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Märchen: Versuch einer Annäherung auf pädagogischer Ebene

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Was ist ein Märchen?
3.1 Definitionsversuche : Märchenbegriff
3.2 Volksmärchen versus Kunstmärchen

4 Die Merkmale des Märchens
4.1 Eindimensionalität
4.2 Flächenhaftigkeit
4.3 Abstrakter Stil
4.4 Isolation und Allverbundenheit
4.5 Sublimation und Welthaltigkeit

5 Das Märchen in der pädagogischen Diskussion
5.1 Die Grausamkeit in Märchen
5.2 Gehorsam ? !
5.3 Realitätsferne versus kindliches Weltbild oder von der
Wirkung des Märchens auf das Kind
5.4 Das Märchenalter

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

2 Einleitung

Kinder und Märchen – ist diese Verbindung eigentlich so selbstverständlich wie sie klingt? Diese Frage stand am Anfang meiner Untersuchungen. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, habe ich mich dem Märchen auf verschiedenen Ebenen genähert. Im ersten Teil meiner Arbeit habe ich mich dem Märchen auf theoretischer Ebene genähert. Es galt herauszufinden was überhaupt genau ein Märchen ist, was dieses kennzeichnet und wie es sich definiert. Im zweiten Teil meiner Arbeit soll es dann darum gehen, wie all diese Eigenschaften kompatibel mit dem kindlichen Denken sind und ob es, daraus resultierend, überhaupt sinnvoll ist, Märchen in der Pädagogik einzusetzen.

3 Was ist ein Märchen?

Um sich mit der pädagogischen Bedeutung von Märchen auseinanderzusetzen, muss man erst einmal der Frage nachgehen, was überhaupt genau ein Märchen ist. Dies soll in den folgenden Kapiteln unter verschiedenen Gesichtspunkten erläutert werden. Die Resultate sollen dann als Grundlage für die weitere Diskussion dienen.

3.1 Definitionsversuche : Märchenbegriff

Das Wort Märchen ist abgeleitet von dem mittelhochdeutschen Begriff maere, was so viel wie Kunde, Nachricht oder Bericht heißt. Die Verkleinerungsform Märle löste das oberdeutsche Märlein ab und war bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich im Sinne von Gerücht, Nachricht, kleine (unglaubhafte) Erzählung. Daher stammen auch Begriffe wie „Lügenmärchen“ oder auch die Redewendung „Erzähl mir keine Märchen!“. Heute ist der Begriff Märchen weitgehend wertfrei und ist in die Literaturgattung der Epik einzuordnen. Ganz allgemein handelt es sich hierbei um eine kürzere Prosaerzählung, die phantastische, wundersame Elemente enthält und somit nicht an die Bedingungen des wirklichen Lebens geknüpft ist. Die Märchenhandlung ist weder zeitlich, noch räumlich festgelegt. Eine klare Aufteilung und eine einfache Struktur kennzeichnen die Form des Märchens. Inhaltlich steht meist ein „Held“ im Mittelpunkt des Geschehens, in dessen Verlauf sich dieser gegen das Böse durchsetzten muss. „Das Märchen zielt … gemeinhin auf die glückliche Lösung von Konflikten, wie sie dem Wunschdenken von Erzählern und Zuhörern entspricht. Bezeichnend für das Märchen ist die scharfe Konturierung der Protagonisten, die nicht als Individuen, sondern als Typen >flächenhaft< (M. Lüthi) gestaltet sind. “ (Brockhaus 2001, S. 198). Das Märchen ist frei erfunden und hat keinerlei wahre Begebenheiten zur Grundlage. Märchen gab es zu allen Zeiten bei allen Völkern, wie sie auch heute auf der ganzen Welt verbreitet und beliebt sind. In Deutschland ist der Märchenbegriff eng verbunden mit den Gebrüdern Grimm, die im Jahre 1812 erstmals die Sammlung der „Kinder – und Hausmärchen “ herausgaben. Märchen waren ursprünglich nur als Erzählungen für Erwachsene gedacht, erst im 19. Jahrhundert wurden sie u.a. wegen ihrer Irrationalität den Kindern zugeordnet. Ludwig Bechstein, ein Märchensammler des 19. Jahrhunderts, war überzeugt davon, dass Märchen ausschließlich für Kinder bestimmt sind und färbte sie daher pädagogisch ein (vgl. Maier 1993, S. 98 – 99).

