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Cultural Studies und Media Studies

Entstehung, Gegenstandsbereich, Analyse

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Cultural Studies

II. Anfänge

III. Media Studies

IV. Fernsehforschung

V. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Laut einer einleitenden Übersicht des Statistischen Bundesamts über Freizeitgestaltung[1], wenden die Deutschen im Durchschnitt 19 Stunden ihrer Freizeit für kulturelle Aktivitäten auf. Das Fernsehen nimmt darin mit 13 Stunden die meiste Zeit in Anspruch.

Unbeachtet der Tatsache, dass das Fernsehen nicht unbedingt bildungsfördernd ist, bietet es interessante Einblicke, wie sich Macht und Politik im und durch dieses kulturelle Medium abzeichnen kann. In den 70er Jahren setzte man sich erstmals, basierend auf den britischen Cultural Studies, näher mit Medienforschung auseinander. Heute gibt es hinreichend Studien zu Analysen der Rezeptionsästhetik des Fernsehens, Zuschauerforschung und Fernsehforschung im Allgemeinen. Im Folgenden soll ein Abriss der Cultural Studies dargestellt werden, aus dem sich nach über 20 Jahren die Media Studies, als einer von vielen Zweigen der Gegenstandsbereiche, entwickelte. Weiter soll ein Überblick über die Fernsehforschung gegeben werden, der im Hinblick auf die Menge an Studien und Methoden keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Es soll ersichtlich werden, wie sich Cultural Studies auf den Alltag anwenden lassen.

I. Cultural Studies

Die aus Großbritannien stammenden Cultural Studies müssen von den deutschen Kulturwissenschaften unterschieden werden. Die Cultural Studies ziehen die Politik in direkter Bezugnahme zur Untersuchung der Kultur heran. Wird im deutschsprachigen Raum Kultur meist aus ästhetischer Perspektive betrachtet, in der Tradition des humboldtschen Bildungsideals, versuchen die Cultural Studies im Gegenzug seit nunmehr fast sechs Jahrzehnten die Bedeutung der Politik für die Kultur und des Kulturellen für die Politik zu bestimmen.

Im Sinne eines politischen Theorieprojekts hinterfragen sie die vielfachen Verhältnisse von Macht und Dominanz im Alltag. Untersuchungen stehen unter der Prämisse der Gleichursprünglichkeit von Identität, Kultur und Macht. Über diese drei Kategorien wird gezeigt, wie soziale und politische Identität, durch Macht im kulturellen Feld produziert und reproduziert wird (Marchart, S.35). Entlang von Kategorien wie Klasse, Rasse und Geschlecht werden diese Identitäten ausgehandelt. Im Zuge dessen, kann so die ursprüngliche politische Motivation von vordergründig unpolitischen Handlungen aufgedeckt werden.

Macht ist eine wichtige Kategorie bei den Untersuchungen zu Politik und Kultur, weil sich Macht an keinem Ort der Gesellschaft lokalisieren lässt, sondern gerade Machtverhältnisse erst im Medium des Kulturellen ans Licht kommen.

In der Gesellschaft bestehen unhinterfragt fälschliche Annahmen, wie zum Beispiel die, wir hätten jeder nur eine Identität; Jeder von uns sei entweder Mann/Frau (Kategorie Geschlecht) und sonst nichts. Die Cultural Studies vertreten als Gegenthese eine kollektive, umkämpfte und immer plurale Form der Identität und entlarven binäre, gesellschaftliche Strukturen als Konstruktion: sie plädieren für eine nicht-essentialistische Identität. Ebenso wie Macht, lässt sich Identität keinem richtigen Ort zuschreiben. Vielmehr ist Identität der Einsatz in jedem Machtkampf und das Feld der Kultur ist die Bühne und der Gegenstand politischer Kämpfe.

