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National Stereotypes

Unterrichtsentwurf 2008 20 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Gliederung

1 Ausführung des Stundenentwurfs
1.1 Thema und Klassenstufe
1.2 Inhalt
1.3 Stoffverteilungsplan
1.4 Stoffliche Überlegungen
1.4.1 Lehrplanbezug
1.4.2 Didaktische Literatur
1.5 Pädagogische Überlegungen
1.6 Stundenziele
1.7 Methodisch-didaktische Überlegungen

2 Reaktionen und Vorschläge

3 Quellen

4 Anhang

1 Ausführung des Stundenentwurfs

1.1 Thema und Klassenstufe

In der geplanten Unterrichtsstunde sollen sich die Schüler mit dem Thema Stereotypes,

genauer gesagt mit der Problematik von National Stereotypes auseinandersetzen. Die

Stunde bzw. Unterrichtseinheit ist für die 11. Jahrgangsstufe konzipiert.

1.2 Inhalt

Da der Begriff stereotype den Kern der geplanten Unterrichtsstunde bildet, ist es sinnvoll, diesen nicht nur intuitiv zu gebrauchen, sondern ihn auch zu definieren. Zur Definition des Begriffs wird der Enzyklopädie-Artikel „Stereotypes“ aus der Routledge encyclopedia of language teaching and learning[1] herangezogen. Aufgrund des Umfangs wird den Schülern jedoch nur eine gekürzte Fassung des Artikels vorgelegt. Des Weiteren sollen die Schüler die Ergebnisse einer Umfrage zum Deutschlandbild britischer Studenten auswerten bzw. beurteilen. Den Schülern wird zu diesem Zweck ein kleiner Ausschnitt aus der empirischen Dokumentation zu einem Aufsatz[2] von Jürgen Bolten, einem Forscher im Bereich der interkulturellen Kommunikation und des interkulturellen Lernens an der Universität Jena, vorgelegt. Als Hauptmedium der Doppelstunde dient jedoch der Text „Sorry, Germany, but the joke’s still on you“[3], der am 07.08.2004 in der Online-Ausgabe des Daily Telegraph veröffentlicht wurde.

1.3 Stoffverteilungsplan

Die 90-minütige Unterrichtsstunde zum Thema „National Stereotypes“ ist in die Unterrichtseinheit „Great Britain – A Cultural Survey“ eingebettet. Die Unterrichtseinheit, die insgesamt 7 Stunden umfasst, soll einen kulturellen Überblick über Großbritannien mit seinen Teilstaaten England, Schottland und Wales vermitteln und setzt sich aus den folgenden Unterrichtsstunden zusammen:

Die erste Stunde der Unterrichtseinheit soll den Schülern einen Überblick über die geographische Situierung Großbritanniens, seiner Teilstaaten, Regionen und bedeutendsten Städte bieten. In diesem Kontext soll auch vermittelt werden, dass London das wirtschaftliche und kulturelle Zentrums Großbritanniens darstellt und dass der Wohlstand sowie die Wirtschaftskraft mit steigender Entfernung von der englischen Hauptstadt abnehmen. Diese Sachverhalte sollen mit Hilfe von Sachtexten, Landkarten und Statistiken herausgearbeitet werden, weshalb der Fokus in der ersten Stunde vor allem auf der Schulung der Lesekompetenz liegt.

Die folgende Doppelstunde, deren Ablauf weiter unten noch genauer erläutert wird, beschäftigt sich mit nationalen Stereotypen. Neben einer Definition des Begriffs s tereotype soll beleuchtet werden, welche deutschen Hetero- bzw. Fremdstereotypen über Großbritannien existieren. Danach wird ein Perspektivenwechsel durchgeführt, indem die deutschen Vorstellungen von Großbritannien den britischen Heterostereotypen über Deutschland gegenübergestellt werden. Letztere sollen den Schülern mit Hilfe der oben beschriebenen Umfrage zum Deutschlandbild britischer Studenten näher gebracht werden. Im Anschluss arbeiten die Schüler mit einem Text, der nochmals das britische Deutschlandbild thematisiert und beschreibt, wie das deutsche Goethe-Institut mit Unterstützung der deutschen Staatsregierung versucht, das Image Deutschlands in Großbritannien durch eine gezielte Kampagne aufzuwerten.

Aufgrund dieser Textarbeit soll wie bereits in der ersten Stunde die Lesekompetenz der Lerner geschult werden. Ein Hauptziel dieser Doppelstunde ist jedoch auch die Förderung der interkulturellen Kompetenz.

