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Studentinnen in der Weimarer Republik

Chancengleichheit beim Studienabschluss von Frauen in der Weimarer Republik?

Hausarbeit 2000 14 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Studentinnenzahlen und soziales Gefüge der Studentinnen von der Wilhelminischen Epoche bis zur Weimarer Republik
2.1 Anzahl von Frauen an deutschen Universitäten
2.2 Soziales Gefüge weiblicher Studierender an deutschen Universitäten

3. Studienziele und Studienfächer der Studentinnen

4. Stune Undiensituation und Studienabschluss von Frauen
4.1 Frauen an der Philosophischen Fakultät
4.2 Frauen an der Medizinischen Fakultät
4.3 Frauen an der Juristischen und Staatswissenschaftlichen Fakultät
4.4 Eitersuchung der Abiturientinnen der Annetteschule

5. Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Bis in das Jahr 1908 war Frauen nur in Ausnahmefällen ein Besuch höherer Bildungsinstitute wie Universitäten oder Akademien möglich. Frauen die dennoch den steinigen Weg der Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Fähigkeiten gegangen waren, waren in ihrem späteren Berufsleben auf die Duldung ihrer männlichen Kollegen und Behörden angewiesen. Eine generelle Öffnung der Universitäten für studienwillige Frauen wurde erst zwischen 1900 und 1908 erreicht. Die spätere Berufswahl blieb hingegen stark eingeschränkt, sie konnten weder eine universitäre noch eine juristische Karriere in Erwägung ziehen. Besser war die Situation lediglich für angehende Lehrerinnen und Ärztinnen. Der Umstand, dass 75 % aller Studentinnen sich in den philosophischen Akademien immatrikulierten wurde bereits von der Zeitgenossin Gertrud Bäumer als problematisch angesehen.[1] Die Erfolge der folgenden Jahrzehnte können als Erfolge der bürgerlichen Frauenbewegung gelten, die nicht das Ziel hatte Frauen in Führungspositionen zu installieren, sondern in der Tradition der Aufklärung die freie Entfaltung der Persönlichkeit auch für Frauen forderte. Eine solche Gleichberechtigung durchzuführen bedeutete aber die Gesellschaft insgesamt verändern zu wollen und bestehende Normen und Gesellschaftsstrukturen in Frage zu stellen. Diese Aufgaben erforderten eine Elite die Kraft ihrer Gesellschaftsposition die Macht und den Einfluss besaß über die Belange ihrer eigenen Gruppe hinaus solche Veränderungen hervorzurufen.[2] Die Frauenbewegung des Kaiserreiches aus der sich um die Jahrhundertwende die Stimmrechts- und Sittlichkeitsbewegung herausbildete war hierarchisch organisiert, an ihrer Spitze stand ein Kreis von 11 Frauen, die sich als Wortführerinnen für die Durchführung des Frauenstimmrechts und gegen die sexuelle Doppelmoral engagierten.[3] Zwei der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Frauenbewegung waren Minna Cauer und Anita Augsprung. Minna Cauer setzte sich als Publizistin für die Rechte der Frauen ein und Anita Augsprung kehrte als erste promovierte Juristin 1897 aus Zürich nach Deutschland zurück. Für beide war eine verbesserte Stellung der Frau direkt mit der Demokratisierung der Gesellschaft verbunden. In Ortsgruppen und Dachverbänden der Frauenverbände wurden Beschlüsse getroffen, die dann auf lokaler Ebene in die Tat umgesetzt werden sollten, wie die Einrichtung eines gymnasialen Zweigs an einem der städtischen Gymnasien für Mädchen, ein Ziel welches in der ersten Dekade des 19 Jh. erreicht wurde. Eine weitere wichtige Person hinsichtlich des Frauenstudiums, für das sich auch Cauer und Augsprung eingesetzt hatten, war Helene Lange, die bereits 1907 das „Zeitalter der Agitation“, der Durchsetzung der Frauenrechte, durch die „Epoche der Tat“ abgelöst sah. Sie wollte Studentinnen ermuntern sich auf ihre spätere Berufstätigkeit zu konzentrieren, da sie die Erbringung von Leistung durch Frauen in der Gesellschaft als stärkstes Argument für eine gesellschaftliche Gleichberechtigung sah.[4] Wie aber stellte sich die Studiensituation für Frauen in der ausgehenden Wilhelminischen Epoche und Weimarer Republik dar und hatten Frauen während der Weimarer Republik die selben Chancen auf einen Hochschulabschluss wie ihre männlichen Kommilitonen? Diese Fragen sollen innerhalb der Arbeit einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

