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Der Irakkrieg aus Sicht des Sozialkonstruktivismus

Inwiefern kann die Denkschule den Konflikt erklären?

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Irakkonflikt aus Sicht des Konfliktfünfeckes von Schimmelpfennig
1.1 Die Konfliktparteien
1.2 Der Konfliktgegenstand
1.3 Positionsdifferenzen
1.4 Die Konfliktumwelt
1.5 Der Konfliktaustrag

2. Die Denkschule des Sozialkonstruktivismus
2.1 Die Grundannahmen des Konstruktivismus/ Sozialen Konstruktivismus
2.2 Die Variablen des Sozialkonstruktivismus
2.3 Die drei Kernhypothesen des Sozialkonstruktivismus
2.4 Das Kausalmodell des Sozialkonstruktivismus

3. Ableitung der Hypothese und Anwendung auf den Konflikt
3.1 Ableitung der fallspezifischen Hypothese und Anwendung auf den Konflikt
3.2 Die Bestimmung der Variablen
3.3 Operationalisierung

4. Gründe für den Nichtaufbau gemeinsamer Identitäten der Akteure

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

Am 20. März 2003 verwandelte sich durch den militärischen Angriff der sog. coalition of the willing auf den Irak der latente Irakkonflikt in einen manifesten. Im offiziell bis zum 2. Mai 2003 dauernden dritten Golfkrieg wurde das irakische Regime Saddam Husseins abgesetzt, der Staat besetzt und demokratische Wahlen durchgeführt.

Der Irakkrieg kann als ein wichtiger Untersuchungsgegenstand der politikwissenschaftlichen Teildisziplin Internationale Beziehungen (IB) angesehen werden, die sich allgemein mit dem Verhältnis von Staaten zueinander und schwerpunktmäßig mit Konflikten und der Frage, wie Kriege entstehen und wie solche zu verhindern sind, beschäftigt.

Eine dieser Theorieschulen der Internationalen Beziehungen ist der Konstruktivismus bzw. dessen Subtheorie Sozialkonstruktivismus, welcher erst in den 90er Jahren entstand, da zu dieser Zeit viele politikwissenschaftliche Theoretiker von der Notwendigkeit der Schaffung eines neuen Erklärungsansatzes in der IB überzeugt waren, da die bisherigen Theorien bezüglich der Vorhersage des unblutigen Ausgangs des Ost-West-Konflikts versagt hatten.

Doch wie interpretiert der Sozialkonstruktivismus den Irakkonflikt? Kann er die Manifestierung des amerikanisch-irakischen Gegensatzes, also die Austragung mittels militärischer Gewalt erklären? Vermag die Theorie den Konflikt so zu analysieren, dass die Gründe für den Krieg ersichtlich werden? Kann der Sozialkonstruktivismus den Konflikt plausibel offenbaren oder sind hierzu die Ansätze anderer Theorieschulen besser geeignet? Mit diesen Fragen möchte sich die vorliegende Hausarbeit auseinandersetzen.

Diesbezüglich soll im ersten Kapitel zunächst der Konflikt betrachtet und anhand des von Frank Schimmelpfennig entwickelten Konfliktfünfecks beschrieben werden.

Im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit wird dann kurz die Theorieschule des Sozialkonstruktivismus vorgestellt, wobei explizit auf die Grundannahmen des Konstruktivismus bzw. Sozialkonstruktivismus, sowie dessen Variablen, Kernhypothesen und Kausalmodell eingegangen wird.

Im darauf folgenden dritten Abschnitt soll eine fallspezifische Hypothese abgeleitet und die Theorie auf den Konflikt angewendet werden. In der Operationalisierung wird dann überprüft, wie gut die Theorie allgemein auf den Konflikt angewendet werden kann.

Das vierte Kapitel will dann überprüfen, warum die beteiligten Akteure keine gemeinsamen Identitäten aufbauen konnten.

Im Schlussteil werden schließlich die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und resümiert.

1. Der Irakkonflikt aus Sicht des Konfliktfünfeckes von Schimmelpfennig

Im folgenden Kapitel soll eine kurze Fallbeschreibung des Irakkrieges von 2003 mithilfe von Frank Schimmelpfennigs „Konfliktfünfeck“1 erfolgen, welches den Konflikt in die fünf Eckpunkte Konfliktparteien, Konfliktgegenstand, Positionsdifferenzen, Konfliktumwelt und Konfliktaustrag unterteilt.

1.1 Die Konfliktparteien

Unter Konfliktparteien versteht Schimmelpfennig ganz allgemein mindestens zwei interagierende Einheiten, „die hinsichtlich eines Gutes oder Objektes, des Konfliktgegenstandes unvereinbare Interessen [...] besitzen.“ 2

Im Gegensatz zum Irakkrieg vom Januar 1991 war der aktuelle Konflikt nicht von den Vereinten Nationen legitimiert. Als Konfliktpartei trat also nicht die UNO, sondern die unter der Führung der USA stehende coalition of the willing auf, die aus 49 Staaten bestand3, die jedoch nicht alle militärisch involviert ware]n, sondern teilweise den Krieg nur logistisch oder finanziell unterstützt haben. Auch Mitgliedsländer der Europäischen Union gehörten zur Koalition der Willigen, v.a. Großbritannien, aber auch Polen, Spanien und Italien.

