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Die Bundesrepublik als Polyarchie im Sinne Robert A. Dahls

Studienarbeit 2009 14 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Bundesrepublik als Polyarchie im Sinne Robert A. Dahls
1. Kurzbiografie zu Robert Alan Dahl
2. Zum Begriff der Polyarchie
3. Die Merkmale einer Polyarchie
4. Anwendung auf die Bundesrepublik

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Laufe der Geschichte gab es viele große Denker, die sich mit einem ganz speziellen Phänomen auseinandergesetzt haben: der Demokratie. Zu nennen sind hier u. a. Aristoteles, Joseph A. Schumpeter, Sir Karl Popper und Fritz W. Scharpf. Sie alle versuchten, die Voraussetzungen, Wesenszüge, Wirkungsweisen und/oder Probleme dieser Staatsform herauszuarbeiten und zu erklären. Dabei setzten sie in ihren Überlegungen unterschiedliche Schwerpunkte, wodurch heute eine recht heterogene Vielfalt solcher Demokratietheorien existiert.[1] Jedoch ist die Thematik noch längst nicht vollständig ausgereizt (sofern dies überhaupt möglich ist), weshalb sich auch heute noch zahlreiche Forscher mit der Demo-kratie beschäftigen. Hierbei sei insbesondere auf den amerikanischen Politikwissenschaftler Robert Alan Dahl verwiesen, der mit seinem Konzept der Polyarchie, welches er im Jahre 1971 entwickelte, wohl eine der interessantesten und am meisten beachteten Demokratietheorien überhaupt geschaffen hat.

Die nachfolgenden Ausführungen beschäftigen sich mit eben dieser Theorie. Ziel ist es, dem Leser einen ersten Überblick über das relativ komplexe Konzept der Polyarchie zu ermöglichen. Dazu sollen einleitend einige Informationen zu dessen Schöpfer, Robert Alan Dahl, gegeben werden. Der zweite und der dritte Punkt widmen sich den Fragen, was unter dem Begriff der Polyarchie überhaupt zu verstehen ist und durch welche Merkmale sie konstituiert wird. Abschließend soll der Versuch unternommen werden, Dahls Modell an einem praktischen Beispiel zu veranschaulichen. Hierzu wird geprüft, ob die Bundesrepublik Deutschland die zuvor erwähnten Merkmale aufweist und somit eine Polyarchie im Sinne Dahls ist.

Die Bundesrepublik als Polyarchie im Sinne Robert A. Dahls

1. Kurzbiografie zu Robert Alan Dahl

Robert Alan Dahl wurde 1915 in Inwood, Iowa geboren. Er studierte an der Universität Yale, wo er 1940 seine Dissertation Socialist Programs and Democratic Politics. An Analysis. beendete. In den darauf folgenden Jahren diente Dahl als US-Infanterist im Zweiten Weltkrieg. Nach dessen Ende kehrte Dahl nach Yale zurück, um dort seine Tätigkeit als Professor für Politikwissenschaft aufzunehmen. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1986[2] und erwarb sich den Rang eines Sterling Professors. Dahl ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen, darunter die National Academy of Sciences, die American Philosophical Society und die American Academy of Arts and Sciences. Außerdem war er Präsident der American Political Science Association.[3] Im Laufe seines Lebens hat er eine Vielzahl an wissenschaftlichen Schriften verfasst. Dazu gehören neben einer ungeheuren Masse an Aufsätzen und Artikeln auch viele Bücher, für die Dahl z. T. mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden ist.[4] Seine Arbeiten sind für die jüngere Demokratieforschung von großer Bedeutung, weshalb er von Politikwissenschaftlern auf der ganzen Welt hoch angesehen wird. Man könnte sagen, Dahl „dominiert seit fünf Jahrzehnten die internationale Diskussion über die Demokratie“[5].

