anregen, eine Verantwortlichkeit gegenüber der Geschichte [des Nationalsozialismus] zu entwickeln und aus der Einsicht in vergangene Prozesse und Ereignisse Konsequenzen für ihr Handeln in der Gegenwart zu ziehen.“[7]

3. Didaktische Erläuterung

Die Exkursion zur Wewelsburg soll in erster Linie dem Typ „Rekonstruktion eines historischen Ereignisses“ entsprechen. Dies bedeutet, dass in der Exkursion vergangene Begebenheiten, welche an der historischen Stätte nicht mehr vorzufinden bzw. nachvollziehbar sind, anhand von Quellen und Medien sichtbar gemacht werden sollen. Das Augenmerk der Exkursion liegt demnach nicht nur auf der historischen Stätte selbst, sondern vor allem auch auf der Rekonstruktion von Vergangenem.[8] Diese sollte bestenfalls durch Schilderungen, Bezüge zu historischen Quellen und anderen Darstellungen direkt am außerschulischen Lernort erfolgen.[9] Die Lernenden erlangen ebenfalls ein nachhaltigeres Bewusstsein von Geschichte, wenn die Erarbeitung von historischen Ereignissen direkt am Ort durchgeführt wird.[10] Durch diese Methode erlernen die SchülerInnen den Quellenwert einzuschätzen und dass diverse Quellengattungen unterschiedliche Aussagen enthalten, welche eine Verknüpfung von Quellen für eine gelungene Rekonstruktion voraussetzen.[11]

Des Weiteren eignet sich eine Exkursion, da der Lernort ein hohes Maß an historischer Authentizität bietet, was auf die Ursprünglichkeit und Anschaulichkeit des Ortes zurückzuführen ist. Dies ermöglicht den SchülerInnen einen emotionalen und geistigen Zugang zur vergangenen Situationen, welche an der historischen Stätte widerfahren sind.[12] Dieser Aspekt verleiht dem historischem Lernort „[…] die Faszination und Neugier, ein Gespür für das Wesen geschichtlicher Überlieferung und Motivation für historische Fragestellungen sowie für den Charakter und die Arbeitsweise historischer Forschung und Rekonstruktion […].“[13]

4. Exkursion

4.1 Unterrichtsstunde vor der Exkursion

In der Unterrichtsstunde vor der Exkursion wird ein Einblick in die Struktur, die Ideologie und die Person Heinrich Himmler gegeben. Abschließend soll ein kurzer Überblick über die Entstehungsgeschichte der Wewelsburg erfolgen, um sich am Exkursionstag ausschließlich auf die Jahre 1933-1945 und der darauf folgenden Nachkriegszeit zu beziehen.[14]

4.2 Dokumentation „Wewelsburg 1933-1945 Kult- und Terrorstätte der SS“

Die Exkursion wird in drei Schritte untergliedert und startet um 10:00 Uhr mit der Besichtigung der Dokumentation „Wewelsburg 1933-1945 Kult- und Terrorstätte der SS“, welche sechs Teilbereiche beinhaltet. Hier wird die Klasse in vier Gruppen a sechs SchülerInnen unterteilt und einem der ersten vier Teilbereiche der Dokumentation zugewiesen. Die beiden Störenfriede der Klasse werden hierbei in eine Gruppe eingeteilt, welche stets vom Lehrer begleitet wird. Dies hat den Vorteil, dass diese Schüler sich intensiver mit der Arbeit befassen werden, da sie eine Lehrperson in ihrer Umgebung haben.

Die Gruppen müssen einen Aufgabenzettel[15] bearbeiten, welcher aus einem Fragenkatalog zu den ersten vier Bereichen der Dokumentation und allgemeine Leitfragen zur gesamten Exkursion beinhaltet. Im ca. 25-Minuten-Takt wechseln die Gruppen die Abschnitte untereinander, bis jede Gruppe die Bereiche 1-4 der Dokumentation besichtigt und die Fragen beantwortet hat. Anschließend stellt die Lehrperson den 5. Bereich in Beziehung mit dem im Unterricht erlernten Inhalt und stellt abschließend Zeitungsartikel[16] aus der Nachkriegszeit, welche sich im letzten Bereich der Dokumentation befinden, vor.

4.3 Nordturm der Wewelsburg

Wie mit einer Person der Dokumentation im Vorfeld abgesprochen, begibt sich die gesamte Klasse 10a um ca. 12:15 mit der Lehrperson zum Nordturm der Wewelsburg.

In diesem Teil der Exkursion gibt der Lehrer nachfolgende Erläuterungen:

Der Nordturm, der von dem Architekten als Mittelpunkt der Welt benannt, ist im Jahr 1939 durch die Häftlinge des KZ-Niederhagen erweitert worden.[17] In diesem befinden sich der Obergruppenführersaal und die Krypta, welche die Sprengung der Wewelsburg überstanden haben und sich im unvollendeten Zustand von 1943 befinden.[18]

[...]


[1] Hüser, Karl (unter Mitwirkung von Wulff E. Brebeck): Wewelsburg 1933 bis 1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Eine Dokumentation. 2., überarb. Aufl. Paderborn 1982, S. 13.

[2] Vgl. Ebd., S. 13.

[3] Vgl. Ebd., S. 272.

[4] Vgl. Ebd., S. 142.

[5] Vgl. Hessisches Kulturministerium: Lehrplan Geschichte. Bildungsgang Realschule Jahrgangsstufe 5 bis 10, S. 23.

[6] Brebeck, Wulff E./Hüser, Karl: Wewelsburg 1933-1945. Das Konzentrationslager. Münster 1988, S.45.

[7] Vgl. Ebd., S. 44f.

[8] Vgl. Mayer, Ulrich: Historische Orte als Lernorte, in: Mayer, Ulrich/Pandel, Hans-Jürgen/Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 2004, S. 400.

[9] Vgl. Ebd., S. 400.

[10] Schreiber, Waltraud: Geschichte vor Ort. Versuch einer Typologie für historische Exkursionen, in: Schönemann, Bernd/Uffelmann, Uwe/Voit, Hartmut (Hrsg.): Geschichtsbewusstsein und Methoden historischen Lernens. Weinheim 1998, S. 221.

[11] Vgl. Ebd., S. 211.

[12] Vgl. Mayer, Ulrich. Schwalbach/Ts. 2004, S. 394.

[13] Ebd., S. 394.

[14] Die Unterrichtsmaterialien für die Stunde vor der Exkursion sind im Anhang vorzufinden.

[15] Siehe Anhang S. 24-25.

[16] Siehe Anhang. S. 27-30.

[17] Sünner, Rüdiger: Schwarze Sonne. Entfesslung und Missbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik. 3. Aufl. Freiburg in Breisgau 1999, S. 105.

[18] Vgl. Ruppert, Andreas/Schäferjohann-Bursian, Iris: Wewelsburg. Die Dokumentation “Wewelsburg 1933-1945“. Kreis Paderborn 1993, S. 5.

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640370702
ISBN (Buch)
9783640370764
Dateigröße
14.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126822
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,3
Schlagworte
Wewelsburg Himmler Heinrich Himmler Exkursion Didaktik Geschichte Nationalsozialismus 1933-1945 Schwarze Sonne Asgard Götterparadies KZ-Niederhagen Erinnerungskultur Paderborn Ostwestfalen-Lippe SS Totenkopf SS

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