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Das Verhältnis zwischen Friedrich II und dem Deutschen Orden

Eine Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Goldbulle von Rimini

Seminararbeit 2000 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

A. Einleitung
1. Vorgeschichte der Goldbulle von Rimini
1.1 Der Deutsche Orden – Herkunft und Aufgaben
1.2 Das Verhältnis zwischen Friedrich II. und dem Deutschen Orden
1.3 Das Verhältnis zwischen den Päpsten und dem Deutschen Orden
1.4 Die burzenländische Unternehmung
2. Die Goldbulle von Rimini
2.1 Angebot des Herzoges von Masowien und seine Vorgeschichte
2.2 Vorraussetzungen
2.3 Inhalt der Goldbulle von Rimini
2.4. Autorenschaft der Urkunde
2.5 Absicherung des Anspruches durch den Orden

B. Zusammenfassung /Ergebnis

C. Quellen - und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

A. Einleitung

Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen ,diese bedeutende Herrschergestalt des ausgehenden Hochmittelalters ,der noch einmal die große Würde des römischen Königstums betont hatte und auch deswegen in solch einem starken Konflikt zu den Päpsten seiner Zeit geraten war ,daß er als Gebannter sterben mußte ,pflegte doch eine bemerkenswerte Beziehung zu einer eigentlich kirchlichen Einrichtung ,dem Deutschen Orden.

Dieser war als letzter der drei großen Ritterorden in Palätina entstanden ,um dort nach mittelalterlicher Anschauung als Teil eines neuen Ideals einer für den wahren Glauben kämpfenden ritterlichen Elite zu wirken. Daß er schon vor dem Ende der durch diesen Kampf entstandenen christlichen Herrschaft ein neues Betätigungsfeld im damals noch heidnischen Preußen finden konnte ,verdankte er auch der Goldbulle von Rimini ,die der Kaiser ihm 1226 verliehen hatte.

Dieses Dokument ,was später auch als die Magna Charta des Deutschen Ordens bezeichnet wurde , legte den Grundstein für die Gründung des Deutschordensstaates , welcher bis 1525 im Baltikum und Preußen bestand und der Vorläufer des späteren Preußen war. So hat eine Handlung Friedrichs II. fast bis in unsere Zeit eine spürbare Auswirkung gehabt.

In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, welchen Charakter die Beziehungen zwischen dem Kaiser und dem Orden, natürlich auch unter Berücksichtigung des Anteils Hermanns von Salza, hatten. Ein besonderer Wert wird dabei auf die Vorraussetzungen, das Zustandekommen, dem Inhalt und die Absicherung der Ansprüche des Ordens aus dieser Goldbulle gelegt. Dem Ganzen wird auch ein kurzer Überblick auf die Interessen ,die der Kaiser in diesem geographischen Gebiet hatte, beigefügt ,ebenso wie eine kurze Zusammenfassung der Stellung des Ordens zum Papst ,die angesichts seines kirchlichen Charakters von besonderer Bedeutung ist und einer kurzen Darstellung des Charakters des Ordens.

Die Literatur zu diesem Thema ist sehr umfangreich, grundlegend sind insbesondere die im Literaturverzeichnis angegebenen Werke von Kluger,Tumler und ,trotz seines Alters , auch Caspar.

1. Vorgeschichte der Goldbulle von Rimini

1.1 Der Deutsche Orden – Herkunft und Aufgaben

Der sog. Deutsche Orden wurde während dem dritten Kreuzzug im Jahr 1190 in einem Feldlager vor Akkon in Palästina von Bürgern aus Bremen und Lübeck gegründet .Er war zunächst eine Spitalbruderschaft, d.h. er widmete sich der Krankenpflege und über-nahm die Lebensnormen der Johanniter[1]. Seinen offiziellen Namen „Ordo fratro domus hospitalis sancte Marie Theutonicorum Jerosolymitane“ hatte er aus der Tradition des kurz nach dem ersten Kreuzzuges entstandenen deutschen Hospitals in Jerusalem übernommen. Das entscheidende Merkmal dieses Namens war später bei allen Abkürzungen immer die Bezeichnung deutsch, diese fiel nie weg, was auch außerhalb galt, so das sich die Bezeichnung die deutschen Herren oder Deutscher Orden durchsetzte[2].

