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Auffällige Merkmale bei Fahrzeugführern im Straßenverkehr - Die Drogen-Fibel

Ausarbeitung 2003 56 Seiten

Jura - Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafvollzug

Leseprobe

Gliederung

Kapitel I – Die Inventur
Inventur 1
Inventur 2
Inventur 3
Inventur 4

Kapitel II – Die Drogenarten
Cannabis
Übung
Kokain
Übung
Heroin
Übung
XTC & Co.
Übung
LSD

Kapitel III – Warum bestimmte Schultüten verboten sind
§ 29 Abs.1 Nr.1 BtMG
§ 316 StGB
§ 24a II StVG

Epilog – Lernerfolgskontrolle

Anhang

Worum es eigentlich geht…

Im beruflichen Alltag – speziell bei Verkehrsunfällen und Fahrzeugkontrollen – haben wir wohl alle schon mal Situationen erlebt, in denen uns der Fahrzeugführer „irgendwie komisch“ vorkam. Und das, obwohl er offenbar vorher keinen oder zumindest kaum Alkohol konsumiert hatte. Oft kamen wir wohlmöglich auf den Gedanken, dass der Fahrer vielleicht unter dem Einfluss von Drogen stehen könnte, aber... woran hätten wir das festmachen sollen? Einige werden vielleicht sogar typische Merkmale festgestellt haben, aber... hätten sie als Beweise ausgereicht? Befinden wir uns also in so einer Situation, wie ich sie oben beschrieben habe, dann sind es zunächst zwei Fragen, die wir uns stellen müssen:

1. Welche Merkmale sind drogentyp isch?
2. Reichen die Merkmale für einen Anfangsverdacht?

Jedoch nützen uns weder ein fundiertes Wissen über drogentypische Merkmale, noch eine gefestigte Rechtssicherheit, wenn wir nicht in der Lage sind, diese Merkmale überhaupt wahrzunehmen. Geweitete Pupillen sind nicht alles und reichen allein auch nicht aus. Und die Stimmung und die Motorik des Fahrers tragen dann bestenfalls dazu bei, dass wir unterschwellig den Eindruck gewinnen, der Typ sei „irgendwie komisch“. Je mehr wir zwar über die Merkmale wissen, desto eher wird unsere innere Alarmglocke bimmeln, jedoch werden wir nicht drum herumkommen zu lernen, wie wir unsere Wahrnehmung effektiv einsetzen können. Die beiden Fragen werden wir also durch eine Dritte ergänzen:

1. Welche Merkmale nehme ich wahr?
2. Welche Merkmale sind (davon) drogentypisch?
3. Reichen die Merkmale für einen Anfangsverdacht?

Das Ziel in meinen Vorträgen und Seminaren ist es, aus den Teilnehmern Kollegen zu machen, die mit einem sensibilisierten Spürsinn auf der einen Seite und einem großen verinnerlichten Repertoire an drogentypischen Merkmalen auf der anderen, in der Lage sind, im Einzelfall rechtlich beurteilen zu können, ob ein Fahrzeugführer im Verdacht steht, unter Drogeneinfluss zu stehen.

Was ich mir dabei gedacht habe…

Zuge geben, so ein Ziel liest sich schon ziemlich hochgesteckt. Schließlich gibt es da einen jungen und recht frischen Kollegen, der meint, er könne einem dienstälteren und erfahreneren Kollegen weismachen, dass er die ganzen Jahre über gewissermaßen irgendwo etwas falsch gemacht hat. So oder ähnlich könnten jedenfalls viele KollegInnen denken. Und ihre Zweifel sind ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Schließlich behaupte ich ja nicht, ein Spezialist zu sein und kann mein Wissen auch kaum auf eigene Erfa hrungen aus der Praxis stützen. Allerdings habe ich schon darauf geachtet, woher ich meine Informationen nahm und lies mir ihre Richtigkeit immer wieder durch Vergleiche mehrerer anerkannter Quellen bestätigen. Trotzdem kann ich niemanden abhalten, bei seinem Glauben zu bleiben, wenn er/ sie nicht will. Ich glaube nur, dass ich nach mittlerweile 2 Jahren Recherchen und (ja, auch) Erfahrungen die ein oder andere Sache zum Thema „Drogen und ihre Wirkung im Straßenverkehr“ sagen kann, die für uns sicherlich neu und auch interessant sein dürfte. Wie viel im Nachhinein hängen bleibt; wie sehr sich der Horizont im Anschluss erweitert hat, hängt natürlich von jedem selbst ab. Von der Menge an Wissen, die er/ sie schon vorher hatte; vor allem aber von dem eigenen Willen, die Meinung eines jungen und recht frischen Kollegen zu akzeptieren. J

Eine weitere Herausforderung stellt sicherlich der zeitliche Ansatz dar. In den Seminaren am PFI Neuss habe ich in der Regel 4 Unterrichtseinheiten (= 3 Zeitstunden) zur Verfügung, in denen ich so viele Informationen vermitteln muss, dass zumindest die interessierten Teilnehmer anschließend in der Lage sind, das Wissen im Dienst umzusetzen. Aber ich muss die Infos ja nicht nur „rüberbringen“, sondern ich muss auch dafür sorgen, dass sie beim Empfänger hängen bleiben. Das ist ja wiederum eine Frage der Qualität. Kurzum: ich muss also zusehen, dass ich aus den nötigsten Informationen ein „Braunschweiger Drogenallerlei“ köcheln kann, das von den Teilnehmern gedanklich möglichst gut verdaut werden kann. Mittlerweile glaube ich, ein ganz taugliches Rezept in der Hand zu haben.

