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Der Aufstieg der NSDAP in den Wahlen ab 1928

Der Aufstieg im Freistaat Oldenburg/ Untersuchung der Sozialmilieus

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Der Aufstieg der NSDAP im Reichsgebiet seit 1928
2.1.1 Die Reichstagswahlen 1928
2.1.2 Der Young-Plan und die ersten Wahlerfolge der NSDAP
2.1.3 Das Ende der Großen Koalition und die Reichstagswahlen 1930
2.1.4 Hitlers Niederlage bei der Reichspräsidentenwahl
2.1.5 Die Reichstagswahlen des Jahres 1932
2.2 Der Aufstieg der NSDAP im Freistaat Oldenburg
2.2.1 Die Reichstagswahlen in Niedersachsen von 1928 bis 1932
2.2.2 Die Propagandatätigkeit der NSDAP in Oldenburg
2.2.3 Das „Freiheitsgesetz“ im Freistaat Oldenburg
2.2.4 Der Wahlerfolg der NSDAP im September 1930
2.2.5 Regionale Aspekte im Freistaat Oldenburg
2.2.6 Konfessionelle Erklärungsansätze für die Wahlerfolge der NSDAP
2.3 Sozialmilieus und der Aufstieg der NSDAP
2.3.1 Die Arbeitermilieus
2.3.2 Die bürgerlichen und bäuerlichen Milieus
2.3.3 Die Rolle der Nichtwähler
2.3.4 Die Integration der Nationalsozilisten in überparteilich-nationalistische Milieus
2.3.5 Weitere Milieus für die NSDAP

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Als 1929 die Weltwirtschaftskrise die Stabilität der Weimarer Republik zunehmend gefährdete, war die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) im Begriff, die Parteienlandschaft vollständig zu verändert. Während im Vorfeld noch relativ regierungsfähige Parlamentsmehrheiten zustande kamen, gab es nach den Septemberwahlen von 1930 kaum noch Möglichkeiten, Parlamentsmehrheiten von demokratischen oder demokratisch gesinnten Parteien und Abgeordneten zu organisieren. Der Aufstieg der NSDAP schien unaufhaltsam und durchzog nahezu alle Landesteile Deutschlands. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 war das Ende der Weimarer Republik erreicht und die erste Demokratie in Deutschland fand ein unrühmliches Ende.

Wie konnte es der NSDAP gelingen, innerhalb weniger Jahre zur stärksten Partei aufzusteigen? Woher kamen ihre Wähler und in welche Milieus konnte sie vordringen? Sind die Wähler der Nationalsozialisten wirklich eindeutig zuzuordnen oder waren sie lediglich Protestwähler gegen die demokratischen Parteien?

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Aufstieg der NSDAP in Norddeutschland besonders in der Zeit ab 1928. Hierzu wird zunächst ein Ablauf der Reichstagswahlen und anderer poltischer Ereignisse jener Jahre beschrieben. Anschließend wird anhand des Beispiels Freistaat Oldenburg verdeutlicht, wie es der republikfeindlichen Partei gelang überdurchschnittlich erfolgreich abzuschneiden. Hierzu wird neben einem konfessionellen Aspekt auch die Bevölkerungsstruktur des Freistaates genauer analysiert. Im dritten Punkt der Hausarbeit wird anhand der Untersuchung verschiedener Sozialmilieus gezeigt, wie es der NSDAP gelang in bestimmte Bevölkerungsgruppen vorzudringen und mit welchen Mitteln sie dieses bewerkstelligte. Dabei wird auf Kontroversen verwiesen, die sich bei der Analyse der einzelnen Milieus ergeben.

Das Fazit greift die Thematik nochmals auf und setzt sich mit den Ergebnissen der Arbeit kritisch auseinander. Dazu wird auf die verschiedenen Forschungsmethoden hingewiesen, die den rasanten Aufstieg der NSDAP interpretieren.

2 Hauptteil

2.1 Der Aufstieg der NSDAP im Reichsgebiet seit 1928

In der Parteienlandschaft der Weimarer Republik spielte die NSDAP lange Zeit nur eine geringe Rolle. Besonders in der stabilen Phase zwischen 1924 und 1928 gelang es ihr nicht, ihre republikfeindlichen Parolen in Wählerstimmen umzusetzen. In der Bevölkerung gab es zwar eine große Distanz zu den demokratischen Parteien, was sich immer wieder im Wahlverhalten deutlich auswirkte, allerdings konnten die Nationalsozialisten frühestens zu Beginn der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre profitieren.

