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Die Bedeutung des Ereignisses Tod im Wandel der Gesellschaft

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Mittelalter
2.2 Barockzeit
2.3 Aufklärung und Romantik
2.4 Kriege und Unruhen
2.5 Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
2.6 Umgang mit dem Tod heute

3 Schlussbemerkung

4 Literatur

1 Einleitung

Im Diskurs der Medienöffentlichkeit wird derzeit an Loriots Partnerin Evelyn Hamann gedacht. Dabei stieß ich auf einen Artikel, der mit folgenden Worten begann: „ Bei manchen Todesnachrichten muss man einfach kurz innehalten. Zu unerwartet kommen sie“.[1]

Hinter diesen Worten verbergen sich meiner Meinung nach zwei Annahmen, nämlich erstens, dass das Thema Tod in unserer Medienlandschaft ständig präsent ist und zweitens, dass durch die Massenflut an Todesnachrichten eine Trivialisierung des Todes an sich in den Köpfen der Menschen einhergeht, die in ihren eigenen Lebenserfahrungen noch keinen Toten vor sich gesehen haben.
Dieses Phänomen trifft bis auf eine Teilnahme an einer Beerdigung in meiner frühen Kindheit auch auf mich zu. Durch den fehlenden Umgang mit Sterbenden und mit Toten wird mir in meiner Lebenserfahrung, so vermute ich, irgendwann ein entsprechendes Verhaltensmuster fehlen, auf das ich zum Beispiel im Sterbefall eines Angehörigen zurückgreifen könnte.

In dieser Untersuchung kann ich nicht auf alle Aspekte eingehen, die damit im Zusammenhang stehen, möchte aber erörtern, ob unsere Gesellschaft im Rückblick der Zeit durch ihren Umgang mit dem Tod einen Wandel erfahren hat. Hierbei will ich mich auf den europäischen Raum beschränken und dies unter einem soziologischen Blickwinkel betrachten. Laut einem soziologischen Wörterbuch ist Soziologie eine „anerkannte Wissenschaft, die mit Theorien, Begriffen und Methoden die Struktur und Funktionsmerkmale einer Gesellschaft erklären möchte.“[2]Im Hinblick auf meine Fragestellung werde ich mich in der folgenden Arbeit in diesem Rahmen bewegen und dabei klären, ob es mikro - und makrosoziologische Zusammenhänge gibt und welche Befunde es dazu in der Literatur gibt.

Im Folgenden will ich zuerst aufzeigen,…

1. wie früher mit dem Tod umgegangen wurde und welche Umstände dabei zum tragen kamen
2. und wie heute mit der Sterbesituation umgegangen wird.

2 Hauptteil

Der Sozialhistoriker Philippe Ariès spricht vom Sterben in unserer heutigen Gesellschaft von „einem ins Gegenteil verkehrten Tod“[3] und meint damit die Veränderungen, die sich in der Einstellung zum Tod vom frühen Mittelalter bis in die Moderne ergeben haben. Ariès beschreibt hierbei eine Veränderung, die bis ins 20. Jahrhundert sich immer schneller wandelte. Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, wenn ich auf sämtliche Details vom Mittelalter über das Barock, Aufklärung und Romantik bis hin zur Moderne eingehen würde,
so wie es Norbert Fischer in seinem Buch „Geschichte des Todes in der
Neuzeit“ getan hat. Deshalb beschränke ich mit auf die wesentlichen
Entwicklungen hinsichtlich des Wandels im gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod.

2.1 Mittelalter

Dadurch, dass im Mittelalter Friedhöfe und Wohngegenden in unmittelbarer Nachbarschaft lagen, war das Sterben eine öffentliche Zeremonie und der Tod durch seine Allgegenwärtigkeit nicht angsteinflößend, das heisst, das Sterben war ein Teil des Alltags. Darum umschreibt Ariès den damaligen Tod als gegenwärtig und vertraut.[4] Der Pfarrer Ronald Uden wendet allerdings ein, dass Philippe Ariès wiederholt vorgeworfen wurde, seine Recherchen über den Tod im Mittelalter romantisierend und idealisierend dargestellt zu haben.[5] Ronald Uden unterstützt jedoch Philippe Ariès Beweisführung und belegt dies auf Seite 124, wo er von einer eigenen Literaturgattung berichtet, die ab dem 15. Jahrhundert entstand und Gedichte, Traktate, Gebete und Fragenkataloge umfasste. Hier ging es laut Ronald Uden auch um den Verbleib des Menschen in Himmel und Hölle, aber umso mehr um die letzten Stunden im Leben eines Sterbenden. Auf Seite 125 bestätigt er, dass damit die guten Seiten des Sterbens betont wurden. Welche damaligen Umstände gingen mit der von Philippe Ariès beschriebenen Vertrautheit einher?
Da damalige Zeitgenossen mit den unterschiedlichsten Krankheiten wie zum Beispiel Pest und Cholera zu kämpfen hatten und Kriege, Naturkatastrophen und Hunger ihr übriges taten, kamen auch im Gegensatz zu heute oft jüngere Generationen mit dem Tod oft in Kontakt. [6]

