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Edmund Burke und Henry Cruger im Vergleich - Oder: Das Imperative vs. das Freie Mandat

Darstellung zweier Repräsentationsmodelle und Anwendung auf einen empirischen Beispielfall

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Repräsentation – Eine Begriffsklärung und Einleitung

2. Anzuwendende Theoretische Modelle

3. Edmund Burke und Henry Cruger – Historischer Hintergrund

4. Das imperative Mandat mit Focus auf den District – vertreten durch Henry Cruger

5. Das Freie Mandat mit nationalem Focus – Vertreten durch Edmund Burke

6. Einordnung der Theorie in die Repräsentationsmodelle

7. Fallanalyse: Repräsentativprinzip in der Satzung der Studierendenschaft der TU Dresden
7.1 Untersuchung
7.2 Auswertung

Bibliographie

1. Repräsentation – Eine Begriffsklärung und Einleitung

Rein etymologisch betrachtet, bedeutet Repräsentation wörtlich „wieder-präsentieren“[1] Allerdings hat bereits das Seminar „Politische Repräsentation“ am Politische Theorie Lehrstuhl der TU Dresden klar gemacht, wie schwierig es ist diesen – oberflächlich betrachtet so klaren – Begriff dann definitorisch genauer zu erfassen und inhaltlich auszugestalten. In der Tat ist die einschlägige Literatur keineswegs einig was unter dem Term eigentlich zu subsumieren ist. Dieser Tatsache ist dabei keineswegs neu, bereits im Jahre 1978 beklagte Eulau[2] – in äußerst kritischem Ton – dass „ mistaken interpretations are rampant“ welches seiner Meinung nach teilweise der Tatsache geschuldet waren, dass „ there are several major descriptive and normative theories which, if not clearly distinguished, make for ambiguity and confusion“.

In der Tat hat sich die Situation in den vergangen Jahren nicht gebessert, vielmehr dokumentiert die Literatur eine stetig fortschreitende Ausdifferanzierung der Materie. Jane Mansbridge, um nur ein Beispiel zu geben, identifiziert in der Arbeit „ Rethinking Represenation“ gleich drei neue Formen von Repräsentation: „anticipatory“ (Basiert auf dem Prinzip des „retrospective voting“: Repräsentanten versuchen die Interessen ihrer Wähler bei der nächsten Wahl zu antizipieren und konzentrieren sich auf diese statt auf die eigenen Versprechen der letzten Wahl), „gyroscopic“ ( Der Repräsentant basiert seine Entscheidung auf eigenem Empfinden und Werten mit deren Hilfe er versucht common sense - Entscheidungen zu fällen) und „surrogate“ ( Repräsentanten vertreten Wählerschaften die außerhalb ihres Wahlkreises liegen)[3].

Es ist demnach bisher nicht gelungen eine allseits zufrieden stellende und erschöpfende Begriffsklärung zu finden und kann auch im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden. Allerdings soll der Fokus ebendieser auch nur auf einem Teilaspekt von Repräsentation liegen, nämlich auf der Rolle von Abgeordneten gegenüber ihren Wählerschaften.

Dies im Auge behaltend scheint es ausreichend sich auf die äußerst reduzierte Begriffsklärung Pittkins zu stützen. Demzufolge wird die grundlegende Definition von Repräsentation dieser Arbeit lauten: „Representation, taken generally, means the making present in some sense of something which is nevertheless not present literally or in fact. Now, to say that something is simultaneously both present and not present is to utter a paradox and thus a fundamental dualism is built in the meaning of representation”.[4]

Diese Arbeit wird sich zunächst mit den diametral entgegensetzten Repräsentationsvorstellungen - bezogen auf das Verhältnis von Abgeordneten und ihren Wahlkreisen - von Henry Cruger und Edmund Burke beschäftigen und diese sowohl ein einem – für diesen Zweck ausgezeichneten – Modellrahmen verorten sowie aus den Grundpositionen der beiden Politiker die intendierten Handlungspfade extrapolieren.

Im Anschluss gilt es ein – mikrosoziologisches – repräsentatives System auf seine repräsentativen Eigenschaften hin zu überprüfen und in Bezug auf die Positionen von Edmund Burke und Henry Cruger zu verorten.

2. Anzuwendende Theoretische Modelle

Es wurde bereits erwähnt, dass die Konzepte von Burke und Cruger zur Frage des Prinzips politischer Repräsentation in dieser Arbeit herausgestellt werden sollen. Um dies erfolgreich und möglich aussagekräftig zu tun, bedarf es allerdings eines theoretischen Rahmens innerhalb welcher man die Ansätze verorten und bewerten kann.

Dieser Arbeit sollen zu ebendiesem Zweck zwei Modelle zugrunde gelegt werden.

