Lade Inhalt...

Kritische Betrachtung der Integrationsmaßnahmen für Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund der Bundesrepublik Deutschland

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Migration in Deutschland – historische Hintergründe

3. Die Nachkommen der „zweiten“ Generation
3.1 Die Rolle der Identität
3.2 Jugendliche im Lebensraum Schule
3.3 Jugendliche im Lebensraum Freizeit
3.3.1 Jugendliche (mit türkischem Migrationshintergrund) unter sich

4. Integrationsmaßnahmen der Bundesrepublik Deutschland
4.1 staatliche Auflagen
4.2 staatlich subventionierte Projekte

5. Soziale Partizipation jugendlicher Migranten

6. Aufgaben der sozialen Arbeit

7. Reflexion
7.1 weiterführende Fragen

1. Einleitung

Seit einigen Jahrzehnten wandern Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in die Bundesrepublik ein. Vieler ihrer Kinder und Kindeskinder sind aus der Türkei nachgezogen oder bereits hier geboren. Trotzdem gibt es immer wieder Schwierigkeiten, die gesellschaftlichen Erwartungen und Anforderungen sowie die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Die Unterstützung dieser Jugendlichen seitens der Bundesrepublik soll im Folgenden untersucht werden. Es muss dabei unterschieden werden zwischen Jugendlichen, die in der Türkei und denen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Die pädagogische Literatur bezieht sich zum großen Teil speziell auf die Situation der türkischen Migranten. Daher möchte ich untersuchen, welche Rolle Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, im besonderen die Jugendlichen, in Deutschland einnehmen. Dabei soll unterschieden werden, zwischen Spätaussiedlerjugendlichen und den Jugendlichen mit türkischen Wurzeln, deren Heimat Deutschland ist. Diese Arbeit legt deshalb besonderen Wert auf die Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, da sie schon seit Jahrzehnten einen großen Anteil an der deutschen Geschichte und der Geschichte der Integrationspolitik haben.

Generationen von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund sind hier geboren und aufgewachsen. Viele kennen ihre Wurzeln nur aus den Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern. Einige fahren in den Urlaub oder verbringen eine längere Zeit dort, haben aber einen anderen Bezug zu ihrer Kultur als ihre Vorfahren. Sie haben mit Differenzen und Schwierigkeiten anderer Natur zu kämpfen. Während jugendliche Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler versuchen, mit Hilfe der deutschen Integrationsmaßnahmen ihre Rolle in der deutschen Gesellschaft zu finden, sind Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund die hier geboren sind, einen Schritt weiter. Sie begegnen teilweise den gleichen Vorurteilen wie die Jugendlichen, die einen Teil ihrer Kindheit oder Jugend noch in der Türkei verbracht haben. Bei ihnen erscheinen diese Vorurteile, aufgrund der gleichen Umstände wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, allerdings noch sinnloser.

Dabei spielen viele Einflüsse eine Rolle. Das Elternhaus, die türkische Kultur, die Schule und vor allem die Gleichaltrigen. Eine große Rolle kommt dabei dem Einfluss der ethnisch-gleichen und der ethnisch-anderen Jugendlichen zu. Zu den genannten Problemen kommt das allgemeine Problem der Pubertät hinzu. Nicht nur die übliche Orientierungslosigkeit der Pubertät macht die Zeit der Adoleszenz zu einer schweren Zeit. In diesem Fall kommen Akkulturationsschwierigkeiten hinzu. Die Jugendlichen, egal ob Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler oder hier geborene, haben oftmals einen anderen Tagesablauf zu bewältigen als einheimische Jugendliche. Der Einfluss von Cliquen stürzt Jugendliche mit Migrationshintergrund in einen Zweispalt über die Entscheidung der „richtigen“ und „falschen“ Werte. Sie werden dabei mit verschiedenen Maßstäben konfrontiert, die der Eltern, der Schule und der, der Freunde.

Die Bundesrepublik Deutschland ist sich seit vielen Jahrzehnten dieses Problems bewusst. Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migranten hat dafür eigens Integrationsmaßnahmen entworfen, die dabei helfen sollen, den Jugendlichen u.a. eine gewisse Sicherheit zu ermöglichen und Perspektiven zu eröffnen. Kapitel vier dieser Untersuchung beinhaltet die Bedingungen eines vom Bundestag eingeführten Integrationskurs, basierend auf Sprach- und Landeskunde. Eine gesetzliche Verankerung einer Integrationsmaßnahme für Jugendliche gibt es nicht.

Während der Recherche für meine Arbeit, sind viele Fragen entstanden, die eng mit diesem Thema verbunden und durchaus diskussionswürdig sind. Aufgrund dessen werden dem Leser in Kapitel 7.1 einige weiterführende Fragen zur Anregung gestellt. Deren Beantwortung würde allerdings den Rahmen dieser Expertise sprengen.