Dieses Hospital wurde nach der Eroberung der Stadt auf deren Gebiet verlegt und der Orden 1198 in einen Ritterorden umgewandelt, welcher in seiner Regel die der beiden älteren Ritterorden im heiligen Land, der Johanniter und der Templer, befolgen sollte.Er hatte also die Pflege von Kranken wie die Johanniter und der Heidenkampf, wie die Templer, zur Aufgabe[3].

Ob der Orden im Gegensatz zu den Templern und Johannitern, die keine nationale Beschränkung bei der Aufnahme neuer Ordensbrüder kannten, nur Deutschen vorbehalten war, ist in der Literatur umstritten[4], die Belege der Gegner dieser Annahme jedoch erscheinen überzeugender. In der Praxis aber waren fast nur deutsche Ritterbürtige ihm beigetreten, so daß er sich deutlich von den französisch dominierten Templerorden und dem romanischen Johannitern unterschied und als der deutsche Orden schlechthin galt.[5]

Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag zu Beginn in der Bekämpfung der Moslems in Palästina, wo es dem Orden gelang, durch umfangreiche Schenkungen und Ankauf einen großen Grundbesitz zu erhalten. Daneben erwarb der Orden auch einen solchen in Europa, hauptsächlich im heiligen römischen Reich und Sizilien, aber auch in Spanien, Frankreich und Griechenland[6]. Ab 1230 hatte man dann einen neuen Tätigkeitsschwerpunkt in Preußen, welches der Orden von Friedrich II übertragen bekommen hatte[7]. Auch dort war die Aufgabe die Heidenbekämpfung, daneben aber gelang es aber auch, einen Staat zu errichten, der bis 1525 in der Hand des Deutschen Ordens blieb. Dorthin, auf die Marienburg, hatte man auch 1309 den Sitz des Hochmeisters, welcher der oberste Repräsentant des Ordens war, verlegt[8]. So hatte der Orden nach dem endgültigen Verlust des heiligen Landes ein neues Aufgabengebiet gefunden.

1.2 Das Verhältnis zwischen Friedrich II. und dem Deutschen Orden

Zwischen dem Deutschen Orden und den deutschen Herrschern hatte schon vor der Zeit Friedrichs II ein gutes Verhältnis geherrscht. So war seine Gründung auf Initative des Heerführers Kaiser Friedrichs I Barbarossa erfolgt und die folgenden Könige statteten ihn mit zahlreichen Donationen aus. Schon unter König Philipp erlangte der Orden 1206 das wichtige Recht, auch Reichslehen erwerben zu dürfen[9] Besonders dann zu Friedrich II entwickelte sich ein so enges Verhältnis, daß man es schon als das eines „Hausordens“ zu den Staufern[10] bezeichnet hat. So galt ihm der Orden als das besondere Werk seiner Vorfahren[11], wobei er Friedrich I. Barbarossa und Heinrich VI. meinte, deren Unterstützung aber nicht belegbar ist.Er erneuerte das Privileg von König Phillipp am 12. März 1214 und schenkte dem Orden in der Folge eine große Anzahl von Gütern im gesamten Reichsgebiet, was dann auch seine Söhne Heinrich (VII) und Konradin taten.[12]

Desweiteren benutzte Deutschordensritter für die Erfüllung von Aufgaben, die eine besondere Zuverlässigkeit vorraussetzten. Als Beispiel hierfür wäre die Begleitung seiner Verlobten von Syrien nach Brindisi durch einen Ordensbruder oder Kurierdienste derselben zu nennen. Diese Bindung ging sogar soweit, daß Friedrich II 1216 bestimmte, daß der jeweilige Ordensmeister zu seiner Familia gehören sollte. Zudem war ein Hochmeister des Ordens, Hermann von Salza, über Jahrzehnte hinweg sein wichtigster Berater, mit ihm war er auch freundschaftlich verbunden.[13]