Die Möglichkeit, gerade für Kinder den Tod in der Familie erleben zu können, war unter anderem auch dadurch gegeben, dass der noch bis zu Beginn der Industrialisierungs- und Urbanisierungswelle (19. Jahrhundert in Mitteleuropa) generationsübergreifenden Großfamilienverband bestand. Großfamilien bestanden ab jener Zeit weiterhin flächenübergreifend, aber nur in ländlichen Gegenden.
Weiterhin waren bis ins 20. Jahrhundert die Hausaufbahrung und die Totenwache allgemein üblich.[7] Weitere damalige Trauerbräuche, die bis ins 20. Jahrhundert weit verbreitet waren und heute noch praktiziert werden, sind zum Beispiel die gemeinsame Waschung des Toten im eigenen Haus, die Totenwache am offenen Sarg und der gemeinsame Rahmen, in dem der Tote verabschiedet wurde (Leichenschmaus, einheitliche Trauerkleidung).[8] Bereits im frühen Mittelalter war beim Sterben eine Gemeinschaft anwesend, so zum Beispiel die Familie, Freunde oder Mönche. Dies galt in der Regel im gesamten Mittelalter. Von der Kirche aus war ein gewisses Ritual vorgegeben: Nach dem Waschen und dem Einnähen ins Leichentuch und der Totenwache war eine letzte Messe für den Toten vorgesehen. Hierbei wurde besonders im Spätmittelalter Wert auf den ‚Tag des Herrn’ gelegt, also das Jüngste Gericht hervorgehoben. Soziologisch gesehen muss man hier aber sagen, gab es große Unterschiede zwischen den Bestattungen von Adeligen, Bischöfen, Päpsten, Königen, wohlhabenden Kaufleuten und Begräbnissen
von Menschen aus der Unterschicht. Hier muss man zur Schlussfolgerung kommen, dass der Glaube an eine Gleichheit durch den Tod wohl ein Mythos ist.

2.2 Barockzeit

Europa wurde durch die Reformation in zwei Teile getrennt hinsichtlich der Einstellung zum Tod. Dies hatte zu tun mit der reformatorischen Gnaden- und Rechtfertigungslehre, welche das Dogma der Katholiken zum Fegefeuer nicht akzeptierte. Dies bedeutete für die üblichen Rituale wie Gebete für die Toten, Seelenmessen und Ablässe in nichtkatholischen Regionen, dass kein Sinn mehr dafür vorhanden war. Der Pfarrer war meist nur noch zuständig für die Bestattung. Die Reformation brachte es weiterhin mit sich, dass städtische Leichenordnungen erlassen wurden.

[...]


[1] Waldvogel, Barbara.(2007-10-30): Loriots Partnerin bleibt unvergessen. Aus aller Welt, Schwäbische Zeitung, Nr. 251: S. 8, 2007.

[2]Siehe kultursoziologische Veranstaltung bei Frau Zorell im WS 2007/08 an der PH Weingarten.

[3]Aries, Philippe.(1981): Studien zur Geschichte des Todes im Abendland, S. 57.

[4]Ibidem, S. 24ff

[5]Uden, Roland.(2006): Wohin mit den Toten?, Gütersloh, S.126, München.

[6]Ibidem, S. 124

[7]Schäfer, Julia.(2002): Tod und Trauerrituale in der modernen Gesellschaft, S. 77. Stuttgart.

[8]Uden, Ronald.(2006): Wohin mit den Toten?, Gütersloh, S.127

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640314492
ISBN (Buch)
9783640318018
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126027
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
2
Schlagworte
Bedeutung Ereignisses Wandel Gesellschaft

Autor

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Titel: Die Bedeutung des Ereignisses Tod im Wandel der Gesellschaft