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Die Mittelstandsinitiative der Bundesregierung

Hausarbeit 2003 30 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Mittelstand (Definition)
2.1. Der quantitative Aspekt
2.2. Der qualitative Aspekt

3. Aktueller Stellenwert des Mittelstandes

4. Mittelstandspolitik der Bundesregierung
4.1. Förderung von Existenzgründern und Kleinunternehmen
4.2. Sicherung und Verbesserung der Mittelstandsfinanzierung
4.2.1. Die Mittelstandsbank – Mittelstandsfinanzierung aus einer Hand
4.2.2. Basel II
4.2.3. Zahlungsmoral
4.3. Masterplan Bürokratieabbau
4.4. Innovationsinitiative Mittelstand
4.5. Außenwirtschaftsinitiative für kleine und mittlere Unternehmen
4.6. Initiative zur Modernisierung der Aus- und Weiterbildung

5. Schlusswort

6. Literatur- / Quellenverzeichnis

7. Erklärung zur Haus-/Diplomarbeit gemäß § 26 Abs. 6 DiplPrüfO

1. Einleitung

Der Mittelstand ist heute in Deutschland mehr denn je Leistungs- und Hoffnungsträger für mehr Wachstum und Beschäftigung. Zugleich sind die etwa eine Million mittelständischen Unternehmen und deren mehr als zwei Millionen Inhaber und Gesellschafter auch eine wichtige Nachfragegröße: Sie sind Abnehmer, Investoren und eine bedeutende Werbe- und Marketingzielgruppe. Mittelständische Unternehmen spielen aufgrund ihrer Flexibilität eine entscheidende Rolle für die Dynamik unserer Volkswirtschaft. Schließlich und nicht zuletzt ist der Mittelstand mit insgesamt mehr als 20 Millionen Beschäftigten die tragende Säule des deutschen Arbeitsmarktes.[1] Aufgrund dessen ist es sehr wichtig, eine geeignete Politik zur Förderung und Stärkung des Mittelstandes zu schaffen und zu praktizieren.

Was aber versteht man unter dem Begriff des Mittelstandes? In welchem Zusammenhang wird er benutzt? Welche Schichten der Bevölkerung zählen zum Mittelstand? Und daraus resultierend: Welche Bedeutung haben mittelständische Unternehmen für die deutsche Volkswirtschaft?

In dieser Hausarbeit stellen wir uns den o.g. Fragen und wollen die Mittelstandsinitiative der Bundesregierung (rot – grün respektive SPD – Bündnis 90 / Die Grünen) näher erläutern.

2. Mittelstand (Definition)

Der Begriff „mittelständisch“, abgeleitet von Mittelstand, beinhaltete früher die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht und verengte sich dann auf die Gruppe selbständig Erwerbstätiger.[2] Zu den selbständig Erwerbstätigen zählen die allein tätigen Freiberufler sowie die persönlich haftenden Unternehmer, die einem Unternehmen mit mehreren Tausend Beschäftigten vorstehen. Weder der Freiberufler noch der persönlich haftende Unternehmer ist aber im Zusammenhang mit mittelständischen Unternehmen gemeint. Im ausländischen Sprachgebrauch gibt es kein entsprechendes Wort für „mittelständisch“. Mittelständische Unternehmen im deutschen Sprachgebrauch sind Wirtschaftsunternehmen, die eine bestimmte Größenordnung nicht überschreiten und in denen ein Unternehmer als Kapitalgeber die Hauptverantwortung trägt. Ähnlich werden auch die Klein- und Mittelunternehmen definiert. Entsprechend der internationalen Gepflogenheit und der offiziellen Sprachregelung in der Gesetzgebung und der Wissenschaft soll daher im folgenden nicht von mittelständischen Unternehmen, sondern von den „Klein- und Mittelunternehmen (KMU)“ gesprochen werden.[3] Dabei wird mit diesem Begriff mehr als nur die Definition der Größe verbunden. Er ähnelt inhaltlich durchaus dem, was in Deutschland unter „mittelständisch“ verstanden wird.[4]

2.1. Der quantitative Aspekt

Aus quantitativer Sicht beschreibt der Begriff "wirtschaftlicher Mittelstand" über alle Bran­chen hinweg die Gesamtheit von Unternehmen[5] und freien Berufen, soweit sie eine bestimmte Größe nicht überschreiten.[6] Da man einen geeigneten Größenindikator benötigt, wirft die statistische Festlegung dieser bestimmten Unternehmensgröße i.d.R. einige Probleme auf.