3.2 Volksmärchen versus Kunstmärchen

Grundsätzlich unterscheidet man Märchen in zweierlei Arten. Es gibt die Volksmärchen und es gibt die Kunstmärchen. Auf beide möchte ich zum besseren Verständnis im Folgenden näher eingehen. Der hauptsächliche Unterschied beider Märchenarten liegt in ihrer Entstehung. Ein Volksmärchen lässt sich auf keinen bestimmten Urheber zurückführen, es ist von anonymer Herkunft und wurde durch mündliche Überlieferung von Generation zu Generation und von Volk zu Volk weitergegeben, so hat es bereits jahrhundertelang überlebt. In Europa begann man ab dem 16./17. Jahrhundert Volksmärchen aufzuzeichnen und zu sammeln. Wichtige hier zu nennende Werke sind u.a. eine Sammlung von Giambattista Basile aus dem 17. Jahrhundert (die Übersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche heißt: „Das Märchen aller Märchen“) und die von Charles Perrault gegen Ende des 17. Jahrhunderts herausgegeben Erzählungen „Histoires ou contes du temps passe avec des moralitez“, welche einen großen Einfluss auf die Märchen im Deutschland des 19. Jahrhunderts ausübten (vgl. Schaufelberger 1987, S. 15). Einen Höhepunkt solcher Sammlungen stellten die 1812 von den Gebrüdern Grimm herausgegebenen „Kinder – und Hausmärchen“ dar. Das Märchen wurde salonfähig, es „war endgültig buchfähig geworden, es war zum gedruckten Hausbuch aufgestiegen.“ (Lüthi 1996 , S. 51). Im Gegensatz zum Volksmärchen handelt es sich bei einem Kunstmärchen um eine von einem klar identifizierbaren Autor bewusst geschaffene Erzählung. Es ist nicht an traditionelle Erzähltypen oder eine Symbolik gebunden, greift jedoch zum Teil Motive aus der Volksmärchentradition auf und orientiert sich bisweilen an eben diesen. Auch beinhaltet es wunderbare und unwirkliche Elemente, jedoch unterliegt es den Einflüssen der jeweilig vorherrschenden Literaturströmung und ebenso der Weltanschauung und den Ansichten seines Autors. In der Romantik gelangte das Kunstmärchen zu voller Blüte unter der Feder folgender Dichter und Schriftsteller: u.a. Ludwig Tieck, Adelbert von Chamisso, E. T. A. Hoffmann, Clemens Brentano und Wilhelm Hauff. Zu den beliebtesten Kunstmärchen zählen die von dem Dänen Hans Christian Andersen, der zu den meistgelesenen Schriftstellern der Welt gehört.

4 Die Merkmale des Märchens

Im Folgenden möchte ich die Merkmale des Märchens genauer erläutern, um es zu ermöglichen, dessen Wesen besser zu verstehen. Hierbei richte ich mich in meinen Ausführungen nach Max Lüthi, da er auf dem Gebiet der Märchenforschung sehr anerkannt ist und auch von weiteren Autoren immer wieder zitiert wird. In seinem Buch „Das europäische Volksmärchen“ fasst er die Merkmale des Märchens folgendermaßen zusammen:

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640323746
ISBN (Buch)
9783640321674
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126467
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Märchen Versuch Annäherung Ebene

Autor

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Titel: Märchen: Versuch einer Annäherung auf pädagogischer Ebene