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Grundprobleme der BWL: Der Entscheidungsansatz

Seminararbeit 2002 16 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Der Entscheidungsansatz und seine Ausprägungen
1.1 Thematische Einführung
1.2 Normative und deskriptive Entscheidungstheorien

2 Der betriebliche Entscheidungsprozess
2.1 Entscheidungsphasen
2.2 Das Unsicherheitsproblem bei Entscheidungen

3 Einflussfaktoren betriebswirtschaftlicher Entscheidungen
3.1 Betriebswirtschaftliche Grundmodelle im Entscheidungsansatz
3.2 Das Informationsproblem
3.3 Der Prozesscharakter von Entscheidungen

4 Unternehmerische Zielsysteme
4.1 Zielgrößen, Zielvorschriften und Zielfunktion
4.2 Das Problem der Rationalität von Entscheidungen

5 Der Entscheidungsansatz in der modernen Betriebswirtschaft

6 Schlussbetrachtung und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis:

1 Einleitung: Der Entscheidungsansatz und seine Ausprägungen

1.1 Thematische Einführung

Aufgrund aktueller Probleme und Impulse befand sich die Betriebswirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg in einer enormen Entwicklungsphase. Dabei gab es immer wieder Verschiebungen der Schwerpunkte in Theorie und Praxis, so dass im Laufe der Zeit die Betriebswirtschaftslehre von unterschiedlichen Ansätzen beeinflusst wurde. Die verschiedenen Ansätze verdeutlichen auch die unterschiedlichen Sichtweisen in der Betriebswirtschaft.

Ende der Sechziger Jahre wurde die Sichtweise in Bezug auf Problemstellung und Problembewältigung sowohl durch den Entscheidungs- als auch durch den System-orientierten Ansatz weitgehend verändert. Demzufolge zählen diese beiden Ansätze auch heute noch zu den Grundkonzepten der modernen Betriebswirtschaft.

Der Grundgedanke des entscheidungsorientierten Ansatzes wurde maßgeblich von Edmund Heinen geprägt, der 1962 in einer Festschrift für Erich Gutenberg einen Aufsatz über die „Zielfunktion der Unternehmung“ veröffentlichte.

Es bildeten sich zwei Grundrichtungen des Ansatzes, der entscheidungslogische Ansatz einerseits und der realtheoretische Ansatz andererseits, heraus.

Der entscheidungslogische Ansatz geht davon aus, dass Entscheidungen nach einer rein rationalen Wahl getroffen werden, und dass dem Entscheidungsträger eines Unternehmens klare Entscheidungsregeln von der Betriebswirtschaftslehre vorgegeben sind. Dieser Ansatz erscheint oft unrealistisch und unflexibel.

Bei dem realtheoretische Entscheidungsansatz steht jedoch der Mensch im Zentrum der Überlegung. Die Entscheidungsfindung bzw. Zielbildung bleibt den Betrieben selbst überlassen. Hierzu werden sozial- und verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse in die Unternehmensführung integriert, um der zentralen Rolle und den Bedürfnissen des Menschen gerecht zu werden. „Wesentlich ist dabei nicht, dass entschieden wird, sondern wie entschieden werden soll.“[1]

Nach Heinen sollte dieser Ansatz nicht nur den Verlauf von Entscheidungsprozessen erklären, sondern darüber hinaus den Entscheidungsträgern Verhaltensempfehlungen und Ratschläge für optimale Entscheidungen geben. „Betriebswirtschaften sind nicht „Veranstaltungen“ irgendwelcher abstrakten Produktionsfaktoren, sondern Sozial-

systeme, in denen Menschen unter Verwendung technischer Hilfsmittel arbeitsteilig und kooperativ zur Erreichung des Organisationszieles und eigener Ziele zusammenarbeiten.“[2]

1.2 Normative und deskriptive Entscheidungstheorien

„Das Entscheidungsproblem liegt dann vor, wenn unter bestimmten Umweltzuständen aus mehreren Handlungsalternativen diejenige Alternative zu wählen ist, die am Besten zur Zielfunktion beiträgt.“[3]

Das Entscheidungsproblem lässt sich in drei Komponenten unterteilen:

- Umweltzustände (oder Daten) sind reale Sachverhalte, die das Entscheidungssubjekt nicht beeinflussen kann,
- Alternativen sind Aktionen oder Handlungsmöglichkeiten, die zur Zielerreichung eingesetzt werden können,
- Ziele sind erwünschte Zustände nach dem abgeschlossenen Entscheidungs-prozess.

Dieses Entscheidungsproblem kann mit Hilfe der Entscheidungstheorie, die je nach Perspektive in normative (auch präskriptive) und deskriptive (auch empirisch realistische) Entscheidungstheorie unterteilt wird, gelöst werden.

Grundlage der normativen (Wie soll in der Realität entschieden werden?) Sicht ist, dass Entscheidungen rational gefällt werden sollen.

Sie liefert Regeln für die Wahl von Handlungsalternativen, die unter den vorherrschenden Bedingungen zur subjektiv besten Lösung führen, also der Zielerfüllung möglichst nahe kommen.

Die deskriptive (Wie wird in der Realität entschieden?) Entscheidungstheorie geht nicht von gesetzmäßig vorgegebenen Regeln aus, sondern beschreibt nach welchen Mustern Entscheidungsträger in der Realität ihre Entscheidungen treffen, d.h. nach Eintreten bestimmter Vorbedingungen folgt zwangsläufig eine gewisse Entscheidung. Obwohl die beiden Betrachtungsweisen grundverschieden sind, ergänzen sie sich in diesem Punkt.