2. Zum Begriff der Polyarchie

Was hat es nun aber mit Dahls bekanntestem Konzept, der Polyarchie (im englischen Original polyarchy), eigentlich auf sich? Der Begriff selbst wurde bereits im antiken Griechenland verwendet und bedeutet soviel wie „Vielherrschaft“. Dahl hat den Ausdruck in seinem 1971 erschienenen Buch Polyarchy. Participation and Opposition. wieder aufgegriffen.[6] Dort verwendete er den Begriff, um die Staatsform der modernen westlichen Industrienationen zu beschreiben, welche von uns für gewöhnlich als „Demokratie“ oder „Repräsentativ-demokratie“ bezeichnet wird. Dahl lehnt diese Bezeichnungen jedoch ab. Die Demokratie ist für ihn ein Idealzustand, der in keinem Land dieser Erde faktisch vorzufinden sei, vielleicht sogar niemals erreicht werden könne. Außerdem erinnere der Begriff zu sehr an die politischen Gegebenheiten in den antiken Stadtstaaten, die mit denen in den heutigen Flächenstaaten nur noch wenig gemein hätten. Auch den Begriff der Repräsentativdemokra-tie lehnt Dahl als Bezeichnung für die heutigen westlichen Regierungssysteme ab. Er diene bereits zur Beschreibung der politischen Gegebenheiten im Europa und Nordamerika der Vormoderne, als bspw. Frauen noch kein Wahlrecht hatten und sei daher für die Erläuterung gegenwärtiger Strukturen unbrauchbar. Der Begriff der Polyarchie kann folglich ganz einfach als besondere Art einer Regierungsform moderner Staaten verstanden werden,[7] welche in erster Linie bei den westlichen Industrienationen anzutreffen ist. Von anderen Staaten unserer Zeit, die wir gemeinhin als „Diktaturen“ bezeichnen, unterscheiden sich Polyarchien durch zwei Dimensionen: Partizipation („inclusiveness“), also das Recht möglichst vieler Bürger auf die Teilhabe am politischen Prozess sowie freien Wettbewerb („liberalization“)[8], also die Tolerierung von Opposition und sonstigen Andersdenkenden. Diese beiden Dimensionen sind auch die maßgeblichen Größen für Dahls Staatentypologie, welche sich grafisch wie folgt darstellen lässt:[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Staaten, in denen es keinen freien Wettbewerb gibt, nennt Dahl „Inklusive Hegemonien“ („inclusive hegemonies“); solche, in denen es keine Partizipation gibt, bezeichnet er als „Wettbewerbs-Oligarchien“ („competitive oligarchies“). Fehlen gar beide Elemente, so spricht er von „Geschlossenen Hegemonien“ („closed hegemonies“). Laut Dahl sei es für eine Nation unmöglich, beiden Dimensionen vollständig zu genügen. Eine Nation könne nur ein relatives Höchstmaß an Partizipation und freiem Wettbewerb erreichen. In solchen Fällen spreche man von „Polyarchien“ („polyarchies“)[10]. Auch seien die hier dargestellten Staatsformen als Idealtypen zu verstehen, d. h. in der Realität könnten durchaus Mischformen auftreten. Zudem seien auch Verschiebungen innerhalb des Koordinatensystems möglich. Würde ein Staat bspw. für ein Mehr an Partizipation und/oder freiem Wettbewerb sorgen, so wäre dies eine Entwicklung hin zur Polyarchie.[11] Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Polyarchien „relativ (aber unvollständig) demokratisierte Regime“ sind, welche in „zweierlei Richtung demokratisch verbesserbar“[12] sind: zum einen im Hinblick auf den öffentlichen Wettbewerb, zum anderen bezüglich der Partizipation der Bürger. Durch Ausdifferenzierung dieser beiden Dimensionen gelangte Dahl zu sechs konkreten Merkmalen bzw. Institutionen, welche in einem Staat vorhanden sein müssen, damit dieser als Polyarchie bezeichnet werden kann. Er hat somit etwas bis dato Einmaliges und für die Politikwissenschaft äußerst Nützliches geschaffen: eine Art „Checkliste“, mit welcher der Demokratisierungsgrad sämtlicher Länder der Welt relativ einfach gemessen werden kann. Diese Merkmale sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

[...]


[1] Vgl. Stüwe, Klaus/Weber, Gregor (Hrsg.): Antike und moderne Demokratie. Stuttgart 2004. S. 82-84, 90-93, 257-262, 289-296.

[2] Vgl. http://www.vergleichende-politikwissenschaft.de/dahl.htm (Zugriff 09.03.09)

[3] Vgl. http://elsinore.cis.yale.edu/polisci/dahl/index.htm (Zugriff 09.03.09)

[4] Für sein Buch Democracy and Its Critics erhielt er bspw. gleich zwei Preise: den Woodrow Wilson Foundation Book Award (1990) sowie den Elaine and David Spitz Book Prize (1991).

Vgl. Dahl, Robert A.: Democracy and Its Critics. New Haven und London 1989. Rückseite.

[5] Stüwe und Weber (Hrsg.) 2004, a. a. O., S. 90.

[6] Vgl. Weiß, Ulrich: Polyarchie. In: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe. Band 2: N-Z. München 2005. S. 778-779.

[7] Vgl. Stüwe und Weber (Hrsg.) 2004, a. a. O., S. 90-93.

[8] Dahl, Robert A.: Polyarchy. Participation and Opposition. New Haven und London 1971. S. 4.

[9] Eigene Grafik und Übersetzung gemäß Dahls Vorlage. Vgl. ebd., S. 7.

[10] ebd., S. 7.

[11] Vgl. Dahl 1971, a. a. O., S. 4-9.

[12] Weiß 2005, a. a. O., S. 778.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640323227
ISBN (Buch)
9783640321254
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126365
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Schlagworte
Deutschland Bundesrepublik Polyarchie Polyarchy Dahl Robert Dahl Robert Alan Dahl Demokratie Demokratietheorie

Autor

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