2. Migration in Deutschland – historische Hintergründe

In den 60er Jahren begann die große Anwerbung von ausländischen Gastarbeitern. Aufgrund des „Wirtschaftswunders“ war der Arbeitsmarkt zu dieser Zeit nicht ausreichend ausgestattet mit Arbeitskräften ausgestattet. Auch der Bau der „Mauer“ bedingte einen Mangel, da die Arbeitskräfte nun vom östlichen Teil nicht mehr für den westlichen Arbeitsmarkt zur Verfügung standen. Somit begann die Anwerbung von Gastarbeitern verschiedener Länder seitens der Bundesrepublik Deutschland. Es wurden Anwerbevereinbarungen mit hauptsächlich südlich europäischen Ländern, Tunesien, Marokko und der Türkei abgeschlossen. Bis 1973 stieg die Zahl der ausländischen Erwerbstätigen in Deutschland von 1,3% auf 11,9%. Während Mitte der 60er Jahre die Jugoslawen (8,8%) und Türken (10,7%) den größten Anteil der Einwanderer darstellten, bildete die türkische Bevölkerung 1968 bereits mit 23% den größten Anteil der Immigranten in der Bundesrepublik.[1]

Gemäß dem „Rotationsprinzip“ hatte die Regierung eine Rückwanderung der Gastarbeiter geplant. Nach Ende der Aufenthaltsfrist sollten die Gastarbeiter durch deutsche Arbeitskräfte ersetzt werden. Entgegen den Planungen der deutschen Regierung verlängerten die Gastarbeiter ihren Aufenthalt und ließen ihre Familien nachkommen. Im weiteren Verlauf fanden ab Mitte der siebziger Jahre aufgrund von politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen viele Asylsuchende und Flüchtlinge muslimischen Glaubens in Deutschland eine neue Heimat. Die Hauptherkunftsländer waren dabei der Libanon, der Iran, Afghanistan sowie Bosnien – Herzegowina und der Kosovo. Da sich in diesen Ländern die politische Situation bis heute nicht groß verändert hat, sind viele von ihnen auf Dauer geblieben. Es entstand die „zweite“ Generation.

Die Migrationsmotivation der „Gastarbeiter“ - Generation aus der Türkei (im Folgenden die „erste“ Generation) war die schnelle, aber zeitlich begrenzte, Anhäufung von Ersparnissen. Somit konnte die Lebensweise im Heimatland durch den Kauf von Immobilien oder Grundstücken gesichert oder sogar verbessert werden. Auch die emotionale Bindung an die Heimat war in der „ersten“ Generation stärker ausgeprägt als in der ihrer Nachkommen. Diese entwickelten andere Motivationen, die sich stark an den Lebensverhältnissen und Bedürfnissen der Gleichaltrigen im neuen Umfeld ausrichteten.[2][3][4]

Die Zuzüge nach Deutschland von türkischen Migranten, teils aus Familienzusammenführungen, teils aus wirtschaftlichen Gründen, lag und liegt am höchsten in der Altersgruppe der 25-40 Jährigen. In den letzten Jahren siedelten ca. 50.000 Türken nach Deutschland über. 2003 bildete die Türkei den größten Handelspartner Deutschlands.[5] Alle Zahlen zur Migration in Deutschland zeigen, dass Deutschland ein begehrtes Einwanderungsland war und ist.

3. Die Nachkommen der „zweiten“ Generation

Im Folgenden werde ich auf die Situation der in der Türkei und der hier geborenen Jugendlichen eingehen. Wenn davon ausgegangen wird, dass die Jugendlichen bereits entscheidend von ihrer Kultur geprägt sind, kann weiter davon ausgegangen werden, dass sie nun in der Lage sind, verschiedene soziale Rollen zu übernehmen oder aber auch abzuwerfen. In Deutschland nehmen sie ihre eigenen sozialen Rollen wieder auf – wie Schüler, Bruder/Schwester, etc. - jedoch in einem völlig anderen kulturellen Bezugsrahmen. Ab hier greift die Akkulturation. Das heißt, sie orientieren sich an den Lebensverhältnissen der Anderen und versuchen, sich den neuen Umständen anzupassen.[6] A. Schrader stellt eine Sozialisationstheorie auf, die aus drei Idealtypen von Ausländerkindern besteht, ein „Kindertypologie – Modell“. Mit diesem Modell beschreibt Schrader den wechselnden Bezugsrahmen von Kindern verschiedenen Alters. Sie haben zu tun mit Angehörigen unterschiedlicher Ethnien, ihrer Familie und einer zweisprachigen Welt. Dazu unterscheidet Schrader in den Modelltypen: Schulkind, Vorschulkind, Kleinstkind. Für den weiteren Verlauf ist das Modell des Schulkindes von Belang. Das Schulkind hat eine bereits determinierte Rolle seiner Kultur angenommen. Laut Schrader stehen die Kinder im Alter von 12-15 Jahren hauptsächlich einer neuen Kultur gegenüber, während ihre Kulturentwicklung bereits abgeschlossen ist. Sie müssen sich damit auseinander setzen, um ihre neue Rolle zu finden.[7] Anhand dieses Modelltyps lässt sich eine bikulturelle Verwirrung feststellen, der die Jugendlichen in keiner Weise gerecht werden können. Dabei müssen sie neue Maßstäbe setzen um sich zu orientieren. Doch ohne das Bewusstsein der eigenen Identität und die Rahmenbedingungen der neuen Kultur können sie die Kriterien für diese Maßstäbe nicht entwickeln.

[...]


[1] Bundesministerium des Innern, Anwerbung von Arbeitskräften

[2] Bundesministerium des Innern, Das „Rotationsprinzip“

[3] Ibrahim Firat „Nirgends zu Hause!?“, S.38

[4] Thomas Lemmen „Islamische Vereine und Verbände in Deutschland“

[5] Deutsche Botschaft Ankara

[6] Achim Schrader, u.a., „Die zweite Generation“, S. 64 ff

[7] Achim Schrader, u.a., „Die zweite Generation“, S. 67 ff

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640313075
ISBN (Buch)
9783640316915
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125724
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover – Sozialwesen
Note
2
Schlagworte
Kritische Integrationsmaßnahmen Jugendliche Jugendliche in Deutschland Migrationshintergrund Bundesrepublik Deutschland türkischer Migrationshintergrund

Autor

Zurück

Titel: Kritische Betrachtung der Integrationsmaßnahmen für Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund der Bundesrepublik Deutschland