Die Wissenschaft kennt eine Vielzahl solcher Indikatoren, z.B. Gewinn, Anlage­vermögen, Bilanzsumme, Wertschöpfung, Stellung am Markt, Anzahl der Arbeitsplätze, Umsatz und viele mehr. Die amtliche Statistik liefert zu den meisten der hier ange­führten Definiti­onskriterien keine oder nur auf bestimmte Wirtschaftsbereiche be­schränkte Daten. Daher wird - auch im Hinblick auf Repräsentativitätskontrollen von stichproben­haft ge­wonnenen Datensät­zen - in aller Regel ein pragmatischer Ansatz zur Beschreibung von Un­ternehmensgrößen gewählt, der sich lediglich auf die Messung des Umsatzes und der Zahl der Beschäftigten be­schränkt.[7] Dieses Verfahren ist inzwischen weltweit gebräuchlich.

Natürlich muss zur eini­germaßen verlässlichen sta­tistischen Erfassung eines Unternehmensbestandes bzw. zur größen­spezifischen Analyse be­stimmter Fragestellungen auf zusätzliche Informationen bzw. Vari­ablen zurückgegriffen wer­den. Von zentraler Bedeutung ist z.B. der Wirtschaftsbereich. Hinter dem Begriff "Mit­tel­stand" verbergen sich so verschiedene Wirt­schaftsbereiche wie Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistungen und freie Berufe. Jeder dieser Bereiche hat spezifische betriebs- und volks­wirt­schaftliche Eigenheiten, z.B. hinsichtlich seiner Kapital- bzw. Arbeitsintensität, der Größe der relevanten Märkte, der eingesetzten Produktionstechnologien, der Beziehung zu Abnehmern und Lieferanten etc.[8] Sie müssen bei jeder unternehmensgrößenbezogenen Analyse be­ach­tet werden. Abgesehen von der Wahl des Indikators, stellt eine quantitative Abgrenzung immer nur eine zweckorientierte untersuchungsvereinfachende Näherung dar.[9]

2.2. Der qualitative Aspekt

Unter den qualitativen Aspekten, die für das Begreifen des Mittelstands von zentraler Bedeutung sind, ragt die enge Verbin­dung von Unternehmen (bzw. Praxis) und Inhaber heraus. Die enge Verflechtung zwischen Unternehmen und Unternehmer dokumentiert sich idealtypisch in der

- Einheit von Eigentum und Haftung, d.h. der Einheit von wirtschaftlicher Existenz der Leitung und des Unternehmens und in der
- Verantwortlichkeit der Führungsperson für alle unter­neh­mensrelevanten Entscheidungen.[10]

Hieraus kann auf ein weiteres wichtiges qualitatives Kriterium geschlossen werden, nämlich auf das der völligen oder doch zumindest weitgehenden Konzernunabhängigkeit. Aus der Einheit von Unternehmen und Unternehmer resul­tiert die unmittelbare Einwirkung der Unternehmensleitung auf alle strategisch bedeutsamen Vorgänge im Unter­nehmen. Mittelständische Unternehmen sind außerdem geprägt von einer persönlichen Be­ziehung zwischen Mitarbeitern und Führung, die sich z.B. auf die Art der Organisa­tion mit­telständischer Unternehmen, also auch auf ihre betriebswirtschaftliche Struktur, auswirkt.[11] Mitunter wirken die qualitativen Kriterien so stark auf das Gesamtunternehmen ein, dass die quantitativen Aspekte nachrangigen Charakter erhalten. Dies kann dazu führen, dass selbst ein (Industrie-)Betrieb mit weitaus mehr als 500 Beschäftigten seiner Natur nach noch mittelständisch ist.[12]

Zusammenfassend kann man also sagen, dass bei der Definition von KMU eine Vielzahl von Variablen und Indikatoren berücksichtigt werden können/müssen. In Deutschland ist die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn am gebräuchlichsten.