Als zweite, zur Ersten in Rivalität stehende Konfliktpartei, ist der Irak zu nennen, der nach längeren, an Intensität zunehmenden diplomatischen Auseinandersetzungen am 20. März 2003 von der ersten Konfliktpartei angegriffen wurde.

1.2 Der Konfliktgegenstand

Unter Konfliktgegenstand sind die Gründe, die zum Konflikt geführt haben zu verstehen, in diesem Fall also die Kriegsgründe.

Zum einen ist hier die angebliche Verletzung der beiden UN-Resolutionen 687 und 1441 zu nennen, denen der Irak aus Sicht der Amerikaner nur unvollständig nachgekommen ist. Hiermit verbunden war die Behauptung, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen (atomare, biologische, chemische) und sei kurz davor, diese gegen Nachbarstaaten und den Westen auch einzusetzen.

Ein von Seiten der US-Administration vor allem gegenüber der eigenen Bevölkerung vorgetragener Konfliktgegenstand war die Behauptung, der Irak habe Verbindungen zum internationalen Terrorismus und sei Teil der „Achse des Bösen“ und würde als solcher „Terroristen [...] Waffen zur Verfügung stellen und ihnen die Mittel geben, ihren Hass zu verwirklichen.“4

Ein weiterer Konfliktgegenstand waren die Menschenrechtsverletzungen, die im Auftrag Husseins an der irakischen Zivilbevölkerung, namentlich an den kurdischen und den schiitischen Bevölkerungsgruppen, begangen worden sein sollen. Bushs erklärte Absicht war es, das irakische Volk von der Diktatur Saddams zu befreien und eine Demokratisierung des Iraks herbeizuführen.

Erwähnenswert sind sicherlich auch die inoffiziellen Kriegsgründe der US-Administration, die als Konfliktgegenstände zur Manifestierung des Konflikts beitrugen. Zum einen sind hier die wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten anzuführen. Der Irak verfügt nach Saudi-Arabien über die zweitgrößten Erdölvorkommen, der Anteil der USA am weltweiten Verbrauch fossiler Brennstoffe liegt bei 25 Prozent.5 Der ehemalige US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz erklärte in einem Interview6, die USA hätten „wirtschaftlich einfach keine Wahl im Irak [gehabt] . Das Land schwimmt auf einem Meer von Öl.“ Im Übrigen war es Ziel der Bush-Regierung, den Nahen Osten politisch neu zu ordnen. Auch sollten die Nachbarstaaten Syrien und Iran durch den Präzedenzfall Irak eingeschüchtert werden.7

1.3 Positionsdifferenzen

Ernst-Otto Czempiel unterscheidet in den Internationalen Beziehungen die drei Sachbereiche Sicherheit, wirtschaftliche Wohlfahrt und Herrschaft, denen alle Interaktionen der Akteure unterzuordnen sind.8 In Bezug auf den Irakkonflikt bestanden in mindestens zwei Sachbereichen, nämlich in dem der Sicherheit und dem der Herrschaft, Positionsdifferenzen zwischen den Akteuren. Im Sachbereich Sicherheit, da die USA die Notwenigkeit einer Intervention mit der Behauptung erklärten, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen. Der Irak bestritt dies vehement und erklärte, er sei keine Gefahr für den Weltfrieden, da er nicht über derlei Waffen verfüge. Die Positionsdifferenz im Sachbereich Herrschaft bestand in der Forderung Bushs nach einem Regimewechsel und einer Demokratisierung des Irak. Hussein hielt entgegen, dass der Irak ein souveräner Staat sei, der selbst über seine Staats- und Regierungsform zu entscheiden habe.

[...]


1 Schimmelpfennig, Frank: Debatten zwischen Staaten. Eine Argumentationstheorie internationaler Systemkonflikte, Opladen 1995, S. 26-34.

2 Schimmelpfennig, S. 28.

3 Für eine Liste der 49 Staaten siehe http://www.whitehouse.gov/news/releases/2003/03/20030327-10.html.

4 Bush in seiner am 29.1.2002 gehaltenen „Rede zur Lage der Nation“. Vgl. Müller, Herfried: Der neue Golfkrieg, Hamburg 2003, S. 29f.

5 Chronologie des Irakkriegs: Massenvernichtungswaffen oder Erdöl? Upi-Institut, http://www.upi-institut.de/irakkrieg.htm.

6 Die Welt: 2.6.2003, S. 7.

7 Hippler, Jochen: Der Weg in den Krieg- Washingtons Außenpolitik und der Irak, in: Hauswedell/ Weller/ Ratsch/ Mutz/ Schoch (Hrsgb.): Friedensgutachten, Münster 2003, S. 92.

8 Czempiel, Ernst-Otto: Internationale Beziehungen: Begriff, Gegenstand und Forscherabsicht, in: Knapp/ Krell (Hrsgb.): Einführung in die internationale Politik, München 20044, S. 12.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640324705
ISBN (Buch)
9783640326365
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126596
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Politikwissenschaft
Note
2.0
Schlagworte
Irakkrieg Sicht Sozialkonstruktivismus Inwiefern Denkschule Konflikt

Autor

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