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Die Notwendigkeit von Reformen für die industrielle Entwicklung Indiens

Seminararbeit 2008 23 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Indiens Sektoren im Überblick
2.1 Die Entwicklung der Sektoren
2.2 Die Unterscheidung des formellen und informellen Sektors
2.3 Das Wachstumspotential des industriellen Sektors

3. Hindernisse für die Entwicklung der indischen Industrie
3.1 Die Arbeitsmarktordnung
3.1.1 Verschiedene Arbeitsgesetze
3.1.2 Die Small Scale Industries (SSI)
3.1.3 Das folgenreichste Arbeitsgesetz: Der Industrial Disputes Act
3.2 Die Macht der Gewerkschaften
3.3 Das indische Insolvenzrecht
3.3.1 Der Companies Act aus dem Jahre 1956
3.3.2 Der Sick Industrial Companies Act von 1985
3.3.3 Das Versagen des indischen Insolvenzrechts

4. Reformen zugunsten der indischen Industrie
4.1 Ein Reformvorschlag zum indischen Insolvenzrecht
4.2 Notwendige Reformen

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Die Anteile der Sektoren am BIP Indiens

Tabelle 2: Streiks im internationalen Vergleich

Abbildung 1: Anzahl der Gewerkschaften in Indien und durchschnittliche Mitgliederzahl

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Indien ist auf dem Weg zur Wirtschaftsmacht. Das Land konnte in den letzten Jahren enorme Anstiege im Bezug auf sein Wirtschaftswachstum verzeichnen. In einigen Jahren könnte es mit den führenden Industrienationen in einem Atemzug genannt werden und auf dem Weltmarkt ein ernstzunehmender wirtschaftlicher Konkurrent im internationalen Wettbewerb sein.

Die weitere Reduktion der Armut im Lande und die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängen in hohem Maße davon ab, wie die Politik die nach wie vor vorhandenen Strukturprobleme lösen und welcher Entwicklungspfad eingeschlagen wird. Das gesamte Wirtschaftsklima und der Arbeitsmarkt sind nicht nur für die indischen Unternehme wichtig, sondern sie müssen auch so gestaltet werden, dass die für Indien so wichtigen ausländischen Investoren in Indien eine attraktive Investitionsmöglichkeit sehen. Durch sie besteht eine zusätzliche Einnahmequelle für Indien, was wiederum einen weiteren Schritt in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bedeutet.

Die vorliegende Arbeit stützt sich auf die Annahme, dass die traditionelle Entwicklung über die Industrialisierung eines Landes den größten Erfolg für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung verspricht.

Zuerst soll hier ein Überblick über Indiens Wirtschaftssektoren und deren Rolle in der gesamten Wirtschaft verschafft werden. Im Anschluss daran wird der industrielle Sektor samt seinem Entwicklungspotential genauer betrachtet. Des Weiteren zeigt die Arbeit verschiedene Hürden für die Entwicklung der Industrie auf, wie beispielsweise verschiedene Arbeitsmarktgesetze, der Einfluss der Gewerkschaften, oder auch das Insolvenzrecht .Daran anschließend werden der Reformbedarf verschiedener Strukturen sowie bereits durchgeführte Reformen und Reformvorschläge dargestellt. Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit.

2. Indiens Sektoren im Überblick

Damit die Armut in Indien reduziert werden kann, ist ein schnelles Wachstum der Wirtschaft notwendig. Ein schnelles Wirtschaftswachstum bringt nicht nur einen „trickle down – Effekt“, sondern auch einen „pull up – Effekt“[1]. Damit ist gemeint, dass die Armen nicht nur vom steigenden Wohlstand der ohnehin Reichen profitieren indem sie etwas von den Zugewinnen abbekommen, sondern sie werden durch das schnelle Wachstum ein Stück weit aus ihrer eigenen Armut herausgezogen. Zwar ist die Zahl der absoluten Zahlen in Indien seit den 1970er Jahren rückläufig, dennoch lebten im Zeitraum 2004/05 ungefähr 300 Millionen Inder in absoluter Armut, das heißt, mit einem Pro-Kopf-Einkommen von unter einem US-Dollar am Tag. Das entspricht immerhin noch einem Anteil von 27,8% der Gesamtbevölkerung Indiens[2].