Mein erster Vortrag bestand aus ein paar Folien, viel Quasselwasser und einer Portion Mut, die groß genug war, die nächsten 90 Minuten durchzustehen. Bedauerlich an der ganzen Sache war, dass ich nicht so recht zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu unterscheiden wusste. Interessant waren sie ja alle. So empfand ich es jedenfalls, als einer, der

sich damit schließlich auch befasst hatte. Wie das me ine KollegInnen damals sahen, weiß ich bis heute nicht. Sind halt sehr höfliche Leute. Abgesehen davon brachte ich die Infos auf

auditivem “ Wege, also hauptsächlich akustisch, rüber. Das ist – wie ich mittlerweile weiß – allein keine effektive Art, wenn es darum geht, Menschen etwas be greifbar zu machen. Beim zweiten Versuch, verwöhnte ich die Teilnehmer mit einer 50 Seiten starken Powerpoint Präsentation und legte zudem noch den 60seitigen „Drogenguide“ bei, den ich Anfang 2002 extra dafür geschrieben hatte. Die Teilnehmer dankten es mir, indem sie sich entspannt zurücklehnten und sich durch die hauptsächlich visuellen Informationen berieseln ließen. Zwar war im Vergleich zu meinem ersten Anlauf schon eine Besserung zu spüren, jedoch hatte ich den Teilnehmern leider die Chance gegeben, passiv und damit weitgehend teilnahmslos zu bleiben.

Also: Liebe Leserin, lieber Leser,…

…der Sinn der „Drogenfibel“ ist es nun, Dich an Deinem Lernprozess direkt zu beteiligen und somit die Lücke zwischen den visuellen und akustischen Informationen (Bild & Wort) zu schließen. Es ist ein Arbeitsbuch. Du hast die Möglichkeit, Dein Wissen mit meiner Unterstützung (im Rahmen des Seminars) selbst zu erarbeiten und in der Fibel zu dokumentieren. Das macht die Fibel zu einem persönlichen Lernbuch für jeden Einzelnen. Gleichzeitig ist es aber auch möglich, mit der Fibel zu arbeiten, ohne dass Du mich als Labertasche dabei hast. Denn alle Informationen, die Du brauchst, wirst Du auch in der Fibel finden. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Du bist mit der „Drogenfibel“ zeitlich und örtlich unabhängig. Du kannst Dich damit beschäftigen wo und wann zu möchtest. Die Übungen kannst Du genauso gut allein machen. Und wenn Du mit mehreren zusammensitzt, dann ist das schon fast wieder wie ein Seminar.

Die „Drogenfibel“ ist daher nicht nur ein Seminar-Buch, sondern gleichzeitig auch ein „Buch- Seminar“.

Viel Spaß also beim „Konsumieren“!

Uwe Braunschweig

Kapitel I – Die Inventur

In diesem ersten Kapitel werden wir uns damit beschäftigen, mit uns selbst eine Inventur – also eine Bestandsaufnahme – durchzuführen. Platt gesagt: Wenn wir wo hin wollen, müssen wir zuerst wissen, wo wir sind. Wenn wir etwas lernen wollen, muss uns vorher klar sein, was wir bereits zu dem Thema wissen.

Das bedeutet für uns:

Wir müssen erst einmal unseren momentanen Stand – unseren Wissensstand – bestimmen, um klar entscheiden zu können, was wir denn überhaupt mit den kommenden Informationen anfangen wollen und vor allem, ob wir etwas damit anfangen wollen. Denn, wenn wir wissen, was wir momentan „drauf haben“ und anschließend einen Eindruck davon erlangen, wie die Gesamtsituation momentan aussieht, werden wir leichter beides zueinander in Bezug bringen und für uns selbst entscheiden können, ob wir aktiv werden wollen, oder nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf den nächsten Seiten wirst Du daher einige Möglichkeiten finden, die Dir helfen werden, Deinen persönlichen Wissenstand zu bestimmen. Arbeitest Du mit mehreren zusammen, hast Du außerdem die Möglichkeit, die Ideen und Gedanken der anderen aufzuschreiben und so Deinen eigenen derzeitigen Wissenstand mit ihnen abzugleichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachdem wir nun die Türen zu unserem Wissen wieder geöffnet haben, ist es an der Zeit, unsere Aufmerksamkeit mal auf die Ergebnisse einer Befragung zu lenken, die

bereits im Jahr 1998 stattgefunden hatte. Ich gebe zu, dass ich keine aktuelleren Erhebungen in diesem Umfang besorgen konnte. Wohl aber auch, weil so eine Befragung sicherlich nicht in jedem Jahr durchgeführt wird. Außerdem wird sich ja jeder vorstellen können, dass die Zahlen, die hier offenkundig werden, in den letzten 5 Jahren mit aller Wahrscheinlichkeit weiter erhöht haben. Wir können also diese Befragung als Grundlage nutzen und rechnen für jedes Jahr eine kleine Verschlimmerung drauf.

