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Die Bedeutung der französischen Mode im Zeitalter Ludwig XIV. in Bezug auf dessen Selbstdarstellung und Selbstinszenierung als absolutistischer Herrscher

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mode im Zeitalter des Sonnenkönigs
2.1. höfische Herrenmode
2.2. höfische Damenmode

3. Das Anliegen barocker Kleidung

4. Kleiderordnungen

5. Die Kleider des Königs – Analyse anhand des Portraits „Louis XIV.“ von Hyacinthe Rigaud

6. Zwei Besonderheiten französischer Mode und ihre Bedeutung
6.1. Die Perücke – Charakteristikum der Herrenmode
6.2. Das Dekolleté – Charakteristikum der Damenmode

7. Fesselung des Adels in kostspieliger Mode
7.1. Die Justaucorps à brevet – ein Zeichen monarchischer Gunst

8. Französische Luxustextilien - ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
8.1. verbotene Stoffe

9. Liselotte von der Pfalz – ein kritischer Blick auf die Damenmode am Hofe

10. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Meine Hausarbeit beschäftigt sich explizit mit der Bedeutung der französischen Mode in der Zeit Ludwig XIV., insbesondere in Bezug auf dessen Selbstdarstellung und Selbstinszenierung als absolutistischer Herrscher. Ich werde im Rahmen dieser Arbeit keinen Aus- bzw. Rückblick über die Entwicklung der Mode geben, sondern mich auf den Ist-Zustand im Zeitalter Ludwig XIV. beschränken.

Meine Intention ist es nicht, eine detaillierte Darstellung der barocken Mode vorzulegen, sondern auf ihre Besonderheiten und Hintergründe einzugehen. Ziel soll es daher sein, die Kleider nicht nur zu beschreiben, sondern ihre Aussage zu deuten, denn das Äußere eines Menschen inklusive seiner Kleidung ist auch immer Kommunikationsträger und kann Informationen über seine soziale Stellung, finanzielle Situation, individuellen Geschmack oder Gemütszustand liefern.

Ich werde im Folgenden die Bedeutung der Kleidung bei der Repräsentation der höfischen Hierarchien, des allgemeinen Standes, des Reichtums, der Macht und des Ansehens analysieren und weiterhin den Aspekt von Mode als Instrument politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme untersuchen. Meine Vorgehensweise hierbei ist es, vorweg eine knappe Einführung zur Mode der Zeit zu geben, anschließend das Anliegen der barocken Kleider und den Zweck von Kleiderordnungen zu erläutern. Hernach werde ich die politische und die wirtschaftliche Seite der französischen Mode darlegen und von der Bindung des Adels durch dieselbige berichten. Vor meiner Abschlussbetrachtung werde ich noch kurz einige Briefe von Liselotte von der Pfalz und ihre darin geäußerten „deutschen Ansichten“ zu der französischen Mode untersuchen.

Für das Verfassen dieser Hausarbeit habe ich mich besonders mit Erika Thiels „Geschichte des Kostüms“ beschäftigt, da es eine umfassende Darstellung barocker Mode beinhaltet und mit Marita Bombeks „Kleider der Vernunft“, weil hierin besonders die Aspekte der Repräsentation und Wirkung von Kleidern dargestellt sind.

2. Mode im Zeitalter des Sonnenkönigs

Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts stand ganz im Zeichen der absolutistischen Regierung Ludwigs XIV. Damals war Frankreich für ganz Europa kulturell, wirtschaftlich und politisch tonangebend. Der Versailler Hof entwickelte sich unter dem Sonnenkönig zum Modezentrum der frühen Neuzeit und am Ende des 17. Jahrhunderts trug ganz Europa das, was Frankreich trug.

2.1. höfische Herrenmode

Die in den 1660er Jahren bevorzugte Rheingrafentracht, die sich insbesondere durch die Rhingrave, eine Art weiter Hosenrock, und das verkürzte Wams auszeichnete wurde bereits in den 1680er Jahren von einer neuen Anzugsform abgelöst. Der steifer wirkende Justaucorps, ein knielanger, taillierter und eng anliegender Rock, mit Weste und enger Kniehose war nun vorherrschend am französischen Hof. Das zunehmende Pathos der Mode brachte das Tragen von mächtigen Perücken hervor, worauf ich in Punkt 6.1. näher eingehen werde.

An den Füßen trug man zudem Schuhe mit Absatz, Schnalle und Lasche und als Accessoire einen feder- oder bortenbesetzten Dreispitz, welcher wiederum mit Etablierung der Perücke entbehrlich wurde.

2.2. höfische Damenmode

Die Grundzüge der weiblichen Hofmode könnte man sehr knapp etwa so beschreiben: steifer, schmaler Oberkörper - bedingt durch das Tragen eines engen Mieders oder einer Schnürbrust - zu weiten, ausladenden Röcken in schweren Gold- und Silberbrokatstoffen.

Über dem Rock trug man das Manteau, ein mantelartiges vorn offenes Oberkleid, welches am Rücken gerafft wurde und als Schleppe herab fiel. Die Kleiderausschnitte wurden tiefer und die Taille senkte sich. Um das Dekolleté frei zu belassen, steckte man die Haare in kunstvollen Frisuren nach oben oder bediente sich gleichfalls einer Perücke.