Zunächst soll die Arbeit einen Überblick über die Rolle der drei Wirtschaftssektoren in Indien verschaffen: Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung. Der industrielle Sektor Indiens ist für ein rasches Wirtschaftswachstum besonders geeignet. Aus diesem Grund soll dieses Kapitel des Weiteren einen Einblick in den industriellen Sektor verschaffen, dessen Entwicklungspotential beschreiben und somit erklären, warum das Wachstum dieses Sektors für Indien von besonderer Bedeutung ist.

2.1 Die Entwicklung der Sektoren

Um einen Eindruck über die Entwicklungen der Wirtschaftssektoren zu bekommen, zeigt die nachstehende Tabelle die Anteile der einzelnen Sektoren am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitverlauf:

Tabelle 1: Die Anteile der Sektoren am BIP Indiens

Quelle: eigene Darstellung, 1970-2005 nach Panagariya, 2008, a.a.O., S. 283 und 2007 nach CIA – The World Factbook[3]

Die Tabelle zeigt, dass Indiens Wachstumsprozess bisher einmalig ist. Obwohl der Anteil des landwirtschaftlichen Sektors am BIP stetig abgenommen hat, konnte der Anteil des industriellen Sektors, insbesondere der Produktion, keinen nennenswerten Anstieg verzeichnen. Der Rückgang des Anteils der Landwirtschaft wurde weitestgehend vom stark wachsenden Dienstleistungssektor absorbiert.

Diese Zahlen führen zu der Vermutung, dass Indien in seiner Entwicklung einen eigenen Weg einschlagen könnte. Die traditionelle Entwicklung führt über die Industrialisierung, vor allem auch über das Wachstum der Produktion. Der abnehmende Anteil der Landwirtschaft am BIP wird hierbei zunächst vom industriellen Sektor absorbiert, nicht wie im Falle Indiens vom Dienstleistungssektor. Erst in einem späteren Stadium wächst schließlich der letztere Sektor. Eine Idee ist nun, dass sich Indien in seiner Entwicklung im Gegensatz dazu zuerst auf den Dienstleistungssektor konzentrieren könnte[4].

Grundlage hierfür ist die Tatsache, dass Indien über eine Menge an ausgebildeten Arbeitskräften verfügt und führend auf dem Sektor der Informationstechnologie ist. Allerdings haben die Dienstleistungen in den Bereichen Software und Kommunikation bislang nur einen unbedeutenden Beitrag zum Wachstum der Dienstleistungen beigetragen, obwohl beide Bereiche für sich ein starkes Wachstum verzeichnen konnten[5]. Zudem weisen sie auch nur ein sehr geringes Beschäftigungspotential auf[6].

Die Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft können leichter in die Produktion gebracht werden als in den Dienstleistungssektor. Dies liegt nicht nur am geringen Beschäftigungspotential, sondern vor allem auch daran, dass die Arbeit im Dienstleistungssektor oftmals eine universitäre Ausbildung voraussetzt. Die Bildungsexpansion ist Indien jedoch bisher ausgeblieben. Im Jahre 2002 besuchten lediglich 9% der 19 bis 24 – jährigen eine Hochschule. Das Anheben dieses Anteils auf bis zu 20% könnte das Bildungssystem nicht tragen. Der Anteil des BIP der für die höhere Bildung in Indien ausgegeben wird, ist in den letzten Jahren stufenweise zurückgegangen[7]. Die staatlichen Ausgaben für Hochschulen betrugen im Jahre 2004 nur 0,5% des BIP. Darüber hinaus bestehen diese Ausgaben zu über 90% aus Gehältern[8]. Im Haushaltsjahr 2006/07 betrugen die Ausgaben für die gesamte Bildung in Indien gerade einmal 4,2% des BIP. Dieser Betrag ist deutlich zu wenig, um eine dauerhafte wirtschaftliche Dynamisierung des Landes zu erreichen[9]. Die knappen Haushalte der Länder- und Bundesregierung lassen auch die Vermutung zu, dass die Aussichten für steigende Ausgaben für die höhere Bildung schlecht sein werden. Die beschriebenen Sachverhalte zeigen, dass Indien nicht die Phase der Industrialisierung zugunsten einer raschen Entwicklung des Dienstleistungssektors überspringen kann. Vielmehr sollten sowohl der moderne Dienstleistungssektor, mit den Bereichen wie Software und Telekommunikation, als auch die traditionelle Industrie durch politische Initiativen gestärkt werden[10].