Diese guten Beziehungen zwischen dem Kaiser und dem Orden hatte für beide Seiten Vorteile. So konnte sich Friedrich nach seinem Kreuzzugsgelübde anläßlich seiner Krönung zum deutschen König 1215[14] bei dessen Vorbereitung und Durchführung auf den Orden und seinen Hochmeister verlassen So unternahm dieser als Vertreter des Kaisers eine Reise nach Deutschland, um dort für den Kreuzzug zu werben. Darüber hinaus leistete Hermann dem Kaiser große Dienste bei der Vermittlung zwischen diesem und den Päpsten in deren zahlreichen Konflikten, er war bis zu seinem Tode 1239 fast ununterbrochen als Vermittler tätig.[15] Aber auch zu anderen Bereichen leistete er dem Kaiser große diplomatische Dienste. So vermittelte er im Auftrag des Kaisers mit den lombardischen Städten, war der Verhandlungsführer bei der Frage der Freilassung König Waldemars von Dänemark und unterstützte den Kaiser auch bei seinem Aufenthalt im heiligen Land, wo er am Ausgleich mit dem Sultan Elkamil und den übrigen Kreuzfahrern beteiligt war.[16]

In Palästina zeigte sich im übrigen ganz besonders deutlich, daß nicht nur zwischen Hermann von Salza und Friedrich II, sondern zwischen dem Staufer und dem Orden insgesamt ein besonderes Verhältnis bestand. So ließ Papst Gregor IX. nach der Ankunft des gebannten Kaisers dort 1228 insbesondere den drei Ritterorden den Befehl überbringen, diesem jegliche Unterstützung zu versagen. Diese Weisung wurde von den Johannitern und den Templern auch sofort erfüllt, nur der Deutsche Orden schlug sich auf die Seite des Gebannten. Das dieser Dienst die Vertrauensstellung des Ordens und seines Hochmeisters bei Friedrich noch erhöhte, zeigte sich beispielhaft, als er kurz darauf den Oberbefehl über die Truppen u. a. Hermann überließ. Trotzdem konnte der Orden sich nicht vollkommen dem Papst entziehen, da er ja auch Teil der Geistlichkeit war, er mußte sich um einen Ausgleich zwischen beiden Parteien bemühen, um nicht zwischen diesen unterzugehen. Das diese Gefahr durchaus drohte, war in der kurz darauf drohenden Unterstellung des Ordens in die Gesamtkorparation des Johanniterordens deutlich sichtbar.[17] In den folgenden Verhandlungen, die 1230 zum Frieden von San Germano /Crepano führten, war der Hochmeister maßgeblich daran beteiligt, daß es zu diesem Frieden zwischen den beiden Seiten kam[18]

Insgesamt aber hatte sich auch hier wieder gezeigt, daß der Deutsche Orden Friedrich von Nutzen war, da er eine aus dem damals üblichen Lehnsverband herrausgetrennte, schlagkräftige Truppe darstellte, die zu ihm, da sie ihr nationales Moment so stark betonten, immer zumindest in einem besonderes Verhältnis stehen mußte.

Aber auch für den Orden ergaben sich Vorzüge aus diesen guten Beziehungen. So war sein rascher Aufstieg nach seiner Gründung vor allem durch die zahlreichen Schenkungen und Rechtsverleihungen durch den Kaiser möglich geworden. Auch seine rechtliche Gleichstellung mit den Templern und den Johannitern, den andern beiden großen Orden, war erst nach der Fürsprache Friedrichs durch den Papst erfolgt und auch bei Streitigkeiten mit ihnen griff der Kaiser zu ihren Gunsten vermittelnd ein.. Dies gilt insbesondere für die zahlreichen Rechte, die der Papst ihnen zwischen 1220 und 1221 erteilte[19]. Die Krönung dieser Politik des Kaisers für den Orden war dann die Goldbulle von Rimini, die ihm eine Landnahme in Preußen und ein aktives Fortbestehen auch nach dem Ende der Kreuzfahrerstaaten im heiligen Land ermöglichte.[20] Dies alles spricht für die große Gunst, die der Orden bei Friedrich genoß.

