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Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Deutsche Bund in den Jahren 1815-1851

3. Die deutsche Frage und Reformverschläge

4. Bismarcks Stellung gegenüber Österreich

5. Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit Otto von Bismarck[1], als der Zerstörer des Deutschen Bundes anzusehen ist. Hierzu gehen die Meinungen in der Forschung weit auseinander. So sieht Jürgen Müller in Bismarck definitiv den Zerstörer des Bundes. Jedoch nach der Auffassung Sebastian Haffners war es notwendig, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Die unterschiedlichen Ansichten der Historiker machen das Thema Bismarck und den Deutschen Bund so spannend. Um eine Antwort auf die Eingangsfrage zu geben, wird vorweg etwas zum Deutschen Bund gesagt – seine Aufgabengebiete, Ziele, Stärken und Schwächen- damit später die Stellung Bismarcks besser verstanden werden kann. Daneben wird sich mit den Fragen auseinandergesetzt, ob Bismarck seit dem Beginn seiner politischen Laufbahn ein entschiedener Gegner des Deutschen Bundes war, inwiefern er seine Politik auf die Zerschlagung des Bundes ausrichtete, und ob der Deutsche Bund nicht schon vor Bismarcks Auftreten zum Scheitern verurteilt war. Dabei wird, vor allem die Zeit 1851-1859, in der Bismarck preußischer Bundestagsgesandter in Frankfurt war, betrachtet. Letztendlich soll unter Einbezug der Entwicklung des Deutschen Bundes und der Person Bismarcks entschieden werden, welche Gesichtspunkte für Bismarck, als den Zerstörer des Bundes, sprechen und welche dagegen.

2. Der Deutsche Bund in den Jahren 1815-1851

Der Deutsche Bund[2] entstand 1815 während des Wiener Kongresses und bildete für die deutschen Einzelstaaten ein „föderatives Band“. Auf der Grundlage der Bundesakte[3] sollte der Deutsche Bund die: „Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten“[4] verfolgen. Des Weiteren sollten alle Bundesglieder die gleichen Rechte besitzen und sich verpflichten alle Artikel der Bundesakte auch einzuhalten.[5] Zudem gab die Bundesakte mehrere Versprechen. So ist im Artikel 13 die Rede von einer landständischen Verfassung in allen Bundesstaaten.[6] Trotz der Tatsache, dass allen Bundesstaaten die Souveränität zugesprochen wurde, erhielt Österreich die Präsidialmacht im Deutschen Bund. Dieses Zugeständnis sollte im Laufe des Bestehens des Bundes zum zentralen Problem werden.

Die Aufgabe des Deutschen Bundes war, neben der Gewährung der Sicherheit Deutschlands nach Innen und Außen, „[...] die Abfassung der Grundgesetze des Bundes und dessen organische Einrichtung in Rücksicht auf seine auswärtigen, militärischen und inneren Verhältnisse […].“[7] Der Bund besaß weder eine gemeinsame Exekutive noch ein oberstes Gericht und bedurfte zur Ausführung seiner Beschlüsse der legislativen Umsetzung in den Einzelstaaten.[8] Mit dem Deutschen Bund wurde beim Volk die Hoffnung auf einen Nationalstaat in ferner Zukunft geweckt. Doch die anfängliche Begeisterung für den Deutschen Bund verflog bald wieder, als einige Monarchen ihren Untertanen kein Mitspracherecht einräumen wollten. So begann in den Jahren 1818/19 eine Restaurationsphase[9], die den Anlass für viele politische Bewegungen[10] gab. Doch diese Maßnahmen veranlassten die restaurativen Regierungen 1819 die „Karlsbader Beschlüsse“[11] in Kraft zu setzen. Alle liberalen Gedanken stagnierten und Reformhoffnungen verschwanden. Es entstand ein Spannungszustand, der sich zunehmend verschärfte und in der Revolution von 1848/49 endete. Ausschlaggebend war die politisch-soziale Unzufriedenheit, vor allem bei den Beamten, die durch die Aufklärung und die Reformzeit geprägt waren und sich mehr Freiheiten für Alle erhofften. Doch die Regierungen versuchten diesen Konflikt nicht zu schlichten, sondern verschärften diesen durch die zunehmende Kontrolle und Disziplinierung.