In dem nachfolgenden Kapitel sowie auch in der restlichen Arbeit liegt der Schwerpunkt jedoch auf der industriellen Entwicklung Indiens, das ebenfalls wichtige Wachstum der modernen Dienstleistungen wird hier vernachlässigt.

2.2 Die Unterscheidung des formellen und informellen Sektors

In Indien gilt es zunächst, zwischen dem „informellen“ Sektor, auch „unorganisierter“ Sektor genannt und dem „formellen“ Sektor, auch als „organisierter“ Sektor bezeichnet, zu unterscheiden. Diese Unterscheidung lässt sich sowohl für den industriellen als auch für den Dienstleistungssektor machen. Der organisierte Sektor besteht aus denjenigen Unternehmen, die mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigen und Strom nutzen. Zudem zählen zu diesem Sektor auch die Unternehmen, die mehr als 20 Arbeitskräfte beschäftigen und keinen Strom verwenden[11]. Der informelle Sektor besteht vor allem Haushalten, die verschiedene Produkte und Güter produzieren sowie Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Das Hauptziel dieser kleinen Wirtschaftseinheiten, beziehungsweise Unternehmen, ist die Beschäftigung und Einkommenserzielung für die Mitglieder des Haushaltes. Sie haben keinerlei Rechtsstatus[12].

Sobald ein Unternehmen im organisierten Sektor wirtschaftet, unterliegt es, abhängig von der Anzahl an Mitarbeitern, verschiedenen Arbeitsmarktgesetzten. Diese Gesetze sind stets mit Kosten für den Unternehmer verbunden, wodurch viele Unternehmen den informellen Sektor bevorzugen. Einige der eben erwähnten Gesetze werden in Kapitel 3.1 dargestellt.

2.3 Das Wachstumspotential des industriellen Sektors

Indiens Wirtschaft verfügt über ein enormes Arbeitskräfteangebot von ungelernten Arbeitern. Dadurch hat das Land einen komparativen Vorteil auf dem Sektor der ungelernten Arbeitskräfte. Durch dieses immense Potential ist es möglich, dass Indien auf den internationalen Märkten in Zukunft sehr erfolgreich werden kann. Bislang konnte Indien das Wachstum dieses Sektors noch nicht realisieren[13]. Dies liegt zu einem erheblichen Teil daran, dass der organisierte Sektor bisher entweder kapitalintensiv blieb oder vergleichsweise gut ausgebildete Arbeitskräfte einsetzt.

Durch die Betonung von Kapital und gelernten Arbeitern konnten die Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft nur sehr langsam in die nicht-agrarische Tätigkeit gebracht werden. Im Jahre 1991 arbeiteten noch 67,1% der gesamten indischen Arbeiterschaft in der Landwirtschaft. Bis zum Jahre 2001 fiel deren Anteil lediglich auf 58,5%. Da jedoch die Gesamtzahl der Erwerbspersonen in diesem Zeitraum angestiegen ist, stieg auch die Gesamtzahl der Arbeiter in der Landwirtschaft in diesem Zeitraum von 210 auf 233 Millionen[14].

[...]


[1] Vgl. Panagariya, A., India: The Emerging Giant, Oxford: University Press, 2008, S.282.

[2] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: Indien – Informationen zur politischen Bildung, Nr. 296, 2007, S. 13.

[3] Vgl. CIA – The World Factbook, India, Economy [2. Oktober 2008], URL: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/in.html#Econ, [3. Oktober 2008]

[4] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 283.

[5] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 286.

[6] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 284.

[7] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 286f

[8] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2007, a.a.O., S. 23.

[9] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2007, a.a.O., S. 21.

[10] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 286f.

[11] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 283.

[12] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 476.

[13] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 282.

[14] Vgl. Panagariya, 2008, a.a.O., S. 283.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640308927
ISBN (Buch)
9783640307029
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125342
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Schlagworte
Notwendigkeit Reformen Entwicklung Hauptseminar Politik Wirtschaft Indien industrielle Entwicklung Indiens Entwicklungsländer Schwellenländer Reformbedarf

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