Zum einem möchte ich auf die – auf Abgeordnete abstellende - Arbeit von Eulau et al. verweisen. Ihre empirischen Untersuchungen[5] ergaben, dass man unterscheiden muss zwischen der Art und Weise wie Abgeordnete repräsentieren und der Frage wen sie dabei repräsentieren. Im Ergebnis prägten sie die Begriffe von Focus und Style, wobei „Focus“ die Frage nach dem Adressaten der Repräsentationsbemühungen des Vertreters beinhaltet und „Style“ sich auf die Art und Weise dieser Bemühungen bezieht. In Bezug auf die Ideen von Burke und Cruger soll hier bereits eine Eingrenzung insofern vorgenommen werden, als dass die möglichen Antwortkategorien auf die Fragen „wen und wie wird repräsentiert“ beschränkt sind. Der Fokus kann indes lokal oder national ausgerichtet sein, der Style indes der eines weisungsgebundenen Vertreters („Delegate“) oder eines freien Treuhänders („Trustee“) entsprechen. Focus und Style können weiterhin voneinander unabhängig ausgestaltet sein. So sind laut Eulau vier verschiedene Kombinationen möglich: ein lokal oder national handelnder weisungsgebundener Mandatar bzw. ein lokal oder national handelnder treuhänderisch tätiger freier Abgeordneter.

Das zweite Modell – genannt Müller-Strokes-Modell[6] oder „Diamanten Model der Repräsentation“ – beschäftigt sich indes mit den Handlungspfaden die die Entscheidung der Repräsentanten prägen.

Als abhängige Variable ist im Modell das Abstimmungsverhalten des Abgeordneten verankert welche durch drei unabhängige Variablen erklärt werden sollen. Diese sind zum einen die Politikpräferenz der Bürger im jeweiligen Wahlkreis, zum zweiten die Position des Abgeordneten zu einer zu entscheidenden Frage und zum dritten wie und was er persönlich als dominante Position im Wahlkreis zu eben dieser Frage empfindet.

Es ergeben sich drei vier denkbare Entscheidungspfade, zwei davon sollen - da sie für die spätere Einordnung der Prinzipien Burke/Cruger relevant sein werden – im Folgenden beleuchtet werden[7]. Der erste Pfad stellt einen starken Zusammenhang zwischen der politischen Position eines Abgeordneten in einer Abstimmungsfrage und seines Abstimmungsverhaltens dar, seine eigene Meinung – ungeachtet ob diese einem Wissensvorsprung, Instinkt, Erfahrung oder anderen Faktoren zuzuschreiben ist - ist also ausschlaggebend. Die Perzeption des Abgeordneten bezüglich der vorherrschenden Meinung in seinem Wahlkreis indes hat auf die Abstimmungsentscheidung keinen signifikanten Einfluss.

Im zweiten Pfad lässt sich genau das Gegenteil beobachten. Ungeachtet der eigenen Position zu einem Thema ist für die Abstimmungsentscheidung des Abgeordneten nicht seine eigene Meinung ausschlaggebend, sondern vielmehr sein Empfinden über die dominante Position seines Wahlkreises zu der zu fällenden Entscheidung.

Die sich aus diesen zwei Möglichkeiten ergebenden normativen Prinzipien zur Repräsentationstheorie sollen später konkret den beiden Politikern Edmund Burke und Henry Cruger zugeordnet werden.

3. Edmund Burke und Henry Cruger – Historischer Hintergrund

Bevor man sich den Ideen von Edmund Burke und Henry Cruger in Bezug auf ihre normativen Repräsentationsmodelle widmet ist es wichtig sich zunächst mit den Personen zu beschäftigen. Dies umso mehr, als keiner von beiden als politische Philosophen oder Theoretiker bezeichnet werden können zumindest nicht im streng wissenschaftlichen Sinn. Beide Personen waren vornehmlich Politiker und als solche den Anforderungen an einen solche Profession – vor allem in der Anpassungsfähigkeit und Modifikationsfähigkeit von Positionen entsprechend wechselnder Rahmenbedingungen – unterworfen.

[...]


[1] Fairlie, S. 230

[2] Eulau: Politics of Representation, S.16

[3] Mansbridge, S. 515

[4] Eulau, Politics of Representation S. 16

[5] Eulau H.: The Role of the Representative S.744-750

[6] Thomassen S. 260-261

[7] Müller/Strokes selber machen deutlich, dass nur drei der denkbaren vier Entscheidungspfade als empirisch gültig angenommen werden können

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640324903
ISBN (Buch)
9783640326518
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126632
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2.0
Schlagworte
Edmund Burke Henry Cruger Vergleich Oder Imperative Freie Mandat Darstellung Repräsentationsmodelle Anwendung Beispielfall

Autor

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