2.1.1 Die Reichstagswahlen 1928

Bei den Reichstagswahlen im Mai 1928 konnte die NSDAP ihre Rolle als Splitterpartei nicht überwinden. Lediglich 2,6 Prozent oder 800000 Stimmen erlangte sie. In den 35 Reichswahlkreisen waren sie lediglich in insgesamt vier Kreisen über 5 Prozent der Wählerstimmen gekommen. Die Konsequenz dieses schwachen Wahlergebnisses waren die Besetzung von nur zwölf der 491 Reichstagsmandate. Dennoch war sie zu jener Zeit im Begriff sich organisatorisch gut aufzustellen und ihre Mitgliederzahl stieg stark an.[1] Die Wahl selbst bedeutete aber eine schwere Niederlage des „Bürgerblocks“. Die DNVP (Deutschnationale Volkspartei) verlor über 6 Prozent, die DVP (Deutsche Volkspartei) fiel von 10,1 auf 8,7 Prozent. Auch Zentrum (Deutsche Zentrumspartei) und BVP (Bayerische Volkspartei) verloren leicht, während besonders die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) hinzu gewannen.[2]

2.1.2 Der Young-Plan und die ersten Wahlerfolge der NSDAP

Erst der innenpolitische Streit um den Young-Plan im Jahr 1929 schien der NSDAP bei ihrem Aufstieg zu verhelfen. Die DNVP und der „Stahlhelm“ (Bund der Frontsoldaten) gründeten einen „Reichsausschuss für das deutsche Volksbegehren“ dem sich die NSDAP anschloss. Dieser „Reichsausschuss“ präsentierte für ein Volksbegehren ein „Freiheitsgesetz“, das unter anderem die Kriegsschuld anzweifelte und die Reparationszahlungen ablehnte. Der Volksentscheid kam zwar zustande, scheiterte jedoch, da nur 13,8 Prozent für das „Freiheitsgesetz“ stimmten. Dennoch war die Kampagne für Hitlers NSDAP ein Erfolg, da durch die starke Propaganda eine „hochgradige Emotionalisierung“ entstand, die der Partei zugute kam.[3] Besonders im Herbst und Winter des Jahres 1929 erreichte die NSDAP erste Wahlerfolge bei Landtagswahlen. So stieg ihr Anteil in Baden auf 7 Prozent, in Lübeck auf 8,1 und in Thüringen gar auf 11,3 Prozent.[4]

2.1.3 Das Ende der Großen Koalition und die Reichstagswahlen 1930

Als innerhalb der seit 1928 zusammengesetzten Großen Koalition aus SPD, DDP, Zentrum und DVP die Differenzen sehr gravierend wurden, schien die Regierung zu zerbrechen. Ludger Grevelhörster sieht die Ursache des Scheiterns „in der Unfähigkeit […] ein gemeinsames Konzept zur Bewältigung der finanzpolitischen Probleme des Reiches von 1929/30 zu finden.“ [5] Besonders der Streit bei der Finanzierung der Arbeitslosenversicherung führte zu unüberwindbaren Konflikten zwischen SPD und DVP. Demzufolge wurde die gemeinsame Koalition beendet und Neuwahlen für den Herbst des Jahres 1930 angestrebt.

Diese Wahlen am 14. September des Jahres 1930 standen schon unter dem Einfluss der Weltwirtschaftskrise und der daraus resultierenden Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. Während die SPD an Stimmen verlor, konnte die KPD davon mit einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent im Vergleich zur Wahl 1928 profitieren. Die NSDAP erreichte fast 6 Millionen neue Wähler und zog als zweitstärkste Fraktion in den neuen Reichstag ein. Ihre Mandatszahl stieg von 12 auf jetzt 107 Abgeordnete. Zu den größten Verlierern der Wahl zählten die DNVP und die DVP. 225 der 577 Abgeordneten gehörten fortan „republikfeindlichen bzw. verfassungsoppositionellen Gruppen an.“ [6]

Eberhard Kolb spricht über die Septemberwahl des Jahres 1930 von „einem der Schicksalsdaten der deutschen Geschichte, denn sie markiert den entscheidenden Durchbruch der NS-Bewegung, die jetzt zu einem Faktor der deutschen Politik wurde […]“ [7] Im Hinblick auf die Wählerbewegung analysiert Andreas Wirsching, dass die DNVP „als Milieupartei des protestantischen Landes […] seit 1930 zunehmend von der NSDAP abgelöst“ wurde. Mit gerade noch 7 Prozent der Stimmen erreichten die Deutschnationalen ihr bis dahin schlechtestes Ergebnis.[8]

[...]


[1] Vgl. Kolb, Eberhard: Die Weimarer Republik. München 2002. Seite 121.

[2] Vgl. Grevelhörster, Ludger: Kleine Geschichte der Weimarer Republik 1918-1933. Münster 2000. S. 132.

[3] Vgl. Kolb, Eberhard (2002). S.121f.

[4] Vgl. Kolb, Eberhard (2002). S.123f.

[5] Grevelhörster, Ludger (2000). S. 146.

[6] Falter, Jürgen W.: Hitlers Wähler. München 1991. S. 30f.

[7] Kolb, Eberhard (2002), S. 125.

[8] Vgl. Wirsching, Andreas: Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft. München 2000. S. 23.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640308187
ISBN (Buch)
9783640306343
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125123
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Schlagworte
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