1.3 Das Verhältnis zwischen den Päpsten und dem Deutschen Orden

Der Deutsche Orden unterstand wie alle andere Orden zumindest in geistlichen Dingen der direkten Herrschaft des Papstes, er war ihr Lehnsherr und allein ihnen gegenüber weisungsbefugt[21]. Zudem befähigte seine Beschaffenheit als Ritterorden ihn grundsätzlich dazu, dem Papst als Instrument einer eigenständigen Missionspolitik zu dienen und so nicht mehr unbedingt auf die Hilfe der weltlichen Herrscher und insbesondere der des deutschen Kaisers zurückgreifen zu müßen. Dazu kam, daß er ebenso wie die anderen Ritterorden vor ihm 1216 von Papst Honorius III. mit dem Recht der Lehnsexemption ausgestattet worden war. Dies bedeutete, daß kein weltlicher oder geistiger Herr von dem Orden Treuegelöbnisse, Lehnsbindungen oder Eide empfangen durfte.[22] So konnte der Orden nicht gegen den Willen des Papstes handeln, durch die Bindungen an Kaiser Friedrich II war er vor allem in der Zeit Hermann von Salzas gezwungen, zwischen diesen beiden Mächten zu vermitteln, wie es sich auch beispielhaft an den Vorgängen im heiligen Land gezeigt hatte. Dies wäre aber auch kaum so gut gelungen, wenn dieser nicht auch eine Vertrauensstellung bei dem jeweiligen Papst innegehabt hätte.

[...]


[1] Vgl. Kluger, S.6; Tumler, S.25f. ; Cleve, S.68f. ; Maschke, Domus, S.2.

[2] Vgl. Maschke,Domus, S.2f..

[3] Vgl. Tumler,S.28f. ; Cleve,S.69 ;Kantorowicz,S.82f. ; Militzer, S.47 Strehlke Nr. 306, S.276 .

[4] Dafür vgl. Kantorowicz, S. 83; Lowmianski, S.38; Lubenow,S.196f., dagegen vgl. Maschke, Domus, S.4, 39f.; Tumler, S.379; PUB I 1(1882) S.226 Nr.303, S.228 Nr.306.

[5] Vgl. Tumler, S.379 ; Cleve, S.41,54f..

[6] Vgl. Caspar, S.45-47 ; Cleve, S.63f., 67, 69 f.; Tumler, S.54-181.

[7] Vgl dazu unten Abs.2.3.

[8] Vgl. Maschke, Domus, S.1f.; Lowmianski, S.39.

[9] Vgl. Tumler, S.26f.; Cleve S.63 ; BF 132.

[10] Vgl. Matison, Aspekt Goldenen Bulle, S.53 ; Kluger, S.41.

[11] Vgl. HB II, S. 282, „structura specialis“; BF 1309.

[12] Vgl.Prutz, S.105-107 ; Wojtechi, S.187-207 ; BF 718.

[13] Vgl.Kantorowicz, S.84 ;Schaller, S.33, BF 842,BF 1736a, HB II S.921f..

[14] Vgl. Schaller, S.23.

[15] Vgl. Tumler, S.36-40; Koch, S.1f..

[16] Vgl. Tumler, S.39 ; Cohn, S.186-189 ; Koch, S.1f. ;Kluger, S.42f.; BF 6873, 6875, 1737.

[17] Vgl. Kluger, S.78-85.

[18] Vgl. ebd., S. 146-162.

[19] Vgl. Kluger, S.22-30 ; Cohn S. 31 f. ; BF 1307-1317 ; Strehlke ; Nr. 308, 309, 311.

[20] Vgl. unten, Abs.2.3.

[21] Vgl. Cleve, S.39.

[22] Vgl. Matison, Lehnsexemption, S.208f.; Kluger, S.8.

Details

Seiten
19
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640322633
ISBN (Buch)
9783640320738
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126218
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Historisches Seminar
Note
3,0
Schlagworte
Friedrich II Deutscher Orden Mittelalter Goldbulle von Rimini

Autor

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