Die Schwäche des Deutschen Bundes lag vor allem darin, dass dieser sich den Dingen seiner Zeit nicht anpassen konnte und mit allen Mitteln die nationale Einigung in Deutschland verhinderte.[12] Obwohl in der Bundesakte 1815 und Wienerschlussakte 1820 gesetzliche Maßnahmen vorgesehen waren, um den Deutschen Bund im Sinne nationaler Einheit auszubauen, wurde er zum Instrument gegen die Nationalbewegung. So wurde die Bundesversammlung in Frankfurt zum Schauplatz von liberalen und nationalen Unterdrückungen. Was dem Deutschen Bund allerdings gelang, war, dass er bis zu seiner Auflösung 1866 die äußere Sicherheit gewährleisten konnte.[13]

Doch der Deutsche Bund scheiterte nicht nur an den nationalen Bewegungen, sondern nach dem Vormärz[14], vor allem an dem Dualismus zwischen Österreich und Preußen. In der Zeit zwischen 1851 und 1866 rückte der Dualismus immer mehr in den Vordergrund und bestimmte von da an die Politik des Deutschen Bundes. Hatten beide Mächte im Vormärz noch gemeinsam die nationalen Kräfte bekämpft, so ging es ihnen nun in erster Linie um die Vorherrschaft in Deutschland. Preußen tolerierte die Präsidialmachtstellung Österreichs in der Bundesversammlung nicht länger und forderte die Gleichberechtigung. Doch war Österreich nicht sehr daran gelegen dieses Privileg aufzugeben und Preußen als gleichberechtigte Macht neben sich zu akzeptieren.[15] Die Weichen für den Dualismus zwischen Österreich und Preußen wurden in den Jahren 1848/49 gestellt, als es um die Lösung der deutschen Frage ging.

3. Die deutsche Frage und Reformvorschläge

Seit der Revolution von 1848/49 trat eine Frage immer mehr in den Vordergrund, das war die Lösung der deutschen Frage. Die unterschiedlichen Vorschläge erschwerte die Lösung des „deutschen Problems“ erheblich. So ging der Berater von Friedrich Wilhelm IV. auf die nationalen Interessen ein, indem seine Unionspolitik ein gewähltes Parlament ausgehend vom Monarchen und mit einer abgeschlossenen Verfassung vorsah. Das gewählte Parlament beruhte auf dem Dreiklassenwahlrecht und der Monarch konnte durch ein absolutes Wahlrecht die vom Parlament verabschiedeten Gesetze revidieren. Zudem sollte ein Viererdirektorium, bestehend aus zwei Österreichern und zwei Vertretern des engern Bundes, eingerichtet werden. Österreich sollte sozusagen mit dem Deutschen Bund verklammert werden.[16] Den ersten Schritt in Richtung Unionspolitik machten die Bundesmitglieder Preußen, Sachsen und Hannover mit ihrem am 26. Mai 1849 geschlossenem Dreikönigsbündnis. Dem Dreikönigsbündnis traten noch weitere 26 Bundesstaaten bei. Die Unionspolitik fand, vor allem bei den Liberalen Zuspruch, weil sie in ihr doch noch eine Chance in nationalen Angelegenheiten sahen. Doch nicht Alle waren so begeistert von der Idee wie die Liberalen. Die demokratische Linke war mit dem Vetorecht keineswegs einverstanden, da es Preußen zuviel „Macht“ zusicherte. Dennoch war diese Kritik nichts im Gegensatz zu der Empörung von Seiten Österreichs. Der österreichische Ministerpräsident Schwarzenberg hielt weiter an seinem Mitteleuropakonzept fest. Dieses sah vor, dass die gesamte Habsburgermonarchie zum Deutschen Bund gehören und Österreich weiterhin die führende Stellung einnehmen sollte. Zudem zog Österreich einen mitteleuropäischen Wirtschaftraum in Betracht, der vorhatte die Führungsposition Preußens im Zollverein abzulösen. Österreich bekam bei seinen Plänen Unterstützung aus Bayern, Württemberg, Sachsen und Hannover, die im Oktober 1849 aus der Union austraten. Der Konflikt zwischen den Befürwortern der Unionspolitik einerseits und den Verfolgern der österreichischen Pläne andererseits spitzte sich weiter zu und drohte zu eskalieren. Doch ein Krieg zwischen beiden Kontrahenten konnte durch die Olmützer Punktation[17] verhindert werden. In dieser verpflichtete sich Preußen die Unionspolitik aufzugeben und die Wiederherstellung des Deutschen Bundes unter der Führung Österreichs anzunehmen. Zudem sollte aber auch Österreich sein Mittelmeerkonzept fallen lassen. So kam es, dass der Deutsche Bund 1850/51 wieder zum Status quo ante zurückkehrte. Doch der Bund stand unter keinem guten Stern, denn der preußisch-österreichische Konflikt spitze sich weiterhin zu.