In der vierten Stunde soll der Frage nachgegangen werden, welches Bild die Briten von sich selbst haben. In diesem Zusammenhang sollen vor allem Begriffe wie z.B. independence, sense of freedom, team spirit, fair play oder common sense fallen. Dieses Selbstbild soll den Schülern durch Interviews mit Briten bzw. durch das Vorspielen kurzer Video-Clips vermittelt werden, wodurch vor allem das Hörverstehen geschult wird. Außerdem sollen die Erkenntnisse dieser Schulstunde in Bezug zur vorhergehenden Doppelstunde gesetzt werden. Dabei sollen die Schüler diskutieren, inwieweit ihre Vorstellungen von Großbritannien vom britischen Selbstbild abweichen und welche Faktoren für die Abweichungen verantwortlich sein könnten. Diese Diskussion ist vorgesehen, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Sprechkompetenz zu verbessern.

In der fünften Stunde soll der Klasse durch das Vorführen eines Dokumentarfilms das britische s ystem of government näher gebracht werden. Gleichzeitig soll dadurch vor allem das Hörverstehen geschult werden. Das inhaltliche Ziel der Stunde ist die Vertiefung der Kenntnisse über die Monarchie im Allgemeinen, über das Parlament mit seinem House of Commons und House of Lords sowie über das Wahl- und Parteiensystem.

Als Hausaufgabe auf die sechste Stunde sollen die Schüler vom Lehrer ausgewählte Texte zum britischen education system lesen. Die Texte sollen die Schüler beispielsweise über den Unterschied zwischen state-funded und fee-paying private bzw. public schools (wie z.B. Eton, Harrow oder Winchester), aber auch über typische Begriffe wie z.B. comprehensive school informieren. In der Stunde selbst werden die Schüler dann gebeten, einen Brief an einen englischen Brieffreund bzw. an eine englische Brieffreundin zu schreiben, in dem sie ihrem/r Freund/in den Aufbau des deutschen Bildungssystems erklären und – wo es sich anbietet – Parallelen oder Differenzen zum britischen Bildungssystem aufzeigen sollen. In dieser Schulstunde soll vor allem die Schreibkompetenz der Schüler gefördert werden.

In der letzten Stunde der Unterrichtseinheit sollen sich die Schüler durch eine Internetrecherche einen Überblick über die britische Presselandschaft verschaffen.

Indem die Schüler gezielt auf Online-Ausgaben der quality newspapers (z.B. The Times, The Independent, The Daily Telegraph) sowie auf Seiten der popular newspapers (z.B. The Sun, The Mirror) gelenkt werden, sollen ihnen die Unterschiede zwischen quality und popular press vor Augen geführt werden. Diese Unterschiede sollen die Schüler dann in kurzen Referaten der Klasse präsentieren. Neben der dadurch erzielten Förderung der Sprechkompetenz steht in dieser letzten Stunde der Unterrichtseinheit vor allem die Schulung der Medienkompetenz im Vordergrund.

1.4 Stoffliche Überlegungen

1.4.1 Lehrplanbezug

Beim Entwurf einer Stunde bzw. Unterrichtseinheit gilt es natürlich stets, die Inhalte sowie die Methoden ihrer Vermittlung durch den Lehrplan zu rechtfertigen. Das Lesen des Textes aus dem Daily Telegraph ist insofern gerechtfertigt, als der Lehrplan für das bayerische Gymnasium[4] „authentische Texte“ als „Grundlage des Englischunterrichts in den Jahrgangsstufen 11 und 12“ einstuft und des Weiteren fordert, dass in der Oberstufe „authentische expositorische und argumentative Sach- und Gebrauchstexte (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften und aus dem Internet)“ gelesen werden sollen. Zudem sollen die Schüler „Statistiken [...] erschließen und analysieren“, womit das Arbeiten mit der oben genannten Umfrage begründet werden kann. Ein weiteres Ziel des Englischunterrichts in der Oberstufe ist die Erweiterung des Wortschatzes „entsprechend den im Unterricht behandelten thematischen Schwerpunkten“. Diese Wortschatzerweiterung wird in der später beschriebenen Doppelstunde im Rahmen der Textarbeit erfolgen. Bezüglich des interkulturellen Lernens und der Landeskunde soll im Rahmen der Unterrichtseinheit außerdem die Forderung des Lehrplans erfüllt werden, dass die Schüler sich mit „Grundprinzipien und prägenden Vorstellungen [anglophoner] Kulturen“ auseinandersetzen sollen. Der Ausbau der „Fähigkeit zum mehrperspektivischen Umgang mit kulturellen Phänomenen“ wird vor allem in der Stunde zum Thema National Stereotypes erreicht, in der sich die Schüler in die Denkweise der Briten hineinversetzen sollen. Dadurch soll den Schülern auch die vom Lehrplan angesprochene „kulturelle Bedingtheit von Haltungen und Einstellungen“ bewusst gemacht werden.