3. Das Anliegen barocker Kleidung

Die dem Barock vorangegangene Renaissance „hatte das Gewächs des menschlichen Leibes entdeckt und seine edle Plastik, seine reine Proportion als das Sinnbild vollkommener Menschlichkeit verehrt“.[1] Mit der Erschütterung des Vertrauens in die Natur – mit der der Barock das Zeitalter der Renaissance ablöste – wurde von Kirche und staatlichen Organen ein Feldzug gegen die Schrecken der Nuditäten gestartet. Bilder von nackten Menschen wurden übermalt, Statuen desselben beschlagnahmt oder gar zerstört.

Der bloße Mensch erweckte nun großes Unwohlsein, denn ein nackter Körper war Inbegriff von Gebrechlichkeit, Armut, Alter und Krankheit.

„Die rohe Natur ist dem Barock, wo immer es ihr begegnet, peinlich und verächtlich.“[2] Daher verwandelten Gärtner die rohe Landschaft in geometrische Barockgärten mit figürlich geschorenen Hecken, anstatt von wilden Büschen und Schneider verwandelten den menschlichen Körper, mit all seinen Schwächen, in ein stilisiertes Kunstobjekt. Den wohlhabenden Menschen der Zeit trieb also nicht nur die physische Scham in seiner Kleider, sondern das Bedürfnis seine Blöße zu verdecken – noch zutreffender – sie zu verleugnen. Das Natürliche wich einer Kunstschöpfung und ließ somit die menschliche Erscheinung herrlicher und glänzender wieder erscheinen.

Einige Gegenstände, die diese Verwandlung bewirkten, waren die streng geschnürten Korsetts, durch die die Brüste gepresst, die Taille geschmälert und somit das spätbarocke Formideal erzielt wurde, die Perücken, die spärliches oder widerspenstiges Haupthaar ersetzten oder die Absatzschuhe, die einen unzureichenden Körperwuchs kompensierten. Der König war mit 1,60 m Körpergröße kein hoch gewachsener Mann. Dieses Missverhältnis zwischen seiner gesellschaftlichen und seiner tatsächlichen Größe musste verborgen werden.

„Räume, Gebäude, städtische oder gärtnerische Anlagen ließen sich zu herrschaftlichen Dimensionen erweitern. Die Proportionen des menschlichen Körpers blieben die gleichen. Noch peinlicher: Die Proportionen eines Königs unterschieden sich nicht von denen eines Bauers. Die Mode erhielt das Amt, wieder gutzumachen, was die Natur versäumt hatte.“[3]

Hohe Absätze, die die menschliche Gestalt in der Länge und Gestelle wie der Reifrock, die sie in der Breite erweiterten, waren aber nicht genug. Um der Beschränktheit der Körperoberfläche abzuhelfen, erschloss man eine dritte Dimension und baute die Kleider in mehreren Schichten auf. Indem man das obere Gewand schlitzte oder schnürte, konnte das darunter liegende freigelegt werden. Dies wiederum stellte ein weiteres Anliegen der barocken Kleider dar - die Darstellung des Überflusses. In der Männermode ließ man beispielsweise den Rock offen, um die sich darunter befindende Weste zu präsentieren. Die Weste wiederum erhielt einen großen Ausschnitt, um Wäsche oder feine Spitze hervorblitzen zu lassen.

Die barocke Hofkleidung hatte folglich die Aufgabe den übermäßigen Reichtum anschaulich zu machen, die Unzulänglichkeit des Naturgegebenen wieder gutzumachen, aber auch Rang- und Standesunterschiede in aller Deutlichkeit hervorzukehren, worauf im Folgenden eingegangen werden soll.

4. Kleiderordnungen

Kleiderordnungen regelten bis in das 18. Jahrhundert hinein das Tragen bestimmter Stoffe, Muster, Schnitte und Accessoires für die jeweiligen Stände. Die Auffassung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaft die sich dahinter verbirgt ist die, dass jedem Menschen ein von Gott geschaffener fester Platz in der Weltordnung zustehe, der in der Kleidung wieder erkennbar sein müsse.[4]

Jene diversen Kleiderordnungen untersagten beispielsweise allen Nichtadligen die Verzierung ihrer Kleider mit Goldstickereien oder Edelsteinen.[5] Weiterhin wurden am Hofe Ludwig des XIV. nur Seiden-, Samt- und Brokatstoffe getragen – Angehörige der unteren Schichten trugen Wollstoffe.

[...]


[1] Alewyn, Richard: Das große Welttheater, 1985, S. 34.

[2] Ebd.

[3] Alewyn, Richard: Das große Welttheater, 1985, S. 37.

[4] Vgl. http://www.historicum.net/themen/pompadour-und-ihre-zeit/gesellschaft-und-hof/iii-hoefische-mode/art/2_Der_Wandel_d/html/artikel/2835/ca/76af99192a/

[5] Vgl. Durant, Will und Ariel: Das Zeitalter Ludwig XIV., S.44.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640322275
ISBN (Buch)
9783640320462
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125927
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Mode Zeitalter Selbstdarstellung Selbstinszenierung Herrscher Ludwig XIV Sonnenkönig

Autor

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