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Kunst als Ersatzreligion bei David Friedrich Strauß in seinem Buch "Der alte und der neue Glaube"

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historischer Hintergrund: Gesellschaft, Religion und Kunst der Gründerzeit in Deutschland
Die katholische Kirche
Der Protestantismus
Der Monismus
Der Realismus
Der Impressionismus
Der Naturalismus

2. Kunst und Religion bei David Friedrich Strauß
2.1. Wie fasst Strauß Religion auf?
Definition
2.1.1. Gott als Schöpfer der Welt
2.1.2. Die Bibel als Quelle moralischer Gesetze
2.2. Religion als Illusion
2.3. Wie fasst Strauß Kunst auf?
Definition
2.3.1. Welt als Werk des Universums
2.3.2. Der Mosaische Dekalog als eine der Quellen moralischer Gesetze
2.4. Kunst als die neue Religion

3. Lässt sich, was Strauß sagt in den Kontext der Gründerzeit verallgemeinern?

Literaturverzeichnis

Einleitung

David Friedrich Strauß, 1808-1874, in Ludwigsburg, deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller, beschäftigte sich mit der christlichen Religion auf der Basis der Bibel. Er verneinte die historische Zuverlässigkeit der Evangelien, weil er in ihnen mythische Überlieferungen fand. Deshalb trat er für einen von der christlichen Überlieferung gelösten Glauben ein.

Die vorliegende Hausarbeit, deren Thematik Kunst als Ersatzreligion bei David Friedrich Strauß ist, basiert auf seinem Werk Der alte und der neue Glaube (1872). Auf der Grundlage dieses „Bestsellers“ wird die Auffassung des Autors bezüglich der Religion und der Kunst dargestellt. Die detaillierte Deutung seiner Gedanken ist gekennzeichnet durch das Hervorheben seiner Hauptaussagen zur Religion, die in dem Universum, in der Menschheit und in der Kunst ihren Ursprung und ihre Erfüllung zu finden vermögen. Für eine Einführung in die Thematik ist das Betrachten der Kunst und der Religion im Kontext der Gründerzeit sinnvoll. Weiterhin ist diese Betrachtung für die Einordnung des Autors und seines Werkes in diesem epochalen Abschnitt hilfreich. Die Einleitung in die Thematik, ihr historischer Hintergrund erfolgt mit Hilfe der Werke von Joseph Boesch(Weltgeschichte - Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, 1984) und Max Bucher(Realismus und Gründerzeit).

1. Historischer Hintergrund: Gesellschaft, Religion und Kunst der Gründerzeit in Deutschland

Die Zeit nach der Reichsgründung hebt sich ideologie- , sozial- und kulturgeschichtlich vom Nachmärz ab.[1] Die konservative Neustrukturierung Österreichs, die Sozialistengesetze und der Abbau des Kirchenkampfes verunsicherten und spalteten das Staats- und Kulturtragende nationalliberale Bürgertum um 1880. Der Aristokratismus durchdrang alle Bereiche und wurde auch in der Kulturpolitik ausformuliert. Die Gesellschaft, die im Aristokratismus[2] und Historismus der Gründerzeit ihren Ausdruck fand, beruhte sozial und ideologisch auf der Verbindung von Bürgertum und Adel. Die idealistische Weltanschauung und die klassische Ästhetik wurden im Kaiserreich von 1871 zur offiziösen Reichsanschauung und zum standardisierten Bildungsgut.[3] Sie gewannen eine reichspatriotische Legitimation durch die Kultur, die Ästhetik und Dichtung von Lessing bis Goethe, die als geistige Grundlage der Reichseinigung galten. Die Philosophie Schopenhauers kam nach der Revolution von 1848 zur Geltung.[4] Während die Philosophie im Nachmärz an Bedeutung verlor, fand die Debatte um die kosmischen und ethischen Ordnungsvorstellungen in der Gründerzeit breiteste Resonanz. Um die Jahrhundertwende beeinflussten Fortschrittsglaube und Vertrauen in die nur positivisch aufgefasste Wissenschaft die breiten Massen. Auch setzte in noch nie dagewesenem Ausmaß eine Popularisierung der Wissenschaft ein. Dieser Abschnitt des 19. Jahrhunderts ist weiterhin durch mehrere zueinander parallel laufende Strömungen gekennzeichnet.