Die Kategorie Rasse existiert in den Cultural Studies vor allem als virtuelle Realität, welche auf Stereotypisierungen, die die Gesellschaft unterstützt, basiert. Klasse ist, obwohl bei ersten Überlegungen als nicht mehr gesellschaftlich-relevant erscheinend, ein wichtiger Bezugspunkt der Cultural Studies, da Kultur und Ökonomie eine untrennbare Einheit bilden. Es gibt zwar heutzutage nicht mehr die Arbeiterklasse, dafür aber viele Arbeiterklassen. Eine klassenlose Gesellschaft wird immer eine Utopie bleiben.

Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen sein, dass sich die entdeckten Zusammenhänge und Konstruktionen von sozialen Identitäten in einem andauernden Prozess befinden und der Anspruch der Cultural Studies ein sehr hohes Maß an Selbstreflexivität erfordert, was oft ein schwieriges Unterfangen ist. Als wissenschaftliche Disziplin lassen sich Cultural Studies ebenso schwierig einordnen, da sie sich in der Theorie vieler anderer Wissenschaften bedient (z.B. Soziologie, Ethnografie, Medien- und Kommunikationswissenschaften), aber selbst keine Traditionslinie aufweisen kann.

II. Anfänge

Die Cultural Studies formierten sich im Zuge des cultural turn. Ihre Gründergeneration findet sich in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts und setzt sich zusammen aus Stuart Hall, Raymond Williams und Richard Hoggart. Alle waren so genannte scholarship boys, die sich in ihrer Studienzeit mit den Diskrepanzen zwischen der Arbeiterklasse und der akademischen Welt konfrontiert sahen[2]. Stark vereinfacht war es Ziel der drei, eine Popularkultur/Arbeiterkultur im Gegensatz zur archaischen Hochkultur zu rehabilitieren und zu etablieren.

Problematisch bei den Anfängen war die noch zu unreflektierte Sichtweise der scholarship boys auf die akademische Welt, die sich im Hang zur Romantisierung der Arbeiterklasse zeigte. Ziel der Untersuchungen war es von Anfang an, bei den Studien nicht auf einer rein akademischen Ebene zu bleiben, sondern die Ergebnisse, mit dem Bereich der Kultur im Besonderen, für eine breite Masse nachvollziehbar zu machen. Eine geeignete Nische fand man in der Erwachsenenbildung. Weiter wurde versucht, unabhängig vom Ideal der Hochkultur, Kultur klassenunabhängig zu verorten. Williams prägte im Zuge dessen, in der explorativen Anfangsphase der Cultural Studies, den Begriff der Kultur als ein „whole way of life[3] “, der allerdings durch Edward Thompson und die Erste Neue Linke mit der Definition des „whole way of struggle“ (Marchart, S.56 ff.) abgelöst wurde. Oliver Marchart überträgt den Begriff Thompsons wie folgt in die Gegenwart:

Wir dürfen uns, so müsste man heute sagen, Kultur nicht als ein in Benetton-Farben getauchtes friedlich-freundliches Nebeneinander vorstellen, sondern die Elemente einer Kultur setzen sich zueinander durch Kampf und Konflikte in Beziehung. Thompson verschiebt also die Priorität von der „umfassenden Lebensweise“ zu einer Form des Kampfes zwischen Lebensweisen.[4]

[...]


[1] www.destatis.de (Offizielle Homepage des Statistischen Bundesamts)

[2] Hall, Stipendiat aus Jamaika, Williams, Arbeiterkind aus Wales und Hoggart, Arbeiterkind aus
Nordengland, erreichten so Zugang zu den englischen Eliteuniversitäten. Daher siedelte sich auch das
spätere Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) an der Universität Birmingham an, dessen

Direktor Stuart Hall bis 1987 blieb und den Gründer, Richard Hoggart 1968 ablöste.

[3] Marchart, S.52: Williams entwickelte ein gegen kapitalistische Klassenteilung gerichtetes Projekt.
Kultur fasste er als „whole way of life“ auf, was man bildlich so übertragen kann, dass wir in der Kultur
schwimmen wie ein Fisch im Wasser.

[4] Marchart, S. 55.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640324354
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126536
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Schlagworte
Cultural Studies Media Entstehung Gegenstandsbereich Analyse

Autor

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Titel: Cultural Studies und Media Studies