An der Stelle, an der die deskriptive Statistik zu realitätskonformen Zielen, Problemstellungen und Grenzen führt, an denen der Mensch tatsächlich frei entscheiden kann, vermag die normative Statistik diese Lücken auf der Basis rationaler Entscheidungen zu füllen.[4]

2 Der betriebliche Entscheidungsprozess

2.1 Entscheidungsphasen

Als Entscheidung wird in der Regel die Phase bezeichnet, in der die Handlungsalternativen bewertet werden und die günstigste Alternative gewählt wird.

Aufgrund der Komplexität des Entscheidungsproblems erstreckt sich der Entscheidungsprozess über einen mehr oder minder langen Zeitraum, und wird deshalb in mehrere abgrenzbare Phasen unterteilt.

Grundsätzlich werden zwei Hauptphasen unterschieden: die Willensbildung (Phase 1–3) und die Willensdurchsetzung (Phase 4, 5).

Folgende Phasen können unterschieden werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Anregungsphase erkennt der Entscheidungsträger, ausgelöst durch bestimmte Impulse, das Problem. Die Realität entspricht nicht den Zielvorstellungen, und somit geht der Entscheidungsprozess in die Suchphase über.

In der Suchphase werden Ansätze zur Problemlösung entwickelt, indem Informationen über Entscheidungsalternativen aufbereitet werden und die der Entscheidung zugrunde liegenden Ziele abgesteckt werden.[5]

In der Bewertungs- oder Beurteilungsphase werden die Alternativen auf ihre Zielvereinbarkeit hin überprüft, ungünstige Alternativen ausgeschlossen und die übrigen Alternativen bewertet.

Die scheinbar optimale Handlungsmöglichkeit wird nun in der Realisationsphase durchgesetzt. In der darauffolgenden Kontroll- oder Verwertungsphase werden die Prozesse der Willensbildung und Willensdurchsetzung überlagert. Abweichungen zwischen Plan- und Kontrollwerten veranlassen den Entscheidungsträger, Anpassungsmaßnahmen durchzuführen und neue Entscheidungen zu treffen.

Dabei können einzelne Phasen entfallen oder unterschiedlich lang sein.

Entscheidungen werden nicht nur in der eigentlichen Auswahlphase getroffen, sondern finden schon als Teilentscheidungen in allen Phasen statt und beeinträchtigen als Entscheidungen „im Kleinen“ den Gesamtprozess.

Bei allen Phasen handelt es sich um Tätigkeiten, in deren Mittelpunkt die Informationsgewinnung, -verarbeitung und –weitergabe steht. Zwischen den einzelnen Phasen ist also eine Kommunikation, d.h. Informationsübertragung und Verständigung notwendig. In der Realität kommt es jedoch häufig zu Phasenüberschneidungen und -überlagerungen. Teilweise wird der Entscheidungsprozeß verkürzt oder routinemäßig entschieden.

Abhängig von dem Ausmaß der Planung spricht man von Entscheidungsarten und –typen. Man unterscheidet echte Entscheidungen, Routine- und Impulsentscheidungen. Echte Entscheidungen erfordern hohe Planungsintensität, da das Entscheidungsproblem vor der Durchführung häufig bis in alle Einzelheiten durchdacht wurde. Echte Entscheidungen sind in der Regel einmalig. Das Entscheidungssubjekt strebt nach einem gewissen Anspruchs- und Zufriedenheitsniveau und akzeptiert auch befriedigenden Lösungen.[6] Bei Routineentscheidungen (habituelles Verhalten) hingegen wiederholt der Entscheidungsträger sein Verhalten, welches sich bei ähnlichen Problemsituationen in der Vergangenheit bewährt hat.

Impulsentscheidungen besitzen im Gegensatz zu Affekthandlungen eine geringe Planungsphase.[7]

Weiterhin wird zwischen Ziel- und Mittelentscheidungen unterschieden.

Ziele sind die Zustände, die das Ergebnis der Entscheidung darstellen. Sie werden in Bezug auf das ranghöhere Oberziel zum „... Mittel zum Zweck...“.[8]

[...]


[1] Schneck, O.: Lexikon der Betriebswirtschaft; 4.Auflage; München 2000; S.281

[2] Bitz, M./ Dellmann, K./Domsch, M. (Hrsg.) u.a.: Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre; Bd.1; 3.Aufl.; München 1993; S.55

[3] Bea, F.X., Dichtl, E., Schweizer, M.: Allgemeine Betriebswirtschaftlehre; Bd. 1; 5.Aufl.; Stuttgart 1990; S.302

[4] Vgl. Bitz, M./ Dellmann, K./ Domsch, M. (Hrsg.) u.a.: Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre; Bd.1; 3.Auflage; München 1993; S.64

[5] Vgl. Ahlert, D., Franz, K.-P., Kaefer, W.: Grundlagen und Grundbegriffe der Betriebswirtschaftslehre; 6.Aufl.; Düsseldorf 1991; S.175

[6] Vgl. Heinen, E.: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre; 9.Aufl; Wiesbaden 1985; S.47

[7] Vgl. Raffée, H.: Grundprobleme der Betriebswirtschaftslehre; Bd.1; 9.Aufl.; Göttingen 1997; S.97

[8] Schmalen, H.: Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft; 3.Aufl.; Köln 1983; S.86

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638184267
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12572
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn – FB BWL
Schlagworte
Grundprobleme Entscheidungsansatz Proseminar

Autor

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