Im Jahr 1998 wurden im Zuge ausgesuchter Veranstaltungen und Bayern insgesamt 2.555 Autofahrer zu ihrem Drogenkonsum interviewt. Entsprechend ihren Angaben wurden in einem zweiten Schritt 503 Personen von ihnen ausgewählt, welche an einer Intensivuntersuchung (intensives Interview, Fahrsimulator, Blut- und Urinprobe) teilnahmen.1 Im Wesentlichen kamen dabei folgende interessante Gesichtspunkte ans Tageslicht:

- Fahrten mit illegalen Drogen kommen ebenso häufig vor, wie Alkoholfahrten mit über 0,25mg/l,
- ein hoher Anteil der Drogenfahrten findet zusätzlich unter Alkoholeinfluss statt,
- neben diesem Mischkonsum mit Alkohol ist auch die Kombination verschiedener Drogen miteinander sehr häufig zu finden,
- bei Alkoholkonsum wird eher nicht gefahren; der Drogenkonsum hat allerdings kaum Auswirkungen auf die Entscheidung, ob gefahren wird, oder nicht,
- Die Sanktionierung von Drogenfahrten beeinflusst die Fahrer nur solange, wie sie noch wenig Erfahrung mit dem Drogenkonsum haben. Ist die Schwelle zum Konsum einmal überschritten, dann unterläuft der subjektive Eindruck einer nur geringen Leistungsbeeinträchtigung den angestrebten Effekt der Gesetzgebung. Insbesondere Fahrten mit Cannabis und Stimulanzien (XTC, Kokain,…) werden dann kaum noch abgelehnt.
- Allerdings haben repressive staatliche Maßnahmen einen deutlichen Einfluss auf die Bewertung von Drogenfahrten. Drogenfahrer, die in einer Polizeikontrolle schon einmal entdeckt wurden, schätzen die Verwerflichkeit von Drogenfahrten höher ein, als Drogenfahrer, die bislang unerkannt blieben(!).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Grafik links zeigt ein weiteres Ergebnis der Interviews: Die Anzahl der Fahrten pro Monat, bei denen die Fahrer nach eigenen Angaben unter dem Einfluss von Drogen standen.

Insgesamt haben damit also...

- bei Cannabis 16,7%
- bei Amphetamin 6,1%
- bei Ecstasy 2,4%

der befragten Teilnehmer mindestens 1 Drogenfahrt begangen!

Diese Untersuchungen stellen natürlich nur eine Stichprobe dar, können aber wohl als repräsentativ angesehen werden.

„Was veranlasst die Autofahrer zu solch Treiben?“

Zumindest können wir schon mal festhalten, dass die festgesetzten Promillewerte beim Alkohol allgemein bekannt sind, während das Risiko einer erworbenen Fahruntüchtigkeit durch den Konsum von Drogen vielen nicht ganz klar ist. Vielen ist die Strafe für Fahrten unter Drogeneinfluss auch unbekannt oder sie glauben gar, die Polizei hat gegen derartige Verstöße keinerlei Handhabe.

Dass dies ein Irrtum ist, den mittlerweile immer mehr Fzg-Führer bitter zu spüren kriegen, zeigt die Grafik unten am Beispiel PP Düsseldorf.

(Blutproben bei Verdacht auf Drogen im PP Düsseldorf)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besonders auffällig sind die Entwicklungen in der PI Nord und PI Süd. Wie kommt es zustande, dass in diesen beiden Bereichen ein auffällig starker Zuwachs zu verzeichnen ist, während die Zahlen in den anderen Inspektionen eher vor sich hin dümpeln oder sogar abnehmen? Die Antwort ist denkbar einfach. In beiden Inspektionen haben die Kolleginnen und Kollegen damit begonnen, sich bewusst mit der Problematik auseinander zu setzen. Das sollte allen zeigen, wie groß und „unerschlossen“ der Markt der drogenkonsumierenden Fahrzeugführer2 ist.

Was uns jetzt noch fehlt, sind natürlich die drogentypischen Merkmale, die letztendlich unser

Handwerkszeug darstellen. Aber bevor wir dazu kommen, sollten wir noch für uns entscheiden, ob wir aufgrund des Wissens, das wir jetzt erlangt haben, aktiv werden und etwas verändern wollen, oder nicht. Deswegen habe ich in diesem Kapitel noch eine letzte Seite zum Ausfüllen vorbereitet...

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Aus Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft M 132

2 oder bereits: fahrzeugführende Drogenkonsumenten?!

Details

Seiten
56
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638184939
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12676
Schlagworte
Drogen Wirkung Straßenverkehr

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