1.4.2 Didaktische Literatur

Beim Entwurf von Unterrichtsstunden sollte der Lehrer nicht nur die Richtlinien des Lehrplans beachten, sondern im Idealfall auch fachdidaktische Literatur konsultieren. Zieht man aktuelle fachdidaktische Standardwerke heran, so lässt sich feststellen, dass der Ausbildung der Lesefertigkeit eine Schlüsselrolle innerhalb des Fremdsprachenunterrichts eingeräumt wird:

Leseverstehen ist eine zentrale Fertigkeit des Fremdsprachenunterrichts. Techniken des Leseverstehens haben fächerübergreifende Bedeutung und sind für jeglichen Umgang mit Texten wesentlich. [...] Mit einer gezielten Entwicklung des Leseverstehens wird ein wichtiger Schritt in Richtung Lernerautonomie getan.[5]

Auch die Ausführungen der Didaktikerin Madeline Lutjeharms zum Erwerb fremdsprachlicher Lesefertigkeiten rechtfertigen die intensive Textarbeit innerhalb der entworfenen Stunde bzw. innerhalb der ganzen Unterrichtseinheit:

Die Lesefertigkeit ist im Laufe der Zeit immer wichtiger geworden. Wir lesen geschriebene Texte auf Papier, auf dem Bildschirm, auf Schildern und Plakaten. Zum Erwerb einer Fremdsprache – besonders dann, wenn man außerhalb des Zielsprachengebietes lebt – ist Lesen vielleicht die wichtigste der zu erwerbenden Fertigkeiten.[6]

Neben dem Erwerb von Lesefertigkeiten steht auch das interkulturelle Lernen im Fokus der modernen Fremdsprachendidaktik. Dieses wird von Doff und Klippel in drei Kompetenzbereiche unterteilt, nämlich in Wissen (knowledge), Können (skills) und Einstellung (attitudes).[7] Während vor einigen Jahrzehnten noch „landeskundliches Faktenwissen“, sprich, „deklaratives Wissen über englischsprachige Länder“ im Zentrum des fremdsprachlichen Kulturkundeunterrichts stand, werden heutzutage das Können („Fertigkeiten, die notwendig sind, um sich mit einer fremden Kultur auseinanderzusetzen und im Zielland erfolgreich zu handeln“) und die Einstellung („Neugier und Offenheit gegenüber anderen Kulturen“) als ebenso bedeutsam für das interkulturelle Lernen erachtet (vgl. Doff/Klippel 2007: 117-119). In der geplanten Stunde soll vor allen Dingen der dritte Kompetenzbereich (attitudes) im Vordergrund stehen, zu welchem Doff und Klippel (2007: 119) Folgendes anmerken:

Der Blick auf andere Kulturen verändert idealerweise auch den auf die eigene, indem ein Bezug zwischen beiden hergestellt und das Bewusstsein dafür (cultural awareness) geschärft wird. Bei diesem Prozess kommt es darauf an, Wertungen weitgehend zu relativieren bzw. sie in jedem Fall bewusstzumachen. Stereotypen können hilfreich sein, um komplexe Phänomene in einer fremden Kultur zu begreifen, müssen in weiteren Schritten aber kritisch hinterfragt und relativiert werden, damit sie sich nicht zu Vorurteilen, also negativen Wertungen ohne fundierte Grundlage, verfestigen.

[...]


[1] Byram, Michael (Hrsg.): Routledge encyclopedia of language teaching and learning. London: Routledge. 2002.

[2] Bolten, Jürgen: „Die Entwicklung von Nationalstereotypen im Globalisierungsprozess. Hypothesen zum Auftakt einer international durchgeführten Langzeituntersuchung zu Veränderungen des Deutschlandbildes bei Studierenden“. In: Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht, Bd. 11, Nr.3. 2006.

[3] The Daily Telegraph: “Sorry, Germany, but the joke’s still on you”. Veröffentlicht am 07.08.2004. <URL: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/germany/ 1468937/Sorry%2C-Germany%2C-but-the-joke%27s-still-on-you.html>. Stand: 16.06.2008.

[4] Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München: Lehrplan für das bayerische Gymnasium, Englisch, Jahrgangsstufe 11/12 (G8). URL: <http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26513&PHPSE SSID=78b006cfe267f920a112b2fc66f20753>. Stand: 10.06.2008.

[5] Hermes, Liesel: „Leseverstehen“. In: Timm, Johannes-P. (Hrsg.): Englisch lernen und lehren. Berlin: Cornelsen. 2005. S. 236.

[6] Lutjeharms, Madeline: „Zum Erwerb fremdsprachlicher Lesefertigkeiten“. In: Jung, Udo O.H. (Hrsg.): Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. Bd. 2. Frankfurt a.M.: Peter Lang. 2006. S. 145.

[7] Doff, S. und Klippel F.: Englische Fachdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen. 2007. S. 117.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640370061
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126356
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Institut für Anglistik und Amerikanistik
Note
1,7
Schlagworte
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Autor

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Titel: National Stereotypes