Anfang des 19. Jahrhunderts erfasst eine Säkularisationswelle Kontinentaleuropa. Die Kirche wird dem Staat untergeordnet.

Die katholische Kirche

Nach 1850 bezog das Papsttum eine scharfe Kampfstellung gegen alle Zeitströmungen liberaler, positivitischer und materialistischer Art. Die Verkündigung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis Marias (1854) wurde als ein Hohn auf alle wissenschaftlichen Erkenntnisse (im Sinne des Positivismus) empfunden; die Verurteilung der „Zeitirrtürmer“(wie Liberalismus, Rationalismus, Trennung von Kirche und Staat) im „Syllabus errorum“ (1864) war eine offene Kampfansage an den Geist der zweiten Jahrhunderthälfte. Vor allem führte die Erklärung des ersten Vatikanischen Konzils von 1870, dass der Papst, wenn er ex cathedra zur Gesamtkirche in Fragen des Glaubens und der Sitte spreche, unfehlbar sei, zu heftigen Reaktionen sogar innerhalb des Katholizismus: die altkatholische Kirche trennte sich von der römisch-katholischen Kirche. Auch führte das Unfehlbarkeitsdogma in Deutschland und in mehreren Schweizer Kantonen zu einem heftigen Kampf der Staatsgewalt gegen die Römisch-Katholiche Kirche („Kulturkampf“).[5]

Zu der Zeit vertrat die katholische Kirche eine eindeutige Stellung, während- dessen, spalteten sich die liberalen Christen in den unterschiedlichen Formen.

Der Protestantismus

Während die katholische Kirche in der zweiten Jahrhunderthälfte eine grosse Geschlossenheit gewann und sich auf einen scharfen Kampfkurs gegen die „Zeitströmungen“ festgelegte, spaltete sich der Protestantismus über alle Unterschiede seiner Kirchenorganisationen hinweg immer eindeutiger in eine offenbarungsgläubige und eine liberale Richtung. Der Protestantismus wurde zu einer Religion des Individuums und einer Freiheit, die sich jeder kirchlichen Führung und Dogmatisierung entzog. Die protestantischen Kirchen waren deshalb nicht in der Lage eine einheitliche Stellung zu den Zeitfragen zu beziehen.[6]

Neben diesen transzendenten Religionen entwickelten sich auch immanente Religionen

Der Monismus

Der Zoologe Haeckel, der bedeutendste deutsche Schüler Darwins, wurde der Hauptpropagator des Monismus, der durch Aufnahme pantheistischer Gedanken aus dem Darwinismus[7][8] entstand und eine Immanenzreligion im Gefolge hatte. Der entschiedende Punkt an der monistischen Religiosität ist die Preisgabe des theistischen, persönlichen Gottesbegriffs durch den Gedanken an das sich aufwärtsentwickelnde, unpersönliche Weltganze und die Ersetzung des zerknirschten Sündenbewusstseins und der Erlösungssehnsucht durch eine handels- und lebensfreudige Hingabe an die Weltidee.

Weiterhin ist die Auflehnung gegen die bürgerliche Welt des ausgehenden Jahrhunderts, gegen Rationalismus, Positivismus und Materialismus, das Suchen nach neuen und irrationalen Werten anzumerken, was sich zuerst in der Literatur zeigte, dann sofort auf die Philosophie übergriff.

[...]


[1] Vgl. Bucher: Realismus und Gründerzeit, S. 95

[2] Vgl. ebd. Aristokratie: Grundlage des kulturellen Aristokratismus, Verbindung von Grundbesitz, Geld und Geist. S. 105ff.

[3] Vgl. ebd. S. 105.

[4] Vgl. ebd. S. 120.

[5] Vgl. Boesch: Von der Aufklärung bis zur Gegenwart.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. Bucher: Realismus und Gründerzeit, S. 130-131.

[8] Vgl. ebd.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640313433
ISBN (Buch)
9783640317219
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125806
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Philosophikum
Note
1,7
Schlagworte
Kunst Ersatzreligion David Friedrich Strauß Buch Glaube

Autor

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