2. Studentinnenzahlen und soziales Gefüge der Studentinnen von der Wilhelminischen Epoche bis zur Weimarer Republik

2.1 Anzahl von Frauen an deutschen Universitäten

Obgleich Frauen in den meisten europäischen Ländern seit den siebziger Jahren des 19. Jh. zum Studium zugelassen wurden, wurde ihnen dieses Recht in Baden erst 1900, 1903 in Bayern, 1904 in Württemberg, 1906 in Sachsen, 1908 in Preußen und 1909 in Mecklenburg-Schwerin zuteil. Der Beginn des ersten Weltkriegs führte zum Anstieg weiblicher Studierender an reichsdeutschen Universitäten von 6,6 %. Bis zum Wintersemester 1931/32 stieg der Frauenanteil stetig auf bis zu 18,8 %.[5] Bevorzugte Studienstädte für Frauen waren Großstädte wie Berlin, München und Köln, die im Jahre 1929 mit 2236, 1406 und 800 Studentinnen an der Spitze des Frauenanteils an den Universitäten der Weimarer Republik standen. Die Zahlen beweisen, dass sich das Studium für Frauen während der Weimarer Republik durchsetzte und etablierte.[6]

2.2 Soziales Gefüge weiblicher Studierender an deutschen Universitäten

Hinsichtlich der sozialen Herkunft der Studentinnen lässt sich feststellen, dass diese durchwegs aus höheren sozialen Schichten stammten als ihre männlichen Kommilitonen, für Arbeitertöchter war es noch schwerer Einlass an deutsche Universitäten zu bekommen als für Arbeitersöhne. Im Jahre 1928 waren an deutschen Universitäten lediglich 65 Töchter aus Arbeiterfamilien immatrikuliert, was rund einem halben Prozent aller weiblichen Studierenden entsprach (gegenüber 2,2 % Arbeitersöhnen). Während der Anteil studierender Frauen aus jüdischen Familien bis 1933 stetig wuchs, ging er nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und deren Diskriminierungs- und Schikanierungsmaßnahmen stark zurück. Der starke Anstieg der weiblichen Studenten stand unter anderem in Verbindung mit der Bildungsexpansion, während der sich die Anzahl von Abiturienten von 1926 bis 1931 nahezu verdoppelte, wobei der Anteil der männlichen Abiturienten um 66 % stieg, die Anzahl der Abiturientinnen sich hingegen vervierfachte.[7] Ein weiterer Grund für den Anstieg der Zahl weiblicher Studenten lag an einem Mangel an adäquaten Lehrberufen für die Töchter des Bürgertums. Diese Umstände führten Ende der zwanziger Jahre gar zu einer Diskussion über die „Akademikerschwemme und die „Überfüllung der höheren Berufe“ in deren Zusammenhang dann dieselben Argumente gegen das Frauenstudium vorgetragen wurden, die bereits 1891 im Reichstag zur Ablehnung des Frauenstudiums geführt hatten, nämlich dass ein Studium den häuslichen Pflichten der Frau entgegenstehen würde. Die „zweite Generation“ der Studentinnen lebte in einem völlig anderen Selbstverständnis als ihre Vorgängerinnen. Für diese neue Generation war mit einem Studium nicht die Abkehr vom Aufbau einer Familie verbunden und viele Studentinnen stellten ihre universitäre Laufbahn in Frage, da sie diese nicht mehr als Privileg betrachteten.