Danach beruht die Zugehörigkeit zum Mittelstand auf drei Kriterien:

- die Beschäftigung liegt unter 500 Mitarbeitern,
- der Umsatz beträgt bis zu 50 Millionen Euro,
- Unabhängigkeit von Großunternehmen und keine Konzernzugehörigkeit.

Diese Zugehörigkeit lässt sich noch weiter unterteilen in kleine- und mittlere Betriebe wie in folgender Tabelle zu sehen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IfM Bonn

Die EU hingegen definiert die mittelständischen Unternehmen wie folgt:

- kleine und mittlere Unternehmen haben weniger als 250 Beschäftigte,
- einen Umsatz bis zu 40 Millionen Euro,
- eine Bilanzsumme unter 27 Millionen Euro,
- weniger als 25 Prozent dürfen in Besitz eines Großunternehmens sein[13]

3. Aktueller Stellenwert des Mittelstandes

Wie bedeutsam der Mittelstand tatsächlich ist, kann man schon von der Anzahl kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) ableiten. Von den etwa 3,4 Millionen Betrieben in Deutschland sind nur 0,3 Prozent nicht mittelständisch strukturiert – beschäftigen also mehr als 500 Leute oder machen mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.[14] Mittelstandspolitik berührt damit die Interessen der überwiegenden Zahl aller Beteiligten. Wie wichtig KMU sind, ist aus folgernder Übersicht zu entnehmen.

Mittelständische Unternehmen

- stellen demnach 99,7 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen in Deutschland dar,
- tätigen 43,2 % aller steuerpflichtigen Umsätze
- tragen mit 48,8 % zur Bruttowertschöpfung aller Unternehmen bei,
- stellen 79,4 % der Erwerbstätigen,
- stellen 77,2 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten,
- stellen 81,9 % der Ausbildungsplätze bereit,
- tätigen 46 % der Unternehmensinvestitionen und
- tragen 12,2 % der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Wirtschaft[15]

Nicht ohne Grund werden KMU auch als „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ bezeichnet.

[...]


[1] vgl. Mind-Mittelstand (Hrsg.): Mittelstand in Deutschland, eine verläßliche Grösse. 2001, S. 2 f. (Internet –Version)

[2] vgl. Bussiek, Jürgen: Anwendungsorientierte Betriebswirtschaftslehre für Klein- und Mittelunternehmen. 2. Auflage, Oldenbourg 1996, S. 17

[3] vgl. ebenda, S. 17

[4] vgl. ebenda, S. 17

[5] Unternehmen und Betrieb werden sinngleich verwandt.

[6] vgl. IfM Bonn (Hrsg.): Unternehmensgroessenstatistik 2001/2002 Daten und Fakten. Bonn 2002, S. 1 f., (Internet – Version)

[7] vgl. ebenda, S. 2

[8] vgl. ebenda, S. 2

[9] vgl. IfM Bonn (Hrsg.): Unternehmensgroessenstatistik 2001/2002 Daten und Fakten. Bonn 2002, S. 2 f., (Internet – Version)

[10] vgl. ebenda, S. 3

[11] vgl. ebenda, S. 3 f.

[12] vgl. IfM Bonn (Hrsg.): Unternehmensgroessenstatistik 2001/2002 Daten und Fakten. Bonn 2002, S. 3 f., (Internet – Version)

[13] vgl. ebenda, S. 7 ff.

[14] vgl. ZBI Berlin (Hrsg.): Mittelstand in Deutschland ; Wunsch und Wirklichkeit. Berlin 06.02.2003, S. 1, (Internet – Version)

[15] vgl. ebenda, S.1

Details

Seiten
30
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638184649
ISBN (Buch)
9783638642507
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12626
Institution / Hochschule
Niedersächsische Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Hildesheim – Betriebswirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Mittelstand

Autor

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Titel: Die Mittelstandsinitiative der Bundesregierung