[...]


[1] In der Literatur gibt es unzählige Bismarckbiografien, wobei im Folgenden nur auf die Darstellungen von Lothar Gall, Bismarck. Der weiße Revolutionär, Frankfurt/M. 1980. und die von Ernst Engelberg, Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer, Berlin 1985. zurückgegriffen wird.

[2] Einen guten Einblick in die Geschichte des Deutschen Bundes bietet: Jürgen Müller, Der Deutsche Bund 1815-1866, München 2006.

[3] Die Bundesakte war die Verfassung des Deutschen Bundes, welche am 8. Juni 1815 während des Wiener Kongresses verabschiedet wurde.

[4] Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 7: Vom Deutschen Bund zum Kaiserreich 1815-1871, hrg. von Wolfgang Hardtwig und Helmut Hinze, Stuttgart 2003, S. 37.

[5] Ebd., S. 37f.

[6] Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 7: Vom Deutschen Bund zum Kaiserreich 1815-1871, hrg. von Wolfgang Hardtwig und Helmut Hinze, Stuttgart 2003, S. 42.

[7] Ebd., S. 41.

[8] Vgl. Müller, Jürgen: Der Deutsche Bund 1815-1866, München 2006, S. 5f.

[9] In der Geschichte wird unter Restauration eine Wiederherstellung von vorrevolutionären Verhältnissen verstanden; im Besonderen die Zeit von der Neuordnung des Wiener Kongress 1814/15 bis zu den Revolutionen von 1830 und 1848.

[10] Dazu zählen die Turnbewegungen, die studentischen Burschenschaften, das Wartburgfest 1817 und das Hambacherfest 1832.

[11] Im Jahre 1819 nahm der österreichische Kanzler Metternich die Ermordung von A. von Kotzebues durch den Burschenschaftler K. L. Sand zum Anlass, Maßnahmen gegen die politische Opposition an den deutschen Universitäten zu ergreifen. Die Karlsbader Beschlüsse sahen u.a. die Überwachung der Universitäten, den Verbot der Burschenschaften und eine Pressezensur vor.

[12] Vgl. Müller: Der Deutsche Bund 1815-1866, München 2006, S. 6-9.

[13] Vgl. Müller, Jürgen: Bismarck und der Deutsche Bund, Friedrichsruh Otto-von-Bismarck-Stiftung 2000, (Friedrichsruher Beiträge; Bd. 11.), S. 5.

[14] Epoche der deutschen Geschichte zwischen dem Wiener Kongress 1814/15 und der Revolution von 1848/49. Der Vormärz ist gekennzeichnet durch äußeren Frieden und gewaltsam erzwungene innere Ruhe.

[15] Vgl. Müller: Bismarck und der Deutsche Bund, Friedrichsruh Otto-von-Bismarck-Stiftung 2000, S. 6.

[16] Vgl. Schmidt: Bismarck, S. 44f.

[17] Am 29. November 1850 in Olmütz geschlossener Vertrag, der einen Schlussstrich unter den Versuch König Friedreich Wilhelms IV. von Preußen zog, die in der Frankfurter Nationalversammlung gescheiterte deutsche Einheit unter preußischer Führung auf antirevolutionärem Wege zu verwirklichen (Dreikönigsbündnis).

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640324521
ISBN (Buch)
9783640326198
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126553
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2.0
Schlagworte
Bismarck Zerstörer Deutschen Bundes

Autor

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Titel: Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?