3. Studienziele und Studienfächer der Studentinnen

Die og. Zahlen sagen noch nichts über die Fächerkombinationen weiblicher Studierender aus. Die Mehrheit der Frauen war an den reichsdeutschen Universitäten immatrikuliert, an den Technischen Hochschulen, den Handelshochschulen, den Landwirtschaftlichen und Philosophisch-Theologischen Hochschulen waren sie weit weniger vertreten. Von 1911 bis 1933 belegten zwischen 47 und 31 Prozent aller weiblichen Studierenden die Fächergruppe „alte und neue Philologien und Geschichte“ die ab 1925 durch die Kategorie „Sprach und Kulturwissenschaften“ ersetzt wurde. Zum Teil hing diese Präferenz mit dem gesellschaftlich akzeptierten Berufsbild der Lehrerin zusammen, zum anderen war dieser Studienweg leichter zu erreichen, da er nicht zwingend das Abitur erforderte sondern auch Absolventinnen von Lehrerinnenseminaren zugelassen wurden[8]. Ein weiteres gesellschaftlich akzeptiertes und somit beliebtes Studienfach für Frauen war die Medizin, war es doch bereits 1908 einzelnen Frauen die im Ausland studiert hatten gelungen eine Zulassung als praktizierende Ärztin in Deutschland zu bekommen.[9] Vom WS 1918/1919 bis zum WS 1932/33 lag die Zahl der Medizinstudentinnen immer über dem Gesamtdurchschnitt der weiblichen Studierenden.[10] Aufgrund mangelnder Umsetzbarkeit im Berufsleben, ein für die Pionierinnen des Frauenstudiums nicht geltendes Argument, suchten sie doch die Verwirklichung ihrer eigenen Ziele, studierten nur wenige Frauen Theologie sowie Rechts- und Staatswissenschaften.

4. Studiensituation und Studienabschluss von Frauen

Das Selbstverständnis der Universitäten, die geistige Elite des Landes auszubilden, stand dem Frauenstudium noch immer aufgrund geschlechtspezifischer Vorurteile entgegen.

Die Ministerialrätin im Reichsministerium des Inneren verwies zwar in ihrer Studie „Krisis des Frauenstudiums darauf, dass Frauen in philosophischen und juristischen Staatsprüfungen bessere Leistungen als Männer aufwiesen.[11] Die gesellschaftliche Skepsis schenkte dieser Tatsache jedoch keine Aufmerksamkeit, wie die Behauptung des damaligen badischen Staatspräsidenten Willy Hellpach und Professors für Psychologie zeigt, der keine Bereicherung für die Volkskultur und die Wissenschaft im Frauenstudium sah und dieses somit als gescheitert beurteilte.[12] Das folgende von ihm überlieferte Zitat zeigt die Vehemenz der vorgetragenen Vorurteile sehr deutlich:

„Schließlich, einfühlsame Mimosen wünschen wir uns als Durchschnittstyp der heranwachsenden männlichen Jugend überhaupt nicht und es möchte ein zweifelhafter Erfolg der ‚Koedukation’ in den Hörsälen sein, wenn die studierenden Jünglinge dabei verlernen müssten, auf männliche Worte männlich zu reagieren.“[13]

[...]


[1] A. Schaser, S.62

[2] H.P Dreitzel, S. 71

[3] A. Schaser, S. 64

[4] ebd. S. 98

[5] A. Schaser, S. 100

[6] ebd. S. 98

[7] ebd. S. 100ff

[8] A. Schaser, S. 103 ff

[9] J.C. Albisetti, S. 99-123

[10] M.H. Kater, S. 213

[11] Bäumer, S. 22, 27, 29

[12] A. Schaser, S. 107

[13] Benker/Störmer, S. 116

Details

Seiten
14
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640314812
ISBN (Buch)
9783640318285
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126089
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Schlagworte
Studentinnen Studium Weimarer Republik Chancengleichheit Karriere Frauen Studentin Weimar

Autor

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Titel: Studentinnen in der Weimarer Republik